Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1907-06-14 · Heft 24 (14.6.1907) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 24 (14.6.1907)
Date
1907-06-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2651500-2651524--04752-2661740
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 241 N0.24 hat, ist nicht zu starker Natur, hoffentlich iedoch stärker als die. deutsche Oesinnung aller der deutschnaticxiakn Rabbiner, die einst im Magyarenlande ihre Kindhcitsgeschichte verlebten. Wenn er meint, dass, weil wir deutsche Geschichte und jüdische Wissenschaft pflegen und kennen, wir weniger gute vaterländische Gesinnung hätten, als er, so gönnen wir ihm von Herzen diese kindliche Genugtuung. Aber er möge sie für sich behalten. Sobald er sie in die Ocffentlichkeit bringt darf er sich nicht wundern, wenn er korrigiert wird. Aber er soll sich nicht einbilden, dass seine Hurrahreden, auch wenn sie im Abwehrblättchcn gedruckt werden, uns irgendwie ein Wegweiser für unsere vaterländische Gesinnung sein könnten, ln Preussen gibt es nur einen Mann, der den Weg weist, und dessen Wille massgebend ist für die vaterländische Gesinnung — Herr Steinhardt möge als liberaler Mann uns verzeihen, dass wir diese Meinung offen und ehrlich aussprechen — das ist der König von Preussen. Wenn wir wissen, dass wir ihm die Treue wahren und in seinem Sinne pflich:־ gemäss handeln, so handeln wir vaterländisch. Unser König und nicht der jüdische Gemcindevorstand be• stimmt für uns, was patriotisch ist. Er aber hat mit deutlichem Hinweise jene Rede im Stündchause in Posen gehalten, die massgebend für unseren Patriotismus und für unsere Stellung im Königreiche Preussen ist. Sie nicht zu kennen, ist ein Mangel an vaterländischer preussisclier Bildung. Wir weisen es auch entschieden zurück, wenn die von einem Reichsausländcr redigierte liberale ALLGE- MEINE ZEITUNG DES JUDENTUMS das ungesetzliehe Verfahren der jüdische,!! Gemeinde mit preussischein Bureaukratismus verglich. Niemals hat die preussische Bureaukratie ein ähnliches Oewaltverfahren gegen einen Beamten sich zu Schulden kommen lassen wie jetzt die Berliner Jüdische Gemeinde. Wenn dem liberalen Herrn Steinhardt daran lag. dass seine in Eisenach gehaltene Rede mit ihrem Hurrali in recht weite Kreise dringen möge, so war dagegen der Liberale Wahlverein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin vorsichtig genug, hinter verschlossenen Türen zu tagen. In allen den vielen Inseraten, in denen zu der Versammlung in der Gesell- Schaft der Freunde eingeladen war, wurde nachdrück־ lieh darauf hingewiesen, dass nur Mitglieder mit ihren Frauen Zutritt haben sollten. Galt doch der Abend ebenfalls dem Thema ״Deutschtum und Judentum“, also unter diesen Umständen dem Falle Cohn. Der Saal war erschreckend leer, entsprechend den wirkliehen Verhältnissen in der Berliner jüdischen Oe* meinde, in der der liberale Gedanke in der Verwaltung lediglich den ungezählten Millionen der Liberalen gegenüber der recht geringen Zahl liberaler Parteigänger zum Ausdruck kommt. Dr. Cassel sprach in dezenter Weise, ohne den Fall Cohn zu erwähnen. Er erwähnte, wie nahe uns unsere jüdischen Brüder in Russland wären, well sic mit uns eines Stammes wären. Dann aber redete der Vorsitzende, Herr Justizrat Breslauer, und lobte die Gemeindebehörde.! ganz allgemein. Und da er niemals in eigener Person Gelegenheit hatte, die Hilfe der Jüdischen Ocmcindc als Armer oder Durchreisender in Anspruch zu nehmen, so kann er wirklich die Gemeinde nicht mit dem grimmigen Hasse bedenken, der in der Seele des armen Juden als Stachel j zurückbleibt, der