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Jüdische Rundschau · 1907-07-12 · Heft 28 (12.7.1907) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 28 (12.7.1907)
Date
1907-07-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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28 .סא JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 287 ( rungenschaften leicht und freudig und natürlich vereint. Junges Judentum, nicht nachgeäfftes Europäcrtum, ,nüssen wir in Palästina pflanzen. Da ausser den Zionisten noch andere Organisationen im Lande wirken, wie die französelnde allgemeine Alliance und der deutsche Hilfsvcrein, so gilt es eine gemeinsame Basis zu schaffen, in der durch die Zusammenfassung und Zusanimenschlicssting aller kulturellen Einrichtungen und zivilisatorischen Faktoren ein Fundament geschaffen wird, um hebräische Bildung aufzubauen. Diese Bildung muss freilich hebräisch, jüdisch und palästinisch sein. Der erste Anfang einer kulturellen Organisation existiert bereits. Der ist auszubauen. Aufgabe der zionistischen Schulpolitik ist es, auf Orund der gemeinsatnen Organisationen die hebräischen und jüdischen Forderungen der Gegenwart zur Geltung zu bringen. Dass neben dem Hebräischen die Landessprache und die türkische Sprache der Staatsregierung in betracht kommen, haben wir oft genug hervorgehoben. Der Zusammenschluss aller jüdischen Kulturinstitutionen und ihrer Auftraggeber wird die Grundlage zu gemeinsamer erfolgreicher Arbeit abgeben. Freilich werden zum Zwecke gemeinsamer Arbeit auch Grenzen abgesteckt werden müssen, um den einzelnen Gruppen ihre Interessenspluiren und mit diesen ihr Interesse zu erhalten, das Hebräertum und der Zionismus werden von dieser gemeinsamen Arbeit in Palästina gewiss keinen Schaden haben. Jedenfalls wird sie einen wesentlichen Fortschritt gegenüber einer Politik des Diplomatisierens bedeuten, die von anderer Seite manchmal noch ge- Schicht. Hier handelt es sich um gemeinsame Arbeit mit einander und nicht gegen einander. Die Unterschiede werden durch sie nicht verwischt oder aus der Welt geschafft. Aber es wird eine Grundlage gemeinsamer und fruchtbringender friedlicher Arbeit geschaffen. Heinrich Sachse. (Weitere Artikel folgen.) Antisemitismus in der Schule Es gibt bekanntlich einen Antisemitismus in der Schule, den man oft recht erheblich zu fühlen bekommt; vielleicht um so mehr fühlt, weil man ihm nicht derart auf den Leib rücken kann, wie man es gern möchte. Viele glauben, nur dann einen Vorstoss wagen zu dürfen, wenn die Gewissheit besteht, dass der betreffende Hebens* würdige Lehrer vom Provinzialschulkollegium gen־,assregelt wird; andere aber, deren Gefühl, beleidigt zu sein, auch direkt getroffen ist, wenn die Beleidigung — anderen Juden gilt, sind nicht so vorsichtig. Emil Cohn zog einen Lehrer zur Verantwortung, weil er den Namen Moses ״undeutlich״ aussprach — aber das konnte ja ein Sprachfehler sein! Zu dem unerschöpflichen Kapitel ein neues Beispiel aus Marburg a. d. L.: In der Unter-Sekunda der Realschule wird der ״Tartarin de Tarascoti" gelesen. Es kommt folgende Stelle vor: les parfums du viel Orient se compliquent d'une forte odeur d'absinthe et de caserne, Abraham et Zonzon mC16־s. Der Lehrer verwendet — gewiss um den Kindern das Exempel recht anschaulich zu machen, fast eine halbe Stunde zu einer Erklärung. Er sagt ungefähr: Der Jude wird hier als Beispiel des Schmutzes hingcstellt. Dann wird er plötzlich