Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1907)
- Date
- 1907-07-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 29S JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 29 meinem Verlangen genommen, zu dem sie die Legitimation vermisse. Auf meine 0 e g e n g r ii n d e zu antworten, h i e 11 m a n wohl für unnötig. In einem langen Briefe setzte ich am nächsten Tage auseinander, dass ich mich nicht zu legitimieren brauchte, dass ich es aber mit Rücksicht auf die Sache tun wollte, und erläuterte in längeren juristischen Ausführungen die ständige Interpretation des § 11 des Press* gesetzes durch Reichsgericht und Wissenschaft, betonte vor allem, dass nach allgemeiner Ansicht als ״b e ־ teiligt“ im Sinne des Gesetzes schon der gelten müsse, der sich nur beteiligt glaube, wies darauf hin. dass meine Berichtigung in jeder Weise den pressgesetzlichen Anforderungen entspräche, kurz, war bemüht, die Einwünde der Redaktion im voraus abzuwehren. Am 20. Juni erhielt ich die Antwort. Man lehnte die iirklärung ab, weil sie den gesetzlichen Bestimmungen nicht entspräche, man meine Legitimation nicht anerkenne, und — weil eine Berichtigung an Herrn Steinhardt, als verantwörtlichen Redakteur der BLÄTTER FÜR ERZIEHUNG UND UNTERRICHT, gerichtet werden müsste. Sofort schrieb ich de!! Herren, die sich abermals das a u c 11 nur leiseste Eingehen aut d 1 e•v u!ac b r a c h - ten G e g c n g r ii n d e erspart hatten, dass ein misstrauisciies Gemüt aus der Tatsache, dass cs 1 m in e r erst einen Tag nach der Ausgabe der n c 11 c s t e n N u in m e r des FAMILIENBLATTES A 1! t * wort erhalte, allerhand Rückschlüsse ziehen würde. Dass die Ansicht der Herren vom Mangel meiner Legitimation eine Bereicherung der strafrechtlichen Theorien bedeute, und dass ich es der Redaktion überlassen müsse .darüber naclizudenken. ob sie ihre Geschäfte mit der Sorgialt eines ordentlichen Redakteurs erledige, wenn sie nach vollen drei Wochen entdecke, dass sie für die Aufnahme der Berichtigung unzuständig sei. Damit war meine Korrespondenz mit der Hamburger Redaktion erledigt. Sodann sandte fch Herrn Lehrer Steinhardt eine eingehende Darstellung des Sachverhalts, die etwa befürchtete Einwendungeil schon im voraus widerlegte. Herr Steinhardt lehnte ab. machte verschiedene Yerniiitlinigsvorschläge und hatte auch die Freundlichkeit, privatim mir über einige aktuelle jüdische Fragen seine Ansicht mitzuteilen. Ich antwortete und nach langem Hin und Her einigten wir uns schliesslich auf folgende tatsächliche Berichtigung, die zwar, wie ich ohne weiteres zugehe, äussert zahm ist. aber doch einen überlegenden Mensehen die Tatsachen erkennen lässt: ״In den BLÄTTERN FÜR ERZIEHUNG UND UNTER- RICHT erschien am 30. Mai ein Artikel ״Zweierlei Mass“ von Herrn M. Steinhardt. Die Behauptung des Herrn Verfassers, die gesamte nichtzionistische deutsche Judenheit sei der Ansicht, die Berliner jüdische Gemeinde habe im Falle Cohn gar nicht anders handeln können, entspricht durchaus nicht den Tatsachen. In Berlin haben drei grosse nichtzionistische Protestversamuihingen stattgefunden: die Stellungnahme des ISRAELIT, der Protest des Herrn Prof. Baginsky, der Mangel einer Billigung des Vorgehens der Berliner Gemeinde durch das Hamburger ISRAELITISCHE FAMILIENBLATT beweisen das Gegenteil. Die Behauptung, im Falle Colin sei die Erregung künstlich auueiacht worden, hat der Herr Vcrf. nicht bewiesen. Ein Nachweis ihrer Unrichtigkeit erübrigt sich also. Die Veröffentlichung dieser Berichtigung hat sich durch eine grössere juristische Korrespondenz zwischen der Hamburger Redaktion bcz. zuletzt Herrn Lehrer Steinhardt und dem Einsender wesentlich verzögert.“ Auf den privaten Teil meines Antworthriefes. der sich mit den geöusserten Ansichten befasste, konnte zu unserem beiderscitigen Bedauern Herr Steinhardt wegen Uebeiarbeitung nicht erwidern. Ich dachte, nuji sei alles erledigt. Da kam am 9. Juli von Herrn Steinhardt ein Brief, der die Aufnahme für die nächste Woche zusagte, falls der Verlag nicht Widerspruch erhebe. Da Herr Steinhardt sich ausserdem Fussnotcn ihr die Berichtigung vorbehidt. machte “ich den gleichen Vorbehalt ihr die event. Berichtigung der Fussnotcn. Ferner betonte ich, dass nur der verantwortliche Redakteur, nicht der Verlag eine Berichtigung annelunen oder ablehncn könne. Darauf erhielt ich heute Sonnabend, den 13. Juli, von Herrn Steinhardt folgende Antwort: ..Wie Sie aus beigefiigtem Briefausschnitt ersehen, hat die Chefredaktion in Hamburg die Aufnahme abgclchnt. Die Angelegenheit muss damit für erledigt gelten.