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Jüdische Rundschau · 1907-06-07 · Heft 23 (7.6.1907) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 23 (7.6.1907)
Date
1907-06-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 236 No. 23 «־.■»־*";מ! J JÜDISCHE RUNDSCHAU י 1 I ,!! 1 < I « i ) I i I I i I ole J!1 ctztcr vorkomrnt. mit Ausarbeitung einer I rriedhofsordnung betraut sind, hat der Gemcindebund durch ■ einen Sachverständigen eine Normal-Fricdhofsordnung ausarbeiten lassen. — Der nicht weniger als 12 Seiien umfassende Rcchnungsbcricht des D. I. G. B.. seiner Institute. Stiftungen und der ihm ungegliederten Vereine gewährt einen .Hinblick in die fiheraus grosse Vielseitigkeit der Tätigkeitsgebiete des Bundes, dem zurzeit zwei staatliche Behörden, zwei ausserprcussische. zehn preussische freiwillige Verbände von Geniciitdcn und 934 Bundesgemeinden angeboren. Al/iance Israöiitö Universelle Berlin. Am Sonntag, dem 2. Juni hat itu Verwaltungs gebäude der Jüdischen Gemeinde, unter dem Vorsitz des Herrn üeheimrat Goldberger die sehr zahlreich besuchte General-; Versammlung des Lo k a I - K o rni t ec s der Alliance־ Isradlitc Universelle stattgefunden. Der Geschäftsfiihrcr Herr, M. Klausner, erstattete den Jahresbericht, der ein Bild der ausgedehnten Tätigkeit der Berliner Abteilung sowie des Deutschen Bureaus und der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft bot. Die Alliance hat im Jahre 1906 für die von ihr in drei Erdteilen unterhaltenen und geförderten Knaben- und Mädchenschulen und Lchrlingsanstalten einschliesslich von Ackcrbaiischulcn 1 4SI 027 Francs ausgegeben, ausserdem fiir die Präparandenanstalt. die zu dem Lehererseminar für die Oricntschulcn gehört, einen Betrag von 105 271 fres.. endlich für die Frrichtung von Bauten 76 490 fres.. insgesamt also 1662 791 fres. Diese Ausgaben haben durch die regelmässigen Hinnahmen, aus den Zinsen der Stirtungskapitalicti und ans den Beiträgen von Mitgliedern und Freunden, volle Deckung gefunden. Die Hinnahmen bezifferten sich auf 1 613 789 ircs. Darüber hinaus hat die Alliance brachte Universelle für die durch die Statuten vorgesehene Unterstützungstätigkeit über |M׳ Millionen Francs aufgewendet, die in besonderen Spenden entgingen. Der Gesamtaufwand der Alliance Israelite Universeile für ihr Hiifswerk hat somit im vorigen Jahr an 3 200 000 fres. betragen. Die Zahl der Mitglieder der Alliance brachte Universelle beträgt 30 000. hiervon in Deutschland ungefähr 13 01*0. Die Generalversammlung nahm den Bericht mit Zustimmung und Anerkennung entgegen und wählte nachstehende Herren 7,u Mitgliedern des Lokal.Komitces: Ludwig Adler, I!ia Bcr. Max Beer. Benno Braun. Siegiried Brünn. Alfred Cohn. Direktor Moritz Dorn. Heinrich Frankel. Dr. nied. Samuel Frankel. Rechtsanwalt Dr. Hantkc. Geh. Medizin.alrat Professor Dr. Landau. Dr. nied. Fugen Lchfcldt, Direktor Oskar Oliven. Louis Roscnbaum. In der nach der Generalversammlung stattgehabten Konstituierung wurden wicdeigcwählt: zum Vorsitzenden Herr Gehcinirat Goldberger, zum stellvertretenden Vorsitzenden Herr Rabbiner Dr. Wcisse. zu Schriftführern die Herren Rechtsanwalt Dr. Hantkc und