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Jüdische Rundschau · 1907-07-05 · Heft 27 (5.7.1907) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 27 (5.7.1907)
Date
1907-07-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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No. 27 Seite 279 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Ich bitte zu dir. lebendiger Gott und ruie dich an aus der Tiefe. O Gott! Erhöhe den Ruhm unseres heiligen Landes und gib in das Herz unserer Brüder, der Kinder Israels das Streben, dich zu lieben und zu erhöhen, dir Ruhm. Preis und Herrlichkeit zu schaffen, bis der Messias kommen wird, und ewige Freude sein wird über utisern Häuptern. Esriel Hildesheimer zu Berlin. Die Ackerbauschule in Jaffa Wie üblich, geben wir hier ausführliche Auszüge aus dem Jahresbericht, den der Direktor den! Ccntral-Comit6 über das Ackerbauwerk für 1905/06 erstattet hat: Ich erwähne wie alljährlich die hauptsächlichen Vorkommnissc. die sich auf unser Internat und unsere praktischen Versuche in dem eben abgeschlossenen Emtcwirtschaftsjahr beziehen. Unterricht der Zöglinge: Unsere Anstalt hat eine Daseinsberechtigung nur dann, wenn sie den von ihren Begründern vorgezeichneten Zweck erfüllt: für die in Palästina niedergelassenen Kolonisten als Mustergut und als Versuchsschule zu dienen, körperlich und beruflich die jüdische Jugend durch Einimpfung des Geschmacks an der Landarbeit zu regenericren. Daüim beginnen wir die Darlegung der Entwicklung unserer Schule mit dem Kapitel, das von den Zöglingen haudilt, den Hauptinteressenten an unserem Werk. Zahl der Zöglinge: Am 31. Oktober 1905 hatte unsere Schijc 72 Zöglinge. Im La ui des Jahres wurden 19 aufgenommen. 33 entlassen, so dass am 31. Oktober 1906 eine Zahl von 5$ geblieben war ,die sich durch 27 Neuaufnahmen auf 85 110b. Drei von unseren Zöglingen sind Muselmanen. Ich bemerke bei diesem Anlass, dass die muselmanischen Familien auf das dringendste die Zulassung ihrer Söhne erbitten, weil unsere Ackerbauschule die einzige in der ganzen Gegend ist. Das Central-Comitee hat die Aninahmc als vereinzelte Vergünstigung gestattet. Von den entlassenen 33 Zoglingen hatten 5 den 5jährigen. 1 einen •1jährigen, 13 einen 3j:ihrigen Schulkursus durchgemacht. 12 waren 2 Jahre. 2 nur 1 Jahr bei uns geblieben. Die 5 Zöglinge, die den ganzen Kursus durchgemacht haben, sind Itn Ausland untergebracht worden. Von den 25 anderen waren 8 Sühne von Kolonisten. Sic sind gemäss dem neuen Reglement nach 2jähriger Uebungszeit zu ihren Eltern zurftckgekchri. 5 mussten aus Gesundhcltsrücksichten entlassen werden. Aus besonderen Anlässen wurden 5 Zöglinge von den Eltern heimberufen. 7 zeigten sich für die Landwirtschaft ungeeignet, und 3 mussten wegen schlechter Führung iortgeschickt werden. Versorgung der abgehenden Zöglinge: Zu1־ Zeit der Gründüng der Kolonien in Palästina und der Schaffung neuer Landwirtschaftsschulcn — die Alliance entschloss sich damals, diese Schulen mit technischem Personal auszustatten — hatten meine Vorgänger keine Schwierigkeiten, ihre abgehenden Zöglinge unterzubringen. Die einen fanden Anstellung bei den mit der tmd erquickte sich an dem schönen Anblick. Als der wilde Konrad auf den Paradcjdatz sprang, erschrak sie im ersten Moment und eilte von dem Gitter weg, aber als sie sah. dass das Pferd an Lcir.cn von den Knechten fcstgehaltcn wurde, beruhigte sie sieh und nahm ihren früheren Platz wieder eir. Ihre Furcht schwand ganz. Von Natur aus für alles Schöne und Ästhetische empfänglich, begeisterte sie sieh auch jetzt an der wilden Schönheit des Pferdes, von dessen Existenz sie bisher noch gar keine Ahnung hatte. Als aber der Reiter aut das Pferd sprang und zwischen dem Menschen und dem Tiere ein verzweifeltes Ringen begann, erbebte, das Mädchen und schrie mit krankhafter Stimme auf: ״Grossväterchoji. Grossväterchen!“ ..Was gibt's. mein Herz?“ fragte der herbeieilcnde Greis erschreckt. ״Es wird ihn herunterwerfen, ihn erschlagen!“ ״Was soll ich dagegen machen?