Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1907)
- Date
- 1907-05-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 21 I JÜDISCHE RUNDSCHAU alle Landsmannschaften Abzüge, und zwar zum Teil in sehr erfcüblichem Umfange machen. Alle begründen ihr Verhalten damit, dass sie sonst den Aufgaben der Landesorganisation nicht gerecht werden können. Diese Begründung ist aber unrichtig. Denn dieselben Klagen hörte man früher in Deutsch- JarxL Als aber dafür Sorge getragen wurde, dass die Schekelgdder von den Ortsgruopen der Landcszentrale direkt zuflicssen. hat man cs verstanden, für die Zwecke der Landes- Organisation andere Geldquellen zu schaffen. Auch ist eben das A.-K. nur dann in der läge, eine gedeihliche Tätigkeit zu entfallen, wenn ihm der gesamte Schekel zuflicsst. Von einer Lrhölmng des Schekels kann hiernach abgesehen werden; nur wird insofem indirekt eine Erhöhung eintreten .als alle Landes- Organisationen dazu übergehen müssen. Landesbeiträge einzuführen, einige auch, die bestehenden Landesbcitrüge zu erhohen. Nach den bisherigen Erfahrungen genügt cs nun aber nicht, dass das Organisationsstatut die Bestimmung trifft, dass alle Schekel abzuiiihren sind. Vielmehr muss dem A.-K. auch ein Mittel in die Hand gegeben werden, um diese Bestimmung durchzuführcn. Zu diesem Zwecke schlage ich vor. dass Wahlen zum Kongress nur dann gütig sein sollen, wenn das A.-K. dem Legitimationsausschuss des Kongresses bescheinigt, dass für die betreffende Gruppe die Schekel abzugslos in bar eiagegangen sind. Ausserdem soll die Einziehung der Schekel wenigstens prinzipiell von den Landesorganisationen abgelöst werden, ln Deutschland ist die Abführung aller Landesbeiträge an die Zentrale dadurch erreicht worden, dass die Zentrale anstatt wie früher mit den GruDpcnverbänden jetzt direkt mit jeder einzelnen Ortsgruppe in Schekelangelegenheiten verhandelt, so dass die Gelder von den Ortsgruppen direkt an die Zentrale abgeführt werden und die Gruppenverbände aui Geldbewilügungen der Zentrale angewiesen sind. In der Organ!- sation der Gesamtpartei ist der direkte Verkehr mit den Ortsgruppen infolge der grossen Anzahl derselben und der ständigen Acnderungcn in ihrem Bestände wohl undurchführbar. Aach würden die Kosten ins Unendliche wachsen. Dagegen muss auch hier das Prinzip gewahrt werden, dass die geldausgehenden Faktoren, nämlich die Landesorganisationen, nicht identisch sein dürfen mit den gcldcinnehmenden. nämlich den Schekelkassiercrn. Infolgedessen schlage ich vor. dass in Zukunft der Schekel nicht mehr von den Landesorgänisationen. scctlcrn vom A.-K. durch besondere Vertreter in jedem einxdnen Lande eingezogen wird. Diese Vertreter sind naturgemäss in erster Reihe die Mitglieder des grossen A.-K. des betreffenden Landes. Sie werden sich zur Durchführung ihrer Aufgabe der Organe der Landesorganisation bedienen. Der Unterschied gegen den jetzigen Zustand ist aber der. dass dann «He Mitglieder des grossen A.-K. für die Abführung der Schekelgeld er verantwortlich sind und sich nicht mehr damit entschuldigen können, dass sie einen Teil derselben zur Beiriediranz der Geldbcdürinisse der Landesorganisationen, also einer von ihren getrennten Körperschaft, hätten verwenden müssen. Seite 213 Bei Durchführung dieser 'Prinzipien würde die Parteileitung über genügende Mittel verfügen. Hierzu werden auch einige weniger durchgreifende Vorschlüge beitragen, die ich hiermit zur Erörterung stelle: Erfahrungsgemäss zahlen viele Ortsgruppen in den Jahren ohne Kongress erheblich weniger Schekel als in den Kongress- Jahren, haben aber, wenn es zur Wahl kommt, dasselbe Wahlrecht wie Ortsgruppen, welche auch in den kongresslosen Jahren ihre gesamten Schekel eingezogen haben. Damit wird eine Prämie auf die Untätigkeit der Gruppen in kongrcsslosen Jahren gesetzt; erleiden sie doch in ihrem wichtigsten Recht, der Besch! •kun*. des Kongresses, keinen Nachteil. Anderseits werden die eifrigeren Ortsgruppen dadurch zurückgesetzt. Infolgedessen schlage ich vor. dass jedesmal die Schekel der beiden Jahre nach den! letzten Kongress zusammengerechnct. dementsprechend aber die zur Vornahme der Wahl erforderliehe Zahl derselben verdoppelt wird. Eine Ortsgruppe soll also nur dann das Wahlrecht haben, wenn sie in jedem der letzten beiden Jahre 200 Schekel abgeführt hat. Eine Ortsgruppe dagegen, die z. B. in dem kongrcsslosen Jahre nur 50 Schekel und in dem Kongressjahre 200 Schekel abgeführt hat. müsste mit einer zweiten Ortsgruppe von mindestens 150 Schekeln zusammen wählen. Daneben schlage ich vor. dass jeder Zionist das Recht haben soll durch Zahlung eines einmaligen Schekels von 100 Mk. die Zahlung der einzelnen Jahresschckel abzulösen. Das A.