Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1907)
- Date
- 1907-05-31
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 226 JÜDISCHE RUNDSCHAU worden. Die Preise stellen sich vom 5. Aori! a. c. ab wie folgt: nach New ־York mit Schnelldampfer 200 Mk.. mit Postdampfcr ISO Mk.. nach Baltimore 170 Mk.. nach Qalvestone 170 Mk. Der Kampf zwischen dem englischen Schiffahrts- Trust und den deutschen Datnpfcrlinic besteht einstweilen fort und soll sich in jüngster Zeit durch einige neue Vorfälle ganz besonders zugespitzt haben. Die Verschärfung des Kampfes konnte möglicherweise zur Folge haben, dass die Fahrpreise eines Tages ganz erheblich sinken. Ochsenschjffe. Endlich nach langen Bemühungen ist cs gelungen, die fürchterliche Behandlung jüdischer Rückwanderer auf den Ochsenschiffen, welche wir au dieser Stelle oft erwähnt haben, vor das englische Bericht zu bringen. Herr O. M. Hyoms aus Liverpool, mit dem wir seit unserer Veröffentlichung einiger Vorfälle auf den Ochsehscliifien in der JFAVISH WORLD stets in Verbindung geblieben sind und dem wir seitdem unser Material regelmässig ungeschickt haben, gebührt das grosse Verdienst, viele Fälle von grausamer Behandlung russischer Emigranten aui Ocliscnschiüen vor das öffentliche Bericht gebracht zu haben. Wir bringen in folgendem die Übersetzung eines Zeitungsbcrichts aus einer englischen Tageszeitung: ..Vor dem Li.erpooler Gerichtshof stand kürzlich der Amerikaner Thompson, welcher (aui Veranlassung von Herrn B. M. Hyoms) a1׳gek!.!gt war, den Passagier Philipp ßrcmnri misshandelt zu haben. Wie der Detektivs-Inspektor Herr Holwok. der Vertreter der Anklage, erklärte, waren der Kläger und seiii junger Freund in AH.erika in Not geraten. Um in ihr Heimatland zurückzukeliren. vermieteten sich beide als Viehhüter aui dem Ochsenschiit ..Midsliipman'־. das von Boston nach Liverpool gehen sollte. Während der Fahrt verlangte, der Angeklagte, der Aufseher aui dem Schiffe war. von Bremen Geld. Als Brem.on ihm erklärte, dass er kein Geld besitze, schlug ihn der Aufseher zu Boden: ebenso erging cs dem genannten Freund des Bremen. . Herr Holwok fügte hinzu, dass es auf diesen bclnnen gang und gäbe sei. dass die Aufseher die \ ichhüter. diese armen jüdischen Emigranten, aufs fürchterlichste behandeln, um von ihnen Geld zu erpressen. (Hier folgt eine detaillierte Schilderung der Misshandlungen, welche uns ja leider weniger neu sind, als dem englischen Gerichtshof.) Herr Friedensrichter Jacobs tuhrte aus. dass cs ein ganz besonderer Frevel seitens des Angeklagten sei. diese jungen . Leute auszunutzen, die vor der Verfolgung in ihrem Heimatlande (Russland) geflohen und Schutz suchend nach England gekommen seien. ״ , Der Angeklagte Thompson wurde zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt. Seitdem Herr G. M. Hyoms mehrfach Klage gegen die Aufseher auf den Ochsenschiffen erhoben hat und auch sonst mit grossem Eiter gegen diese Misshandlungen atifgetreten Ist. ist eine wesentliche Besserung in dem Schicksal der Rückwanderer aui solchen Schüfen eingecreten. Fast alle Rückwanderer, die in letzter Zeit mit Ochsenschiffen nach Europa gekommen sind, berichten, dass sie auf der Reise zwar schwer haben arbeiten müssen, doch seien sie leidlich behandelt worden. Wir sagen Herrn G. M. Hyoms für die grosse Miihc und Arbeit, die er verwendet hat. um diese fürchterlichen und menschenunwürdigen Voriällc auf den Ochsenschifien aufzudecken und zu beseitigen, auch an dieser Stelle unsern aufrichtigsten Dank. Wir bedauern es nur aufs lebhafteste, dass — wie wir hören — unter den 1200 Juden, die in Liverpool wohnen, sich nicht ein einziger gefunden hat. der Herrn Hyoms bei dieser schweren Arbeit zur Seite gestanden hätte, so (lass Herr Hyoms allein die ganze Last auf seine Schultern nehmen musste. Gleichfalls grosses Verdienst um die Rückwanderer hat sich unser unermüdlicher Mitarbeiter Herr Landes. Berlin, erworben, dem wir für all’ seine Bemühungen ebenfalls unsern herzlichen Dank aussprechen. Informatorfsches: Kürzlich hat die vom Kongress der Vereinigten Staaten von Nord-Alerika ernannte Kommission zum Studium der Auswandererfrage ihre Europa-Reise angetreten. Über die Zusammensetzung der Kommission erfahren wir. dass mehrere Mitglieder