Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1907)
- Date
- 1907-07-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2651500-2651530--04845-2661840- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 307 No. 30 JÜDISCHE RUNDSCHAU. unterblieben. Viele Hörer aber — darunter auch Deutschnationale —• haben mir in der liebenswürdigsten Weise ihre Glückwünsche ausgedrückt. Da hörte ich ganz plötzlich, dass im Hörsaal II der Universibit eine gegen mich gerichtete Protestversammlung abgehalten werden sollte. Ich habe nun telegraphisch beim!Rektorat dagegen Einsprache erhoben, dass man den Hörsaal für solche Zwecke der Studentenschaft überlicss. Zu dieser Einsprache musste ich mich uni so mehr für berechtigt halten, als die Einladung zu der Protcstvcrsammlung den ausdrückliehen Vermerk enthielt: ,,Stellungnahme gegen die Dozentur Dr. Mahlers״, so dass also der Zweck der Versammlung für das Rektorat kein Geheimnis gewesen sein konnte. Diese j für Donnerstag. angesetzte Versammlung wurde von den jüdischnationalen Studenten gesprengt. Am Ercitag hielten ן die deutschnationalen, am Samstag die fortschrittlichen I Studenten Versammlungen gegen mich ab. I AJs ich nach Prag kam, wendete sich mein Institutsvor- : stand, Prof. Dr. Klein, mit der Frage an mich, ob ich nicht von der Abhaltung der Wintcrvorlesungen, die inzwischen im Einvernclunen mit der Studentenschaft festgesetzt worden waren, iiir diesmal absehen wolle. Ich erklärte, dass ich dies nicht tun würde, und zwar aus zwei Gründen: erstens, weil man, Avcnn •ich die Vorlesungen ahsagen würde, glauben könnte, dass mich die Furcht vor studentischen Dcmonstrationen dazu veranlasst habe; zweitens, weil man vielleicht annehmen könnte, dass ich ״mein Unrecht“ einsehe. Am selben Tage, als ich diese ablehnende Antwort erteilt hatte. Jicss der akademische Senat die Antwort auf meinen Protest den Prager Blattern zugehen. Zugleich aber veriiigte der lnstituLsvorstand. dass ich den Horsaal zum Zwecke der Vorlcsungtn nicht mehr benutzen dürfe: desgleichen wurde mir verboten, die Plas:ikcn sowie die Photographien der Anstalt zu benützen. In der Begründung dieses Verbotes Iness es, dass die Plastiken bei eventuellen Demonstrationen Schaden erleiden könnten. Ich habe nun meine Vorlesungen im Hörsaal V des Clementlnums angemeldet. Einen grossen Teil der bcabsichfigten Vorlesungen muss ich mm allerdings fallen lassen. Ich lese hauptsächlich über griechische Plastik, und dazu fehlen mir eben infolge des mitgetcilten Verbotes die Plastiken der Universität Irgendwelche Schritte gegen die mir zuteil gewordene Behandlung habe ich nicht unternommen. Auch jenen Protest habe ich nur erhoben, damit es nicht den Anschein gewinne, als stimme ich allem zu. Was nun aber den zu meinen Ungrinsten geltend gemachten nationalen Standpunkt aiilangt, so möchte ich darauf Hinweisen, dass an der Prager deutschen Technik, deren deutscher Charakter doch ausser Frage steht, seit Jahren einer der ruthcnischcn Volksführcr, Prof. Puluj, als Lehrer wirkt. Hofrat und polnischer Jude ז ln der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 12. Juli d. J. brachten die R.-R.-Abg. Dr. Heinrich Gabe! und Genossen au den Minister für Kultus und Unterricht die nachstehende Interpeilation ein: ״Laut bisher nicht dementierten Berichtes der WIENER ALLGEM. ZEITUNG vom 5. Juni 1907, No. 8781, wurde der Ingenieur A. Rauch dieser Tage von einem Verwandten, einem reichen polnischen Juden, der einen seidenen Kaftan trug, aufgesucht und gebeten, ihn in die Privatordination des bekannten Professors der Augenheilkunde, Dr. Ernst Fuchs, zu führen. Beide begaben sich zur Zeit der Sprechstunde nach der Privatklinik des Professors, wurden aber, als sie im Wartezimmer Platz genommen hatten, von der Dienerin ziemlieh barsch auigefordert, sich zu entfernen, da der Professor polnische Juden nicht behandle. Als Rauch bemerkt«, dass sein Begleiter bemittelt sei und die ärztliche Behandlung selbstverständlich honorieren werde, antwortete die Dienerin, sie hätte den Auftrag, derlei Patienten nicht vorzutiihren. Rauch richtete an Professor Fuchs ein Schreiben, worin er sehr höflich um Auskunft bat, ob die Dienerin nach Instruktion gehandelt habe oder ob es sich vielmehr um einen Verstoss derselben handle. Darauf