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Jüdische Rundschau · 1907-06-07 · Heft 23 (7.6.1907) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 23 (7.6.1907)
Date
1907-06-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 231 JÜDISCHE RUNDSCHAU I No. 23 Jährigem Bestände so fest dasteht und dass es, wie wir ohne Oberhebung konstatieren können, an der Spitze der Jüdischen Zeitungswelt marschiert. Das bisher Erlebte, lässt uns der Zukunft froh entgegen sehen. Köln, 3. Juni 1907. Adolf Rollak. I - — Rundschau- — ■■■־ e» L———— י » —- ■I —————^ — I Interviews mit Nordau Zu allerlei Kombinationen gaben Mitteilungen Anlass, die aus Interviews über den Zionismus mit Dr. Nordau gegeben wurden. Da wir voraussetzten, dass sie ungenau und Unrichtig wiedergegeben wären, so hüteten wir uns. sie abzudrucken. Wir können aber nicht umhin. Jetzt, nachdem Klarheit existiert, unseren Lesern Kenntnis zu geben. Herr Brainin veröffentlichte aus diesen Interviews im HASMAN u. a. etwa Folgendes: ״Auf die weitere Frage, die ich an Nordau in betrefi seiner Ansichten über die praktische Arbeit in Palästina und über dio neue in dieser Richtung sich entwickelnde Bewegung unter den russischen Juden gerichtet habe, erwiderte Nordau | folgendes: Es wird Jetzt unter der politisch-zionistischen Fahne Hcrzls gekämpft, doch geschieht das Gegenteil von den Bestrebungen und Prinzipien des politischen Zionismus. Würden diese ..Praktischen" offen sagen, Hcrzl war in einem Irrtum befangen, der politische Zionismus existiert nicht mehr. w׳eil er keine Daseinsberechtigung mehr hat. so würde ich ihnen zwar nicht zustimmen, ich würde sie iedoch für überzeugungstreue Wahrhcitsmenschen halten. Doch kann ich in keiner Weise die Taktik derjenigen, die die Parole des politischen Zionismus für ganz entgegengesetzte Zwecke missbrauchen, für eine richtige halten. In Wirklichkeit sind diese .,Praktischen“ gar nicht praktisch. Können wir Leute praktisch nennen, die einen nationalen Bau auf einem Sand*- boden ohne Grundlage errichten wollen? Eine Kolonisation ohne sichere Konzessionen ist ein Phantom. Es ist die Luftarbelt von Luftmenschen. Ein ausgeklügeltes Qolusmittel. Und es gefährdet die offenen und loyalen Bestrebungen des politischen Zionismus. Selbstverständlich ist es Pflicht, nationale Institute, wie ״Bezalel“ und dcrgl. kulturelle Unternehmungen und Arbeiten in Palästina zu unterstützen. Es Ist auch sebstverständlich. dass man die palästinensischen Juden in ihren Kolonisationsbestrebungen, die dahin gehen, auf dem Boden Palästinas festen Fuss zu fassen. Grundstücke auf eigenen Namen zu kaufen, neue Industrien einzuführen und dergl. unterstützen muss. Aber es ist eine Sünde, unter den Juden der Diaspora eine Propaganda im Namen des offiziellen Zionismus zugunsten der praktischen Arbeit in Palästina za machen. Unter den obwaltenden Umständen Ist eine solche künstlich geschaffene Bewegung nur geeignet. Schaden za stiften und verderblich zu wirken. Unsere ״Praktischen* sagen, das Volk fordere praktische Arbeit in Palästina, wir können es mit Phantasien und Zusagen nicht absprisen. weil es Verfolgungen ausgesetzt ist und nach einer Zukunft ausschaut. Aber was können wir mit unsern heutigen Mitteln heben? Der Zionismus ist nicht eine Lösung der Frage der Tagesnot. er ist eine historische Arbeit die unabhängig von den Tagesereignissen vor sich gehen muss. Wenn das Jüdische Volk sich bei der zionistischen Arbeit beteiligen wird, wird es sich helfen und wird unser Land in ehrlicher und günstiger Weise für uns gewinnen. Aber der grösste Teil unseres Volkes steht dem Zionismus fern und lässt sich von Irrlichtern verleiten. Es erwartet Siege,. Siege, die nie eintreten werden. Die Finanzinstitute unserer Bewegung sind noch sehr arm, dieselben nationalen Institute, mit deren Hilfe wir unser letztes Ziel erreichen könnten. Wir müssen unserem Volke sagen, wir können dir nur das leisten, was du uns geleistet hast. Wir müssen die zionistische Organisation ln allen Ländern ausdehnen, entwickeln und festigen. Wir müssen für die zionistische Idee eine grosse Propaganda in allen Schichten des Jüdischen Volkes machen, wir müssen sehr lange und sehr intensiv für die Jüdische Bank und den Nationalfond arbeiten, t. ־־•t dann werden wir in der Lage sein, eine konkrete zionistische Arbeit zu beginnen und unserem Ziele auf geradem Wege näher zu kommen. Und als ich Nordau über seine Ansicht bezüglich der positiven Arbeit der Zionisten befragte, erwiderte er folgendes: ״Die Erziehung des heranwachsendcn Geschlechtes. Wir müssen das heranwachsende Geschlecht im Geiste des Zionismus tmd der iüdischen Renaissance erziehen, denn sonst geht unsere Arbeit vollständig verloren. Wir müssen die Chedarim und die Schulen nationalisieren, wir müssen unseren Söhnen und Töchtern, unseren Brüdern