Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1907)
- Date
- 1907-07-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 280 JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 27 heiter! in unser Heus׳. Beinahe ailc Kinder aus dieser (lesend sind mit mehr oder wenige.* schweren Augenkrankheiten behaftet oder dazu prädisponiert. Es ist sehr schwer, eine strenge Wahl zu treffen, man müsste sonst alle Kandidaten zurückschicken. Die Folgen haben sich fühlbar gemacht. Während des ganzen Monat März Hafen wir epidemische Augenkrankheiten zu beklagen. Dank der Hingebung unscrers überwachenden Pharmazeuten, der Fürsorge unseres Arztes und dank den Ausflügen, die wir unsere Schüler gelegentlich des Passahfestes haben machen lassen, ist der Epidemie Einhalt getan, und jeder hat seine Arbeit und seine Studien in bester Gesundheit wieder aufgenonunen. Personal: Ich freue mich. Ihnen hier wiederholen zu können, dass ich dieses Jahr nu* zufrieden sein kann mit der Hingebung, die von unseren Lehrern und Angestellten jeden Grades entfaltet worden ist und mit der treuen Anhänglichkeit, die sie unserer Anstalt beweisen. In den häufigen Vcrsanimlungen. zu denen wir sie berufen, setzen wir die anszufülirendc Arbeit fest. Die bei solcher Gelegenheit veranstalteten, den Untrricht und den Feldbau betreffenden Erörterungen sind sehr nützlich lind erzeugen eine gewisse Vertraulichkeit, die das Band unter den Kollegen nur fester knüpfen kann. Alle setzen Ehrgeiz darein, die Aufträge, die man ihnen anvertraut hat. erfolgreich ausz.iitühreti. Jeder in seinem Bereich und alle vereint bemühen wir uns. das Gedeihen der Anstalt zu sichern. Landwirtschaftliches Ergebnis: Pas ländliehe Arbeitsjahr hat unter ungünstigen Bedingungen begonnen. Es regnete ebensoviel wie im vorigen Jahr. Wir haben im ganzen 630 Millimeter gehabt. Das ist ein normaler Durchschnitt; aber der Regen war verspätet, vielfach Platzregen, von Hagel begleitet. Unsere tmiartige und ieste. schnell gesättigte Erde, die trotz vorhergegar.geiler Entwässerungen häufig und lange überschwemmt war. das andauernde Stehen der Gewässer, hat das Wachstum des Unkrauts zum Nachteil des grössten Teiles der Nutzpflanzen begünstigt, die siel! nicht entfaltet haben oder durch die Sirocc׳* zu Schaden gekommen sind. Abgesehen von den Orangengärien aber haben unsere Pflanzungen kaum unter der Ungunst der Witterung geliueu und mit verschiedenen Sommerpflanzuagen und unserem W ein die Lage gerettet. Die Wintersaaten sind fast völlig z.j Schaden gekommen. Da der Ertrag des landwirtschaftlichen Jahres sich recht ungünstig anlässt, haben wir uns bemüht, durch Herabsetzung der Ausgaben auf das unbedingt Notwendige Abbilic zu schaffen. Die Einnahmen betrugen Frs. 70822.50. die Ausgaben betrugen Frs. 62561,90; das Reinerträgnis war somit Frs. 8260.90. Das ist im Vergleich zu den investierten Kapitalien ein recht magerer Ertrag, der sich daraus erklärt, dass wir. unsere allgemeinen Unkosten haben vermehren müssen, um die Sicherheit unserer Anstalt zu festigen, dass infolge Jcr wirtschaitlichcn Krise in unserer ganzen Gegend (schlechter Vcrkauf der Weine und der Orangen) die Einnahmen sich vcrminderten, und dass das Wetter wäh־end des ganzen Jahres ungünstig war. In guten Jahren dürfen wir aui eine Verdoppehmg des Reinertrages rechnen. Am Ende aller Enden können wir in Anbct־acht des Misswachses unserer Wintersaaten und des abnormen Regenialles mit dem Ergebnis leidlich zufrieden sein das hinter dem des Vorjahres nicht zuriiekstand. Wenn auch der Reinertrag noch immer nicht merklich wächst, so geht doch das Defizit der Landwirtschaftssclmle von Jahr zu Jahr zurück. Dieses Defizit betrug im Jah־v 1901/02 noch Frs. 91».592.05. im folgenden Jahr Frs. 68 705.1 ׳י js!1 nächsten Jahr 70 016.70, im Jahre 1904/05 noch Frs. 55 435.15 und im ahgclanienen Jahr nur l'rs. 51 378.61. Aus dem Semestei bericht der Alliance brachte Universelle. Vom Informationsdienst in Palästina (Auszug aus einem Berichte über das erste Halbjahr des Iniormatioi’sbureaus». Die ersten Versuche eines Info mationsdienstes Mir Palüstina wurden durch eine Privatperson. Herrn 8־cb. Gordon. gemacht, der iu den jüdischen Zeitungen eine Mitteilung vcröffentliehte. dass Leute, die Informatimi.n über den Stand des Handwerks, des Handels oder der Industrie in Palästina verlangten, sich an ihn um Auskunft wenden sollten, wobei 70 Kopeken für jede Auskunft gezahlt werden sollten. Es kamen im Laufe des Jahres ca. b»00 Anträgen meistens von ganz armen Leuten, die nicht einmal die oben angeführten kleinen (iebülren bezahlen konnten. Für die wenigsten bot sich angesichts ihrer Mittellosigkeit augenblickliche Arbeitsgelegenheit. Eine kleine Zahl von Handwerkern und Arbeitern kam aber doch