Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 32 (9.8.1907)
- Date
- 1907-08-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 326 No. 32 JÜDISCHE R 6. Es ist eine Nationalbibliothek in Jerusalem zu gründen. Der Bezalel ist unabhängig zu machen. 7. Schliesslich sollen die Verhältnisse des Landes in rechtlicher, ökonomischer und kultureller Beziehung systematisch erforscht und die Kenntnis davon in der gesamten Judcnheit verbreitet werden. 8. Für die Gründung einer Nationalbibliothek werden feste Mittel bewilligt und die Beschlüsse des siebenten Kongresses bestätigt. 9. Zur Durchführung dieser Forderungen wird neben der bisherigen Palästinakommission eine besondere Palästinakulturkommission gewählt, die zu ihrer Tätigein bestimmtes Budget bewilligt erhält. Auf wissenschaftlichem Gebiete: Gründung eines jüdischen Vereins für Palästinaforsclmng. Wir mussten in diesen Ausführungen vielfach tadeln und kritisieren, wo wir wirklich weit eher und lieber gelobt hätten. Aber grade die innige Liebe 7.11 Palästina, die uns jeden Stein zur Kolonisation und jede Schule und sonstige Kulturinstitution besonders teuer und oft zu einem lieben Sehmerzeiiskiude macht, lässt uns die Fehler scharf sehen und zwingt uns sie offen zu ihrer Heilung darzulegeu. Wer kein Interesse an der Zukunft dieser Kolonieen und dieser Schulen hat, wird nimmermehr mit blutendem Herzen tadeln. Grade weil wir in jedem Kolonisten und in jedem Schüler einen lebendigen Baustein zur Zuktinft unserer Nation erblicken, zerreisst uns jeder noch so geringe Fehler bei diesem Aufbau das Herz. Aber wenn wir bessern wollen, müssen wir uns bemühen, diese Fehler zu erkennen. Wenn der Zionismus eine Selbstkritik unseres Volkes enthält und vielleicht gar darstellt, so dürfen wir nicht bei den Allgemeinheiten stehen bleiben, und nur den Scholcnt und die antizionistischen Hetzereien unter der Lupe betrachten, sondern müssen mit der Kritik und dem Bessern in Palästina und der dortigen Arbeit einsetzen. Es ist nicht zu leugnen, dass die reformierenden Beschlüsse in der deutsch-holländischen Chalukahvertcilung ausschliesslieh auf unsere Kritik zurückzuführen sind. Wir werden uns durch keine Intriguen und durch keine persönlichen Angriffe davon abhalten lassen, die Wahrheit her- UNDSCHAU. auszusagen, die wir erkannt haben. Dann wird cs uns ebenso gelingen, auf den Gebieten der Kolonisation und vor allem der Kultur und Bildung das Unkraut auszujäten, das zwischen dem Weizen sprosst. Es wird uns dabei nicht passieren, die Saat zu schädigen, die wir mit ftcudigcm Herzen aufkeim:n sehen. Kolonisation heisst soziale und kulturelle Arbeit im Lande unserer Väter. Diese Kolonisation wollen wir fördern im engsten An- Schluss und nach den Direktiven unserer politischen Führer. Was in Palästina zu leisten ist, ist positive Arbeit. Die Arbeiter dort!missen sich stets bewusst bleiben, dass sie nicht für sich und nicht für äussere Ehren und materielle Vorteile zu arbeiten haben, sondern für die Zukunft ihres Volkes. Damit sie dieser idealen Aufgabe genügen können, müssen sic von uns gestärkt und gestützt werden. Aus solcher Gegcnwartsarbeit keimt Zukunft. Vom VII. zum’VIII. Kongress Ein Rückblick und Ausblick von Dr. S. W e i I. Wenige