und Schwestern folgende Wahrheiten einschärfen i Soiarige ihr irt der Diaspora als Juden leben Werdet, Seit ihr dazu ver- •urteilt, unter dne Völkefn, die auf ihrem Boden leben, der Verachtung ausgesetzt zu sein und cuern Seclenleidcn kann kein Ende gesetzt werden. w׳cnn auch die Zeiten besser werden und die despotischen Regierungen vom Erdboden verschwinden sollten, und wenn ihr ahdh die grössten Opfer bringen werdet, wird mutt es euch nicht verzeihen, dass ihr als Juden geholfen seid. Das Christentum wird uns immcf anfeihden und wird nicht, aufhören, uns zu verfolgen. Es predigt wohl Liebe mit Worteh. aber mit Taten richtet cs gegen uns seine Waffen. — Bei dieser Gelegenheit unterzog NordaU den Klcrikalismus einer scharfen Kritik in Worten, die ich hier nicht wiedergeben will. Wir Zionisten müssen in den fierzen unserer Kinder die Liebe für Zion und den festen Glatlben an das Wiedererwachen unseres Volkes und Seine Rückkehr nach Palästina wecken. Wir müssen uns bemühen, die materielle und moralische Lage der iüdischen Massen in den eigenartigen Verhältnisssen der Länder, in denen sie leben, zu heben. Wir müssen die nationalen Ein* flchtungen in iedetn Lande fördern und starker! und ihren Einfluss auf die jüdische Gesamtheit kräftigen. Es ist unsere Pilicht-, die Kenntnis der hebräischen Sprache, die im Gegensatt zum Jargon unsere nationale Sprache, die Sprache unserer Vergangenheit und unserer Zukunft ist, unter allen Schichten der iüdischen Nation zu verbreiten: Wir müssen die hebräische Literatur fördern iind ihre schöpferische Tätigkeit nusdehr.cn. Wir müssen die Kenntnis der jüdisehen Geschichte und die keimende jüdische Kunst fördern. In dieser Beziehung müssen wir von den Italienern lernen, die kein einziges Mittel verschmähten, um den Zweck des Wiedererwachens 7u erreichen. Wir müssen alles nationallsieren. das Buch, die Zeitung, die Malerei, die Bildhauerei, die Kanzel, den Kultus, die Schulen lind Bibliotheken. Vor* träge und Predigten, die Feste und Gedenktage. — all dies war Mittel in den Händen der Nationalen, um auf den Volksgeist einzuwirken, bis es ihnen gelang. Italien zu einigen und zu befreien. Wir müssen der jungen Generation cinschärien. dass der Zionsgeaanke eine historische Arbeit ist. zu der ein ieder von uns mit Kraft und Talent und mit täglichen persönlichen Opfern beitragen muss: Die Zionisten müsset überall die Pioniere sein, in öllcm. was das Wohl des Judjselten Volkes, seine Befreiung. Fortdauer und Ehre betrifft. Wir müssen auf all diesen Gebieten allen andern jüdischen Parteien mit unserem Beispiel vorangeben.'‘ Ais Ergänzung der in diesem Interview entwickelten Anschaumigen sei noch eine angcblche Aeusscrung Max Nordaus über die Politik des Zionismus aus einem im JEWISH EX- PONENT mitgeteilten Interview wiedergegeben. ..Sie fragen mich — sagte Dr. Nordau?um Interviewer — ob ich glaube, dass der Zionismus in Palästina realisiert werden könnte? Ich bin davon tief überzeugt. Allein zur Realisierung sind andere Mittel und Wege erforderlich, als die bisherigen. Wir müssen nach unseren Kräften handeln. Wir haben bisher stets einen Charter erwartet. Aber wie könnten wir In Wirklichkeit daran denken? Welche Macht besitzen wir denn, um ihn zu erlangen? Zählt denn unsere Organisation nach Millionen? Haben wir vielleicht Millionen in unseren Kassen? Mit unseren schwachen Kräften könnten wir doch gar nichts anfangen, selbst wenn wir schon den Charter hätten. Der Charter darf doch nicht das Alpha und Omega des Zionismus sein. Dagegen müssen wir nach zahlreichen Konzessionen streben: zum Baue von Eisenbahnen Häfen usw. Dadurch erlangen wir den legalen Eingang nach Palästina. Und haben wir Konzessionen, so könnten wir dieselben erst krönen mit einem Charter. Anders geht's nicht. Mit kurzen Flügeln kopnnt man nicht hoch. Man behauptet — setzte Dr. Nordau fort —. dass ich und andere den Glauben verbreitet haben, der Zionismus werde bald verwirklicht werden. Nein, ich habe das nie getan. Im Gegenteil. Jch habe stets vor der Illusion gewarnt, als ob der Zionismus im Handumdrehen zu machen wäre. Wenn jemand von mir zu einer falschen Ansicht verleitet wurde, so war ich es selbst. Ich habe mir eingebildet, wir wären anders, als wir in Wirklichkeit sind: dass wir uns nach Palästina sehnen, dass wir zu arbeiten entschlossen sind, um cs zu erlangen. Ich habe sonst in niemanden den irrigen Glauben erweckt, man könnte heute oder morgen mühelos Palästina erhalten." Gegenüber diesen ,.Interviews", mit denen von böswilliger Seite Missbrauch getrieben worden ist. berichtigt Dr., Nordau in der WELT: An die Redaktion der WELT in Köln. Hochgeehrte Redaktion! Sie haben in der letzten Nummer der WELT einige In* terviews wiedergegeben, die in der jüngsten Zeit in den jüdi-

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