Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1907)
- Date
- 1907-07-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 27 JÜDISCHE RUNDSCHAU. Seite 277 Ganze Gebiete, wie die Armen- und Krankenpflege, sind hier nicht behandelt worden, weil sie im allgemeinen schon jetzt zweckentsprechend gehandhabt werden. Es ist jedoch Aufgabe der zionistischen Ortsgruppen, überall die Verwaltung der Gemeinden auch hierin zu verfolgen, um auftretende Missstände zu rügen und abzustellen. Es erscheint daher notwendig, dass fortgesetzt und auch ohne, dass Gcmeindewahlen bevorstehen, mehrere geeignete Mitglieder der Ortsgruppen ihre besonderes Augenmerk auf die Gemeindeverwaltung richten, den öffentlichen Sitzungen der Repräsentanten beiwohnen und sich in jeder Weise in die Materie einarbeiten, damit sie fähig sind, den Wahlkämpf zu führen und etwa selbst ihrerseits als Geincindebevollmächtigtc zu fungieren.*) Dr. Heymann. Wegen Zion Nach Dr. H i l d c s 11 c i tu e r mitgeteilt von H. Struck. Aus dem Buche: בת ציון**.? ..eine Sammlung von Aus- Sprüchen hervorragender zeitgenössischer Gelehrter zu Gunsten/ der Besiedelung Palästinas“ herausgegeben von Abraham Jakob Sluzky. Warschau, gedruckt bei Gebr. Schuld־ berjr. Dsika No. 1. 1591. S. 52: Brie! von Dr. Hildesheimer, Berlin: (Da die Uebersetzung nachfolgenden interessanten Briefes, der hebräisch geschrieben ist, möglichst wortgetreu sein sollte, ist sie recht unbeholfen ausgefallen: ich bitte den Leser deswegen um Verzeihung. Hermanan Struck.) ״Nach Babe! werden sie kotr.nicn und dort werden sie sein, bis ich ihrer gedenken werde und sie heraufiührcn werde an diesen Ort“, so sprach Gott zu dem Propheten Jeremias (Kap. 27. Vers 22). Wie alle Worte Gottes, die wie ein Hammer Felsen zerschmettern. so kann auch diese Prophezeiung •verschieden begründet und au!gefasst werden. Denn obgleich der Ausdruck ..bis ich ihrer gedenken werde“ gegründet ist auf das ״Gedenken“ selbst (in den Tagen Esra’s). so ist er doch auch gegründet auf den [allgemeinen] Begriif selbst. Und darum haben besonders wir Söhne Deutschlands uns amgemacht, wo seit fünfzig Jahren Rabbiner und Gcmeindcvertrctcr sich bemühen, jedes Andenken an Jerusalcm und den Gottesdienst im Heiligtum aus unser!! Gebeten zu tilgen und auszureissen. zu zerbrechen und auszumerzen aus den Herzen der Schulkinder jedes Gedenken an die zukünftige Erlösung, und zu sagen: ״Zerstöret, zerstöret es bis auf den Grund ‘: in der Annahme, dass sic sich dadurch dem Volke des Landes assimilieren würden: die Hauptsache nära- *) Der Artikel ist für das A-B-C-Buch geschrieben worden. ״Er reitet nicht iibcl,“ lobte Wirginski. ״Nicht schlechter als du?“ ״Ntm, das wäre doch ein wenig zu viel gesagt.“ ״Auch was besonderes, sich auf einem Kälbchen zu halten.“ spottete jemand. ״Ich nehme mein Wort zurück. Pan Stephan. Dein Konrad ist kein Kälbchen.“ erklärte Pan Wirginski feierlich. Doch Potoeki hörte nichts; schweigend und finster blickte er vor sich hin. Der errungene Sieg über seinen geliebten Konrad hatte ihn tief verstimmt. ״Das ist kein Pferd, sondern ein wütendes, rcissendes Tier,“ sagte einer der Freunde des jungen Potoeki zu diesem. ״r.ourad ist ja noch nicht dressiert. Man hat vor kurzem erst angefangen, ihn au den Sattel zu gewöhnen. Ein einziges Mal nur versuchte einer unserer Stallknechte ihn zu besteigen, und musste diese Anmassung mit seinem Leben bezahlen; Konrad richtete sich nämheh auf den Hinterbeinen auf. überseltlug sich und erdrückte den Vorwitzigen. Seitdem hat es niemand ge- ■wagt, seine Kräfte an Konrad zu probieren.“ ״Umsomehr Ehre Eurem Stallmeister. Er ist wirk- Jich ein ungewöhnlicher Reiter.