“ Der Briefausschnitt lautete: ..Des weiteren teilen wir Ihnen mit dass wir ganz und gar nicht der Ansicht sind, die Beriehti* gütig des Herrn Nathan. Kiel, aufztuieliinen. da dieselbe weder den gesetzlichen Anforderungen entspricht, noch der Herr überhaupt legitimiert ist. im Namen der Nichtzionisten eine Bcrichtigung einzuseiidcii.“ Nun teile ich mit. dass ich ganz und gar nicht der Ansicht bin. die Aeusserungcn der Hamburger Redaktion widerlegen zu müssen, da dieselbe weder den logischen Anforderungen entsprechen, noch die Herren überhaupt legitimiert sind, im eigenen Namen die Aufnahme einer Berichtigung, iiir die Herr Steinhardt zuständig ist, abzulehnen. Ich will aber doch kurz aui das letzte Argument cingehen. weil mir daran liegt, eine Legcndenbildting zu verhüten. Den Herren ist bekannt, dass ich Zionist bin. Sie glauben mich daher nicht berechtigt, im Namen von Nichtzionisten eine Berichtigung einzusendeu. Hätte ich in irgend jemandes Namen gehandelt, so hätte ich das zum Ausdruck gebracht. Ich war in der Lage, erweislich nicht wahre Behauptungen zu widerlegen, die sich aui die Nicht- Zionisten (soll wohl heissen ..nichtzionistischen deutschen Juden“, wie ich andernfalls den wirksamen Artikel Hardens ,.Pot-Iuck“ nicht unerwähnt gelassen hätte) bezogen. Es liegt mir aber auch daran, einer Verkennung der Rolle, die Herr Steinhardt bei dieser Angelegenheit gespielt hat. vorzubeugen. Es sei darum ausdrücklich festgestellt, dass Herr Smiohardt bei selbstverständlicher Wahrung der Interessen seines Blattes durchaus den ucsic» Wille:! zeigte. ״'־ einem gedeililichen Ende zu kommen. Nur sei mir der Ausdruck des Wunsches gestattet, dass Herr Steinhardt als verantwortlicher Redakteur vor allem den Sinn und die .Bedeutung der pressgesetzlichen Vo: Schriften in Zukunft besser würdige. .Meine Antwort au Herrn Steinhardt lautete: ..Die Befürchtung, dass das Vorgehen der Hamburger Redaktion vom Antisemitismus zu l'ngunsten der gesamten jüdischen Presse und des Judentums überhaupt ausgeschlachtet werden würde, und meine Abneigung, als späterer Verteidiger gegen jemand die Hilfe der Staatsanwaltschaft zu beansp:uchen. lassen mich von einer gerichtlichen Geltendmachung meines Anspruches absehen. Ein amlcrers Gericht soll urteilen: die jüdische Ocffentlichkeit! Hat sie geurteilt, so ist die Angelegenheit iiir mich, nur 1 ü r mich erledigt.‘ Wohlan, so urteile denn die jüdische Oeffentlichkeit über die Richtigkeit dieser Voraussage! Kiel, den 13. Juli 1907. Oscar Nathan, cand. iur. Rundschau fasste Asemitismus Aus Breslau wird uns ein Artikel der VOLKSWACHT vom 12. Iuli 191)7 cingcsandt, in der der BRESLAUER GE- NERALANZEIGER in eigentümlicher Beleuchtung erscheint: ״Der BRESLAUER GENERALANZEIGER hat seinem Lesepublikuni, wenigstens demjenigen Teil, der ausser den Inseraten auch einmal einen Textartikel liest, bei jedem Redakteurwechscl Rätsel amgegeben. Von dem Augenblick an nämlich, wo sich im GENERALANZEIGER liberale Tendenzen bemerkbar machten, begannen katholische Blätter gegen seine Ungläubigkeit, agrarische gegen seine landteindliche Haltung zu rumoren, und der ״Unparteiische" hat denn auch schnell durch ein Schreiben an den Fürstbischof bewiesen, dass er sehr fromm sei und die Landleute ebenfalls beruhigt. Nun traten die Antisemiten auf den Plan und bczeiclmctcn in ihrer HOCHWACHT den ach so unparteiischen Moniteur als jtidctiliberal. Dieser Hieb hat den ..roten Bruno“ anscheinend sehr geschmerzt, denn er setzte sieh flugs an seinen Schreibtisch und sandte dem Antisemitenblatt folgendes Beruhigungs- Pulver zu: Breslau, Weidenstrasse 30, 10. Juni!907. Redaktion der DEUTSCHEN HOCH WACHT. Stettin. Sehr geehrte Redaktion! Wir müssen uns auis allerentsehicdcnste gegen Ihre Unter- Stellung verwahren, als habe der BRESLAUER GENERAL- ANZEIGER irgendwelche semitischen (jüdische) Tend e 11 z c 11. In unserem ganzen Geschäftsbetriebe befindet sich nicht ein einziger Jude und wir erwarten daher von Ihrem Rechtlichkcitsgcfiilil, dass Sie die über uns anfgcstellte Beliauptung in Ihrer nächsten Nummer ziiriicknehmen. Wir senden Ihnen anbei eine Kritik über ״Die Juden", aus der Sic eisehen können, Vie wenig gerechtfertigt ilire Ihre Behauptungen sind. Hochachtungsvoll Redaktion des BRESLAUER GENERALANZEIGERS. Dr. Bruno Wagener, Chefredakteur.. t .i