Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1907-06-14 · Heft 24 (14.6.1907) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 24 (14.6.1907)
Date
1907-06-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2651500-2651524--04754-2661742
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 24 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 243 Petroleum. Der Petroleum-Import hat sich ln den letzten 6 oder 7 Jahren verdoppelt, da cs der Landbevölkerung neuerdmgs zu Leuchtzweckcn das Olivenöl ersetzt und ferner infolge der Einführung von Pctrolcununotorcn. Aus Oesterreich Die Reichsratswahlen sind nunmehr endgültig vorüber. Die Zahl der jüdischen Abgeordneten hat sich fast verdreifacht und beträgt gegenwärtig 19. Hiervon sind jüdischnational: Dr. Gabel, Dr. Maliier, Stand und Dr. Strauchcr, Unabhängiger Jude: Dr. Gross (Krakau); Sozialdemok raten: Beer, Diamant, Ellenbogen, Freundlich, Licbermami, Spiclmaitn. Winter; De u t sc h I r c isi^n i g: Kuranda, Ofner; P r e i s 0 z i a I i s t: Stark; Polenklubmitglieder: Gail, Gold, Koüscher und Löwcnstein. In nichtjüdischen Wahlbezirken wurden bloss Sozialdemok raten resp. 1 Freisozialist von ungetauften Juden gcwählt. Ausserdem gibt cs eine Anzahl Getaufter itn Pariament. z. D. der sozialdemokratische Führer Dr. Adler, die Deutschfortschrittlichen Lieht und Redlich und den Jungtschcchen Strausky. Licht und Redlich erhielten tncrkwiirdigcrwcisc viele jüdische Stimmen, trotzdem ungetaufte Juden (Kohr: und Glaser) ihnen gegenüberstanden. Die Jndiscluiationalen haben nicht so viel Abgeordnete erhalten, als sie hoffen durften. Schuld daran sind jedoch nicht die Wähler, sondern die galizischei! Wahlkommissionen hezw. die Behörden. So hatte z. B. Braudc bei der Stichwähl in Stanislau die Majorität der abgegebenen Stimmen bckommen. Was tat nun die Walilkntmnission? Sic erklärte 152 Stimmzettel für ungültig, weil Br.uidc's Vorname ״Markus“ mit einem ..c" geschrieben war. Nun .,siegte“ der polnische Kandidat mit knapp IW Stimmen Mehrheit. Aehnlicli ging cs auch in den anderen Wahlbezirken zu. Wenn nur ein Zehntel dessen wahr ist. was die oppositionellen Wähler 111 den Wiener Tageszeitungen berichte:!, müssten etwa 20 galizisclte Wahlen annulliert werden. Die ALLGEMEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS berichtet, dass in Tarnopol der ״gemässigte Israelit" Gail gewählt wurde, und meint gleichzeitig, die Zionisten hätten für eigen ruthenischeu Geistlichen gestimmt. Dazu muss bemerkt werden, dass die Zionisten allen Grund gehabt hätten, gegen den ,jüdischen Polen" Gail zu stimmen, es aber zum grossen Teil nicht getan haben, da er sich als ..gemässigten Israeliten“ kandidieren Hess. Nachdem er mit Hilfe dgr Zionisten gewählt war, erklärte er. dem Polcukluh beizutreten, da er sich in erster Linie als P o I c und in zweiter Linie — nicht als In d c fühle. B. G. Alliance Israelite Universelle Nur Böswillige werden bestreiten wollen, dass der Zweck der Alliance ist: dem Wohlc der Gesamtjudenheit zu dienen. Dass die Gründung der Alliance in Frankreich erfolgte, und dass das Zentrai-Komitec in Paris seinen Sitz hat. hat nichts mit dem Charakter der Gesellschaft zu'tun. Sie ist eine rein jüdische Institution, die nur der Jiulenlieit dienen soll, nicht dem Franzoscntum oder dem Deutschtum oder anderen Volkslümerti. Es ist aber rein psvchologiseh wohl erklärlich, wenn in der in Paris domizilierenden, von französischen Juden geleiteten Juden geleiteten Alliance doch Französisches präiMinderiertc. Diese unbestreitbare Tatsache wurde übertrieben, und die Ucbcrtrcihung wurde zu einem Vorwurf für die deutsehen Mitglieder der Alliance. Das ״Semper aliqtiid haeret" und die Furcht a,'7.ustosscn, dns Bestreben, nur ja keinen Anlass zu dem Anschein einer Berechtigung' eines Vorwurfs zu gehen, hatten zur Folge, dass die Alliance in Deutschland immer mehr Mitglieder verlor. Nicht ohne Zusammenhang damit entstand der ..Hiltsvercin deutscher Juden“, Angegriffen und angefeindet auf der einen Seite, mehr aber anerkannt, gcfördert und aufs eifrigste unterstützt auf der anderen Seite, war der ״Hilfsvcrcin" eine Anregung zur Gründung einer deutschen Abteilung der Alliance, der deutschen Konfcrcnzgcmeinschaft