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Jüdische Rundschau · 1907-08-02 · Heft 31 (2.8.1907) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 31 (2.8.1907)
Date
1907-08-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 314 JÜDISCHE RUNDSCHAU wenn sie, rationell geleitet, ihre Arbeiten fortsetzen wird, in die Lage kommen, ein altes Problem de(r jiidischeu Kolonisation in Palästina zu lösen, das heute brcnncndcr ist als jemals früher. Es handelt sich um die Frage der jüdischen Landarbeiter. Der Arbeiter, die das ganze Jahr über Arbeit finden, sind recht wenige. Dagegen bedari die bereits bestehende Kolonisation einer recht ausgedehnten Zahl von Saisonarbeitern. Hierfür kamen aber innner nur Araber inbetracht, weil die jüdischen Arbeiter nur dann existieren können, wenn sic auskömmliche Beschäftigung während des ganzen Jahres finden. Wenn inan daher in d e m Sinne die jüdische Arbeiterfrage lösen will, dass man auch für Saisonarbeit jüdische Kräfte beschäftigen kann, so muss man an Stelle des heimatlosen Arbeiters den kleinen Eigentümer setzen, der, auf die Saisonarbeit angewiesen, aus ihr und seinem kleinen Anwesen eine ausreichende Existenz erzielt. Die Ansiedlung von jüdischen Landarbeitern in der Eigenschaft von Kossüthen ist jetzt das wichtigste Problem der landwirtschaftlichen Koloi.isation in Palästina. Die Gründung einer Gesellschaft oder Genossenschaft, die ausschliesslich die Errichtung kleiner Kossüthengüter zum Zweck hat, ist eine dringende Not- Wendigkeit, und wir werden in einem weiteren Artikel diese Frage besonders behandeln. Hier liegt die Lösung der Arbeiterfrage und ist zugleich der Weg gegeben, die orientalisch-jüdische Bevölkerung,, insbesondere die marokkanischen und jemensischen, die kaukasischen und kurdischen Juden in den Kreis wirkender Sicdclungsarbeit zu ziehen. Die heute nach Palästina kommenden jüdischen Arbeiter sind zum geringsten Teil Nicht-Idealistcn; dann freilich kommen sie kaum für die Kolonisationssacbe ernstlich in Betracht, oder sic sind manchmal auch Sozähsten, und zwar solche Sozialisten, denen jedes ernste• Verständnis auch des Sozialismus abgeht, so dass sie, um so mehr von seinen Phrasen beherrscht werden. Wenn diese Arbeiter nichts besitzen und dadurch zu einem fluktuierenden Element in Palästina werden, so schaden sie der Kolonisation. Denn ein gesundes Element sind sie dann nicht. Wenn man sic aber durch ein Stückchen Land, durch ein Häuschen und ein wenig Gemüse- und Spinnen und Fliegen Roman von B a g r 0 f f. Aus d. Russ. übersetzt. (Fortsetzung.) ״In dem Vertrage heisst es, die Pacht sej zu zahlen an'jedem Ersten, bevor die Lichter angezündet werden, er hat das Geld aber erst gebracht, als die Lichter schon brannten,“ erläuterte Woickowski. ״Au wai, erlauchtester Herr! Der Herr Verwalter haben die •Lichter angezilndet, noch bevor der Abend dachte anzubrechcn . . . Und wenn der Herr sie schon früh morgens angezündet, was kann ich dafür?" ״Hieraus folgt, dass du am Vorabend jedes Ersten die Pacht zahlen müsstest. Du wusstest ja, was du unterschrieben hast.