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Jüdische Rundschau · 1907-07-19 · Heft 29 (19.7.1907) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 29 (19.7.1907)
Date
1907-07-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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JÜDJSCI1E RUNDSCHAU. Seite 296 No. 29־ wartet nur noch auf die Delegierten. Endlich um ,־,Kl Uhr ist eine Einigung cizielt. Die Wahlen sind vollendet, die Ocncralredncr haben gesprochen und man schreitet zur Ab• Stimmung über die Resolution betreffend die irenulnationalei! Vereine. Die Spannung ist aufs Höchste gestiegen. Haben doch die böhmischen Delegierten erklärt, dass ihr Verbleiben in der Organisation nach Annahme der Resolution unmöglich wäre: l-nd sie wird dennoch mit überwältigender *Majorität unter grossem Beifall angenommen. Jetzt ergreift unter grosser Aufregung Dr. Emil Margulics das Wort und erklärte, dass die böhmischen Delegierten diesen Beschluss so lange als unverbindlich arischen würden, bis er durch den Kongress bestätigt wäre. Man atmet erleichtert auf. denn nach den vorhergehenden Erklärungen hatte man etwas anderes erwartet. Die Sitzung wird geschlossen und alles strömt in den grossen Nebensaal, der bereits drückend voll ist. Herr Dr. Bluhm eröffnet den Kommers, der eigentlich nach deutschen Begriffen keiner ist. Die Teilnehmer sitzen an Tischen und trinken und essen, was. wann und wie sie wollen. Nach den Begriissimgswortcn des Bielitzcr Herrn erhebt sich ungeheurer Jubel: Reiclisratsntu1׳Min!neter Adolf Stand besteigt das Podium, um die Testrede zu halten. In diesem Augenblick f!i!;!t mau den ganzen grossen Stolz, der unsere österreichischen Brüder angesichts der Tatsache erfüllt, dass sie vier eigene Abgeordnete in das Parlament entsenden durften Und auch uns deutschen Zionisten teilt solch etwas von diesem Stolze und dieser Begeisterung mit, als wir den ersten wahren Vertreter der galizischen Judcuheit, und wie wir einen Augenblick meinen, des jüdischen Volkes überhaupt, dort oben stehen sehen wie ein Eels in der Brandung, diese kräftige gedrungene Gestalt mit dem klugen Kopi aui dem Stiernacken, und l1'! Stunde vom Zionismus und Herzl erzählend und sich am Schlüsse zu einem Schwung erhebend, der alle mit sich iortreisst. Als er den Namen unseres unvergesslichen Führers erwähnt, erhebt sich die ganze Versammlung von ihren Plätzen und ehrt so spontan das Andenken des grossen Mannes, der an tbesem läge vor 3 Jahren ausgerungen hatte. Als sich endlich der Beifall, ' der diese Rede begleitete, gelegt hatte, stimmten die Anwesenden begeistert in das von der Militärkapelle intonierte Hatikwahlied ein und beruhigten sich nicht eher, als bis cs wiederholt wurde. Dann nahm Rabbiner Dr. Thon- Krakau das Wort und schilderte begeistert und mit hinreissender Beredsamkeit den verachteten Kaitanjuden, der zwi* sehen Bajonetten und Fäusten hindurch zur Wahlurne schritt, um sein jiidisch-nationalcs Bekenntnis abzulegen. Brausender Beifall lohnte auch diesen Redner. Noch sehen wir den Reigen und das Keulenschwingen der Damenriege des jüdischen Turnvereins Bielitz an — dann mussten wir zum Bahnhof ei!en, wollten wir noch zu unserem Zuge zurecht kommen. Unterwegs schloss sich uns ein jugendlich aussehendc-r Herr mit brauner Mappe unter dem Arm an — cs war der Reichsretsabgeordneter Dr. Gabel, das jüngste Mitglied des osterreichischen Parlaments. Traurig darüber, dass w ir nicht noch uem Ende des Kommerses, den Verhandlungen am nächsten• Jage und der Hcrzl-Ecier in der Bielitzcr Synagoge beiwohnen konnten, fuhren wir der preussischen Grenze zu. Wir dachten daran, ob wohl dort drüben im Deutschen Reich eine solche Veranstaltung in;glich wäre, mit so grosser nationaier Begeisterung, in einer Athnmsphäre. in der mau erst so recht den Pulsschlag warmen jüdisch-nationalen Lebens fühlt, und wir mussten diese Frage .ehrlich verneinen. Noch ist sie nicht mögiieh. Aber vielleicht später einmal?