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Jüdische Rundschau · 1907-06-07 · Heft 23 (7.6.1907) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 23 (7.6.1907)
Date
1907-06-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 23 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 237 «essen könnte und meinte, es sei aus Versehen geschehen. Weder bei der Versammlung, noch bei dem Antragsteller schien diese Verteidigung recht verfangen zu wollen, welch letzterer ihm entgcgnetc: am Ende könne nächstens ein moderner Rabbiner als Entschuldigung für sich v geltend machen, er habe vergessen, dass er Jude sei. und dann aller■ dings seien die Konsequenzen kaum mehr auszudenken. b. Schächtverbot Schweidnitz. 31. Mai. Aus der Stadtverordnetcnversammlung. Eine Reihe wichtiger Mitteilungen und Beschlüsse brachte die heutige Stadtverordnetensitzung. Eine lebhafte Debatte zeitigte der Antrag des Justizrats üroegen, für den hiesigen Schlachthof ein Schächtverbot zu erlassen. Trotzdem Ficischermeister Obst den Verniittelungsvorsch'lag machte, die israelitische Oemeinde zu ersuchen, durch Beschaffen von Matratzen und vorschriftsinässigem Schüchtzcug die Qualen der Tiere zu verringer», beschloss die Versammlung, den Magistrat zu ersuchen, die Ausnahmebcdingunget! für die Schächter zu streichen, als» das Schlachten nach Jüdischem Ritus zu untersagen. Der deutschfreiheitliche Block Das GRAZER TAGBLATT präludiert den Prager Verhandlungen betreiiend die Bildung eines deutschircihcitliclicn Blocks mit folgenden Bemerkungen: ..Wir glauben, in jeder deutsclifreilioitlichcit Gruppe Märuier zu sehen, die diese Partei brauchen kann. Ausgeschlossen müssen im vorhinein die Juden sein. Man wird zwar von einem Dr. Gross oder Dr. Skedl keinen Antisemitismus iordern können, aber kein Mitglied der neuen, auf freiheitlicher Grundlage ruhenden deutschen Partei darf in der Betätigung des praktischen Antisemitismus und in der Propaganda daiür gehindert werden. Wir können noch viel mehr, als dies die Polen bei ihrem Zusammenschlüsse in eine nationale Gruppe tun werden, die vollständige Aufrecht- י crhaltung der deutschnationalen Grundsätze iordern. Sie werden sich aucli zuerst auf jene Grundgedanken der nächsten sozialen Arbeit einigen können, deren wir dringend bedürfen, Trotz aller in die Augen springenden wirtschaftlichen Unterschiede in der deutschfreiheitlichen Gruppe muss auf national• ireihcitbchcm Boden jene wirtschaftliche Ausgleichung für das ganze Volk zustande kommen; denn keinen farblosen .,deutsehen Klub“ schlimmen Angedenkens wollen wir, sondern eine sich mit Kraft ausbildende Partei, die sich den Namen einer deutschsozialcn Partei ehrlich verdienen soll. Somit wird der sogenannte ״deutschfreiheitliche Block** einen antisemitischen Gharakter tragen. Die Wiener ״liberale“ Presse lässt T/ompetenstösse erschallen, um die Bildung dieses sogenannten ״freiheitlichen** Blocks zu iordern. Wird man mit den G e tauften Dr. Redlich und Dr. Licht Nachsicht üben? Die Herreit Hofrat Hock. Dr. K u r a n d a und Dr. Offner erhielten keine Einladung zur Beratung der deutschen Abgeordneten; sie sind Mandatare jüdischer Wählerkreise und des■ wegen wird der Bann über sie verhängt. Die Wiener jüdische״ Wähler, sowie ihro erkorenen Abgeordneten wehren sich mit aller Gewalt gegen den ״Standpunkt des Judentums“. Sie wollen durch׳ aus ״Deutsche“ sein, wie der ungarische Chefredakteur der!Berliner ALLGEMEINEN ZEITUNG DES JUDENTUMS'. Allein die Vertreter der Deutschen in Oesterreich kennen zunächst gar keinen anderen Standpunkt und die Vertreter jüdischer Wählerkreise spielen die tragikomische Rulle, das nicht sein zu wollen, wofür sie genommen werden. Die polnische Presse wiederum plädiert in ausführlichen Leitartikeln daiür. dass der künftige Polenklub in Zukunft in ein enges politisches Ver hültius eintreten soll zu den Christlich- Sozialen und die führenden Männer scheinen bereits diesem Gedanken sich zuzuneigen. Die Herren Dr. Löwenstein und Dr. Kolischer werden in eine unerquickliche Situation geraten. Die vier zionistischen Abgeordneten; Priv.