“ fragte der Greis lächelnd. ״Hier, nimm meinen Stock und rette ihn.“ ״Ach. wie schrecklich! .... AI1 . herrlich! lut . .יי Wie er davonsaust! .... Wie schön er ist, Grossvätc'rchen! Sieh! .... ach mein Gott, das Pferd erhebt sich wieder .... Jetzt fällt er. . . nein, ach, Gott sei Dank!“ Landwirtschaft noch wenig vertrauten Kolonisten. Später verwendete die I. C. A. mehrere in ihrer Verwaltung. Alljährlich nahmen sic eine gewisse Zahl in das agronomische Institut auf. Die ande ,n wurden meist in Aegypten untergebracht als Angestellte bei den jüdischen Grossgrundbesitzern. Diese Plätze sind aber immer seltener geworden. In den Kolonien haben die Ansiedlerkaum Arbeit genug für die eigenen Kinder und die zahlreichen russischen Zuwanderer. Die I. C. A. vermindert von Jahr zu Jahr die Zahl ihrer Verwaltungsbeamten. Ihre Ackerbauschulcn sind mit Personal reichlich vc1־- sorgt, und die Zulassung zum agronomischen Institut erfolgt nur noch ausnahmsweise. Man ist davon abgekommen. Acgypten als eine Art gelobtes Land zu betrachten. Freilich ist Aegypten nach wie vor überwiegend ackerbautreibendes Land, und mehrere Glaubensgenossen besitzen dort ausgedehnte Ländereien. Aber unsere armen jungen Leute können mit dem arabischen Landarbeiter, der sich mit einem lächerlichen Lohn begnügt, nicht konkurrieren. Ohne übermässig anspruchsvoll zu sein, haben unsere Zöglinge, die mit einer Fülle theoretischem und praktischer Kenntnisse unsere Anstalt verlassen und danach ein Volontärjahr absolviert haben, um sich mit der ägyptischen Landwirtschaft vertraut zu machen Anrecht aut* eine angemessene Entlohnung. Ucbrigens bevorzugen die Verwalter der ägyptischen Grossgrundbesitzer die eingeborenen und muselmanischen Werkiührci. die die arabischen Arbeiter mit der Peitsche traktieren, während diese Arbeiter sich von einem Fremden auch, rieht einen Nasenstüber würden gefallen lassen. Keine Möglichkeit mehr, unsere Zöglinge in Aegypten unterzuhriugen. Wir laufen Gefahr, unsere jungen Leute den landwirtschaftlichen Bcrui verlassen und schlecht bezahlte, aber leichte Anstellungen im Hamlelsgcwcrbc anuehmen zu sehen. Die Ungewissheit ihre־ Zukunft hat die Moral unserer Zöglinge sehr beeinflusst, einige von ihnen entmutigt. Es musste ein :*euer Ausweg ihr sie gefunden werden. Und der scheint sic!! in Kanada zu bieten. Mit Hilfe der Alliance, der I. C. A. und des Baron Hirsch-Fonds können einige unserer Zöglinge nach Kanada gehen, um dort eine Zeitlang als Arbeiter tätig zu sein und dann Pächter zu werden. Die während des letzten Jahres in Kanada gewesen sind, schreiben, dass sic mit ihrer Lage zufrieden sind. Eben jetzt schicken sich 6 unserer Zöglinge an nach Amerika zu gehen. . Die Möglichkeit, bei ihrem Aust'itt aus der Schule Arbeit zu finden, hat unsere Zöglinge ermuntert und ihnen einiges Vertrauen in die Zukunft eingeflösst. Gesundheitszustand: Die Primarschulen der Türkei versehen uns nur in beschränktem Masse mit Kandidaten. Unsere Schule ergänzt sich aus Syrien und besonders den palästinensischen Kolonien, so dass von den 25 Schülern, die den nfcuen Jahrgang darstdlen. 5 aus Russland sind, aus Gallipoli. von Dcmotica und den Dardanellen. Die 23 anderen stammen aus Syrien: nämlich: 10 aus Jaffa. 4 aus Tibcrias. 3 aus Rischon. 2 aus Damaskus. 2 aus Jerusalem, 1 aus Wad-il-Hanen und 1 aus Saida. Eine betrübliche Folge der Vorherrschaft des syrischen Elementes ist die Einschleppung von Augenkrank- So regte sich das nervöse Mädchen aui und jubelte und verzagte wegen des kühnen Reiters. Und als Ross und Reiter zum Tore hinaussetzte״, und hinter dichten Staubwolken verschwanden, sprang Esther vor Freude und klatschte in die Händchen. ״Jetzt, Grossväterchcn. fürchte ich nicht mehr für den jungen Pan. Er wird nicht mehr herunterfallcn.“ ״Man kann es nicht wissen.“ ״Nein, nein, er fällt nicht mehr. Er ist mächtiger als das rasende Tier. Ah. was ist das für ein prächtiges Pferd . . . und ein schöner Pan. nicht wahr, Gross- Väterchen?“

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