der A.I.U. Zweck: in Anpassung an die allgemeinen Satzungen und an die Verfassung der A.I.U. deren Aufgaben und Interessen in gemeinsamer Arbeit zu fördern. Will heissen: Neues Leben. Von diesem neuen Leben ist aber leider bisher auch dem freundlichsten Beobachter nichts bekannt geworden. Dass die Mitgliedcrzah! inzwischen gestiegen ist ist anders zu deuten. Die Zahl der neuen Mitglieder entspricht ungefähr den inzwischen der Zeitschrift OST UND WEST ahgcsnrungcncn Abonnenten. Denn das Abonnement für diese Zeitschrift kostete und kostet 7Mk., die Mitgliedschaft bei der Alliance aber nur 5 M.. wofür man OST UND WEST gratis erhält, also 2 Mfc. erspart. Dass OST UND WEST inzwischen aus der Monatsschrift für ..modernes Judentum“ zu einer solchen für ..das gesamte Judentum“ wurde, ist wohl nicht sonderlich aufgciallcn. Der Inhalt ist aber auch keineswegs ein besserer seitdem geworden. Wo aber ist das ״neue Leben“? Auch die erste der regelmässigen Jahrcssitzungcn der ״deutschen Konfercnzgcmcinschaft“ brachte es nicht. Soll cs vielleicht der ..Alliance-Tag“ bringen, der wohl demnächst tagen wird? Wir honen cs. Wir hoffen es ehrlich. Denn wir schreiben dieses nicht aus einem Uchchvollcn gegen die Alliance heraus. Die Alliance war uns stets mehr als ein grosser Verein von vielen Juden. Wir haben aber mit grossen! Bedauern wahrgenommen, dass sic ihrer grossen Aufgabe nicht gerecht wurde. Darum freuten wir uns auch, als wir der! Ansatz zu neuem Lehen, zu neuem Wirken mit neuen, frischen Kräfte׳: sahen. Aber cs scheint nun wiederum, als sollte unsere Freude verfrüht gewesen sein. Wo sind die neue״, jungen Kräfte? Wir sehen s:c nicht. ..Die bestehenden deutschen Bezirks- und Lokal-Komitees sind straffer zu organisieren,“ ist vor länger als einem Jahre, am 13. Februar 1906 beschlossen worden. Wir haben von der Ausführung dieses Beschlusses zu unserem Bedauern nichts wahriieh.mcn können. ..Die Bezirks- und Lokal-Komitees müssen jedes Jahr neugewählt werden.“ heisst es in Art. 17 der Statuten der Alliance. Wann haben die letzten Wahlen stattgefnndeu? Es soll Orte und Bezirke gehen, in denen schon seit Jahren keine Wahl statu'and. Es soll auch Orte geben, in denen noch nie eine Wahl stattfand. Obwohl ein Lokal-Komitee existiert. Weshalb das? Wenn wirklich neues Lehen erblühen soll, wenn wirklich neue Kräfte herangezogen werden sollen, nicht Ross zur Beitragsleistung, sondern zur Mitarbeit, so muss in den Lokal- Komitees eingesetzt werden mit der Arbeit. Die Mitglieder und die von ihnen gewählten Vertreter ihrer Anschaumiß■ müssen Gelegenheit erhalten, ihrer Meinung, ihrem Wollen Ausdruck zu gehen. Dann erst ist zu erwarten, dass der ״Alliance-Tag“ wirklich eine Institution werde die berufen ist. etwas zu leisten, die imstande ist. neues Leben erstehen zu lassen zum Wohle der Gesamtheit, wie cs den edlen Gründem der Alliance vnrschwebtc. als sic sic ins Lehen riefen. Tülle!. Australien Der VOSSISCHEN ZEITUNG entnehmen wir folgendes: Wir erhalten die nachstehende Zuschrift zu den Mittciltmeeu 1'iber ״Ein it'idisches Reich In Palästina“ in einer der kt/ten Nummern: Es besteht natürlich ein gewaltiger Unterschied zwischen einem jüdischen Reich, das wohl mit Recht für in absehbarer Zeit unerreichbar gehalten wird, und einer kompakten auto- Immen jüdischen Sicdcltmg. welche sehr gut denkbar, wenv auch aus dem Grunde schwer durchführbar ist. weil die 5 6 Millionen Juden Russlands und Rumäniens, die ja im wesentlichen das Material hierzu liefern müssten, nur zum kleineren Teile Ackerbauer sind, und cs in der ganzen Welt hei den im Vergleich mit der Industrie noch rückständigen Methoden des Ackerbaues nicht leicht ist. Städter in grossen Massen wieder zu Ackerbauern zu machen. Trotzdem zeigt gerade die jüdische Kolonisation, dass dies, wenn man sich die nötige Zeit lässt, doch wohl möglich ist. und besonders die von Baron llir.se!! vor nunmehr 15 Jahren begründeten Kolonien in Argentinien, die übrigens niemals bezweckten, ein ..neues Palästina“ zu werden, sondern als eine Zufluchtsstätte für Verfolgte gedacht waren, zeigen nach Überwindung der Kinderkrankheiten ein erfreuliches Gedeihen. Die in diesen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.