einmal in liberaler Weise dort ״Wohl- | taten“ empfangen hat. Die gleiche subjektive Anj schaumig liess ihn die Vorwürfe und Darstellung des ’ Justizrat Lilienthal wiederholten, die ja objektiv falsch sind, aber jedenfalls an Justizrat Breslauer einen von der Wahrheit überzeugten Apologeten finden. Er wies j darauf hin, dass ja Dr. Cohn wirklich ״in Lohn und j Brot“ bei der Jüdischen Gemeinde gestanden hätte, und! verglich demgemäss seinen Fall mit dem eines Hand- \ lungskominis, mit dem man j a auch n i c h t ü b c r!den Anlass der Kündigung zu diskuj t i e r e n habe. Das ist eine Ansicht, die unsere ( Rabbiner nicht sehr hoch einschätzt, eine Einschätzung.; an der alle die Rabbiner mit Schuld tragen, die durch j Ducken und Bücken die Stellung gedrückt und untergraben haben, immerhin aber eine ehrliche Ansicht. Wer die Stellung des Rabbiners nicht noch mehr er• niedrigt wissen will, muss sie bekämpfen. Sicherlich besitzen unsere Rabbiner genug Ehrgefühl, um, wenn auch nur allmählich, zu verstehen, wo sie stehen müssen. Wenn er dann hervorhob, dass wir erst! Deutsche, dann Juden wären, so stellen wir fest, dass wir in deutschen Dingen zuerst deutsch und in jüdischen zuerst jüdisch sind und uns nicht zu dem liberalen Standpunkt aufschwingen wollen: ״Das ist ganz richtig, aber man darf es nicht sagen!“ Dagegen müssen wir es aufs allerentschiedenste zurückweisen, wenn er sich dahin verstieg, zu beftaupten, dass durch Dr. Cohns Broschüre der Ton der Un Wahrhaftigkeit hindurchgehe. Wenn er das sagte, so hat er eben kein Empfinden mehr für wahre und lautere Ueberzeugung ausserhalb seiner seilen, die Taugenichse reizen ihn bloss durch ihren , Unverstand.“ j ״Gott, soviel Menschenleben einem nutzlosen wilden Tiere geopfert!“ brummte Don Pedro und eilte im 1 Laufschritt nach dem Hinterhof. — Gleich darauf ver-; nahm man heftige Huftritte, ertönte mächtiges Wiehern ( und wütendes Schnarchen. Auf dem Paradeplatz sprang der wilde Konrad gesattelt und gezäumt, an rotseidenen ' Leinen vier stämmige Stallknechte hinter sich her-! schleifend. Angesichts der ungewöhnlichen Körperkraft! dieser Herkulesse und ihrer Gewandheit, mit der sie die ] Wutausbrüche des Tieres hemmten, seinen Hufen und Zähnen auswichen, hatte Potocki keine Veranlassung, über seine Stallknechte zu klagen. Der erbitterte Kampf zwischen Menschen und Tier dauerte mehrere Minuten. Die Menschen siegten. Das Ptcrd wurde vor den Baikon geführt und fest angebunden. — Es war dies ein Pferd von ungewöhnlicher Schönheit und Grazie. Ein feiner Bau, nicht grosser Wuchs, ein gedrechseltes Köpfchen mit breiten durchsichtigen Nüstern, eine edle kräftige Brust, ein herrlich gerundeter Hals, feine zarte Beinchen, von einem Netz dichter Adern bedeckt, stellte Konrad den Typus der arabischen Vollblut-Rasse dar. Seine goldglänzende Farbe schimmerte in der Sonne wie Atlas. Grosse schwarze Feueraugen, die sich in ihren Höhlen unruhig bewegten, das den aufgeblasenen Nüstern entströmende Schnarchen, der Unterkicter und Brust bedeckende Schaum, die kleinen bewegiiehen Ohren, die schwarze, in der Luft flatternde Mähne und ein ebenso dichter, in der Luft wie ein Fächer ausgebreiteter Schweif zeugten von der Bosheit und Tücke, sowie von der grossen Unbändigkeit des Tieres. Als Konrad auf dem Paradeplatze erschien, sprang die ganze Gesellschaft wie ein Mann an das Geländer des Balkons und folgte voii Bewunderung und Entzücken den graziösen Bewegungen und elastischen Sprüngen des wundervoll schönen Tieres. Und als es schliesslich schnaubend und schnarchend mit einem \ I h

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.