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Jüdische Rundschau · 1907-06-07 · Heft 23 (7.6.1907) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 23 (7.6.1907)
Date
1907-06-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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»Tffeyi■ fy י*ייי a. ״a, *»■p* *****?> wipm \ Seite 232 JÜDISCHE RUNDSCHAU Dr. Cohns und das schreiende Unrecht, das ihm widerfahren, veranlasst, in aller Oeffentlichkeit fii'r Dr. Cohn Partei zu •־ nehmen; und zwar aus Gründen der Gerechtigkeit (Lebhafter Beifall.) Auch der nächste Redner, Herr Flotow, betont, dass * es das Gerechtigkeitsgefühl sei, welches ihn treibe, sich auf '׳־ Dr. Cohns Seite zu stellen und Vorstand und Repräsentanten zu'verurteilen, Körperschaften, die liberal zu sein vorgäben. Nachdem noch ein weiterer Redner sich für Cohn und gegen die ihm wiederfahrene Behandlung, welche ein Kaufmann nidif; seinen Hausknechten zu bieten wage, ausgesprochen hatte' ergriff Herr Dr. Zadig nochmals das Wort, um unter andauernder Unruhe und fortwährender Heiterkeit seine ersten Darlegungen zu wiederholen; Seine ungeordneten Ausführungen wurden mithin von der Versammlung richtig gewürdigt, und als er sich mit dem ״Lohn- und Brotstandpunkt“ Jakoby’s identifizierte, brach ein Entriistungssturm los, der den Redner zum Schweigen zwang. , Sehr würdig, aber dennoch mit aller Schärfe, trat Herr Dr. Klee dem Vorredner entgegen. Er hob hervor, dass es sich um eine bitterernste Angelegenheit handle, die es nicht verdiene, dass man sie in der von Herrn Dr. Zadig beliebten Weise behandele. Der Redner sprach insbesondere von den Kindern, den Schülern Cohns, denen dieser ein fester Rückgrat und einen schönen Stolz gegeben liabe, und rief damit minutenlangen Beifall hervor. Von den folgenden Rednern muss noch ganz besonders j Herr S c 11 e y e r erwähnt werden, der in einer formell üna , inhaltlich glänzenden Rede gegen die Gemeindevertretung | Stellung nahm. Er führte aus, er habe nicht geglaubt, dass er bei seinem Alter noch einmal in einer Volksversammlung auftreten und sprechen würde; aber diese Angelegenheit ׳ zwinge ihn, öffentlich und feierlich gegen das hier eirige- * schlagene Verfahren zu protestieren. Unter stets wiederholtem ׳ Beifall zerpflückte dann der Redner die in der Rede Lilienthals gegen Dr. Cohn verwendeten Argumente. Der Redner schloss seine mit dem wirkungsvollen Zitate der Verheissnng, ״dass der Baustein, den die Bauleute verwürfen, zum Eckstein werde und zum Grundstein eines Tempels. (Rauschender, langanhaltender Beifall.) Nachdem noch Herr Dr. G ronemann in kurzen, aber kräftigen Worten den von Dr. Zadig vprgetragenen Anschau־ Ungen widersprochen hat, wurde die bekannte Protestresolution von der nach tausenden zählenden Versammlung gegen 4 Stimmen angenommen. Die Versammlung musste darauf der vorgerückten Stunde ' Wegen beendet werden; sie wurde vertagt, nicht geschlossen, da noch eine ganze Reihe von Rednern auf der Rednerliste N0. 23 standen, denen man in einer dritten Versammlung die Müglichkeit geben will, zum Worte zu kommeh. — Ueberblickt man die Protestbewegung gegen die Amts■ entsetzung Dr. Cohns, so zeigt sie das Bild einer ständig anwachsenden Lawine; möge fie hinforträumen, was sich als morsch und verrottet in unserer Gemeindeverwaltung gezeigt hat. damit Platz werde für iunges, kräftiges, neues Leben. Dr. F. Ein Festtag der ״WELT“ Unser Zcntralorgan feiert in dieser Woche das zehnjährige Jubiläum seines Bestandes. Es sei mir gestattet, als einem der diese zehn Jahre beim Blatte miterlebt hat, meinen