entschieden emigrationsfeindlich gesinnt sind und nur ein einziger ausgesprochener Freund der Emigration. Herr Bonneth. sich in ihr befindet. Die Kommission wird über das Ergebnis ihrer Erfahrungen an den Kongress berichten. Dieser Bericht wid von Einfluss sein auf das. dann nochmals zu Beratung kommen Einwanderungsgesetz. Von den neueren amerikanischen Einwanderungsgesetzen hiess es in der Tagespressc.dass sie mit Ausnahme der Er• höhung der Landungsgebühr von 2 auf *1 Dollar gegenüber der früheren nur unwesentlich geändert und bloss geringfügig verschärft seien. Demgegenüber können wir mittcilen. dass ln m ' ) י No. 22 einem der neueren Gesetze bestimmt ist. es solle dem Ermessen des zur Einwanderungskommission gehörengen Arztes .überlassen sein solche Einwanderer zurückzuweisen. die ihm geistig oder körperlich schwach oder kränklich erscheinen. Dieser dehnbare Begriff stellt eine ungeheure Verscliärfung der in die Hände der Einwanderer-Kommission gegebenen Gewalt dar. zumal wenn man bedenkt, dass die schon an sich nicht gerade blühend ausschenden Emigranten infolge der langen Fahrt häufig genug schwach oder kränklich erscheinen müssen. Aus dem Deutschen Bureau der Alliance IsraGllte llnlve« seile erhalten wir folgende Mitteilungen: Der rumänische Ministerpräsident Stourdza und der Minister des Innern Bratianu haben in Braila sich öffentlich dahin ausgesprochen, dass die Regierung die Absicht habe, von den neuen Kammern Kredite zur Vergütung der Schädigungen zu verlangen.die bei den jüngsten Unruhen angerichtet worden sind. Ob der Ministerpräsident und der Minister des Innern bei Abgabe der Erklärung eine Entschädigung nur der Landbesitzer und!,achter im Auge gehabt haben, oder ob sie Ent• Schädigungen auch den Juden Rumüniuts gewähren wollen, die unter den Unruhen in der Moldau gelitten haben, darübei liegen bestimmte Meldungen nicht vor. Aus Russland sind dem Hiifsvereji wiederum Gaben für die notleidenden rumänischen Glaubensgenossen, die den Exzessen zum Opfer gefallen sind, ztigcflosscn. und zwar sind überwiesen worden aus 3 russischen Städten in Summa Ü3-H.S5 Mark. Diese Spenden — das Erträgnis von Sammlungen — sind ein erneuter Beweis fiir das edle Solidaritätsgefiihl der russisclien Juden, die unter den Nachwirkungen der russischen Pogrome selbst noch schwer zu leiden haben, aber trotz der für sie selbst so ernsten Zeiten ihren verfolgten Brüdern im Auslande zu Hilfe kommen. Hebräisches Gymnasium in Jaffa Zum Zwecke der Eröffnung der III. Klasse des Hebräischen Gymnasiums in Jaffa suchen wir für das Schuljahr 566$ noch zwei tüchtige, akademisch gebildete Lehrer, nämlich einen für die realen Fächer: Mathematik und Naturwissenschaften, den andern für die klassischen Sprachen. Bevorzugt werden Be• Werber, die auch Turn-, Gesangs- und Zeichenunterricht erteilen können. Unterrichtssprache selbstverständlich Hebräisch. Näheres durch den Aufsichtsrat des Hebräischen Gymnasiums. Gleichzeitig beehren wir uns mitzutcilcn. dass für das Schuljahr 5668 Schüler und Schülerinnen für die I.. II. unc III. Klasse und für die drei Vorbereitungsklasscn autgenommen werden. Wegen der Aufnahmebedingungen wolle man sich an die Direktion wenden. Die Neuauflage des Unterrichtsplanes ist in Vorbereitung und wird in den nächsten Tagen allen Interessenten, aui Wunsch zugeschickt. Fiir den Aufsichtsrat: M. Schcinkin. Dr. L .Kohan. Die Direktion: Dr. J. L. M e t m a n. Dr. Ch. B c g r a t s c h o f i. Persönliches. Unser Gesinnungsfreund Herr Edmund van Cleef hat sich mit unserer Oesinnungsgenossin Fräulein Jenny Lob, Tochter des Landrabbiners D r. L öb in Emden verlobt. Unsere herzlichsten Glückwünsche dem jungen Paare und ihren Angehörigen. - . —---1 BK 1—־.'. j Briefkasten der Redaktion .1 ES 1 S. in S. Die Meldung, dass die Jto in West-Australien ein grosses Gebiet zu ihrer Kolonisation erworben habe, ist seitdem von ihr s e l b s t als unzutreffend widerlegt w o r d e 11. ׳ Die Ausfüllung der Karten und Ihre Sendung an Dr. Zwirn ist durchaus erw ii n s c h t. um so mehr, als die Versendung• der Lilienthalsehen Schrift gegen Dr. Cohn an 26 000 Berliner und beinahe ebenso viele auswärtige Adressen von der Gemeinde a u ו Kosten der jüdischen Steuerzahler erfolgte. Freundlichen Ziosgruss.