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Jüdische Rundschau · 1907-07-19 · Heft 29 (19.7.1907) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 29 (19.7.1907)
Date
1907-07-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 29 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 295 r sondern damit auch die hebräische Sprache erklingt, wo einst der Väter hohes Lied erscholl in den herrlichen Klängen hebräischer Melodien. (Wird fortgesetzt) Zum 5. österreichischen Zionistentag Der Zug, der uns oberschlcsischc Zionisten und einige Gesinnungsgenossen aus Russisch-Polen durch'den herrlichen Morgen des 30. Juni nach Biclitz führte, hielt an seinem Bestimnningsort. Wir wurden־ am Bahnhof von einem Gymnasiasten oder Studenten erwartet und erfuhren erst jetzt — denn ein genaues Programm war leider vorher nicht veröftcntlicht worden —, dass die Verhandlungen des Parteifages bereits um 9 Uhr beginnen würde:«, bin Teil von uns blieb daher soiort in Bielitz, wahrend der andere — zu dem auch der Schreiber dieses gehörte — nach Lysira weiiciiuiir, um von dort aus einen Ausflug in die Berge zu machen und wieder einmal frische, reine Gchirgsluft zu atmen, die ja einem Bewohner des obcrschlesischen Berg- und Hiittenreviers so bitter not tut. Wir gingen also von Lystra hinüber über das Gebirge nach Bielitz. Schon kurz vor unserem Zi־׳' begegneten wir im Walde zwei Cheder-Jiinglingen in ihren fangen Kaftanen, ein Käppchen au! dem Kopf und den breiträudigen Mut in der Hand. Ihren schmächtigen Gestalten, ihrem blassen Aussehen merkte man an, dass sie im Glieder Kross geworden waien und nun diesen prachtvollen Sommertag benutzten, um auch ihren« Körper eine Stärkung zu teil werden zu lassen. Trotz des Fasttages (17. Thatnus) weilten sie mit leerem Magen den weiten Weg nach Lystra machen, sic verspätten keine Schwäche. Wir zeigten ihnen den Weg und zogen weiter nach dem Zigeunerwald. Nachmittags endlich fuhren wir nach dem Versammlungslokal, dem Biclitzcr Schiesshaussaal. Im Garten konzertierte ein Kapelle, während drinnen im Saal die Nachmittagssitzung bercits ihren Anfang genommen hatte. Gerade war das Referat des leider im letzten Augenblick am Erscheinen verhinderten Reichsratsabgeordneten Mahler verlesen worden, das, weil der Verfasser darin sich für den sog. politischen Zionismus aussprach, starke Verwunderung erregte, als wir den in den blau-weissen Farben ausgcschmiickten Saal betraten. Vorn sassen an Tischen etwa 70 Delegierte, während der hintere Teil des Saales den« Publikum reserviert war. Dr. Salz, ein jovial aussehender, kleiner Herr, präsidierte, zeigte sich aber im weiteren Verlaufe der Sitzung seiner ■Aufgabe nicht völlig gewachsen. Jetzt sprach Dr. Isidor Margulies über die Organisation, dann nimmt der Poalc-Zion das Wort, der seine Rede von« Manuskript abliest. Begriisseudes Händeklatschen: Dr. Kadisch besteigt das Podium und spricht äusserst tempcramcntvoll über die Sünden der Parteileitung in Mähren. Nach ihm kommt ein glänzender Redner zum Wort: Dr. Reich-Lemberg, der grossen Btiiall erntet. In dem schlecht ventilierten Saal wird die Hitze immer drückender und maneher flüchtet sich hinaus in den Garten, um frische Luft zu schöpfen. Nun verbreitet sich plötzlich das Gerücht: Dr. Emil Margulies spricht. Und alles eilt zurück, um die Rede des böhmischen Zionistenführers zu 'hören, der in warmen, eit«- dringlichen und so sympathischen Worten seinen Standpunkt verteidigt und einen verzweifelten Kampf gegen den Präsideuten kämpft, weil dieser ihm wegen des Ablaufs der Redezeit fortwährend das Wort entziehen will Ger Redner verteiüigt die Teilnahme der böhmischen Zionisten an fremdnationalen Vereinen und bekämpft die