Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1907)
- Date
- 1907-05-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 214 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 21 ist anderer Ansicht. Infolgedessen möchte ich nach dieser Richtung nur Vorschlägen, dass eine Landesorganisation oder Federation mit Zustimmung des A.*K. berechtigt sein soll, den Schekel für ihr Land zu erhöhen. Ein dritter Vorschlag geht dahin, den Kongress wieder Jährlich einzuberufen, da ja in den Kongressiahren mehr Schekel gezahlt werden, als in den Zwischeniahren. Obwohl dies richtig ist. kann Ich den Vorschlag nicht befürworten.^ Ein Jeder Kongress kostet zunächst rund 15 000 Frcs, Es müssen also fast 15 000 Schekel mehr tingehen als sonst, um wenigstens die Kosten des Kongresses zu decken. Ausserdein hat es sich in allen Landesorganisationen eingebürgert dass in den *ongressiosen Jahren Landesdelegiertentagc stattfinden. Diese sind für die Entwickelung des Zionismus in den einzelnen Ländern viel wichtiger als die Kongresse selbst. Es wäre abe! unmöglich, in federn Jahre zwei derartige Veranstaltungen grossen Stils, wie es Kongress und Delegiertentag sind, zu beschicken. Auch entstehen durch die Entsendung der Deiegierten bei der Orösse der Entfernung ausserordentlich hohe Kosten, welche die Delegierten bezw. die Ortsgruppen bei iährlieber Einberufung von Kongressen ailzu stark belasten würden. Es ist auch vorgcschlaecn würden, dass das A.-K. den Landesorganisationen die Schckclblocks mit einem Rabatt verkauien solle, damit es bereits beim Beginn des Rcchmmg's- Jahres in den Besitz grösserer Summen kommt. Der Antragsteiler glaubt nämlich, dass die Landesorganisationen bei Bcgjr.n der Verwaltungsperiode die Schckelblocks entnehmen und das Geld auslegcn würden. Der •Oedanke ist für spätere Zeiten vielleicht recht verwendbar. Heute ist er es leider nicht, da fast keine einzige Landesorganisation finanziell in der Lage ist. dem A.-K. auf Monate hinaus Vorschüsse von vielen Tauscnden zu leisten. Denn darauf würde der Vorschlag hinauskommen. II. Die. natürliche Folge einer verständigen Regelung der Finanzen der Partei ist die regelmässige Aufstellung eines Jahresbudgets. Die Kongresse müssen einen Budgctcntwuri vorgelegt erhalten und ein detailliertes Budget für die nächste Verwaltungspcriode aufstellen. Es war die swohl auch von Anfang an beabsichtigt, wie § 95 des Organisationsstatuts ergibt Denn ein Programm für eine Verwaltungspcriode kann nur Iestgestcllt werden, wenn man sich einen Uebcrschlag darüber macht, welche Mittel zur Durchführung des Programms zur Verfügung stehen. Da aber bisher tatsächlich ein Budget nie vorgelegt worden ist. so schlage ich vor, den § 9c dementsprechend abzuändern. III. Von Vorschlägen zwecks Abänderung der Bestimmungen über äßo Jahreskonferenz sehe ich ab. da dieser Punkt von geringerer Bedeutung ist. Auch die Bestimmungen über die Befugnisse des grossen A.-K. möchte ich unverändert lassen. Hier entscheidet allein die Praxis, und diese wird immer zeigen, dass eine Behörde, deren Mitglieder auf der ganzen Erde zerstreut wohnen, auf gereimten Vermutungen Anlass. Allein so verletzend | diese Glossen und Mutmassungcn auch gewesen sein mochten, sie waren nicht imstande die allgemein gehegte Verehrung für seine Person zu verringern. Nur die Patres und Pfaffen liebten Don Perdo nicht, ob- 1 wohl sie im Stillen sein ausgedehntes Wissen selbst auf dem Gebiete der Theologie bewundern mussten. Bcsonders hasste ihn Pater Bencdiktus; erstens, weil Potocki gegen seinen Leibarzt vielfach offenherziger war als gVgc.1 seinen Seclcnarzt, dann aber, weil Don Pedro dfe Priorität des allmächtigen Hofgeistlichen nicht anerkannte, ihm nicht schmeichelte, sondern sich als ihm ebenbürtig betrachtete. Anfangs verwickelte Pater Benediktus den Doktor oft in theologische Streitigkeiten und Dispute. Als er aber bei dem hochgelehrten Spanier eine Niederlage nach der anderen erfuhr, liess er von den offenen Angriffen ab und nahm zu unterirdischen lntrigucn seine Zuflucht, bemühte er sich, die Stellung des Arztes bei Potocki zu erschüttern. Allein dieses gelang ihm nicht. ״Mein Sohn!