Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 27 (5.7.1907)
- Date
- 1907-07-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 276 JÜDISCHE RUNDSCHAU. der Gemeindemitglieder benutzen müssen, so dar!‘ niemals vergessen werden, dass wir hier nicht als zionistischc Organisation der Gesamtjudenheit, der Türkei und den Mächten gegenüber stehen, sondern als jüdische Volkspartei einer bestimmten lokalen Gmeinde. Hier muss unsere Forderung sein, sie aus einer nichts als religiösen Institution wieder zu dem mächtigen, das gesamte politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben des Judentums umfassenden Körper zu machen, auf streng demokratischer Basis und zu ״Stärkung des jüdischen Volksgefühles und Volksbewusstseins*‘. Zu diesem Zwecke bedürfen wir aber eine grundlegende Umgestaltung der gesamten Gemcindeorganisation und eines weitge, . nden Ausbaues ihrer sozialen und kulturcllen Einrichtungen. In diesem Sinne fordern wir. als Vertreter aller stammbewussten und treuen Juden, von den jüdischen Gemeinden, sowie von alle,» ihren Vertretern, dass sie cintreten für die Durchführung folgender Reformen: A. Politische Organisation der Gemeinden. 1. Trennung der religiösen und sozialen Fraktionen der Gemeinden durch Schaffung gesonderter Religiousmul Sozialgemcindcn. 2. Ausgestaltung der Religionsgemeinden nach dem Parochialsystcm. Erleichterung der Schaffung freier Synagogcngemeindeii jeder Richtung. 3. Regelung aller sozialer, politischer und kultureller Angelegenheiten durch die Sozialgemeinde. 4. Schaffung finanziell beitragsfähiger Verbände der Sozialgemeinden sowie einer Gesamtvertretung der Judenschait eines Distrikts wie des ganzen Deutschen Reichs mit dem Rechte der Besteuerung 5. Das Wahlrecht zu allen Vertretungen ist auf breitester demokratischer Basis auszugestalten• B. Soziale Forderungen. 1. Schaffung einer Kreditgenossenschaft zur Unter- Stützung jüdischer Handwerker und Gewerbetreibender durch Gewährung von Vorschüssen. 2. Schaffung eines jüdischen Volkshauses als Sammelplatz der jüdischen Bevölkerung und des jiidischeu Vereinslebcns. Spinnen und Fliegen Roman von Bagroff. Aus d. Russ. übersetzt. Drittes Kapitel. (Fortsetzung.) ״Prachtkerl!“ rief Bolepolski beifällig. ״Nicht so schnell," sagte Potocki ärgerlich. ״Conrad hat noch nicht alle seine Manöver erschöpft Er hat noch verschiedenes in Vorrat. Da ... . sieh . . . . Pater Benediktas, beten Sie für die Seele eine« Unglücklichen! Konrad schlägt sich über, hier ist keine Rettung mehr!“ Und als sei es den Gedanken seines Herrn gefolgt, hielt das Pferd plötzlich im grössten Galopp iuue und richtete sich auf den Hinterbeinen so hoch auf. das< der Reiter wankte; hätte er sich in diesem Augenblicke nicht an den Hals des Tieres geklammert, er wäre uufehlbar gestürzt. Doch dieser Moment genügte dem Reiter, um sich wieder zu stärken. Konrad richtete sich immer mehr auf, und als er seiner ganzen Länge nach aufgerichtet war, begann er sich nach rückwärts zu beugen, in der bösen Absicht, sich rücklings umz״- werfen, und den an ihm klebenden Reiter mit der Wucht seines Körpers zu erdrücken. Ein furchtbarer Na 27^ 3. Schaffung von jüdischer! Lehrlings- und Gehilfenheimen. 4. Förderung jüdischer Sport- und Turnvereine. 5. Fürsorge für landfremde Durchwander.r. Bahnhofswachen bei Auswandererzügen. Schaffung jiidischer Herbergen zur Aufnahme der Fremden. Regelung der Wanderbettelei. Schaffung eines Arbeitsnachweises. Unterstützung der Vereine, welche diese Aufgaben pflegen. 6. Unterstützung jüdischer Organisationen, welche auch über den Rahmen der Gemeinde hinaus das V oll! des Judentums fördern. 7. Einrichtung einer jüdischen Reehtssehutzstelle zum Schutze unbemittelter und rechtsunkundiger Juden. C• Kulturelle Forderungen. 1. Schaffung ausreichenden Unterrichts für all׳.• Kinder der Gemeinde in der jüdisch •n Lehre, der hebräischen Sprache und der jüdischen Geschichte. Das Hebräische ist als lebende Sprache ibrith bcibriili zu lehren. Der Unterricht in der jüdischen Geschichte ist bis auf die Gegenwart fortzufiihreu und hat das jüdische Bewusstsein und Solidaritätsgefiihl der Jugend zu erwecken und zu stärken, 2. Erhaltung und Neueinrichtung jüdischer Volksschulen, soweit solches nach Massgabc der Finanzlage der Gemeinde, der örtlichen Verhältnisse und der Staatsgesetze durchführbar erscheint. 3. Begründung und Unterstützung von volkstinnliehen jüdischen Lesehallen und Bibliotheken in Verbindung mit den jüdischen Volkshäusern. Hinsichtlich aller rein religiöser Angelegenheiten haben wir als Organisation keine Stellung zu nehmen, da wir sie als Privatsaelie des einzelnen betrachten. Spielen sic in den Wahlkampf hinein, so ist jedenfalls für Erhaltung des Hebräischen als Gebetssprache sow ie des Sabbaths alz einzigen offiziellen Woche,ufeiertages einzutreten. Was private Religionsgemeinschaften tun, ist deren Sache. Vorliegend aufgezählte Forderungen, die wir an die jüdischen Gemeinden Deutschlands stellen, werden wohl überall genügende Anregung bieten, um den lokalen Bedürfnissen angepasst, den Stoff zu einem wirkungsvollen Gemeind ewalilprogramm abzugeben. Moment entstand .... Auf dem Balkon ertönte der Schreckensruf eines Weibes . . . Die Gesellschaft war fürchterlich erregt. Und der Reiter begriff seine Lage voll und ganz, verlor aber seine Geistesgegenwart nicht. Blass wie der Tod und mit entsetzlich drohendem Blick versetzt er dem Tiere einen Eaustsclilag zw ischen die Ohren mit einer solchen Wucht, dass dieses sein furch׳- bares Vorhaben vergass und betäubt auf die Vorderbeine stürzte. Und in demselben Momente klammert׳-* sich der Reiter an den Hals des Tieres, schrie nrt furchtbarer Stimme auf und grub sein: Sporen tief!־: die Seiten des Pferdes. Konrad sprang wie ein Tiger auf und raste von dannen, in demselben Augenblicke waren Ross und Reiter hinter dem Tore verschwielden.Laute Beifallsrufe folgten dem Reiter von dem Balkon aus nach. ״Pan Stephan, du bist ein Gliicksmenscli; bei dir ist alles ungewöhnlich. Pierde und Dienet־!" sagte Bolepolski. ״Und ich denk׳:, dass jetzt beide verloren sind.'* ״Ich wette auf den Reiter,“ sagte jetzt Wirgindä ״eine Tonne des besten Ungar gegen eine Kanne. Giit's. Pan Stephan?“ ״Es gilt.“ *