Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 30 (26.7.1907)
- Date
- 1907-07-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 306 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 30 Mittelalters in allen Ländern zuteil geworden ist. so müssen sie sich festen Grund unter den Füssen in landwirtschaftlichem Besitz und landwirtschaftlicher Arbeit - erwerben. Sonst werden sie auch in Palästina immer eine in der Luft schwebende Bevölkerung bleiben. Sie werden Vermittler bleiben, also in einer Rolle als Volk weiter leben, welche ihre Schwäche bedingt und zu־ gleich den Hass der Völker ihnen zugezogen hat. Solange sie nicht Grundbesitzer sind, bleiben sic die Freutder! im Lande. Aber so, wie die Dinge heute in Palästina liegen, lehnen sich alle Industrieunternehmungen doch eng an die Landwirtschaft an. Da ist die Gesellschaft Chcrmon, die französische Juden zu ihren Initiatoren hat. an der aber auch Juden anderer Herkunft und Staatsangphörigkeit teilnehmen. Es ist gelungen, in geringem Masse .Edmond Rothschild für diese Gesellschaft zu intercssieren. Audi Narcisse Leven gehört ihr an. Der Vorstand in Palästina ist durch Klimker vertreten. Chermon will stntutcngctnäss die agrikulturellen Produkte des Landes industriell verarbeiten. Das gleiche Ziel verfolgt die Gesellschaft Atid, an deren Spitze die Ingenieure. Pewsacr und Wilbuschevitsch stehen. Aber wenn auch diese Gesellschaften für sich erwerben, so bereichern sie weit mehr noch die einheimische Landbevölkerung als sich selbst. Denn sie machen die landwirtschaftlichen Produkte, die diese itervorbringt, erst wertvoll. Ganz ebenso sind alle arabischen Dörfer in der Nähe jüdischer Kolonien reich ge,worden. Das elende Fellachennest Bet-Dedschan, das in bitterlichster Armut versunken war. ist beispielsweise durch die Nähe und die Tätigkeit der jüdischen Kolonien zu einem Dorfe wohlhabender und reicher arabischer Bauern geworden. Wenn die Juden teil haben wollen an dem allgemeinen Aufschwünge des Landes, der Ihren Händen und ihren Unternehmungen in erster Linie zu danken ist, so müssen sie sich noch mehr, als es bereits geschehen, agrikulturellen Unternehmungen znwenden. In diesem Sinne ist eine neuere Gesellschaft von Bedeutung, die danach strebt, die Landwirtschaft zu entwickeln und auf diese Weise vielleicht viel langsamere finanzielle Fortschritte zu machen, in Wahrheit aber sich an dem wirklichen und allein wertvollen selben Kostüm, in dem er in der Schenke erschienen war, nur dass er den Kopf entblösst hatte. Sein Gesicht war purpurrot von dem vielen Trinken bei der schweren Arbeit der Empfangnahme der ״Gratulationsgcsclienke“. Als er den Juden dort kniccn sah. knirschte er mit den Zähnen. Seine Augen funkelten und er drückte den schweren Griff seiner Reitpeitsche in der Faust. ״Woickowski,“ frag Potocki den Verwalter, der sich tief verbeugte. ״Dieser Jude beklagt sich, dass du seine Frau abgeschlachtet, seine Kinder . . . .“ ״Und ihn selbst,“ fügte Bolepolski lachend hinzu. ״Was soll das bedeuten,“ frug Potocki lächelnd. ״Wollen der erlauchteste Pan seinem Sklaven ein freies Wort erlauben?" trug Woickowski, und verneigte sich beinahe bis zur Erde. ״Natürlich. Rede!“ ״Erlauchtester Pan! Seitdem ich die Ehre und das Glück. habe. Ihnen zu dienen, habe ich noch keinen Juden, keine Jüdin abgeschlachtct. Aber ich schwöre es, stände es in meiner Macht, ich würde sie alle mit meinen Händen erdrosseln.