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Jüdische Rundschau · 1907-05-31 · Heft 22 (31.5.1907) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 22 (31.5.1907)
Date
1907-05-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Ko. 22 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 225״ Nachstehend soll versucht werden, die Wahlresultate in Galizien, soweit sic für uns Interesse bieten, einer Kritik za unterziehen. 1. Rein Jüdische Wahlbezirke. L e m e r g III. Kandidaten Dr. Braude (jüd-nat.), Dr. Diamant (Soz.-Dem.), Edler •v. Horowitz (Folenklubjude). Hier wurden die jüdischuationalcn Wähler zum grössten Teil gar nicht zur Wahl zugclassen. so dass Horowitz mit Diamant in die engere Wahl kam. Gewählt wurde nach heissem Kampfe mit Unterstützung der Zionisten Dr. Diamant. Krakau. Kandidaten: Hilfstein (jüd-nat.). Gross (jüd. Sozialist). Sarre (Polenklubjudc). Da Krakau schon mehr westlich liegt, scheint hier der Wahlschwindcl nicht so iippig gediehen zu sein. Gewählt wurde Dr. G ross. Drohobycz. Kandidaten: Dr. Zipper (jiid.-nat.), Löwenstein (Polenklubjudc). erzielte Löwenstein dreimal soviel Stimmen als Zipper (3700 gegen 1300) ein Resultat, das Kenner der Verhältnisse iiir ausgeschlossen hielten, da die Mehrheit der Bevölkerung jüdisch-national ist und kaum polnisch versteht. Die einzige Zeitschrift •in Drohobycz, die DROHOBYCZER ZEITUNG, erscheint in jiidischdcutschcr Sprache. Kolomea. Kandidaten: Dr. Thon (jiid.-nat.). Schorr (Soz.-Dem.), Dr. Kolischcr (Polenklubjude). Gewählt D r. Kol ische r mit 31 Stimmen Mehrheit, über 100 Stimmen wurden für ungiltig erklärt. Diese Wahl dürfte vielleicht annulliert werden. Z10czow. Kandidat Dr. Gold (Polenklubjude) Mit grosser Mehrheit ״gewählt“. Etwa 500 Stimmen erhielt der ruthenische Kandidat. Die Jüdischnaticnalcn hatten infolge Aussichtslosigkeit keinen Kandidaten nominiert. Ist vielleicht Dr. Gold so beliebt oder so tüchtig, dass ihm niemand entgegentreten durfte. Im Gegenteil. Aber der Bezirkshauptmann will, dass er gewählt wird. Brody. Kandidaten: Dr. Stand (jüd.-nat.), Dr. Löwenberg (Soz.-Dem.), Wollerner (Polenklubjudc). Endlich eine erfreuliehe Nachricht. Dr. Stand kommt in die Stichwahl mit Finanzrat Wollerner. Brody ist eine ziemlich moderne jüdische Stadt. Es ist zu hoffen, dass Stand in der Stichwahl gewählt wird, wodurch einer der besten unserer Parteigenassen in das österreichische Parlament einziehen würde. Die Sozialdemokraten beschlossen, für Stand zu stimmen. 2. Wahlbezirke mit Jüdischer Majorität. Przemysl. Hier wurde, wie bereits berichtet, der Sozialdemokrat Dr. Lieber mann gewählt, was immerhin als Fortschritt anzusehen ist, da bis jetzt immer Erzreaktionäre gewählt wurden. St anislau. Kandidaten: Dr. Braude (jüd.-nat.)• Stwiertina (poln. Demokrat), Rauch (Polenklubjude). Stichwahl zwischen D r. Baude und Stwiertina. Oewählt mit 1100 Stimmen Mehrheit Stwiertina. Bezüglich Stanislau gilt dasselbe wie bei Drohobycz. Mehrheit der Bevölkerung jüdischnational. Umso merkwürdiger ist dieses Stichwahlresultat. ,Tarnopol. Kandidaten: Dr. Stand (jüd.-nat.), 1100 Stimmen, Gromnicki (Ruthene) 1500 Stimmen, Gail (Poienklubjude) 1200 Stimmen, Landau 400 Stimmen, Weiser 200 Stimmen. Es wird eine Stichwahl zwischen dem Assimhanten Gail und dem Ruthenen Gromnicki stattfinden. Da der Bezirk überwiegend jüdisch und ruthcnisch ist, wäre es ungerecht, einen jüdischen Polen zu wählen, umsomehr als Qiomnicki sieb den Juden gegenüber sehr anständig verhält. S t ry i. Kandidaten: Dr. Salz (jüd.