-K. ist verpflichtet, aus den einlaufenden Kapitalien soviel beä der Kolonialbank in mündclsichercn Kapitalien anzulegen, dass alljährlich für Jeden Beteiligten der Schekclbetrag der Kasse zugcfiihrt werden kann. Der Ueberschuss könnte vom A.-K. für laufende Ausgaben verwendet werden. Alle anderen zwecks Erhöhung der Einkünfte der Partei gemachten Vorschläge sind nach meinem Dafürhalten unzweckmassig. Zunächst ist vorgeschlagen worden, den Schekel in Zukunit von jedem Juden zu nehmen. Die Begründung, dass tatsächlich in den meisten Ländern der Schekel auch von Leuten genommen wird, welche nicht streng auf dem Boden des Baseler Programms stehen, ist zwar an sich nicht von der Hand zu weisen. Es erscheint aber zwecklos, eine so tiefgreifende Be- Stimmung, wie die. dass man den Schekel nur von Parteianhängern nehmen soll — eine Bestimmung, welche allgemein bekannt geworden und vielfach streng durchgeführt wird — jetzt abzuändern. Die Abänderung würde auch einen finanziellen Erfolg nicht haben. Wir haben eine ganze Reihe von lnstitutionen. welche das Bekenntnis zum Zionismus nicht verlangen kann. Aber auch zu diesen steuern fast ausschliesslich Zionisten bei. Das gilt sowohl für den Nationalfonds und die Kolonialbank als auch für die in Deutschland neu eingeführten Palästinabeit Ebensowenig' ist es möglich, den Schekel selbst allgemein zu erhöhen. Fast sämtliche Landesorganisationen haben auf eine diesbezügliche Anfrage geschrieben, dass ihnen dies undurchführbar erscheint. Nur eine einzige Landesorganisation und Ausdauer des Arztes Don Pedro war es zu danken, dass er am Leben blieb, allein er war für immer verkrüppelt. Und so oft der Narr in Gegenwart Don Pedros sich vergass, durfte dieser ihm nur drei Fin»er zeigen — ond der Narr» der drei Wort eingedenk, biss sich auf die Zunge. Eine diametral entgegengesetzte Position nahm am Hofe Potockis sein Leibarzt, der Gelehrte Don Pedro ein. Als Potocki vor einigen Jahren, ohne Erlaubnis des Reichstags und des Königs, mit seinen Truppen in die Moldau cingedrungen war, wurde er bei einem Scharmülzel von oinem Pfeil getroffen und schwer verwundet. Die Wunde mochte an und für sich keine tätliche* gewesen sein. Allein das Malheur bestand darin, dass der Pfeil, der Potocki die Wunde beigebracht, mit Gift getränkt war, und dieses Gift machte die Wunde zu einer tötlicfien. Alle zu Rate gezogenen Aerzte gestanden ihre Machtlosigkeit gegenüber diesem ihnen unbekannten Gift ein und gaben den Verwundeten verloren. Da tral der spanische Arzt Don Pedro, auf einer Reise nach Aegypten begriffen, zufällig mit Potocki zusammen und heilte in kurzer Zeit den Schwerkranken. Und seit dieser Zeit trennte sich Potocki nicht mehr von ihm, überhäufte ihn mit Aufmerksamkeiten und Ehrenbezeigongen jeder Art, beriet sich mit ihm bei bedeutungs- | volten Anlässen und legte seinen Ratschlägen besonderes Gewicht und grosse Bedeutung bei. Uebrigens muss man auch der Vorsicht und dem Takte des Leibarzfes, mit welcher er es verstand, sich auf dem schlüpfrigen Boden der edclherriichen Freundschaft und Dankbarkeit zu haften, Gerechtigkeit widerfahren lassen. Ohne dringende Notwendigkeit mischte sich Don Pedro nicht in fremde Angelegenheiten; er belästigte ntemanden mit unerbetenen Ratschlägen, trat keinerlei Partei bei und liess sich auf keinerlei Intrigucn ein. db an den polnischen Despotenhöfen so stark in Flor waren. Ihn liebten und schätzten alle wegen seiner liebenswürdigen Aufmerksamkeit, seines tiefen Verstandes, seiner ärztliehen Kunstfertigkeit und schliesslich wegen seiner ungewöhnlichen Herzensgute. Besonders verehrt, ja fast vergöttert wurde •er von den Bürgern und Bauern. Ganze Tage und Nächte verbrachte er in elenden Dorfhütten, nicht nur ohne Honorar zu nehmen, sondern er gewährte oft genug noch materiell־Unterstützung. Seine freie Zeit widmetle er der Erziehung seines einzigen Solines Daniello und der Wissenschaft. Ganze Nächte verbrachte er oft ununterbrochen in seinem Arbeitszimmer, oder in seinem chemischen Laboratorium. Die Art seines mönchhaften, zurcükgezogenen Lebens — eine Frau hatte er nicht— gab zu allerhand Glossen und un- I % '1 I ן ייידיי(*^*”״״«!*^%^*1 *לידייי••?־*• T