Tage nur trennen uns von dem VIII. Kongress, den die meisten unserer eifrigen Gesinnungsgenossen am liebsten sofort nach dem VII. abgehalten hätten. Die ,.Politischen" sowohl wie die waschechten Zione-Ziou. Aber es ist gut, dass nicht alles so heiss gegessen, wie cs gekocht wird; es ist immer besser, wenn man die Speisen abkiihlen lässt. Denkt heute noch einer ernstlich daran den Kongress dem Territorialisnms zurückzuerobern oder auch nur das Prinzip durchzusetzen, dass der Zionismus als Mittel zum Ziele ein anderes Land nehmen könne. Grosse Tone redete man;1ach dem Kongress von Vorarbeiten für den Kongress und Zurückeroberung des VIII. Kongresses. Wo sind sie geblieben, die Herrn, die damals zum Kampfe in die Posaune geblasen haben. Ich selbst war darunter. Es ist ihnen ergangen wie mir. Irr! ersten Kampfeseifer übersieht man manches und erst die Zeit Jehrt, wie Theorie und Praxis isch vertragen. In den zwei Jahren vom VII. zum VIII. Kongress, hat sich vielerlei, ereignet und die graue Theorie hat vor der Wirklichkeit w eichen müssen. Es ist gut, dass der grösste Teil unserer Gesinmingsgenossen das eingesehen 11at und dass nur wenige es sind, die auch heute noch ״Gewehr bei Euss“ stehen. Spinnen und Fliegen Roman von B a g r 0 f f. Aus d. Russ. übersetzt. (FortsetzungJ Die Ankunft des Rabbiners bem.rkend, drängte sich die Gesellschaft auf dem Balkon an das Geländer, denn sie ahnten alle, dass eine interessante oder komische Szene sich abspielen sollte. Auf allen Gesichtern war gespannte Neugierde ausgedrückt. Potocki wurde finster wie ein Unwetter. Pater Benediktus lächelt.* satanisch. Die Augen des Narren aber füllten sich mit Tränen — das traurige Resultat seiner drei tinbesonnenen Worte fiel ihm. er wusste selbst nicht, wie, gerade in diesem Augenblick ein .... Vor dem Balkon aulgestellt, verneigte sich der Rabbiner entblössten Hauptes mit einer gewissen Wtlrd׳e und richtete seinen traurigen Blick fragend auf Potocki. ״Pan Stephan.“ flüsterte Pan Wirginski, ״Mische dich nicht in diese Sache, sondern überlasse sie ganz dein Judenrabbiner Bolepolski.“ ״Hast recht, Wirginski. Man darf in eigener Angelegenheit nicht sein eigener Richter sein. Pan Jan Bolepolski. Ich ernenne dich zum Richter zwischen diesen Juden und mir. Urteile nach Recht und Gewissen.“ ״Ich nehme dieses heilige Amt an und werde diese Sache nach dem Gesetze meines Rzepanetzer Talmuds untersuchen und beurteilen.“ Alle lachten. ״Aber nur unter einer Bedingung, Pan Stephan. Du hast kein Recht, dich irgendwie cinztimischen. mein Urteil sei inappellabel.“ fügte Bolepolski hinzu. ״So sei es, ־־■ auf Ehrenwort.“ stimmte Potocki bei. ״Dobrze, ich fange an.“ Bolepolski verneigte sich vor der Gesellschaft und wendete sich dann zu den ״Angeklagten“.• ״Tretet näher. Wer bist du?“ ״Ich bin der Rabbiner von Zwantz.“ ״Gut. und ich bin der Rabbiner von Rzcpanetz,“ sagte Bolepolski, mit dem Finger nach seiner Brust deutend. Der Rabbiner sah ihn ungläubig au. Der rote Bcn-Tahnid-Cocliom und der Marwicher - Rabbi schwebten ihm in diesem Augenblicke vor .... ״Du glaubst es nicht?“ fragte der improvisierte Richter mit Strenge. ״Ich habe kein Recht, es nicht zu glauben, wenn d.r Herr es sagen. Ausserdem habe ich in der Tat gc-