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Jüdische Rundschau · 1907-07-19 · Heft 29 (19.7.1907) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 29 (19.7.1907)
Date
1907-07-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. Seite 301 JÜDISCHE RUNDSCHAU. schworeneii ausgeschlossen worden sind, so würde dies in dein Gesetze keine Stütze finden. Trifft w eiter die Behauptung zu, dass in einigen Bezirken aiisnainslos oder doch in der Regel keine Juden zum Schöffen־ 1:nü Geschw oreneiidienst berufen oder Juden zwar zu Oeschworencn, niemals aber zu Schöffen erwählt worden seien. < obwohl dort in grösserer Zahl Juden vorhanden seien, die sich nach ihrem Bildungsgrad und sonst zu Schöffen und Gesehwo* renen eigneten, so würde auch dies dem (leset/.e zuwiderlaufen. Die Auswahl der Schöffen und Geschworenen stellt zwar im freien Ermessen des Aiisseluisses und des Landgerichtes (UY(i 42, 98). Das Justizministerium glaube •edoeh, die Gerichte auf die mehrfach ausgesprochene;! Wunsche heteiiigter Kreise aufmerksam machen zu sollen. . Minister der Justiz Dr. von Ott o. Aus einer gepeinigten Sx*dt Mau sciirciui nur, Sn?»«ym Ein junger Mann, namens Elias Deutsch, der *ich während der Wahlkampagne durch seinen hingehenden Eiier für die h.disclmationale Sache aus/.eiehuete, ist natürlich seit• her der Gegenstand tückischer Verfolgungen. Bald nach den Waiden erschienen eines schönen Mittags zwei Polizisten im Hanse seiner Mutter und rieten den jüngeren Bruder zur \ er-;.ntwort_ng vor den Magistrat. (Der junge Mensch hatte einen Tag vorher mit einem Moschko-Juden »licht soiort gesprochc Elias Deutsch ging nun mit dem Bruder, der furcht hatte, mit, wurde aber, kaum dass er auf der Strasse war, an: Halse gepackt und gewürgt. Es kamen noch drei Polizis*.*n hinzu, die ihn nun über Auffordenmg des Misio Niemczv.vsk:. eines Wahlfrevlers (überhaupt eine nette Eanülie. diese Niemezew ski's. Die Redaktion.» zu schlagen heg,innen. Jüdische Vorübergehende entrissen Deutsch den Klauen der Polizisten, kamen aber seihst nur mit Schlägen davon. Und das Ende ist. dass noch alle Anwesenden angezeigt wurden, worüber demnächst in Kolmnca die Verband־ lung ׳stattfinden wird. Aber damit ist das Missgeschick des Elias Deutsch noch nicht beendet. Kürzlich ist das Haus seiner Mutter niederge־ brannt uttef es besteht der dringende Verdacht, dass das Teuer von Feinden, die sich der junge Mann während der W'ahlbeweguttg erwatb. gelegt wurde. Die meisten Möbel verbrannten, und die Fannlie ist jetzt den» Elende preisge־ geben, worauf w ir unsere Leser aufmerksam machen. Viel־ leicht weiss einer von ihnen Rat für die unglücklichen Ab- Lrfmdle;. Im Uebrigen wäre das Haus vielleicht noch zu ictteu gewesen, w c n n 11 i c h t. — so behauptet Elias Deutsch -der Bürgermeister Tytus NiernczcvvskJ die Feuerwehrmänner mit den wiederholten Ausrufen: ״Wartet, soll es gut brennen, die B i r n b a u ttt’s brenne n,“ von ihrer Löscharbeit zuriickgehaltcn hätte. . . —t—• ' Wie s!e״s tre!Den• Aus Borszczovv wird uns die Fortdauer des behördlichen Terrors gemeldet: Das Haus des Vaters eines national-jiiui 'sclien Parteimannes brennt zum Teile ah. Der Bezirksaus־ sehuss dekretiert die unverzügliche Demolierung des stehen gebiiebenen Teiles. Der Besitzer rekurriert. Der Bürger־!neister wartet die Entscheidung nicht ab und beginnt das Haus ni.Jerreissen zu lassen. Der Besitzer begegnet am 6. d. M. einem unbekannten Grafen in Begleitung eines Bezirkskommissärs. Der Grat iragt, warum er das Haus demolieren lasse, ua cs ja noch genug stark sei. Der Besitzer weist auf den Kommissär als den Schuldigen. Der Kommissär antwortet unumwunden, dass cs deshalb geschieht, weil sein (des Hausbesitzers) Sohn ein Anhänger Dr. .Birnbaums sei. (Der w iirdige Beamte hatte offenbar schon von der Rede Minister Bienertr.'s Kenntnis, die eigentlich so etwas wie eine Prämie auf solche Leistungen war. Die Redaktion.) Ein Schankw irt, der zwzeitc Sohn des Hausbesitzers, von dem eben die Rede war, muss sein Lokal um 10 Uhr abends schücssen und das Licht auslöschen! Arreststrafen werden verhängt und manchen der Bestraften wird augedeutet, dass es wegen ihrer natiouäliüdischcn Gesinnung geschieht. Besonders auf einen Bäckereibesitzer lialicn sie cs scharf abgesehen. Er hat schon 41) Tage Arrest beisammen. Ausschreitung, des russischen Verbandes Odessa, 4. Juli. Seitdem der Stadthauptmann Grigorieff die Stadt verlassen hat, nehmen die Mitglieder des Verbandes des russischen Volkes ihre Hooligan-Tätigkeit wieder auf. Jeden