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Jüdische Rundschau · 1907-08-02 · Heft 31 (2.8.1907) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 31 (2.8.1907)
Date
1907-08-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 31 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 315; Die Gesellschaft Agudath Netim besitzt schon zwei Ländereien und hat schon jetzt für 20 bis 30 Arbeiter Beschäftigung, die das ganze Jahr über arbeiten können, teils in Rechöbböth. teils bei Cäsarca. Hier also ist die beste Aussicht vorhanden, dass in das jahrelange Stocken der Kolonisationstätigkeit wieder frisches Leben liineinkommt. Es wäre aber ein grosser Fehler, wollte man die gegenwärtig zu leistende Arbeit auf solche, Arbeiten beschränken, die auf kolonisatorischem Gebiete liegen. Wir haben schon oft betont, dass die Kolonisation üoch mehr eine innere Kolonisation mit einheimischen türkischen und palästinischen Juden werden muss, dass mantdic sozial wertlose Stadtbevölkerung in eine wertvolle soziale Schicht verwandeln und dass man der Kulturarbeit unter den einheimischen Juden das grösste Augenmerk zu wenden müsse. Da kommt die Gründung des Bezalel und seine finanzielle Unabhängigkeit in allererster Linie in Betracht. Es ist das wichtigste, was für Jerusalem geschehen kann, dass man den Bezalel materiell selbständig mache. Dadurch wird ein grosser Teil der Stadtjuden aut eine höhere Stufe gehoben und trägt zur Hebung der andern BevClkerungsschichten seinerseits wieder bei. Aber hierbei und bei allen Arbeiten in den Städten kommt es daran! an. dass die grosse Partei, die Palästina zu ihrem Arbeitsgebiet ausersehen hat, nicht zum Vorspann wird für die einseitige Politik anderer. Ebensowenig für die Politik gewisser in Europa sitzenden Gesellschaften, wie 1'iir die Stadtpolitik, wie sic in Jerusalem bereits die schlimmsten Früchte gezeitigt hat. Man kann nicht eindringlich genug davor warnen, dass man etwa weiter die Stadtpolitik einer Jerusalemer Clique unterstützt, weder durch Teilnahme noch durch stillschweigende Duldung, die dahin geht, durch Monopolisierung der von Europa eingerührten Kulturmittel diese, in ihren kulturwidrigen Händen zu gefährlichen Werkzeugen einer persönlichen. Stadt- und Einflusspolitik werden zu lassen. Man unterschätzt diese Gefahr und begräbt damit viele der Erfolge, die man haben könnte. Wenn es aber ein wichtiges Erfordernis ist, zu Kleinkolonisten in erster Linie türkische Juden aus den Städten heranzuzieheu, in erster Reihe die kräftigen . und gesunden, dabei aber recht bedürfnislosen Juden aus , Urfa und Kufa, Marokko und Jemen, so soll man nicht . übersehen, dass doch der grösste Teil dieser Stadtbe-! völkerung in den Städten wohnen bleiben wird, und dass : man in den Städten dahin arbeiten muss, dass diese Bevölkerung auf eine höhere Stufe der Gesittung und der Bildung gehoben wird. * Gewiss wird in den ersten Jahren jeder ernstliche Versuch auch die unerwünschte Nebenwirkung haben, dass eine Abwanderung von Juden aus Palästina nach Amerika und Australien stattfinden wird. Aber die kulturelle Arbeit, die wir den Kolonien zuwenden, muss in erhöhtem Masse den Städten zuteil werden. Das wichtigste Bildungsmittel in den Städten wird die hebräische Sprache sein. Die französische Sprache hat. wie die englische, nicht zu einer höheren Bildung geführt, und die trostlose