Dr. Lchfcldt, zum Schatzmeister Herr Benno Braun. Köln. Die in der Versammlung jüdischer Gemeindemitglieder am 61. Mai gefasste Resolution hatte folgenden Wortlaut: ..Die heute Abend im Hotel Berlin tagende, zahlreich besuchte Versammlung jüdischer Bürger Kölns erklärt das Vcrhalten des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Berlin, bei der Suspendierung des Rabbiners Dr. Cohn als ein Zeichen krasser Reaktion und höchster Intoleranz. Die Versammlung spricht Herrn Rabbiner Dr. Cohn für sein mutiges und würdiges Auftreten im Dienste des Judentums ihre Anerkennung aus. Aus dem Monatsbericht . des Jüdischen Vofksvereins Abteilung für Logls-Nachwels. Herbergen. Der Jüdische Volksverein kontrolliert die hauptsächlich von den Fmigrantcn besuchten Herbergen. Diese Tätigkeit, die von unserem Miteliede Frau Dr. Hoifmann zusammen mit mehreren Burcnu-Mitgliedcrn ansgeiiht wird, erstreckt sich auf 24 Herbergen mit insgesamt 100 Zimmern (330 Betten), die sämtlich viel zu wünschen übrig lassen. Da aucl» die Behandlung der Auswanderer durch die Wirte vielfach schlecht ist so stellt sich das Bedürfnis nach Errichtung einer eigenen jüdischen Herberge als immer dringender heraus. Abteilung für Wohlfahrts-Einrichtungen. Die Abteilung weist den Emigranten, um deren planloses Umhcrirren 7.u verhindern, diejenigen Stellen nach, wo ihnen im speziellen Falle Hilfe geleistet wird, greift auch in besonders dringenden Fällen selbst durch Spenden etc. ein. Im April war diese Abteilung infolge der Feiertage am regelmässigen Arbeiten etwas behindert, da die in Frage kommenden jiidisehen Organisationen und Vereine vielfach geschlossen waren. Dennoch wurde die Abteilung sehr häufig in Anspruch genommen und wenn auch die Zahl der Emigranten eine geringcre war. so war dagegen wegen des Pessach-Fcstes eine besondere Art der Fürsorge notwendig־. Insbesondere sorgten wir für die rituelle Verpflegung der Rückwanderer auf den Bahnhöfen, auch in die Krankenhäuser wurden mehrere Zentner Mazzoth geschickt und vielen Auswanderern Einladungen zu den Szcdcr-Abcnden verschafft. Abteilung für Krankenpflege. Itn Monat April war die Zahl der Krankenbesuche geringer, weil die Damen an den Pcssachtagen anderweitig in Anspruch genommen waren: auch kamen während dieser Zeit weniger Kranke nach Berlin. Dafür wurden Besuche in der Irrenanstalt in Dalldorf aiifgenommcn und die Patienten mit Mazzoth vcrsehen. Als Neueinrichtung der Abteilung für Krankenfürsorge ist folgendes Plakat zu betrachten, das wir in den meisten hiesigen Krankenhäusern in .deutscher und jüdischer Sprache anbringen licsscn: Kranke Juden! Wenn Ihr ohne Angehörige oder Bekannte in Krankenhäusern oder Privatwohnungen liegt, so gebt dem Jüdischen Volksvcrein Eure Adressen auf. Ihr werdet dann besucht werden und könnt auf Wunsch Zeitungen. Bücher und Erfrischungen erhalten. Jiid. Volksvcrein. Dirkscnstr. 