erhielt Herr Rauch folgende offene Korrespondenzkarte: ״Sehr geehrter Herr! Ich kann die polnischen Juden in ihren Nationalkostiimcn den anderen Kranken zuliebe, die über deren Geruch sich beschweren, nicht in mein Sprechzimmer cinlasscn und empiange alle diese Patien* ten unentgeltlich in der Klinik. Hochachtungsvoll Dr. Ernst Fuchs. Herrn A. Rauch, hier, 11״ hörstergasse S." Durch das geschilderte Vorgehen des Proiessors Fuchs wurde einerseits das Ansehen tmd die Würde der altehrwiirdigcn Wiener medi• zinisehen Fakultät auf das schwerste kompromittiert Diese Fakultät und ihre Lehrer, unter denen sich stets Männer belanden, die nicht nur durch ihre ausserordentliche Wissenschaftliehe Bedeutung, sondern durch ihre hervorragende, geradezu sprichwörtlich gewordene Humanität und Herzenswärme den internationalen Ruf der Wiener Universität begründet und gefestigt haben, sind durch das brutale, jeder Gesittung und dem simpelsten Mcnsehüchkeitsgeiiihle hohnsprcchenJe Vorgelien des ProfessorsJ11'־Fchs in ihrem Rute schwer geschädigt. Wie wollen sich künftighin jüdische, durch Armut und Krankheit vom Schicksal heimgesuchte Menschen mit Vertrauen diesem Manne nahen, der als Arzt das oberste Prinzip des ärztlichen Berufes — Humanität — so krass verleugnet? Wie wollen Patienten, denen das furchtbare Geschick zu teil ward, für ihr erkranktes oder erblindetes Auge sich an den lindernden, heilenden, lichtbringenden Arzt um Hüte wenden zu müssen, ihre Heilung einem Manne anvertrauen, der den um ärztlichen Rat Nachsuchenden zunächst auf seine Konfession. Kleidung. Geruch und dann erst auf sein Leiden untersucht? Ist es dem gewöhnlichen, privaten, praktischen Arzt schon gesetzlich vorgeschrieben, jedem Menschen, ohne Rücksicht au! Name, Stand und Vermögen, ärztliche Hilfe angedeihen zu lassen — eine Pflicht, auf die der zum Doktor Promovierte den Eid ablegt — um wie viel mehr kann und muss dies von einem Arzt verlangt werden, der als klinischer Lehrer verpflichtet ist, das Ansehen und den wohlbegrfmdcten, durch seine Vorgänger wie Arlt, Steliwag und viele andere gemeinen Vorgängen zahlte er eine kaum nennenswerte j Pacht. Schon von dem Ausschank seines verpesteten Branntweins ist erzreich geworden, hat er seine Taschen gefüllt. Aber das schien ihm noch nicht genug. Er besann die Bauern zum Saufen zu verleiten und sie bis auf den letzten Faden auszuziehen. Alle ihre Einnahmen ־wanderten zum Juden, und wenn es hiess, uns zu befriedigen. Ja, da hatten sic nichts. Arle gestohlenen Ocgenstfmde kaufte er auf und verstand es, auf geschickte Weise sie weiter zu befördern.. . . ״Au wai, erlauchtester Pan,“ rief der Jude, sich an <!en Kopf fassend. ״Schweige, Hund," donnerte Potocki. ״Fahre fort, Wofckowski.“ ״Ausserdem reizte er die Leibeigenen zum Ungehorsani, zu Meutereien auf.“ ״Ah!“ bemerkte Bolopolski kopfschüttelnd. ,Ich habe mich daher entschlossen, ihn unter allen Umständen aus der Arrcnde zu jagen. Da ich aber die Oereeluigkeit und Grossnmt meines Herrn kannte, wartetc ich geduldig, bis der Jude die Abmachung verletzen und mir sozusagen ein gesetzliches Recht geben wird, das Verhältnis zu lösen. Und Gott sei Dank, die Gelegenheit sollte sich bald finden: dieser Gauner hat näin- | lieh die Pacht nicht zur Zeit gezahlt, und ich jagte ihn also aus der Arrende. Er wollte aber nicht aut mich hören, ich war darum gezwungen, heute meine wichtigsten Arbeiten beiseite zu regen unu ihn persönlich durch die Haiducken an die Luit setzen zu lassen. Das bedeutet nach seiner Meinung, dass ich seine Frau abgeschlachtet, seine Kinder und sogar.ihn selber,“ schloss Woickowski. nunmehr ebenfalls lächelnd. ״Wozu die goldene Zeit mit Dummheiten , verbringen?“ sagte Wirginski, und machte in heftigen Bewegungen seiner Ungeduld Luft. ״Lass den Hund tüchtig durchpeitschen, und die Sache ist erledigt.“ ״Störe mich nicht, Wirginski,“ antwortete Potocki. die Brauen finster zusammenziehend. ״Gerechtigkeit ist die Devise meiner ehrwürdigen Ahnen. Unser Wappen ist eine Wage und eh Schwert.Steh auf, Jud, du hast nicht zur rechten Zeit gezahlt und die Abmachung verletzt, deine Sache ist verloren.“ ״Erlauchtester Herr! Ich!!ab’ an dem richtigen Tage gezahlt. Gestern war der erste, und gestern hab״ ich gezahlt.“ (Fortsetzung folgt.)