“ bemerkte Woickowski pfiffig. Die Gesellschaft lachte; die Schlauheit des Verwalters imponierte ihm. ״Ich gratuliere dir, Pan Stephan, zu einem solchen Verwalter; das ist ja ein wahrer Schatz!" sagte Bolepolski entzückt. ״Zum ersten Mal in meinem Leben treffe ich einen Schlachziz, der einen Juden betrügen kann. Prachtkerl, Woickowski! Hundert Schafe von mir als Geschenk, — lass sie holen, wann du willst" N031 Blumengarten zu kleinen Eigentümern macht, so verwandelt man das ungesunde fluktuierende Element in eine bodenständige und damit gesunde Bevölkermigsklassc, die im Land und aut der Scholle bleibt. Sie wird danach streben, sich wirtschaftlich in eine höhere Klasse empor zu arbeiten, und die ungesunden Ideen wegwerfen, die Theoreme sind und aus einem Lande stammen, wo sie im Zusammenhang der allgemeinen Unterdrückung itt ihrer Entstehung begreiflich sind. Die Umwandlung dieser Arbeiter in Eigentümer, wenn auch noch so kleine Eigentümer, führt sie aus der Welt der Theoreme in die w irkliehe Welt wirtschaftlichen Schaffens. In diesem Sinne hat versuchsweise die Agudath- N.taim dem Berliner Kolonisationsverein Esra ein Projekt vorgelegt, das bereits vom Zentralkomitee des Berliner Vereins augenomitten wurde. Danach nimmt Esra fünf Serien zu je 10 Tcilaktien, d. h. er zahlt in jedem Jahre 5000 Franken, so dass er nach 10 Jahren 5 Serien im Werte von 50 000 Franken besitzt. Dafür verpflichtet sich Agudath Nctaim, zwanzig Arbeiter in Palästina als Kleinkolonisten anzusbdeln. Sie erkalten ein Hänselten, 15 bis 20 Dunam (}artenland sowie zw ei Külte. Ausserdem hat der Arbeiter die Garantie, dass er jederzeit lohnende Arbeit bei Agudath Nctaim findet. Aber er bekommt tnil dem Lande und dem Hause keinerlei Geschenk. Vielmehr wird ihm vorn Ertrage seiner Arbeit in angemessenen Beträgen so viel einhchzlteii, dass er die Installierungssummc von 2500 Franken in zehn Jahren von seinem Lohne bezahlt hat. Er erhält also׳ keine Wohltat und kein Geschenk. Die Gesellschaft erhält ihr Geld zurück. Während sie aber die Verpflichtung eingeht, dass sic stets dem Arbeiter Beschäl*־ tigung gibt, kann dieser, wenn er das will, auch bei andern Besitzern arbeiten und dann den entsprechenden Betrag selbst zahlen. Hier ist ein Weg zur Lösung der Arbeitertrage gegeben, der gangbar ist und *zum Ziele führt. Freilich wird der Weg nicht dadurch besser, dass man sachverständige Leute aus Berlin hinüberschickt, um die Arbeiten auszuführen oder an Ori und Stelle zu überwachen. Wenn das aber gar sachtmverständige Leute sind, so darf man nur dringend vor dieser Verschwendung warnen. Der entzückte Woickowski verbeugte sielt dreimal; der Jude aber Hess den Kopf auf die Brust sinken und stand da wie ein zum Tode Verurteilter. ״Bei dieser Gelegenheit erd reiste ich mich, meinem Gebieter noch einen Umstand mitzuteilen, der dazu angetan ist, die Einnahmen meines Herrn zu schmälern." ״Was ist das?“ fragte Potoeki finster. ״Ich* hatte schon anstelle dieses Gauners einen annehmbaren Juden gefunden, der den doppelten Pachtzins mit Freuden zu zahlen bereit war, und heute morgen war er mit seiner Familie und seinem Gerät hier angelangt, um die Schenke zu beziehen. Da kam aber ein Haufe von Juden mit ihrem Rabbiner aus dem Städtchen herbei und trieben ihn fort.“ ״Wie uas?“ frag Potoeki wütend. ״Der Rabbiner drohte dem Juden mit seiner Chasaka und seinem Cherem, und der machte Reissaus. Jetzt steht die Arrende leer, und cs ist sehr zweifelhaft, oh und wann wir wieder einen Pächter finden.“ ״Wie, Pan Stephan, du lässt bei dir die niedertrüchtige Chasaka zu?“ fragte Bolepolski erstaunt. ״Dieses verwerfliche Gesetz ist es eben, das ihnen so unermessliche Reichtümer verleiht,“ sagte Pater Benediktus. ״Dieses Gesetz, das jede Konkurrenz aus-

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