-- A. C. n r « 1 .1 וי!ו _•_ j!_ n. 11_I»..•- ui־, umi iiiiu^iiuiiuur, uiu umiuuiMiu und zionistische Paläst toa-Msi£ In No. 27 hat Herr Hermann Struck aus dem Sammclbände צ*ץ rt'*' einen Brief Dr.'EsricI Hildesheimers ז׳צ׳ד!ritgettilt, der heute nicht weniger aktucli ist als zu! Zeit stilles Erscheinens. Werden doch jetzt, nachdem durch die zionistische Palästina-Arbeit breitere Massen des jüdischen Volkes ein lebhaftes Interesse an dem gegenwärtig sich vollziehenden Wicdererwachen unseres Landes haben, auch die noch ausserhalb unserer Reihen Stehenden gezwungen, zu imsern Taten Stellung zu nehmen. Das traditi jnellc Judentum ist stets für Palästina tätig gewesen. Ob der einzelne hinüber wauderte, uni auf dem Israel verheissenen Boden zu sterben, ob sie für die Ch3Iuka spendeten und aui andere Weise für die jüdischen Einwohner des Landes sorgten, immer tritt die Liebe zu'NSVjא־ע *־ iir rührenden Aeusscrui.gen zu Tage. Nur allerdings ist die Art dieser Tätigkeit ungleichartig gewesen und seiten, sehr selten von grossziigigea Gesichtspunkten aus ins Werk gesetzt worden. Man liebte das Land der Väter, man war iiucrzeugt davon im tiefsten der Seele, dass es einstmals wieder ״Ich!“ meldete sich der Narr. ״Ach, du warst da!?“ fragte der total betrunkene Wirginski. ״Ich war und bin und werde sein — bei Gott." ״Nun, so erzähle diesen . . . diesen Toren weiter, mein Lieber.“ ״Darf ich?“ frag der Narr den Pan Potoeki leise. ״Lüge.“ ״Und die drei Worte, werden sie nicht folgen?" ״Lüge dreist, geprügelt wirst du nicht.“ ״Gerade um die Zeit, als der Freund des erlauchten Pan Wirginski seinen hohen Turm baute, diente ich dort als ein ... nun, ich wurde 7.u Laufgängen und Amorgeschäüen verwendet . . .“ ״Und was?” unterbrach ihn Bolepolski. ״Ist wirklieh Wirginski so hoch hinaufgeritten, dass er nicht mehr weiter konnte? Ha, ha, ha!“ ״Ich schwöre es bei den Bärten und Peics aller Zwantzer Juden, dass er bis unmittelbar an die Turmspitze geritten ist . . . Ja. noch mehr, erlauchte Herren, Bel dieser Gelegenheit hat mich der erlauchte Pan Wirginski vom Galgen gerettet. Weiss es noch Pan Wirginski?“ ״Ich hätte dich vom Galgen gerettet?“ sagte Wirginski, ihn erstaunt anglotzcnd. ״Ach ja. ja, so׳ ctw'as ist mir noch dunkel erinnerlich.“ ״Belieben die Herren auizupassen .... Pan . . . nun, der Freund des Herrn Wirginski übergab mir zwei. Billet-doux zur Beförderung an zwei befreundet^ Pannas. In meiner Dummheit verwechselte ich die Billcts, so dass jede Fauna das falsche Rillet erhielt. Es entstand eine Verwirrung, mein Pan — mm. er war ein wirklicher Pan. er machte kurzen Prozess. Er riet die Haiducken herbei und befahl ihnen, mich an der Spitze des Turmes aufzukiuipfeii . . . .“ ״Nun?" ״Natürlich haben sic mich aufgeknüpft.“ ״Und dann?“ ״Wie ich auch weinen tmd jammern mochte, sie warten mir die Schlinge um den Hals. Ich denke, das Ende naht. Und als sic mich hinanigezogen, gucke Ich mich um. und was sah ich da? ... . Nichts! Ich schwöre־ es wiederum bei den Peics und Bärten aller Zwantzer Juden, erlauchte Herren, dass die einzige glückliche Minute meines *Lebens die war, wo ich zwischen Himmel tmd Erde baumelte . . . .“ ״ ״Wirklich?“

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