deutschen Gesinnungsgenossen in einigen Worten den Werdegang der WELT kurz zu skizzieren. Unter den Organen, die der politische Zionismus zur Errcichunjr seines Zieles aus sich heraus schuf, war DIE WELT das erste. Mir unsere durch und durch moderne Bewegung \yar sie die notwendige Plattform, von der wir der allgemeinen Welt i!1 steter Aufeinanderfolge unser Ziele und Forschungen kundgeben. Es ist allgemein bekannt, dass Theodor Herzl die WELT aus eigener Kraft und eigenen Mittel schui, dass er in den ersten Jahren unter schweren materiellen Opfern das Unternehmen erhielt.. Die glänzende schriftstellerische Begabung unseres Führers, seine weitreichenden journalistischen Verhindüngen, ermöglichten es ihm, dem Blatte gleich bei seiner Gründung in jeder Hinsicht einen vornehmen und gediegenen Charakter zu verleihen. Ein Stab erlesener Mitarbeiter, au deren Spitze Herzl mit seiner ganzen Kraft stand, erüffneteu die ersten Nummern der WELT. In der Tat waren diese ersten Nummern, jede ein Ereignis für sich. Die Herzischeu Artikel ״Protestrabbiner״ ,״Mauschel“, Börsenelend“, Nordaus ״Dr. Gudeinanns Nationalju’dentuin“, Dr. Riilfs ״Deutsche Rabbiner“ 11. v. a. m.. waren Sensationen, die wir heute noch mit Genuss lesen und die zum klassischen Besitzstand der zionistischen Journalistik zählen. Die Sprache, die die WELT redete, war eine noch nicht gehörte und ihre Wirkung blieb nicht aus. Den feigen Assimilanten gellte sie sehr unangenehm in den Ohren und seine reaktionäre Wut, kehrte sich gegen den Störenfried. Unter Anfeindungen, die unsere ganze Bewegung in der ersten Zeit ihres Bestehens zu erdulden hatte, gehören die Beschimpfungen und Angriffe auf die WELT in ein eigenes Kapitel. Unser Zentralorgan musste daher notgedrungen, obwohl dessen Schöpfer sich seine ersten Aufgaben vielleicht anders gedacht hatte, sich der Polemik zuwenden. Leider war es fast ausschliesslich eine Polemik gegen Juden. Wir fco bekannt als eingefleischter Platoniker, dass dis Damen atu Potocki’schen Hofe ihm den Beinamen ״Der tote Spanier“ beilegten und sich ein für alle Mal nicht mehr mit ihm beschäftigten.!,Was befiehlt die edle Patina Walecka ihrem ergebeneri Diener?" fragte Don Pedro, sich vor Parma Oda höflich und kühl verneigend. .... ,,Ich wunderte mich, lieber Don, über 1111c eifrige Unterhaltung mit dem Narren und war begierig, etwas , darüber zu erfahren.“ ״In der Welt, Patina, sind weder Kluge noch Uutnnie, weder Schöne noch Hässliche, weder (Jute noch Böse allein . . . Alle besitzen einen Teil der . einen oder auch der anderen Eigenschaft,“ »,Ich habe Sie nicht ganz verstanden, Doktor.“ ־ ,,Pardon, ... mich ruft Pan Potocki, ich werde ' ׳ tnich ein andermal näher erklären,“ sagte Pedro mit eine kühlen Verbeugung Und näherte sich einer Gruppe, die sich um den süss schlummernden Pa,1 Wirginski dicht zusammengedräugt hatte. ״Doktor,“ sagde der vertraute Freut-d Potockis, Pan Jan Bolepolski. ״Kennen Sie ein Mittel, um diesen Dicken zu wecken?“ ״Man lasse ihn ruhig ausschlafem, das ist das beste und für ihn das gesündeste Mittel.“ ״Ich weiss noch ein besseres," krähte der Narr. ״Zeige ihm deine Kunst, Narr,“ erlaubte Pan Potocki. ״Mundschenk 1" brüllte der Narr unmittelbar am Ohr Pan Wirginskis, ״Mundschenk! Einen grossen Krug Ungar für den edlen Pan Wirginski!־ Das wirkte im Nu. Wirginski erhob den Kopf und streckte die Rechte aus nach dem angeblichen Krug. Ein homerisehes Gelächter ertönte und brachte den berauschten Pan wieder zur Besinnung. (Fortsetzung folgt.) r יממוי3י*

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