aktuell: in der Tat, wenn man heute nacli Amsterdam kommt, stinkt cs in den Judenstrassen, wo sie das Fleisch in Fett kochen, von weitem. Ein jüdischer Schüler, der sich durch die unzweifelhaft mit Tendenz bieitgctretenen Erklärungen \erletzt fühlt, bemerkt darauf: Aber, Herr Professor, Sie sagten uns doch, dass die Christen in Italien heute auch ״riechen“. Der Lehrer: Will ich auch gar nicht bestreiten. Aber ich war auf der Leipziger Messe, da stinken diese Pollackcn schon auf hundert Schritt; es ist doch sprichwörtlieh, dass der Jude der Typus des Drecks ist. Man sicht sofmi, dass der Lehrer hier mit Genugtuung und persönlich engagiert interpretiert hat. Christliche Mit- Schüler versuchten nach der Stunde, die jüdischen Kameraden zu trösten! Gewiss ein Beweis für ihr Verständnis der Absichten oder Gesinnung des Lehrers. Aber der Provinzial-Rabbiner von Marburg, *der gleichzeitig Religionslehier ist, und der Leiter eines jüdischen Kinderheims, dem eine Anzahl der jüdischen Kinder untersteht, tut dazu — nichts. Weshalb? Und das ist das Schlimmste an dem Fall! ״Er hat blos interpretiert, Taktlosigkeit? Nein, höchstenst Mangel an Takt, und das ist vielleicht schon zu viel gesagt; das liegt so im Menschen, da ist nichts zu machen." So sagte mir einer der Herren. Und der andere: Wir gehen nur dann vor, wenn wir die Gewissheit haben, dass der betreffende Lehrer gemassregelt wird! Chmiclnicki blickte forschend um sich, und als er den Raum zwischen sich und Panna Oda ermessen und sich überzeugt hatte, dass ■cs unmöglich war, den Pokal zu erlangen, ohne vom Pferde zu steigen, gab er, kurz entschlossen, dem Tiere die Sporen. Nach zwei, drei schwerfälligen Langaden zwang er es, die Treppe zu erklimmen. Nach Verlauf einiger Sekunden vernahm man aus dem Saale Huftrittc und schweres Schnarchen, und gleich darauf erschienen Ross und Reiter auf dem Balkon. Die Gesellschaft stob nach allen Seiten auseinander. Der Reiter beugte sich nieder, nahm den Pokal aus der Hand der Panna Oda und rief mit lauter Stimme: ״Auf das Wohl der Panna Oda und der ganzen edelherrlichen Gesellschaft!“ ״Bravo, Prachtkerl!“ tönte es von allen Seiten. ״Ein Reiter muss, ohne vom Pferde zu steigen, den Schuh von den zarten Füssen seiner Dame reissen und ihn aufs Woh! aller Damen leeren. Wenigstens haben wir es In unserer Jugend so gemacht,“ sagte Bolepolski. Chmielnlcki setzte sein Pferd in Bewegung und wollte sich Panna Oda nähern. ״Um Gott! Nein, nein ... ich fürchte dieses rasende Tier!“ ״Fürchten Sie nichts, edle Panna, Konrad ist jetzt zahm.“ ״Nein, nein, ich bitte Sie, bleiben Sie auf Ihrem Platze. Hier meinen Schuh!“ Sie riss ihren Schuh vom Fnsse und warf ihn dem Reiter zu. Der Mundschenk füllte ihn mit Wein, der Reiter brachte einen Toast aus auf das ganze schöne Geschlecht und leerte ihn in einem Zuge. Dann schob er das Pferd rücklings in den Saal und ritt vorsichtig die Treppe hinunter. Schaumbedeckt, mit eingefallenem Leibe gehorchte Konrad seinem Besieger und vollzog seine kleinsten Wünsche. ״Bogdan," rief Potocki seinem Stallmeister laut zu. ״Du hast meinen Konrad besiegt. Der Besiegte muss der Sklave des Besiegers sein — Pan Potocki liebt Gerechtigkeit — Konrad ist dein!“ ״Hoch Pan Potocki! Hoch der kühne Reiter!“ rief Jan Bolepolski. * * * Adlige Gerichtsbarkeit. Der durch die beschriebenen Szenen unterbrochene Schmaus wurde wieder aufgenommen. Die Mund-

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