“ lieh war In ihren Augen die Emanzipation, während die jiidische Wesensart und ihr Bestand in ihren Augen wie ein bitterer Tropfen erschien. Was aber tat der Allmächtige in seinen unwägbaren Gedanken? Er brachte über uns die Antisemiten. die überall, besonders aber in Deutschland, ihr vei- Mcrbliches Werk treiben, um diesen Toren zu zeigen, wie sehr sie sich verrechnet haben: denn unser!! Hassern und Vcrfolgern genügt es. wenn jemand als Jude geboren ist — und wenn er auch inmitten ihres Volkes geboren wurde, seine Väter und Vorväter aber Juden waren, so wird er doch bei ihnen durchaus als Semit betrachtet, und sie streben in gleicher Weise darnach, ihn zu. verjagen und seinen Lebenserwerb zu unterbinden. Als diese Toren das sahen, erstaunten sie. erschraken, waren erschüttert, und Zittern ergrifi sie! Und obgleich sic trotz alledem noch nicht dazu zurückkehrten, die Gesetze der Thora mit all ihren Auslegungen zu beobachten, so erinnerten sie sich doch wenigstens daran, dass sie Juden waren und gewannen die Uebcrzcugung, dass all ihr Streben, ihr Judentum von sich abzuwerfen, ihnen nichts nützen und am Tage der Not sie nicht retten würde: und so entstand eine Art Verbindung zwischen Gruppen unserer Brüder: das Wunderbare aber ist. dass gerade das listige Streben, das Gedenken der Vergangenheit und der Zukunft aus den Herzen unserer Bruder zu reissen. die Heilung brachte: so wie wir von früheren Zeiten gehört, so sehen v ir auch jetzt das Wiederaufleben der Gottesstadt, die der Ewige für immer befestigen möge! Als die Stürme begannen und unsere Hasser zur Macht gelangten und der Strom der Auswanderer gewaltig anschwoll, trat hier in Berlin eine zahlreiche Versammlung der hervorragenden Juden Deutschlands. Frankreichs. Englands und Amerikas zusammen; und alle beschlossen, die Auswanderer nur nach Amerika zu schicken; ich aber blieb allein mit meinem Anträge, einen Teil der Spenden unserer jüdischen Brüder abzusondern auch iür diejenigen, die nach dem Lande unserer Väter sich sehnen, um seine Steine zu umanr.cn und seinen Staub zu küssen: doch niemand hörte auf mich, und Alle beschlossen einstimmig, dass für die Auswanderer nu! Amerika allein geeignet sei, das Land der Freiheit, um dort Wohnsitze zu gründen für die vielen Zehntausende des gespendeten Geldes! Was aber war das Ende davon? Zum Kummer derer, die Amerika empfohlen hatten, kehrten viele Tausende nackt und arm in ihre Heimat zurück; denn sie hatten keine Arbeit iür ihre Hände gefunden und waren sogar gezwungen gewesen, den rechten und geraden Weg zu verlassen, besonders in der Erziehung ihrer Kinder zu Thora und Gottesdienst! Und auch die für unsere Brüder in Amerika begründeten Wohnsitze reüssierten nicht, und die Tausende und Zehntausende des gespendeten Geldes, die für Bauten verwendet wurden, waren verloren: denn die meisten Bauten sind bereits zerstört, und auch von den zwei übrig gebliebenen. die ebenfalls nicht vom Glück und Segen begünstigt sind, ist cs sehr zweifelhaft, ob sie sich überhaupt werden erhalten können! Nach dem Misslingen der Versuche mit diesen Wohnsitzen änderten unsere Brüder, die sich damit befasst hatten, ihre ״Hat wahrscheinlich früher als Pierdejiinge gedient,“ meinte Kasimir Potoeki mit einem verächtlichem Lächeln. ״Umsomehr Ehre für uns, die wir mit dem Pferdejungen an einem Tische sitzen.“ ״Bald werden Patina Oda und Pater Benediktus in unsere cdelhcrrliche Gesellschaft noch die Schweinehirten des Pan Potoeki cinführcn.“- Der kühne Reiter beschäftigte entschieden alle Anwesenden und forderte bei dem einen Lob und Bewutiderung, bei dem anderen Neid und Missgunst heraus. Am meisten aber bewunderte ihn die!Menge, die den Gitterzaun des herrschaftlichen Schlosses umlagert hatte. Und die Menge dort war eine ungeheure. Alle Bewohner von Zwantz strömten nach dem Schlosse, tun Musik zu hören, die erlauchten Gäste zu sehen. Aus Rücksicht auf den so feierlichen Tag wurden sie nicht davougeiagt. — Unter den Zuschauern befand sich auch der Zwantzer Rabbiner mit seiner geliebten Enkelin. Esther sah allerliebst aus. Eine purpurrotc, mit Tressen bcsetzte Samt jucke umfasste bequem ihre ebenmüssige Taille, ein kurzes schwarzes Scidenkleidchen bedeckte nicht ganz ihre zarten Fiissclten, die in schneewcisscq