“ sagte Pater Bencdiktus eines Tages zu seinem Beichtkinde Pan Potocki. ״Ich habe fürchterliche Dinge erfahren, die uns alle bedrohen.“ ״Was ist das, mein Vater?“ fra״te Potocki erregt. ״Dou Pedro ist einer von den Marannen.“ den Ganz der Ereignisse nur in Ausnahmefällen Einfluss nehme» kann. IV. Die Bildung von Föderationen ausserhalb der Landes- Organisationen ist zwar im Organbarionsstatut zuzelassen. tatsächlich aber mit Rücksicht auf die Anforderungen des Statuts unmöglich. In Ländern mit einer bedeutenden Anzahl von Zionisten ist aber die Entstehung von Föderationen nicht ztt verhindern. Denn.'sie beruht nicht auf prinzipiellen Gegen- Sätzen innerhalb der Partei, sondern auf sozialen UMerscliicden. wie die Entwicklung der Poale Zion in Russland. Oesterreich und Amerika beweist. Es liegt daher auch kein Grund vor. diesen Organisationen weiterhin die offizielle Anerkennung zu versagen. Ich schlage daher vor. Fcderationcn schon beim Vorhandensein von 3000 Schekelzahiern und 30 Vereinen zu gcstatten und nur die Genehmigung des engeren A.-K. und die Anhörung der grossen A.-K.-Mitglieder des Landes zur Vorbedingung zu machen. Die Landesorganisationen und die Mitglieder des grossen A.-K. des Landes sollen aber das Recht der Berufung an das Plenum des grossen A.-K. haben. V. Die Grundlage unserer Partes. § 1 des Organisationsstatuts mit dem Obersatz des Baseler Programms, ist. wie jeder andere Statutenparagraph, mit einfacher Majorität abzuändern. Hierin kann in aufgeregter Zeit eine Gefahr liegen. Ich schlage daher vor. den § 1 so abzufassen, dass er nur mit T» Majorität abgeändert werden kann. VI. Aenderungsbedürftie sind ferner die Bestimmungen des Statuts bezüglich des aktiven und passiven Wahlrechts und der Sicherung der Legalität der. Waiden. Der Kongress entscheidet über die wichtigste»: poütischen Fragen, wie über finanziell bedeutungsvolle Interessen. Er hat direkt die Dis- Position über ein Jahresbudget von 100 000 Mk. und indirekt über eine Bank und einen Nationalfonds, deren Kapitalien schon jetzt sieben Millionen Mark betragen und Jahr für Jahr'erhebiieh anwachscn. Unter diesen Umständen ist es nicht mehr angebracht, dass man bereits mit 18 Jahren das aktive Waldrecht erwirbt, und noch viel weniger, dass ein 2-ljähriger als Delegierter auf dem Kongress Sitz und Stimme^ hat. Meines Erachtens sollte das aktive Wahlrecht an die Erreichung des 21. Lebensjahres und das passive an die des 30. Lebensjahres geknüpft werden, wie dies ja auch in fast allen europäischen Parlamenten geschieht. Gerade weil unsere Bewegung auf breitester demokratischer Grundlage aufgebaut ist. muss sie den grössten Wert darauf legen, dass nur erfahrene Männer za Kongressdelegierten gewählt werden können. Auch die Kontrolle der Wahlen ist bisher unzureichend. Es genügt nicht, dass die Wahlen spätestens vier Wochen vor dem Kongress stattfinden müssen, da die Einreichung der Wahl- Protokolle soviel Zeit in Anspruch nimmt, dass eine ordnungsmassige Prüfung erlaufender Beschwerden fast undurchführbar ist. Dies gilt namentlich für die entfernteren Länder und die Distrikte mit schlechten Eisenbahn- und Postverhäitni&sen. ״Das heisst ein Jude oder Maure, der in Spanien den Katholizismus angenommen?“ ״Jawohl, mein Sohn.“ ״Nun, umso ehrenvoller für ihn.“ ״Wehe, er ist nur äusserlich Katholik, während er im Geheimen judaisiert.“ ״Pater Bencdiktus Ich und Sie — wir sind beide* keine Inquisitoren. Uebrigcns darf man einem massig *n Geschwätz nicht glauben. Weder ich. noch Sie. noch jemand anders hat Ihn judaisieren sehen. Er besucht regelmässig die Kirche und beobachtet alle katholischen Zeremonien. Die geheimen Gedanken aber eines Menselten kennt nur Gott.“ ״Er war in Spanien von der heiligen Inquisition zum Scheiterhaufen verurteilt, ich weiss es ganz bestimmt Es gelang ihm dann, zu entfliehen.“ ״Das ist sein Glück und — das meine. Wäre ich ihm nicht begegnet, ich zählte heute nicht mehr zu den Lebenden.“ (Fortsetzung folgt) .? - ‘