Abend versammeln sic sich in grosser Anzahl auf den Boulevards, im Park und anderen öffentlichen Plätzen und machen sie so unsicher, dass die übrigen Einvvohncr den Besuch dieser Orte nach Möglichkeit, vermeiden. Während sonst der Besitz eines Revolvers die ’Ausweisung aus der Stadt nach sich zieht, haben die Mitglieder des rttssisehen Bundes das Recht, immer Revolver und Dolche zu tragen, die sie oifen vor den Augen der Polizei zum lieberfallen der friedlichen Einwohner benutzen. Jeden Tag hört man von neuen Heldentaten der Mitglieder des Verbandes. Der gestrige Vorfall aber verdient besonderer Beachtung. Im Stadtauditorium war eine Versammlung der Mitglieder des Verbandes des russischen Volkes. Nach Beendigung der Ver- Sammlung verüessen die ״Mitglieder״ das Auditorium und verteilten sich auf die benachbarten Strassen, wo sie aus ihren Revolvern auf die vorbeigehenden Juden zu feuern hegainien. Das Schiessen verursachte eine grosse Panik. Die Passanten begannen voller Schrecken zu flüchten; die Haustoie wurden geschlossen. Die Zahl der Verwundeten, die in das jüdische Krankenhaus cingcliefert wurden, ist recht erhcbilch, darunter haben viele lebensgefährliche Verletzungen davongetragen; ein Arbeiter wurde von einer Revolverkugel auf der Mjanojcdowskaja getötet. Die Schutzleute und Wächter sahen der Schiesserei ruhig zu. Und erst als der Gehilfe ues Poii/eimvisicrs KisUakowsky n,'t einer Abteilung Soldaten erschien, liefen die ״Mitglieder” davon. Anstatt nun sie zu verhaften, begannen die Soldaten die Passanten^ zu untersuchen. Voti den Schicssenden wurde rT.*“CoT 'emzTger verhaftet. Auf diese Meise dürfen die Mitglieder des jussischeu Bundes unter den; Schutze Kanlbars' ihren Patriotismus betätigen. Jüdische Nationale Gruppe Die Konferenz der ״Jüdischen Nationalen Gruppe”, die vor kurzem in Petersburg stattfand und an der sich Delegierte aus dem ganzen jüdischen AnsieJeiungsrayon beteiligten, I:at in der Krage des bevorstehenden Wahlkampfes die folgenden Resolutionen angcuomtr.cn:!. Die Jüdische Nationale Gruppe hat beschlossen, dass die jüdische Bevölkerung sich im bevorstehenden.Wahlkampfe so energisch als möglich betätigen muss. 2. Die Jüdische Nationale Gruppe muss die Organisierung \on lokalen Wahlkomitees übernehmen: an diese Komitees müssen auch solche Elemente herangezogen werden, die der Gruppe jetzt nicht angehören. Die zentralen und lokalen Kontitees haben das Recht, in Beziehungen zu anderen Organisntionen zu treten, um mit diesen Wahlblocks zu bilden. 3. Angesichts dessen, dass auf Grund des neuen Wahlgesetzes eine besondere Vertretung für die Städte eingeführt wurde, erachtet die Konferenz es für notwendig, vorzuschlagen, dass die Gouvernementskurien der städtischen Wahlmänner ausschliesslich aus Juden bestehen sollen, da cs nur in diesem Falle möglich sein wird,wenigstens einen jüdischen Kandidaten vom Gouvernement dtirchztibringen. Dort, wo n;an dieses Ziel nicht erreichen kann, soll man solche Wahlmänner unterstützen, die ihren politischen Ueberzcugungen nach erwünschte Kandidaten in der Duma sein könnten. 4. Es sollen Informationen über das Verhältnis der jildisehen zu nicbtjiidischeu Wählern in jeder der beiden Kategoricii städtischer Wähler gesammelt werden. 5. Die lokalen Komitees sollet» auf folgendes aufmerksam gemacht werden: a) Diejenigen Wohmmgsmictcr. die nach dem Wohnungszenstis das Wahlrecht besitzen, die aber keine Wobnungssteuer zahlen, müssen eine darauf bezügliche Erklärttng an die Stadtverwaltung richten. b) In denjenigen Ortschaften, wo eine Konferenz der städtischen Wähler nicht zustande kommen kamt, sollen spezielle Kästchen für Wahlzcttel eingerichtet werden. 6. Es sollen im Laufe des Monats Juni Rayonberatungen unter unter der Teilnahme der Mitglieder des Zentralkomitees Wit.awer. Ostrog irski. Sliosberg mul Scheitel organisiert werden zur Behandlung der Frage, auf welche Weiseman die Prinzipien in einzelnen Gegenden durchführen könnte. Sprechsaal □ F&r d)e MUtelluntfen an dieser Stelle übernimmt die Redaktfon nur die pressgesetzliche Verantwortlichkeit. I. Es ist sehr bedauerlich, wenn infolge alter Vorurteile noch jemand an der rühmenden Erwähnung Jesus׳ von Na zar e t h in meiner Herzlgedenkrede Anstoss genommen hat. Wir Juden haben allen Grund, diesen Mann als einen der grössten unseres Stammes für uns in Anspruch zu nehmen. Was aus seiner Lehre, die gross und gut und echt jüdisch ist, von andern gemacht worden ist, kann ihm nicht zur Last gelegt

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