Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 22 (31.5.1907)
- Date
- 1907-05-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No; 22 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 223 lern sehr beliebt, allein es müssen staubfreie, jchattige Wege j gewählt ,weiden, sonst, können durch djc Inhalation des Staubes auch Luftröhrenkatarrhe entstehen. Auch dar! eine der 'Jugend angemessene Zeit nicht überschritten, Kinder mit schwachem Herz vom Bergsteigen zurückgcstellt werden.“ Dagegen sind Wandcrausfliigc. für Erwachsene sehr empfehlensweit und bedürfen keiner grossen Vorsichtsmassrcgcln. Folgende Gruppen müssten aufgestellt werden: 1. Kalte See* und Flussbäder für völlig gesunde Knaben und Mädchen. 2. Bergsteigen für völlig gesunde Knaben und Mädchen. 3. Sool- oder warme Seebäder für Skrofulöse und Blutarme. 4. Landaufenthalt für nervöse Kinder. ר• Besondere Pensionen in Bad Nauheim, Soden und ahnliehen Kurorten für herzkranke, für asthmatische Kinder usw. Die Höchstzahl der in Einzelpensionen Untergebrachten würde 3, die Grenze der Gruppen 6 10 betragen. Es muss als Prinzip aller •dieser Formen iestgelegt werden, dass die Vereine mit vorhandenen Gebäuden auszukommen suchen und keinerlei neue Kinderheimslütten erbauen wollen. Vielmehr sollen die Vereine nur als Grossorganisatoren, riehtu er als Zwischenmeistcr. fungieren, um zur Förderung des wichtigen Zweckes zwischen Angebot und Nachfrage, zwischen den Angehörigen erholungsbedürftiger Kinder und jüdischen Kleinstadtfamilien Vereinbarungen zu treffen. Daher auch M>!!cn. wem! das ׳Bedürfnis vorliegt, d. 11. wenn genügend Kinder sich melden, in Kurorten, wie Soden, Obersalzbrunn, Nauheim u. a., besondere Räume für Wochen oder iiir die Saison gepachtet werden, weniger der Verbilligung halber, als um den Kindern Anschluss an .einander zu verschallen. Konsumenten sowohl als Produzenten, Eltern und Pcnsions- Inhaber sollen eine dem Vermögen entsprechend iestzu-; setzende Provision au die Zentrale der Frauen vereine zahlen; die Arztkosten nach den ortsüblichen Sätzen werden ausschliesslich von den Eltern getragen. : Dass wir .hier ein therapeutisch sehr dankbares Gebiet vor uns haben, wird uie ärztliche Erfahrung allgemein zugeben. So sagt Neu man 11 S. 226: Wenn man ln der Lage ist, jahrelang für die Skrofulösen zu sorgen, so kann man in 'einer erheblichen Anzahl von Fidlen die Kranken glücklich durch das Kindesalter bringen. Eine erziehliche Wirkung liegt vor allem darin, dass alle Kinder unter eine bestimmte, nicht verwöhnte, sondern kurgemässe Ernährung gestellt werden. Die pünktliche Innchaltung der Mahlzeiten, die gute Qualität der Nahrungsmittel, insbesondere das Koscherfleisch*) hat bedeutenden h ־ל g i c * n i s c 11 e n Wert. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit im Judentum wird gestärkt, die Vermögens- und Klassenuntcrschiede abgcschlificn. Wo sich die Gelegenheit bietet, wird die Unterhaltung das unerschöpfliche Gebiet der jüdischen Oeschichte und Ethik und der Naturkunde (Botanik, Zoologie, Geographie und Geologie) betreffeu. Der Gesang muss dort unterlassen werden, wo Staub von den jugendlichen Kehlen eingeatmet werden kann. Es müssen also zu der Leitung solcher Gruppen — die Kinder in den Einzelpensionen stehen nur unter der Verantwortung der Angehörigen — geeignete Persönlichkeiten *) Die traditionelle Untersuchung der geschlachteten Tiere erfolgt bei den Juden nach pathologisch-anatomischen Grundsätzen, die sich noch heute sehen lassen können. Das wissen nur wenige, denn leider gehört es ja zur Bildung sowohl der Gymnasien als der Töchterschulen, von Ernährung und Nahrungsmitteln nichts zu wissen; es ist dringend erforderlieh, seitens der geeigneten Personen wenigstens den Erwachsencn und insbesondere den jüdischen Acrzten die Technik der rituellen Organuntersuchung zu zeigen. Sobald einmal die Qualität der