“ ..Bravo!“ rief Wirginski händeklatschend. ..Prachtkerl!“ lobte Bolepolski. ״Das nenn’ ich einen Verwalter.“ Werte des Landes iiidischcrselts zu beteiligen. ״Denn summest steht der Boden, den wir bauen.“ Das ist die Gesellschaft Agudath-Nctaim, die vor etwa anderthalb fahren gegründet wurde und bereits verschiedene Unternehmungen in Angriff genommen hat. Sie wurde in Palästina von Leuten ins Leben gerufen, die schon lange im Lande ansässig sind und. die sich einiger Erfalirimg in der palästinischen Arbeit erfreuen. Da sind die Herren Eisenberg, Levi, Pewsncr, Wilbusehewitscli, Kliniker. Salmiak, Wechsler. Michlin. Natanson. Es freut uns konstatieren zu können, dass auch David Wolffschn seine Anteilnahme in Aussicht gestellt hat. Dum wir erachten von unserm besonderen Standpunkt als deutsche Juden die Investierung gerade jüdischen Kapitals aus Deutschland für besonders wünschenswert. Wir sollten nicht bloss im jüdischen Interesse dahin zu wirken suchen, dass gerade Juden deutscher Staat* *- angehörigkeit in erhöhtem und grossem Masse an der palästinischen Arbeit und insbesondere an palästinischem Besitze sich beteiligen sollten. Gerade deshalb wäre, die Anteilnahme an der Gesellschaft Agudath-Netaun seitens deutscher Juden von besonderer Wichtigkeit. (Wird fortgesetzt.) ״־ Rundschau Der zionistische Dozent Mitteilungen des Reichsratsabgeordneten D r. M a 111 e r. Ein Redakteur der J('DI>CDEN ZEITUNG hatte Gelegenheit. n!it dem Abg. Dr. .Artur Mahler über dessen Affäre in Prag zu sprechen. Bekanntlich hat das Rektorat der deutschen Universitüt in Prag dem Dozenten Dr. Mahler, der als Zionist in Galizien ins Abgeordnetenhaus gewählt wurde, aus natiofielen Gründen die Benützung des Universitätshörsaales untersagt. Dr. Mahler gab nun folgende Darstellung dieser Angelegenheit: ״Es ist in den Prager Universitätskreisen seit langem bekannt, dass ich Zionist hin. Niemals aber haben meine Koüegen oder die Studenten etwas dagegen ein/.uwenden gehabt. Als ich nach der Wahl zum Abgeordneten von Trcmbowla nach Prag kam. wurde mir privatim niitgctcilt. dass meine Dürer mir eine Ovation bereiten wollen. Ich habe gebeten, davon abzuschen. und nur deshalb ist diese Ovation ״Wie es F.w. Erlauchten nicht unbekannt sein dürfte, habe ich mich mein Lebelang mit Leibeigenen abgeplackt tmd mit Juden; ich hatte Gelegenheit, ihre Verworfenheit und Niedertracht keimen zu lernen. * Allein so raffinierten und erbärmlichen Schuften wie den Zw nutzer Juden bin teil noch niemals begegnet. Meine Vorgänger haben sie verwöhnt .... tmd das Judenpack glaubte, dass jeder Verwalter bestechlich sei; da haben sic sich aber in mir bitterlich getäuscht Ich׳ hin überglücklich ob der vielen Gnaden, mit denen der Herr mich, seinen unwürdigsten Sklaven, überhäuft . *“ ״Es ist mir sehr angenehm, dies ztt hören,“ sagte Potocki huldvoll. ״Allein diese Auswüchse zu besejtigen, ist Deine Sache.“ ״Ich biete alle meine Kräfte auf und hoffe . . . Doch geruhen Sic einztischcn .... Hier erfrecht sich so ein Auswurf, die kostbare Ruhe Ew. Erlauchten und der ganzen edlen Gesellschaft zu stören!“ ״Aber worin besteht die eigentliche Beschwerde dieses Juden?“ erkundigte sich Bolepolski. ״Ja, worin?“ stellte auch Potocki diese Frage. ״Dieser Gauner, dieser abgefeimte Spitzbube hier, hat die Zwantzer Arrendc über drei Jahre gehabt. Dan*