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Jüdische Rundschau · 1907-08-09 · Heft 32 (9.8.1907) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 32 (9.8.1907)
Date
1907-08-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 32 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 327 ן Es sind vor allem die Misserfolge des Territorialismus, seine Abkehr von der in Basel vorgezcichneten Bahn, die gar viele der Schwankenden zurück ins zionistische Fahrwasser getrieben haben. Dann hat man aber auch eingesehen, dass cs dem Tcrritoralismus nicht anders ergehen konnte, denn das Land, das er wollte, gab es nicht, und das, was man ihm geben wollte, konnte und durfte ihm nicht passen. Zwei Jahre sind seit der Begründung der Jto ins Land gegangen. Keiner kann uns heute sagen, was sic will: was sie ist, haben ihre Begründer jedenfalls nicht gewollt, sicher nicht die, die vor zwei Jahren im Safransaal zu Basel Protest erhoben hatten gegen ״Ussischkinschc Vergewaltigung“, die der Ansicht waren, dass man, aus der alten Organisation ausgeschlossen, eine neue gründen müsse, mit den eigenen nationalen Zielen. Wo ist der nationale Territorialismus geblieben? Mit fliegenden Fahnen zog Zangwill mit seinen Getreuen aus der alten Basclstadt, das Land zu suchen und cs zu erobern. Bis heute irrt er umher. Möge er seine Blicke nach dem Haag lenken, vielleicht wird er cs dort finden, das Land, das er sucht, das verlorene. Für uns Zionisten kann und darf der Territorialismus nicht mehr aber auch nicht weniger sein als eine Wohlfahrtsbestrcbung. die jeder von uns unterstützen muss, selbst auf die Gefahr hin, dass noch manche nationale und auf Autonomie gerichtete Aspirationen vorhanden sind. Schaden w erden solche dem .1 u d e 111 u tu sicherlich nicht, dem Zionismus am wenigsten. Vielleicht sind andere der früheren ,.politischen Zionisten“ weniger offen als ich und man wird mich vielleicht dieser Offenheit wegen anklagen. Mit Unrecht! Wenn auch einerseits diese Vorgänge Klarheit in die Ziele und Wege des Territorialismus gebracht, und wenn auch anderseits die An* sichten und Absichten der Zionc-Zion sich etwas geklärt haben, so gilt cs für uns frühere ״politische“ Zionisten dem Ussischkinschen Chowewe-Zionismus den Herzischen. Zionismus gegcuübcrstellcn. Wir müssen mit einem klaren Programm vor den Haager Kongress kommen. Es ist nicht zu verkennen, dass in den letzten zwei Jahren besonders, fusend auf den bekannten angefeindeten Resolutionen des VII. Kongresses, eine grosse Agitation entfaltet worden ist, die um jeden Preis praktische Arbeit in Palästina fordert. Ich stehe nun nicht auf dem Nordau'schen Standpunkt, der da die Ansicht vertritt, dass der Zionismus nur grosszügiges tun darf, dass man die Geldmfinzc ,,Zionismus“ nicht in viele kleine Münzen tmnvechseln dürfe. Gerade als politische Zionisten müssen wir auch für praktische Arbeit cintreten, die nur klein begonnen werden kann, sich aber später zu einem grossen Werke verwirklichen wird. Aber wir müssen unser Augenmerk darauf lenken und prüfen, ob diese Arbeit wirklich praktisch wird. Wir müssen eine Politik der wirtschaftlichen Eroberung inaugurieren, der jüdische Einfluss in Palästina muss der vorherrschende werden. w׳enn wir das Land auf irgend eine andere Weise uns erobern wollen. Dazu gehört nicht allein die allseitigc Eiforschungsarbeit, sondern sichtlich auch die seit zwei Jahren unter der Aegide von Warburg u. a. ins Leben gerufenen wohltätigen und geschäftlichen Unternehmungen. Doch müssen wir auch hier darüber wachen, dass in kurzer Zeit nicht allzuviele dieser Art entstehen, sonst fristen sie alle nur ein kümmerliches