Ernährung in ihrer Wichtigkeit erkannt ist. werden sich die Völker unzweifelhaft nach dem Vorbilde der Juden rlchtenl ausgewählt werden. Ferner soll angemessener Sport und Spiel (Lawn-Tennis, Fussball, Barlauf, Kegeln u. •a.) für die Gruppen I und II, also für die völlig Gesunden, zur Abwechselung herangezogen werden. Es werden wohl auch in besonderen Referierstunden die Aufgaben dieser Gruppcn-Artungen besprochen werden müssen. Die ärztliche Versorgung der Erholungsheime wird im allgemeinen für die Gruppen I, II und IV geringe Aufgaben zu erfüllen haben, falls nicht die Kinder ausnahmsweise plötzlich erkranken. Anders steht es bei den Gruppen UI und V, welche an Stelle besonderer Sanatorien treten. Ich komme nun aui eine Einrichtung zu sprechen, au welcher Kinder und Erwachsene beteiligt sind. Einem Jüdischen Aizte, W o 1 f B e c I! e r, verdanken wir bekanntlich die geniale Erfindung der Walderholungsstätten, mit denen ohne grossen Kostenaufwand zahlreichen Lungenkranken der Grossstadt bedeutende Linderung gebracht worden ist. Nun, meine ich, Würde,! die jüdischen Frauenvcrcine Berlins noch grössere Erfolge erzielen, wenn sie bei Berlin eine oder mehrere solcher Walderholuugsstätten für nichttuberkulöse jüdische Patienten einrichten würden. Fiir Tuberkulöse ist die Walderholungsstättc nur ein Notbehelf, für sonstige Kranke aber kann sie zu einem erfolgreichen therapeutischen Institut ausgebi’.Jet werden. Ein windgeschiitzter, mit der Bahn!eicht zu erreichender Platz im Walde könnte vielen Erwachsenen und Schülern tagsüber, von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, zur Erholung dienen, welche aus irgend welchen Gründen ihie Ferien resp. Urlaub nicht auswärts verbringen können. Milch und vollständige Verpflegung könnte zu billigen Preisen gewährt werden. Folgende Patienten könnten hier Kuren durchmachen: J. Blutarme: Trinkkuren von eisenhaltigem Brunnen und Spaziergänge oder Liegen im Walde. 2. Chronischer Lunröhrenkatarrh (Eniser Brunnensalz, Inhalieren). 3. Rekonvaleszenten nach schweren Krankheiten. 4. Ausspannen von körperlich und geistig anstrengendei Berufsarbeit. 5. Entfettungskuren mit Marienbader und Kissinger Brunnen. Die Wahl des Platzes dieser Erholungsstätten, deren eine fiir Männer und Knaben, deren andere für Frauen und Müdeben bestimmt Ist, muss so getroffen werden, dass Hin- und Rückfahrt bequem gemacht wird. (Vielleicht stellt sich allmählich die Notwendigkeit eines ständigen Gebäudes heraus mit Einrichtungen für heilgymnastisches Turnen, medizinische Bäder u. a. m.) Die Aufgabe des Erholungsstättenarztes resp. der Erholungsstättenärztin besteht in der Leitung und Durchführung der einzelnen Kuren nach Kenntnisnahme des Berichtes vom behandelnden Arzte. Auszuschlicssen sind fieberhafte oder ansteckende oder bettlägerige Kranke. Dein Ober- Wärter und dem aufsichtführcnden Komitee der Berliner Frauenvereine unterliegt die /Beschaffung der Nahrungsmittel, insbesondere der Milch. Mit derartigen Erholungsheimen in der Nähe von Gross- Städten könnte schon recht viel für die Gesundung bezw. Prophylaxe der Erwachsenen getan werden. Allein es dürften noch viele Kranke übrig bleiben, denen nur durch eine Reise nach einem Kurbadc rationelle Erholung gebracht werden kann. So müsste der geschäftsführende Ausschuss der Frauenvereine in den renommiertesten Bädern Wohnungen für die Saison mieten, um dieselben an geeignete Kranke zu vermieten. Eine derartige Einrichtung hat der Jüdische Frauenverein in Stettin im vorigen Jahre zu treffen begonnen, indem ei in .Misdroy eine Villa für die Saison zur Aufnahme erholungsbcdiirftigcr junger Mädchen gemietet hat. Ich hatte Gelegenheit, mich von dem Nutzen dieses Sommerheims selbst zu überzeugen; es ist la bekannt, wie rasch die Erholung an der See eintritt. Mit zwei Uebelständen haben wir aber an <!er Ostseeküste zu rechnen; erstens mit den Mücken, die