-Doz. Dr. Mahler. Dr. ,Benno Strauch er. Qabcl und Dr. Stand haben ein besseres Fundament in der eigenen jüdischen Ehre. Bis jetzt haben sich etwa 55 deutsche Abgeordnete aut Grund des Ausschlusses der Juden zu einer Gruppe zusammengeschlossen. Ueber Rumänien Wir erhalten vom Hilfsverein der Deutschen Juden die nachstehende Mitteilung; Am 27. Mai hat in Jassy eine Sitzung des rumänischen Zentralkomitees stattgefunden, das aui der Wiener Konferenz vom 5. Mai •durch gemeinsamen Beschluss der dort vertretenen Organisationen als rumänische Zentrale für die Hilfsaktion eingesetzt worden ist. Es sind für die folgenden Städte der verschiedenen Rayons ־ - die durch Spezialkomitees vertreten sind — Bewilli- Klingen festgesetzt worden: Im Bezirk Bukarest erhalten Entschädigungen die Ortschaften: Alexandria. Buzcn. Pancin, Jolsti, Covorulni. R. Sarat. Das Grenzkomitee von Suczawa hat die Hilicleistung zu übernehmen u. a. für die Städte: Burdujcni. ßucacea; das Komitee Jassy für den Distrikt Jassy. Bivoiari. Tsyganast, Pudul lloi. T. Frumos. Cotuori. Baden!, Belecesti. Im Distrikt V a s l u i werden von dem Jassyer Komitee versorgt die Geplünderten in Poungcsti. Negresti. Codoesti. Falcin, Plogana Ccstesti. Vaslui; im Bezirk Roman n: Baccsti. Bulusi-Reznow-Bezuni, Lespez■! Budcsti und eine Reihe ganz kleiner Ortschaften. Bezüglich der Hilfeleistungen im Bezirk Botosani. die in grossem Masse sich als nötig erweisen, sind die näheren Festsetzungen betreffend die einzclucu zu berücksichtigenden Ortschaften noch nicht endgültig getroffen worden. Dem Jassyer Komitee ist noch eine kleine Reserve belassen worden, um evtl, noch cingreifeii zu können, in Fällen, wo sich weitere Hilfe als notwendig erweisen sojlte. Aus dieser ־- noch nicht einmal vollständigen — Zusammen- Stellung geschädigter Orte ist zu ersehen, in welch grossem Umfange Pogrome in Rurjuiniea stattgefunden haben. Es bleibt jetzt noch die Aufgabe zu erfüllen. 1'iir eine sehr erhebliche Anzahl Familie» — ca. 5U0 — Sorge zu treffen, die durch die hinlänglich bekannte Ausweisungspolitik der rumänischen Regierung gezwungen sind, die Dörfer zu verlassen, und in die rumänischen Städte auswandern. wo sie nunmehr aller Hiltsmittel» beraubt, sich in üngewissester und elendester Lage befinden. Der Hilisverein der Deutschen Juden hat erklärt, dass er auch au dieser Aktion teil zu nehmen bereit ist. Bisher sind für Rumänien insgesamt über eine halbe Mill. Mark zur Verausgabung gelangt. Aus einem Bride von Jakob H. Schiff in New-Yorh an den Hilisverein geht hervor, dass das rumänische Komitee in New-Vork. das auch an der Hilfeleistung iür die verfolgten Landsleute in reichstem Masse teilnahm, sich aufgelöst hat. Getreidehandel in Syrien und Palästina Der österreichische Generalkonsul in Belrüt berichtet: Die Nachfrage nach Weizen war 1m Dezember v. J. und Jänner d. J. in den türkischen Provinzen Smyrna und Archipel besonders lebhaft. Von Beirut wurden in der Zeit 1353 t Weizen ausgeiührt, von denen nur 3SS t nach Europa gingen. Die Ausfuhr dauert fort, besonders in Haifa. Lattakia und Tripolis (Syrien). Alexandrette verfrachtete im Dezetnber v. J. 605 t Weizen, von denen 255 t nach Ägypten gingen, während der Rest von 350 t nach anderen türkischen Haien gebracht wurde. Der Preis stellt sich aut 17 Franken für den Doppelzentner frei an Bord. An Gerste wurden während der Monate Dezember und Januar aus BeirQt 201 t nach Ägypten und 3635 t nach Europa ausgeiührt. Gaza verirachtete 1800 t nach England. Zur Zeit ruht die Ausfuhr von Gerste, da der Preis von 12,85 Fr. frei Bord für den englischen Markt zu hoch ist ־>;ij_KJeine Mitteilungen Berlin. In dem Bericht des Jüdischen Volksvcreitis in voriger Woche wurde auf die Aussicht hingewiesen, dass die Sclüfiahrtspreise infolge der Unterbietung zurzeit sinken würden. Wie das BERLINER TAGEBLATT mitteilt. hat die Cunnard-Llnie bereits die Ucbcrfahrtspreise nach New York für die dritte Klasse aui die Halite (fünfzehn Dollar) herabgesetzt. Wie uns der Volksverein, dessen Angaben hierdurch bestätigt werden, mitteilt, dürften infolgedessen die deutschen Dampierliiiien hinter deser Herabsetzung nicht Zurückbleiben. Berlin. Der Deutsch-Israelitische üemcindebuud hat au den prcussischen Minister der geistlichen und Untcrrichtsangelegeuiieiten eine Petition gerichtet, den jüdischen Religionsunterricht in denjenigen kleinen und unbemittelten Synagogengemeinden Preussens. wo für ihn weder durch öffentliche jüdische Schulen, noch seitens der bürgerlichen Gemeinde durch Anstellung jüdischer Lehrkräfte an den öffentlichen Volksschulen, noch in anderer W'eisc gesorgt ist. aus dem entsprechenden For.d des Ministeriums zu unterstützen. Durch Umfrage bei den Provinzial- und Bezirksverbänden, sowie bei den Land- und Bezirksrabbinaten bezw. denVorsteherämtern ist der Oemetiuiclnmd m den Stand gesetzt worden, dem Herrn Minister ein umfassendes und zuverlässiges Verzeichnis der einer Untcrstiitzsng für den Religionsunterricht aus öffentliehen Mitteln bedürftigen Synagogengemeinden zu überreichen. Posen. Am Sonntag dem 14. April fand die 63. General- Versammlung des Vereins ..Leschaun Limudim‘* statt. Wie aus den gegebenen Berichten ersichtlich ist, hat der Verein in allen 1■y ***mr‘fl׳n»«w<׳־

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