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Jüdische Rundschau · 1907-07-19 · Heft 29 (19.7.1907) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 29 (19.7.1907)
Date
1907-07-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Ko. 29 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 297 dqs Land der Enkel werden würde und so «ab man dieser Liebe irgend *einen greifbaren Ausdruck, der dann immer am rührendsten'war, wenn mit ihm gar nichts erreicht wurde, «etwa wenn ein Greis am Ziele seines Lebens nach Palästina ־wanderte, 11m dort den Tod zu erwarten. Auch in seinen Paläst.-Bestrebungen hat sich bei Esriel Hildesheimer gezeigt, wie er die Orthodoxie um Hauptes Länge (und welchen Hauptes Länge) überragte und wie der Gedanke grösser wurde, wenn er ihn dachte. In seinein ימען— ציין - Briete hat er gezeigt, wie er auch schon in *einer Argumentation die zionistische Beweisführung geahnt hat und wie er für die Palästina-Arbeit praktische zweckdienliche Ideen gehabt hat statt der kleinlichen der cmialigen Chaluka. Das Erwachen des modernen Antisemitismus als Folg e der Assimilationswut, als Reaktion das Bekenntnis zum Judentum bei den Nichtreligiösen und •iaraufhin die die gemeinsame Arbeit an der Aufrichtung unseres Landes — decken sich nicht Punkt für Punkt diese Hildesheimerschen ,Gedankengänge mit den unsrigen? Und was die Arbeit anbetrifft: nicht das Züchten eines der Väter" sorgen will, sich ganz intensiv mit unserer Art der Palästina-Arbeit zu beschäftigen und wenn er sich davon überzeugt hat, dass sie segensreich wirkt, Heimstätten den Heimatlosen bereitet, dass er dann seine Kraft ein setzt, unsere Ziele zu fördern. Es wird jeder von denen ohne jegliche Ausnahme ein Feld finden, auf dem er tätig sein kann, ob für die Erringung jüdischen Bodens in Palästina (ein besonders wichtiges Gebot des Talmud!), ob für die Aufforderung, für die Bepflanzung dieser, jüdischen Strecken, ob iiir die politischen Fonds zur Schaffung von Privilegien, damit sich das neu erstehende jüdische Gemeinwesen gedeihlich entwickeln kann, ob für die •Ansiedlung der Pogrom-Waisenkinder in Waisenhäusern und Farmen u. s. f. Auch die kleinen Summen, die der einzelne unter den . traditionell religiösen Juden an wohltätigen Gaben spendet, können so, in waluer Liebe zu unserem Lande verwendet, ein starkes Hilffsmittel werden, wichtige Bausteine bei der Errichtung der nationalen Heimstätte. H i 1 d e s h e i m e r I a n u s. Proletariats, nicht die künstliche Erhaltung unproduktiver aV.cn3ck.cr. vi.UuCii, äuuJciu öic Fliege lies i jaiiuwcrks, cias ücwähren von rückzahlbaren Darlehen an arbeitsame luden, .״damit sie auf eigenen Füssen stehen," und damit sie sich als Juden ausleben können, was sie in Amerika aus religiösen Gründen nicht konnten, zionistische Tätigkeit im Sinuc de! .Misrachi-Organisation, ein Standpunkt, dem nach sehr langen Kämpfen auch aut der letzten Sitzung der Chaluka- Verwaltung Verständnis entgegengebracht worden ist. \\ fenn wir an den Gedankengang des Aufsatzes nochmals «erinnert und einiges daraus unterstrichen haben, so geschalt «es nicht nur, um zu zeigen, dass wir ein Recht haben, acn Verfasser für uns zu reklamieren. In der Hauptsache geschah «es. um nochmals an die den religiösen' Ideen Hildesheimers Nahestehenden den Appell zu richten, die modernen jüdischen Emigrations-Probleme mit seinen Augen anzusefien, d. h. an unserer gross zügigen Palästina-Arbeit mitzuschaüen. Doppelt notwendig ist die Aufforderung in unsern Tagen, in denen es kleinliche Geister vermocht haben, bis vor ganz Lurzem eine gesunde Entwicklung der Chaluka völlig aufzuhaUen. Wiedcrnn notwendig in unsern Tilgen, in denen man sich mit Scheingründen dagegen sperrt, zur zionistischen •Gegenwarts-Arbeit in Palästina das scinige