-nat.). Moraczewski (poln. Sozialdemokrat). Aschkenasy (Polenklubjude). Stichwahl zwischen Dr. Sa 1 z und Mor aczewski. Letzterer dürfte siegen, da ihm viele Stimmen seitens der Jüdischen Polen" zufallen werden. Wahlbezirke mit nfchtjiidlscher Majorität. Buczacz (Stadt). Kandidaten: Dr. Birnbaum (jüd.-nat.) 2500, Dr. Jarossewytsch (ruth. Soziaid.) 1890, Ritter v. Mossay (kons. Pole) 2900 Stimmen. In der Stichwahl siegte Ritter v. Mossay mit 3300 gegen 2500 Stimmen. Dass die 1890 ruthenischsozialdcmokratischen Stimmen für den Polen abgegeben wurden scheint uns ausgeschlossen. Und doch unterlag Birnbaum. ״Galizische Wahl'*. Brzezany. Stichwahl zwischen dem jüdischnationalen Rappaport und dem Polen Dulemba. (Für uns aussichtslos, da noch ein anderer Pole kandidierte, dessen Wähler für Dulemba stimmen werden.) Bu c z a c z (Land), fn der Stichwahl gewählt D r. Q a b e 1 (jüdischnational) mit Unterstützung der Ruthenen, ebenso ist in T r e m b o w 1 a ־ C z o r t k o w in der Stichwahl gewählt D r. Mahler (jüdischnational.). Bis jetzt sind also in Galizien gewählt: 8 Juden (2 Jüdisch, nationale. 2 Sozialdemokraten, 1 Unabhängiger Jude, 3 jüdische Polen). 3 Jüdischnationale und 2 jüdische Polen stehen in Stichwahl. Aus Galizien werden also 9—10 Juden in den Reichsrat entsandt. ln der Bukowina verfügen 100 000 Juden über eine!. Abgeordneten (Dr. Straucher), 50 000 Deutsche haben jed<ch deren 3. Dies kan: daher, weil man Czernowitz-West für ein jüdisches Mandat gewählt hatte, der Bezirk ging jedoch bei der Stichwahl an einen rumänischen Sozialdemokraten verloren, da die christlichen Deutschen für den Rumänien stimmten, die Juden hatten dagegen das Mandat Scrcth—Radautz— Sticzawa mit überwiegend jüdischer Bevölkerung fast kampflos dem Deutschfreisinnigen überlassen. Das nächste Mal werden die Bukowinaer Juden klüger sein. (Im übrigen ist hier im Gegensatz zu Galizien die Durchführung der Wahl eine’ korrekte und wird seitens der Jüdischnationalen nicht bloss für den Reichsrat. sondern auch für alle übrigen Körperschaften, wie Landtag, Gemeinderat usw. aktive j’üdische Politik getrieben.) Im ganzen wurden hier von den Jüdischen Wählern etwa 18 000 Stimmen abgegeben, davon die Hälfte fü־r die iiidischnationalen Kandidaten in Czernowitz und Sreth-Radautz- Suczawa. In den übrigen 11 Bezirken gab es keine Jüdischen Kandidaten. (Atn 31. Mai finden noch 3 Stichwahlen statt, an denen wir beteiligt sind und zwar in Stryi (Dr. A. Salz), Brody (A. Stand) und Brzezany (Dr. S. Rappoprt). h~ Rundschau — Aus dem Monatsbericht des Jüdischen Volksvereins (März—April) Durch Fortgang oder persönliche Verhältnisse gezwungen, haben viele Mitarbeiter ihre Tätigkeit bei uns einsteüen müssen. Wir brauchen deshalb neue Kräfte. Der vorliegende Bericht gibt ein Bild von dem Umfange unseres Arbeitsfeldes und lässt erkennen, dass noch viele, Gelegenheit haben, im Dienste unseres Volkes ihre Kräfte zu erproben. In der 'Bahnhofswache, der KrankenfiTrsorge, Im Bureau und beim Unterricht mangelt es an Mitarbeitern. Werbt für uns! Stelle sich jeder in den Dienst unserer guten Sache und helfe zu seinem Teile mit. sein jüdisches Volk über die gegenwärtige schwere Krise hinwegzubringen! Auswanderung und Schlffskartenprcfsc. Nach den uns aus Libau zugegangenen Informationen stellt sich die Zahl der Auswanderer in den letzten Jahren folgendermassen im Jahre 1904 21328, im Jahre 19005 22299. Im Jahre 1906 stieg die Zahl auf 50506 Personen, also auf mehr als das doppelte. Da die Auswanderung über Libau derart steigt, so scheint sich die neu gegründete Schiffahrts- Gesellschaft gut zu bewähren. Die im vorigen Monatsberichte wiedergegebenen Zwischendecks-Fahrprelse des Norddeutschen Lloyd. Bremen, von Bremen nach Nord-Amerika sind nochmals erhöht

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