Bildungsstufe einer deutschsprechenden Lehrerbildungsanstalt, wo fortgeschrittene Schüler Goethe als deutschen General zu schätzen wissen, ist nicht geeignet, andere Hoffnungen zu erwecken, um so mehr, als dieses Deutsche durch die Masse der Bevölkerung doch immer aus der Schriftspräche wieder zum Dialekt geführt wird. Die einzige׳ Bildungssprache, neben der Landes- und Staatssprache von w ichtigstem Interesse, sind, kann nur das Hebräische sein, das sich ja ohne jede Propaganda unter dem Drange der Notwendigkeit extensiv und intensiv ausbreitet und stell kulturell selbst erhöht. Es fordert eine besondere Arbeit, die verschiedenen Institutionen zu! behandeln, die teils für diese Kulturarbeit bestehen, teils j gegründet werden müssen. Aber das eine wollen und müssen wir erwähnen, dass ohne eine grosse Bibliotliek keine Kulturarbeit in grossem Stile fruchtbringend erwachsen kann. Eine solche öffentliche Bibliothek existiert nicht. Denn die Chasanowiczsche sogenannte Nationalbibliothek Ist erstlich kaum eine Bibliothek, und | dann, soweit sie als solche angesehen werden darf, — nur eine Privatbibliothek der Herren um die Lämelschule. Der vom siebenten Zionistenkongress eingesetzten Kommission zur Gründung einer Nationalbibliothek war es aus einer erst am Kongress zu erörternden Schwierigkeit leider unmöglich gemacht, irgendwelche Schritte zu tun, um den Kongressbeschluss hinsichtlich schliesst. schafft Monopole zum Schaden der armen Christenheit.“ ״Den Judenrabbiuer her!“ kommandierte Potocki. Zwei Haiducken stürzten von dannen, um dcu Befehl ihres Herren zu vollziehen. — Der unglückliche Schankwärt, der die Gefährlichkeit seiner Lage begriff, begann sich nach rückwärts zu konzentrieren. — ״Steh still, Hund,“ donnerte Potocki ihn an, ״nicht vom Fleck, oder du bist in zehn Minuten aufgeknüpft!“ ״Ja so muss man mit ihresgleichen verfahren,“ stimmte Bolcpolski bei. ״Du, Pan Stephan, bist edel und grossiniitig; erkennen dies die Hunde aber an?“ ״Sie betrachten die christliche Liebe als Schwachheit und missbrauchen sie stets,“ redete ihm Pater Benediktus zum Munde. ״Ich begreife es nicht, Pan Stephan, wozu du da überhaupt einen Rabbiner duldest!“ sugte Bolepolski achselzuckend. ״Kuriose Frage! Wenn w׳ir auf unseren Besitzungen Juden dulden, so müssen wär uns auch wohl oder übel ihre Rabbiner gefallen lassen." ״Bitte sehr — durchaus nicht.“ ״Und wie ist dies deiner Ansicht nach zu bewerkstelligen?“ ״Ich will dir erzählen, wie ich es gemacht habe. Ich liess alle Juden meines Städtchens Rzepanetz kommen und stellte sie vor die Alternative, entweder ohne Rabbiner zu bleiben oder sich zu allen Teufeln zu scheren.“ ״Nun?“ ״Allerdings schrieen und lärmten sie: Ai w׳ai, ai wai! Wie sollen wir leben ohne Rabbiner? ״Dobrze!“ sagte ich, ״ich werde Euer Rabbiner sein." ״Erlauchtester Herr!“ grunzten meine Jüdchen. ״Wohl sind Sie weise wie der König Salomo, Sie kennen aber unseren Glauben nicht! Wenn wir kommen mit Fragen zu unserem Herrn, w׳as wird der Pan uns ant- Worten?" ״Ich werde Euch so antworten, dass ihr mit mir. \zufricdener sein werdet als mit eurem krätzigen Rabbiner." ״Aber Pan . . . fingen sie wieder an, doch ich liess mich auf Weitläufigkeiten mit ihnen nicht ein. ״Entweder ich bin Euer Rabbiner oder Ihr räumt morgen Rzepanetz, das ist mein letztes Wort."

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