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Jüdische Rundschau · 1907-07-19 · Heft 29 (19.7.1907) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 29 (19.7.1907)
Date
1907-07-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 294 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 29 Palästinas cintauschten. Die Kolonisten verstanden und fühlten, dass das Hebräische, ihr Lebenseleinent sei, aus dem herausgelockt sie aufhören würden, den Grundstock für das werdende jüdische Kulturvolk im Orient zu bilden. Freilich nur in Palästina ist es mög-!ich, dass das Hebräische an die Stelle der jüdischen Yolksdialckte tritt, während in allen andern Ländern das Judcndcutsch und das Judenspanisch entweder von der Landessprache auigezchrt werden oder aber ihrerseits dem Hebräischen den Garaus machen, wie das mit der hebräischen Publizistik in Russland bereits geschehen war. Bei noch so hoher Bewertung der jüdischen Volksdialekte auch in nationaler Beziehung ist doch nur eine hebräisch-sprechende Bevölkerung wirklich imstande, ein jüdisches Kulturmilieu zu schaffen. Und so ist das Hebräische eine notwendige Forderung folgerichtiger nationaler Betrachtungsweise. Wenn es nun die Aufgabe der zionistischen Partei nicht sein kann, in Palästina itti eigentlichen Sinne Kleinkolonisation zu treiben, vielmehr durch den Erwerb v#>!» Konzessionen und durch die ganzt Schaffung einer Kreditbasis die Bedingungen der aus Privatinitiative sich aufbauenden Siedlung zu schaffen, so gehört es zur Schaffung dieser Bedingungen, dass die zionistische Partei an der breiten kulturellen Grundlage eines auf Sprache und Kultur sich äuibauenden Hebräertums itiitbaut. Es ist der grösste Fehler gewesen, dass man mit einer kleinen Ausnahme in früheren Jahren der französich wirkenden Alliance Israclite Universelle ausschliesslich die Schulen iiberliess. während man gtatibte, sich lediglich den materiellen Aufgaben zuwcjtden zu müssen. Es־ wäre unverantwortlich, wollte man von neuem in diesen Fehler verfallen. Dann aber muss mau sich hüten, durch eine falsche Kompromisspolitik sich von andern Organisationen ins Schlepptau nehmen zu lassen, die in der Diplomatie — ich meine die Diplomatia communis domcstica —- utiseru Zionisten doch über sind. Dazu kommt, dass diese Organisationen veranlasst sind, Versuche mit untauglichen Personen zu machen, weil diese untauglichen Personen von ihren Vertrauensleuten in Jerusalem empfohlen oder mit ihnen verwandt sind. Eine der hervorragendsten junger, pädagogischen Kräfte wairde von der Anstellung am Jerusalemer Lehrerseminar zurückgew iesen. weil sie nicht einer ganz bestimmten exklusiven Richtung angehörte, die sielt einen Einfluss auf die Besetzung der Lehrerstclkn zu reservieren weiss. Die Versuche, in den Bezalel eine Nepotenrcgierung einztiiithren, werden, wenn sie noch nicht geschehen sind, gewiss nicht ausbleiben. Wir Zionisten haben am allerwenigsten dazu Veranlassung, Privatbestrebangen zu unterstützen, die dahin gehen, noch mehr als bisher ״allen Einfluss*‘ in Jerusalem iu einer kleinen Gruppe zu vereinigen, die nicht gerade ideellen Regungen ihren Zusammenschluss verdankt. Die Behandlung dieser Kulturiragen in Palästina kann man billigerweise nicht von einer Palästinakommission erwarten oder verlangen, deren Kenntnisse und Neigungen natürlich nach einer ganz andern Richtung liegen und ausschliesslich sieh der Wirtschaftliehen Seite zuwenden. Aber die kulturelle Arbeit iu Palästina ist mindestens nicht von weniger Wert und