den gegnerischen Standpunkt hervorhebende Resolution der Parteileitung. Er findet keine Gegenliebe bei der Mehrzahl der Delegierten, die ihn durch häufige Zwischenrufe unterbrechen. Umsomehr jedoch beim Publikum, so dass sogar der Präsident in einer merkwürdigen Anwandlung von Parteilichkeit die Räumung des Saales androht. Während dieser Rede bekommt der orthodoxe Rabbiner Dr. Sechster. der sich auch sonst als sehr temperamentvoller Herr zeigt, einen Wutanfall und kam« nur mit Mühe besänftigt werden. U11J so geht es weiter. Die Diskussion dreht sieh ausschliesslich um das von Dr. Mar-; gulics angeschnittene Thema. Da noch eine grosse Zahl von j Rednern vorgemerkt ist, der Saal aber wegen der Vorbe- reitungen zum Kommers geräumt werden muss, wird zur Wahl ■ von Generalrednern geschritten und die weitere Verhandlung : in den anstossenden kleineren Saal verlegt. Dort finden jetzt auch die Wahlen zum Landeskomitee statt. Dabei kommt es zu derartigen Sturmszenen, dass der Präsident sich zu seiner Unterstützung der mächtigen Stimme Adolf Böhms bedienen muss. Dr. Isidor Schabt, der gew. Wiener Reichsrats- | kandidat, greift ein, eine imponierende Persönlichkeit mit I charakteristischem — fast hätte ich gesagt — Herzl-Kopt. Die Diskussion wird immer stürmischer. Und angstvoll kommen die Biclitzcr Zionisten sehen, ob denn noch immer kein Ende der Verhandlungen ist. Denn im Nebensaal haben sich * bereits die Teilnehmer des Kommerses versammelt, und man springt von der Galerie lind bleibt wie eine Katze auf den Pässen; ein dritter rittet mit einem zahnten Bären, I ״Und Sie, lieber Wirginski, was werden Sie zeigen?" i frug meine teure Kasimira mit zarter Stimme. Sie fragt . und stellt mich dabei so an.ach . . . so an, . . . ach!“‘ ״Treuloser, schon wieder?“ sagte Patina Watida aufspringend. ״Bitte, ich werde nicht mehr .... Mein jugendliclies Herz entbrannte . . . He, rief ich meinem Freund.־ zu, lass deine Pferde auf den Hof treiben. Ich werde ( euch ein Kunststück zeigen. Man brachte sie, ich sprang j von der Galerie, rannte im Fluge den Bären um und j stürzte mich unter die Pferde. Ich ergriff das rasendste,; unbändigste Tier an der Mähne und schwang mich auf j seinen Rücken ... Fs rannte hin und her . . . ״Nein.; Freundchen, du scherzest wohl, von mir reissest du dich j nicht mehr los.“ Der Gaul richtete sich, hast du nicht gesehen, auf den Hinterbeinen auf, tiberschlägt sich . . . Ich merke es und bin im Nu unten .... Er richtet sich wieder auf unJ im Nu bin ich wieder oben . ... .“ ״Nein, das ist fürchterlich, entsetzlich!“ höhnten die Zuhörer. ,.Lacht nur, lacht. Hättet ihr cs gesehen, ihr hättet die Hände über dem Kopfe zusammcngeschlagen vor Bewunderung. Meine Kasimira schrie auf . . . ״Die Arme! .... Sie schrie auf und fiel in Olmmacht! .... Natürlich!“ , ״Aber wie auch das Tier wüten und rasen mochte, | ich warf ihm die Ziigcl um und bändigte cs.“ j ״Aber Pan Wirginski, wo um des Himmels willen | hast du Zügel hergenommen? Du wirst dich ja noch erinnern, dass du keine Zügel hattest, als du von der Galerie gesprungen. Oder hast du sie etwa im Fluge aus der Bärenhaut geschnitten?" ״Zügel? . . . Sonderbare Frage. Mein Freund hatte deren zu tausenden.“ ״Schon gut. Weiter.“ ״Nun, meine Herren, ich jage auf dem Pferde wohl so cittc gute Stunde durch Feld und Wald, und dann geradeaus bis an die Spitze. Ich wollte noch weiter, sehe mich um .... geht nicht weiter . . rings herum . . . Luft . . . Bei Gott!" Ein schallendes Gelächter begleitete diese Erzälilung. ״Was wiehert ihr da? Glaubt es wohl gar nicht? Ihr Herren, ist keiner unter euch, der dazumal mit mir bei meinem Freunde gezecht?"

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