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Jüdische Rundschau · 1907-07-26 · Heft 30 (26.7.1907) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 30 (26.7.1907)
Date
1907-07-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seilt* 305 No. 30 schnellere und sicherere Fortschritte zu machen in der Lage ist. als eine Kolonisation unter einer Verwaltung, sei cs welche cs wolle. Die weitgehende Selbstverwallung in den Kolonien Reehöbliöth, Kafr-Siiba und Petiiach-Tikwah enthält das Geheimnis ihrer Fortschritte. Im letzten Jahre hat aber die Kolonisation auch von einer andern Seite eine Förderung erfahren, die man nicht zu gering veranschlagen dar!'. Das Zusammen- Irenen der Judenverfolgungen in Russland und den benachbarten Raubstaaten mit dem Angrifi auf die zionistischc Grundidee durch die sich von der zionistischen Partei abspaltende kleine Gruppe waren der äussere Anlass־, dass viele sich von ihrem Zionismus dazu leiten Hessen, das ungastliche Stiefvaterland mit dem Aufcnthalt unter der milden türkischen Herrschaft zu vertauschen. So zahlreich wie im letzten Jahre ist die Ein- Wanderung von Juden in Palästina seit anderthalb Jahrzehnten nicht mehr gewesen. Die Einwanderer, die aus materieller Not die Heimat verlassen, gehen znm allergrössten Teile in die grossen überseeischen Industriezentreu, und mir Leute mit einem gewissen höheren Idealismus wenden sich nach Palästina, um so mehr als die I. C. A. die Parole wieder eingcseliärft hat, dass die mit ihr verbundenen Hilfsgcscllschaften Ayswandcrer nach Palästina nicht mit Reisegeld unterstützen sollen. Immerhin sind sehr zahlreiche städtische Arbeiter eingewandert und damit ein Element, das viel leichter und besser in der Industrie und im Plantagenbau als in eigentlich bäuerlicher Sicdelung sich einzuleben im- Stande ist. Es wäre eine Vergeudung von Kraft, wenn man diese Elemente in Hauern und in bäuerliche Arbeiter direkt überführen wollte. Aber bisher fehlten trotz oder vielleicht gerade infolge des Wohltätigkeits- Systems die Möglichkeiten, diese städtischen Arbeiter in Plantagen und Fabriken zu beschäftigen. Das System der Wohltätigkeit musste zu einem vollständigen Stillstände in der Kolonisation führen, und in dem Augenblick, wo die Philanthropie einsah oder auch bloss sah, dass sie nicht erreichen kann, was sie erreichen wollte, war der Stillstand der Kolonisation eine vollendete Tatsache. Wenn cs auch vorauszusetzen ist, dass die Flut der nach der Türkei cinw ändernden Juden wieder abilaut, und wenn auch natürlich vorauszusetzen ist, dass sich nach Palästina nicht ein kontinuierlicher Strom jüdischer Emigranten richten wird, um so mehr, als die philanthropische Kolonisation seit längerer Zeit auf dem toten Punkte angelangt ist, so muss üocli etwas geschchen, dass die grosse w irtschaftliche Versuchsstation, die in der jüdischen Kolonisation vorliegt, nicht in dauerndes Stocken gerät. Aber auf dem bisherigen Wege ist an keinen Fortschritt zu denken. Nur aui seibständigem Wege kann die Kolonisation zu einem Fortschritte gelangen. Die palästinisch-jüdische Karikatur eines Assessorismus muss aufhören, und die freie Initiative muss ihn ablösen. Von diesen gleichen Ansichten, die sich auf die Erfahrtmg gründen, ausgehend, haben sich in letzter Zeit verschiedene Gesellschaften gebildet, die auf geschältlieber Grundlage das angefangene Werk fortsetzen wollen. Es ist ganz natürlich, dass der Trieb