auf Grund der erhaltenen Informationen nach Palästina. Nach den Oktobcrpogromeu vermehrte sieh die Zahl derer, die nach Palästina auszuwandern beabsichtigten. Darunter waren auch Leute, die im Besifz von mehreren tausend Rubeln waren. Der Mangel eines wirklich ausgebildeten Inforinationsbureaus. das einerseits mit den Emigranten, anderseits mit den massgebenden Faktoren in verschiedenen Städten in Palästina oder im nahen Orient in Verbindung stünde, wurde jetzt vielfach stärker fühlbar. Das Wilnaer zionistische Zentralkomitee widmete sich eingehend der Frage und entsandte fTerrn Dr. Scheinkiu nach- Palästina, der unterwegs verschiedene wichtige grössere Orte des Orients, wie Alexandria. Kairo. Port-Said usw. besuchte und mit einigen bekannten Persönlichkeiten in Verbindung trat, die siel! zur Auskunitserteilung an das in Jaffa zu begründende luformatiousbureau bereit erklärten. In Palästina selbst konstituierte sich bald ein Komitee von Leuten, die das Land genügend kennen, um die Iuformationssuche zu organisieren. Es wurde ein Arbeitsausschuss, bestehend aus den Herren Diesenhof. Trietsch. Hayn! und Oordoti, gewählt, die ein- bis zweimal wöchentlich sich versammeln sollten, tun wichtigere Angelegenheiten zu erledigen. Ein weiteres •Beratu׳:gskon!itec versammelte sich einmal monatlich, um iibr die allgemeinen!־'ragen zu beraten. Für die laufenden Geschäfte wurde ein Sekretär eingesetzt. Im Aufträge des Komitees besuchten die Herren Diesenhof und Dr. Scheinkiu die Städte Beiröt und Damaskus und gründeten dort Filialen des Informationsbureaus. ebenso wurden Filialen in Jerusalem und Haifa, später in Hebron und Berseba gegründet. Das Iniormationsburcau wandte sieh zunächst mit Fragebogen an viele Einwohner des Landes. Fachleute. Arbeiter usw., bekam jedoch eine ungenügende Zahl von Antworten. Anderstits hörte das Wilnaer Zentralkomitee auf. die Kosten des Iniormatiousdienstcs zu tragen, und so erlahmte die Tätigkeit fast vollständig. Im Oktober 1906 kam die Nachricht, dass das OJcssaer Palästinakomitee bereit sei. für die Kosten des Iiiformations: bureaus auizukommen. und so wurde dessen Tätigkeit neu aufgenommen. Es wurden einige Reformen eingeführt: Der Sekretär des Bureaus erwartete alle Schiffe und verständigte die Ankömmlinge vom Vorhandensein und dem Zweck des Bureaus. Allmählich bemühte sich das Bureau, zu einer Vcrmittlungsstelle für Arbeitgebe״ und Arbeitnehmer zu werden, und errichtete ausserdem einen Handelsklub. d. 11. eine Abteilung, wo verschiedene Geschäftsleute Zusammenkommen, die einander Geschäfte Vorschlägen oder Geschäfte suchen. Die Ergebnisse der Informationstätigkeit für das e״stc Halbjahr sind zusammengetasst folgende: Es kamen rund 400 Briefe mit Anfragen. Sie verteilen sich folgcndcrmasscn: 35 % der Anfragen kamen von Handwerkern, denen man meistens eine günstige Auskunft erteilen konnte. 15 von Interessenten für Land- und Gartenwirtschaft. Diese Kategorie von Korrespondenten bestand zumeist aus Ijmten. die im Besitze von 2 3׳«׳in Rubeln waren und die Land auf Abzahlung oder in Pacht nehmen wollten. Wi־׳ mussten ihnen bezüglich der Mögliehkeit des ratenweiseu Kaufes eine negative Antwort geben und wiesen sie nur darauf hin. dass sie von einzelnen Faktoren so der Jca. event. unter gewissen Bedingungen Land bekommen komitcm II‘׳׳' der Fragestellenden waren Geschäftsleute. Unter diesen waren Leute, die 5 —6000 Rubel im Vermögen hatten. Wir haben ihnen positiven Bescheid geben können. Aus dieser Kategorie kanten einige weniger Bemittelte nach Palästina. Etwa 9 r׳U der Korrespondenten waren Vertreter der sogenannten liberalen Professionen. Von diesen konnten wir nur Apothekern raten, zu kommen. Bisher aber hat .sich kein Apotheker ansässig gemacht. Endlich, waren 10'׳ Leute, die entweder l.cl!rer>tellen suchten oder iu die existierenden Schulen als Schüler eintreten wollten. Unsere Auskunft für diese war meistens günstig. Ein kleiner Bruchteil. 5 'l. waren Leute die sich für Fabrikindustric interessierten und aiicl! im Besitze de* nötigen Kapitalien waren. Von letzteren hat einer, auf unseren Rat hin. eine Fabrik für Daclizinnen eröffnet. Unter den Arbeite::!!, die nach Palästina kamen, waren nur einzelne, die sich früher an das Bureau gewandt hatten, die andern haben sieh wahrscheinlich bei den Arbeiter- Organisationen in Palästina Rat geholt. Das Bureau heute etwa 1000 Besuche zu verzeichne!!. Davon sind einige Hunde*t der wichtigsten eingetragen worden: a) Handwerker, denen wir fast durchweg Arbeitsstellen aufweisen koimten. Uobcrhaupt können fleissige. gesunde Handwerker die sich in der ersten Zeit mit 1’j Fr. pro Tag hegniigen. innre־ Arbeit finden. Dann waren es b) Geschäftslente. die in Palästina Geschäfte gründen wollten. Wir haben