geringerer Bedeutung als die siedlum'snvlmk.:j>e Tätigkeit. Wir dürfen der Palästinakommission deshalb keinen Vorwurf daraus machen, dass sie nach dieser Richtung hin völlig versagt hat. Hier wirkt nur eine Kommission, die ausschliesslich die Fragen des Unter- ־ und dahin gehört auch in erster der Nati eialbibliothek - für riclus und der Kultur - Linie die Gründung Palästina behandelt und die finanziell von der Wirtschaftliehen Palästinakommission völlig unabhängig ist. Die Pa I äs 11 n a k omni iss ion w ill die Mittel untersuchen, um die *einwandernden und ansässigen Juden iu Bauern zu verwandeln. Die P a 1 ä s t i n a k u 11 u r ־ k 0 m in i s s i o n müsste dafür sorgen, dass diese Bauern nicht verbauern. Wenn die Palästinakommission ein Jndnstriesyndikat zustande gebracht hat, so soll die andere Kommission dafür sorgen, dass der Industriearbeiter geistig im Judentum wurzelt und nicht der Unwissenheit verfällt. Wenn die Tätigkeit der Palästinakommission neue bürgerliche Elemente nach Palästina zieht, so muss von der andern Instanz dafür gesorgt werden, dass dieses bürgerliche Element in das Judentum und das erwachende Hebräertum hineinwächst. Fs bedarf dieser Ergänzung der Palästinakommissbn, damit nicht bloss Pflug und Sense ihren Klang geben. Spi innen und Fliegen Roman von B a g r 0 f f. Aus d. Russ. übersetzt. (Fortsetzung.) ״Siehst, Kosack, auch mit Narren küss’ ich mich. Was tust du denn gar so stolz, und worauf? Auf deine Reiterei etwa? Solche Streiche haben wir schon anno dazumal gemacht. Auch was besonderes, wenn vier Knechte das gesattelte und gezäumte Pferd halten! Versuchs doch, wie ich! Hinter einem wilden Pferde herlauien, es an die Mähne fassen, dich auf seinen Rücken schwingen, ihm beim grössten Galopp die Zügel anzulegen, es zu zähmen, dressieren, und nach kaum einer halben Stunde auf diesem rasenden, ungesaüehen, xvikien Tiere auf eiu; Turmspitze zu reiten. Das Kuuststiiekehen zeig‘ und dann prahle. Jawohl!“ ״Wann ist denn das mit dir passiert, mein Lieber?“ fragte Bolepolski lachend. ״Wann? Nun, ich will dir’s gleich sagen. Das war .... um nicht zu lügen .... im Jahre .... Ist auch ganz egal. Ich besuchte damals den . . . na, einen meiner Freunde, so wie jetzt. Bei diesem wurde gerade ein neuer Schiessturm errichtet. Wir assen, wir tranken, und da kam die Rede darauf, wer wohl das grösste Kunststück aiisziifiihren imstande sei. Nu. natürlich hegaunen alle ihre Stückchen zu zeigen. Ich schweige und trinke und lächle, und lächle so vor mich hin und trinke. Ihr müsst auch wissen, meine Herren, dass ich zu jener Zeit verliebt war wie ein Kater in die liebreizende Panna Kasimira, die Schwester meines Freundes .... Und wollt ihr wissen, meine Fr.unde. wie Panna Kasimira ansgesehen hat?“ ״Halt, Wirginski, zur Sache." unterbrach Potocki den Aufschneider. ״Entfachen Sie nur nicht meine Eifersucht, Pan Wirginski,“ flehte Panna Wanda. in ironischer Verzweifiimg die Hände ringend. ״Ach, Ihr göttlicher Kuss brennt mir noch auf meinen jungfräulichen Lippen!“ ״Ich werde nicht, hei Gott, ich werde es nicht tun.“ sagte der Dicke und stürzte vor Panna Wanda nieder. ״Forttahren, Pan Wirginski, fortfahren.“ drang man von allen Seiten in ihn. ״Was wollte ich doch nur erzählen?“ ״Von dem wilden Pferde und dem Schiessturm Ihres Freundes." ״Richtig. Alle zeigen ihre Kunststücke, ich aber schweige und trinke und schweige. Der eine schiesst nach einer Scheibe und trifft jede Kugel, ein anderer 1

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