zu erwerben ein Ansporn in der Kolonisationstätigkeit ist, :!;ehr als alle Philanthropie. Man kann ein so grimmiger Gegner des Kapitalismus sein, wie, man will. Es ist aber dennoch kein Zweifel, dass auf Jahrhunderte hinaus doch noch der Kapitalismus die Form der gedeihenden Unternehmung sein wird. Statt theoretischen Kamp! gegen den Kapitalismus zu iiihrcn, muss es unsere Aufgabe sein, seine noch unbesiegbare Kraft vor den Wagen unserer Kolonisation zu spannen und auf genossenschaftlichem Wege Kapital zu wirtschaftlichen Unternehmungen zu vereinigen. Die Gesellschaften, die sich in jüngster Zeit gebildet haben, hissen auf der Zusammenfassung von Kapitalien zum Zwecke der Erzielung von Gcschäftsgew innen für die Teilnehmer und haben damit den wichtigsten Schritt getan, um im Lande natürliche, der Landesentwicklimg entsprechende und sie fördernde Fortschritte zu machen. Die meisten dieser Gesellschaften haben in dem aufblühenden Laude die Industrien zu ihrem Arbcitsfeldc ausersehen. Es ist kein Zweitel, dass auf industriellem Gebiete materielle Fortschritte viel schneller und beinahe müheloser zu erzielen sind, um so mehr, als die Juden weit mehr zu liidustriearbeiten als zu landwirtschattlichcr Arbeit Eignung und Schulung haben dürften. Wenn aber die Juden nicht in gleicher und ähnlicher Lage bleiben wollen, wie ihnen das seit Beginn des ״Erkläre dich deutlicher, du räudiger Hund!" ״Erlauchtester, Pan Woickowski hat ang׳'ziindet die , Lichter .... Bis zum Lichtzünden .... Ich hab' immer *getragen die Gulden .... Er hat mir die Schenke genominell .... er hat meine Frau und meine Kinder und mich abgeschlaclitet . . . ." ״Der Teufel soll aus diesem Blödsinn klug werden!" ״Lass’ doch Woickow ski rufen, das ist ja wohl dein neuer Verwalter —- er w ird uns Aufschluss geben, um 1 was es sich hier bandelt." riet Bolepolki. ״Hast recht. He, Haiducken. Woickowski soll sofort herkommen." ״Erlauchtester," begann der Jude wieder. ״Schweig!" donnerte Potocki, mit dem' Fusse stampfend. — Der Jude erbebte am ganzen Leibe, biss steh aut die Zunge und s׳ank ganz in sich zusammen. ״Pfui, wie schmutzig der ist." rief Pamta Oda voll Ekel aus. ״Und dieser äussere Schmutz ist noch nichts im Verhältnis zu der dicken Scmutzkruste, die die Seele dieses verfluchten Stammes bedeckt,“ fügte Pater Henediktus hinzu, und unbeschreiblicher Hass loderte חי seinen Krokodilsaugen. ״Er wartet nicht übel auf zwei Beinen." witzelte jemand. ״He, Jiidclien," rief W'irginski, ״was verlangsMu, wenn du dich bei mir als Hmtd verdingst?" Der Jude verneigte sich. ״Ich werde für dielt mit ihm unterhandeln,“ sagte Bolepolski. ״Gut, was verlangst du?“ ״Du zahlst dem Jiidchen an Wochentagen einen Rettig und zwei Gulden pro Tag. am Schabbes aber drei Rettige, drei Zw iebeln und drei Gulden." ״Und Knoblauch nicht?" ״Nu, Knoblauch kannst du ihm in Form eines Geschenkcs an hohen Feiertagen geben. Ich garantiere, dass er ein guter Hund sein wird. Nicht wahr, Jiidchen?" Der Jude verneigte sich abermals, und die ganze Gesellschaft brach in ein lautes Gelächter aus. ״Er hat seine Zustimmung gegeben, demnach ist die Sache abgemacht. Mundschenk, Leinkauf."!‘orderte Wirginski, froh, einen Vorwand zum Trinken gefunden zu haben. — Und während die Gesellschaft sich auf Kosten des als Hund verdungenen Juden zu gute tat, erschien der zitierte Verwalter. Er befand sieh in dem-

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