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Jüdische Rundschau · 1907-08-09 · Heft 32 (9.8.1907) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 32 (9.8.1907)
Date
1907-08-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Die (iegcnw artsarbeit in Palästina hat nur dann einen W ert, wenn sie die Gewähr einer Znkimf? in sich birgt. Alles Künstliche trägt aber im Völkerleben in sich den Keim des Todes und so kommt es darauf an, die natürlichen Hilismittel des Landes und die natürlichen Anlagen des kolonisierenden Volkes so zu entwickeln, dass sie sich organisch entwickeln müssen. Wir wissen den grossen Wert der Kolonisation im weitesten Sinne zu schätzen, auch wenn wir ihre Fehler und Gcbreclr.n ׳durchaus nicht verhehlen. Fs wäre ein ungeheurer, nie wieder gut zu machender Fehler, wollten wir sic v:rtuschen. Zu dieser Kolonisation gehört in allererster Linie die Arbeit an der kulturellen Hebung der einheimischen Judenbcvölkcnmg und an den Kolonisten im weitesten Sinne des Worts. W ir dienen darum durch unsere freimütige und von jeder parteipolitischen und persönlichen Voreingenommenheit gleich fernen Kritik der ßiidungsinstitutü diesen selbst und ihren Zwecken. Aber man kann ebenso gut ein ZnvirJ geben wollen, wie man bei einem zu Wenig glaubt volkstümlich zu sein: Das Bildungsmass darf weder nach französischen oder englischen, noch nach deutschen oder russischen Mustern sich richten. Volk und Land müssen auf einander angewiesen sein und sind es, und darum muss die Bildung eine volkstümlich-jüdische und eine echt orientalisch-palästinische sein. Fine Palästinakultur־ j Kommission, die eine w ichtige Frgänzung der politischen j und kolonisatorischen Arbeit in . Palästina leisten j würde, ist ein dringendes und unabweisbares Frfor-! dentis. * I Unsere Gegenwartsarbeit hat nur einen Wert, « wenn sie politische Zwecke für die Zukunft verfolgt. 1 Diese politischen Ziele sind im Baseler Programm klar und deutlich anseinandergesctz.t. Unser politischem j (jegemvartsprogramm in Palästina soll dahin führen, J ist aber nur ein Teil der in dieser Richtung zu leistenden Arbeit. Unsere Forderungen müssen sein: ן Auf politischem Gebiet: Die zionistische Partei sucht in Palästina die luteressen der jüdischen Bevölkerung im engsten Anschluss an die Türkei zu vertreten und zu fördern. Aus diesem Grunde wünscht sie die Ansiedlung türkischer Juden aus allen Gebieten der jetzigen Türkei und ihrer früheren Herrschaftsgebiete nach Möglichkeit zu fördern. Diese 1! 1 1 Juden sollen, sow eit sie es nicht mehr sind, die türkische Staatsangehörigkeit wieder erwerben. Die zionistische Partei sucht ferner deutsche Juden in erster Linie zu Landerwerb und Unteruehtnimgen in Palästina hinzulciten. Die zionistische Partei gründet zusammen mit dem Hillsverein der Deutsche]! Juden, der Alliance Israelite Universelle, dem Odessacr Komitee der Chow cwe-Zion, und allen andern in Betracht Kommenden jüdischen grossen Organisationen einen besonderen Palästinarat. Auf wirtschaftlichem Gebiet: Die Stärkung der wirtschaftlichen Position der Juden in Palästina ist anzustreben durch wirtschaftliche lind geschäftliche Unternehmungen. Die landwirtschaftliche Kolonisation soll durch Kreditgewährung, Genossenschaftsgründung und Be- Icilumg der Ernten und ihren Verkam' gefördert werden. Der städtischen und industriellen Kolonisation sowie den Verkehrsunternehmungen soll erhöhte Auftnerksamkeit zugewendet werden. Die bereits vorhandenen Mittel der Bank und de£ Nationalfonds sollen zur Wirksamkeit im Laude gebracht werden, sow eit ihre Sicherheit nicht in Frage gestellt werden kann: ausserdem sollen durch die jüdisclicn Institute neue Geldmittel auf geschüftsmässige Weise beschafft werden. Der Informationsdienst soll alle Zweige der jüdischwirtschaftlichen Tätigkeit im Lande umfassen, und soll durch Fachleute geleitet werden. 3. Auf kulturellem G c b i c t: 1. Fine Organisation der kulturellen Finrielmmgen im Lande ist anzustreben resp. auszubaucn. 2. Hauptaufgabe der Schulen sei, der Jugend eine Frzichung iiir Palästina zu geben. 3. Die Unterrichtssprache sei hebräisch, doch sollen auch die arabische und türkische Sprache iii giössercm Umfange als bisher gepflegt werden. 4. Kaufmännische, technische und Landwirtschaftliehe Fortbildungskurse sollen die Jugend befähigen, besser an der Fntw icklung des Landes teilzunehmen. 5. Fs ist zu versuchen, mit den breiteren Schichten der jüdischen Bevölkerung des Landes Fühlung zu nehmen und durch Schaffung von Forthildungs-, Unterriclits- und Arbeitsgelegenheiten auch die bisher rückständigeren Flemeute der Bevölkerung zu Wirtschaftlieh wertvollen entwickeln zu hclien. t I

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