beizutragen. Es hat jeder die Verpflichtung, der für das Wohl des ״Landes "7 •— »* V/l V/l In! IW I |\ /I /ר r, iviaoo In de.! BLÄTTERN FÜR ERZIEHUNG UND UNTERRICHT, der literarischen Beiiage der grosser. Ausgabe des Hamburger ISRAELII'. t'AMILIENBLATTES erschien am 30. Mai ein Artikel ..Zweierlei Mass" vo»: Herrn M. Steinhardt. Er enthielt in der Hauptsache Klagen über die schlechte Stellung der jüdischen Lehrer und Kantoren im Vergleich zu den Rabbinern. Nebenher wurde auch der Fall Cohn gestreift, und ohne die Anführung eines Beweismittels wurde:! Behauptungen auigestellt, die eine Berichtigung erforderlich machten. Ich schickte also soiort am 2n. Mai einen sachlichen Gegenartikel an die Hamburger Redaktion. Die Tatsache, dass verantwortlicher Redakteur der Beilage der Herr Veriasser selber ist, übersah ich leider. Am 7. Juni antwortete man aus Hamburg, man könne den Artikel nicht aufnehmen, da die Debatte über den Fall Cohn geschlossen sei. Ich erwiderte unverzüglich, mein Artikel behandele nicht den Fall Cohn, sondern sei die Antwort auf einen selbständigen Artikel des Herrn Steinhardt, der als Ganzes mit dem Fall Cohn nichts zu tun habe. Ausserdem wies ich darauf hi!!, dass die Debatte nicht geschlossen sei, da noch am Tac'e vor der A b s e n d u 1! g an mich in! FA- MILIENBLATT ein scharf polemischer Artikel zum Fall Cohn ״Deutschtum und J u d e n t u m" erschienen war. Ich forderte weiter die Aufnahme einer Berichtigung auf Grund des Pressgesetzes. Die Redaktion erwiderte an! 13. Juni, es habe sich seit der ersten Einsendung an ihrer Ansicht nichts geändert. Sie habe Notiz von ״Jawohl. Man nimmt gewöhnlich an, dass der Ge-! Iiängte nur vor Schmerz mit den Beinen schlage, die Fäuste balle, die Zunge herausstrecke . . .״ ״Was denn sonst?“ ״Nein, erlauchte Herren. Er tut dies vor Freude ob der absoluten Freiheit. Und in anbetracht dieser grossen Freude stirbt der Gehängte des angenehmsten, süssesten Todes. Ich denke noch daran, als ob es heute wäre. Kaum war ich in die Luft geflogen, da war es mir,, als wären mir Flügel auf dem Rücken gewachsen. Es wurde mir so leicht, so wohl tun die Brust, dass ich 2m tanzen atifing. Aus Uebermut zeigte ich meinem Pan die Zunge und machte ihiu eine lange Nase. . . . ״Wünschest dtt’s wieder?“ trug Potocki. ״Der Herr haben drei Worte gesprochen, und ich verstumme.“ ״Fahre fort!“ ״Und als meine Freude einen so hohen Grad erreicht hatte, dass ich schon einzuschlafen gedachte, er- ־schien Pan NVirginski mit seinem wilden Pferde auf der ‘Turmspitze. Das Pierd befand sich plötzlich, zwischen meinen Beinen. Ich stemmte mich mit den Füssen und zog mit dem Kopfe so heftig an, dass die Schlinge platzte •und ich auf den Weichteilen des Pferdes, dicht hinter Pan NVirginski zu sitzen kam. Vor Schreck sprang d;*s Pferd an die Seite. ... es war ein grauenerregender Moment .... Vor uns ein tiefer Abgrund .... Und Pan NVirginski, das Pferd und ich, wir wären sicherlich in den Abgrund gestürzt, wenn . . . ״NVcnn?" ״Wenn der Freund des Pan NVirginski einen Schlossturm gebaut, wenn Pan NVirginski bei ihn: gespeist, wenn Herr NVirginski den Turm erstiegen!,ätte, und w enn ich gehängt worden wü־c: Da nun keine Freunde und kein Turm, kein Pferd und kein Durnjewitsch da waren, so sind wir Gottlob wohl und gesund geblieben bis auf den heutigen Tag.“ Das Geplauder des Narren riet ein betäubendes Gelächter hervor. Pan NVirginski war rasend. ,;Wie. du glaubst, dich über mich lustig machen zu können? NVarte, ich will dir’s anstreichen!“ Und der dicke Pan Wirginski, der sicli kaum auf den Beinen halten konnte, streckte die Hand nach dem Narren aus, allein dieser wich ihm bellende aus und lief an die andere Ecke, des Balkons. (Fortsetzung folgt.) מיי

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