46 Abteilung für Krankenfürsorge. Ein Beweis dafür, wie sehr diese neue Massnahme von den Krankenhäusern selbst gewürdigt wird, dürfte wohl die Tat- Sache zu neunen sein, dass die König!. Charite. Berlin, der wir ebenfalls eine Anzahl dieser Plakate übersandt hatten, sich umgehend noch weitere 12 Eemnlaic erbat. Für das Interesse, das die Direktion der Königl. Charite dadurch den armen indischen Kranken gezeigt hat und fiir das Entgegenkommen gegenüber unserer Atbcilung wollen wir nicht verfehlen, hierdurch unser» Dank auszusprechen. Besonders hervorzuheben ist noch ein Vortrag unseres Vorsitzenden. Herrn Dr. Mühsam, über das Thema: ״Wie soll sich die Krankenbesuchen» gegenüber dem Patienten vcrhalten“ Gesamt-Statistik März-April. Bahnhotswachc: ahgcholt 260. expediert 325 — 855 Pers. Abteilung für Krankenfiirsorgc.!6 ״ Ärztliche Abteilung .. 167 ״ Juristische Abteilung (hatiots. Ausweis. Angelegen!!.) 122 ״ Diverse Angelegenheiten im Auskunfts-Bureau (Eingaben. Auskünfte in Reiseangelcgenheiten. Verteilung von Kleidern. Arbeitsnachweis. Korrcsp. Ess- und Schlaikarten etc.). 825 ״ 1715 Pers. Gesamtzahl der Mitarbeiter (Herren und Damen) 70 Pers. Wie allen Mitgliedern bekannt sein dürfte, hat sich der Jüdische Volksvcrein an der Ausstellung für soziale Fürsorge beteiigt und zwar mit grossem Erfolge. Dieser war nicht nur materieller Natur, sondern die Verdienste des Volksvcrcins wurden offiziell noch dadurch anerkannt, dass ihm ein Khrendiploni zuerkannt wurde. Die Traditionellen Berlin. Am 22. Mai d. J. hielt der Verein zur Erhaltung des überlieferten Judentums in! Tiergartcnvicrtel. im grossen Saale des Tiergartenhofes, eine öffentliche Propagandaver- Sammlung ah. Wer die hiesigen Verhältnisse kennt, dem musste das Unternehmen als ein gewagtes erscheinen, denn das gedachte Viertel bildet bekanntlich den Sitz jener Kreise, bei denen man mehr Interesse für den Abfall vom Jndentunie als für dessen Erhaltung — und gar noch des überlieferten * . voraussetzen darf. Die gehegten Befürchtungen haben sielt als unbegründet gezeigt. Viele hunderte von Besuchern füllten zur festgesetzten Stunde die weiten Hallen des grossen Saales. Dr. Arthur Kahn. Vorstandsmitglied des Vereins, sprach über ״Pflichten der jüdischen Gemeindeverwaltung Rechte der Ge• meindeinitglieder. und ergoss einen wahren Sprühregen ziindcuder Gedanken über seine Zuhörer. Wohlverdienter Beifall und warme Anerkennungswortc seitens des Vorsitzenden Herrn Dr. Bancth lohnten den Redner. In der hierfür eröfincten Debatte versuchte Herr Grzv misch die Angelegenheit des Dr. Cohn zu besprechen, fand jedoch die Versammlung nicht geneigt, ihm auf diesem Wege zu folgen. Dr. F i n k legte in längerer Rede dar. dass durch den lebhaften Anklang, den der Verein zur Erhaltung des überlieferten Judentums allcnthalben fände, dargetan sei. dass derselbe tatsächlich einem tief* gefühlten Bedürfnisse weitester Kreise entgegenkommc. Herr Rothenberg brachte noch einen peinlich berührenden Vorfall zur Sprache, demzufolge der hiesige Vorstand einen gewissen Dr. Hochfeld aus Danzig zum Rabbiner berufen, der in seiner Eigenschaft als Zeuge am Sabbat 11 behufs Empfangnähme der Zeugengebühr von 1.90 Mk. geschrieben habe, und verlangte, der Verein möge gegen diese Austeilung Verwahrung entlegen. Der Vorsitzende. Herr Dr. Bancth. hält es für ausgeschlossen, dass selbst ein Reformrabbiner sich so weit ver- :«י* *m״ T

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