Dasein, und diskreditieren unsere Bewegung mehr als dass sie ihr nützen. ' Das Land ist in der Zeit vorn VII. zum VIII. Kongress mehr denn je das Ziel der Auswanderung geworden; das jüdische Element hat sich gestärkt in mannigfacher Hinsicht. Dem wird der VJIl Kongress Rechnung tragen müssen. In einer anderen Beziehung erwartet man noch eine zweite Aufgabe, das Haupterbstück unseres grossen Führers, das leider der VII. Kongress allzusehr vernachlässigt hat. d. i. der diplomatische Zionismus. Manche haben ihn in den letzten beiden Jahren für bankerott erklärt und in einer der letzten Nummer des JÜDISCHEN׳ ARBEITER wird erklärt, dass das Aktions-Komitee Basel nicht hätte verlassen dürfen; mit der Wahl vom Haag habe man dem diplomatischen Zionismus ein Opfer gebracht, obowhi der VII. Kongress gänzlich davon abgekommen sei. feit glaube zwar nicht, dass die dort tagende Friedenskonferenz den Anlass zur Wald des Haag gegeben hat, aber wenn dem so ist, wird es uns freuen, dass unser Aktions-Komitee immer noch diplomatischen Intentionen huldigt. Einen Beweis dafür gibt uns auch der 1 ■!tägige Aufenthalt unseres Führers in Konstantinopei ״in zionistischen Angelegenheiten“, wovon wir wohl auf dem Kongresse oören werden. Wir müssen dafür sorgen, dass die diplomatischen Fäden wieder angeknüpft und die Beziehungen zu den Mächten gepflegt w erden. Entsprechend der Palästina-Kommission sollten wir eine politisch-diplomatische Kommission wühlen aus geschulten Politikern, deren unser jüdisches Volk so viele besitzt, mit einem geeigneten Mitgliede des engeren A.-K. an der Spitze. hört, dass ein Pan irgendwo Rabbiner sein solle . . . . Ich habe es bisher nur. nicht glauben wollen.“ ״Glaube es nur, denn ich bin es in Person.“ Der Rabbiner hielt cs für seine Pflicht, sich zu verneigen. ״Nun, Rabbi von Zxvantz, du weisst jetzt, wen du vor dir hast. Ich bin ebenso ein Schlaukopi wie du, darum keine Ausflüchte und lüge nicht.“ ״Ich lüge nie,“ antwortete der Rabbi würdevoll. ״Dobrzc, dobrze. Werden’s sehen. Du bist beschuldigt, obwohl du die Wohltaten des erlauchten Pan Potocki geniesst, auf seinem Grund und Boden lebst und sozusagen seine Luft atmest, sein ärgster Feind zu sein. Bekennst du dich schuldig, Rabbi von Zwantz, oder nichj?“ ״Ich bin keines Menschen Feind, am allerwenigsten meines erlauchten Pan, der mich und meine Brüder beherbergt.“ ״Du schädigst seine Interessen, schwächst seine Einnahmen." ״Mit den Interessen und Einnahmen meines Herrn habe ich nichts gemein, befasse mich zudem mit keinen weltlichen Dingen, sondern verkünde nur das Wort Gottes.“ ״Du lügst!“ fuhr Bolcpolski, aus seiner Rolle iallend, auf. ״Heute früh hast du den neuen Arrendator fortgejagt, indem du ihm mit deinem Cherem und deiner Chasaka drohtest. Die Arrende ist tum unbesetzt und dein Herr seiner Einnahmen beraubt.“ ״Mit dem Cherem habe ich ihm nicht gedroht. Auf die Chasaka habe icli ihn allerdings aufmerksam gemacht, das war meine Pflicht. Allein dies rührte den Fremden nicht im geringsten, glauben Sic mir’s, erlauehter Herr.“ ״Aber er hat die Arrende abgclehnt.“ ״Dazu habe nicht ich ihn veranlasst.“ ״Wer denn sonst?“ ״Ich nicht. Ich antworte bloss für mich.“ ״Und ist nach deiner Ansicht die Chasaka ein gerechtes Gesetz?“ ״Offen gestanden — nein.“ ״Und trotzdem lehrst du dieses Gesetz?“ , ״Icli tat es heute zum ersten Male, angesichts der unschuldig leidenden Familie, die ohne Grund fortgejagt wurde.“ ״Und der nicht zur rechten Zeit gezahlte Mietzins, — Ist das kein Grund?“ ״Das Geld wurde zur rechten Zeit gezahlt, allein der Herr Verwalter wollten es nicht annehmen. Ist

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