Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1907)
- Date
- 1907-05-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 212 N0.2I JÜDISCHE RUNDSCHAU sation noch jungen Datums und bedarf noch sehr des Aus baues. Um die Zahl unserer Anhänger in Wien zu vermehren, wird sich unbedingt die Gründung einer jüdischen Tageszeitung als notwendig erweisen. Der Mangel eitler solchen macht sich in Wien sehr fühlbar. In der Bukowina wurde Dr. Strauchcrmit grosser Majorität in Czernowitz-Ost wiedergewählt Og. Neu mann -Wender kommt in C z e r n 0 w i t z W e s t mit einem nichtjüdischen Sozialdemokraten in die engere Wahl. Radautz-Sercth-Suczawa wählte wie seit Jahren den Deutschfortschrittlichen Dr. Skedl. Warum die jüdischen Wähler dieses Wahlkreises (ungefähr 70 Prozent) keinen Juden in den Reichsrat entsenden, ist nicht recht klar. Auch Herr Dr. Skedl könnte biliigcrwcise dieses Mandat einem Juden Überlassen, umsomehr als die christlichen Deutschen in Czcrno* witz ihre eigenen Zählkandidaten aufstellten. Von Galizien lässt sich zur Stunde noch kein vollständiges Bild machen. Bis jetzt wurde im ersten Wahlgange in Galizien 1 jüdischer Pole (Dr. Nathan Löwenstein in Drohobycz), 1 Sozialdemokrat Dr. Liebermann (Przcmysl), 1 unabhängiger Jude Dr. Gross (Krakau) gewählt. In die engere Wahl kommen unsere Gesinnungsgenossen Dr. Mahler (Trembowla). Dr. Braudc (Stanislau). Dr. Birnbaum Buczacz Stadt), Heinrich Gabel (Buczacz Land), ferner der Sozialdemokrat Dr. Diamand gegen den jüdischen Polen Horowitz (Lemberg). Ucber Kolomca, Tarnopol, Stry, Brody- Zloczow liegen noch keine Mitteilungen vor. Für die Zionisten sind die 5 Stichwahlen nicht ungünstig, doch lässt sich Bestimmtes nicht vorher* sagen. In Lemberg werden die zionistischen Stimmen voraussichtlich gegen Dr Horowitz und für Dr. Diamand abgegeben werden. Infolge eines beispiellosen Terrorismus sind in einigen Wahlkreisen, z. B. Drohobycz, unsere Genossen unterlegen. Ueber diese Angelegenheit wird noch im österreichischen Parlament verhandelt werden. In den übrigen Krotiländern ist die Zahl der Juden eine geringe, daher die Wahl eigener jüdischer Abgeordneter nicht gut möglich. Es muss jedoch mit Genugtuung konstatiert werden, dass in Böhmen, Mähren und Schlesien fast ausschliesslich Nicht-Antisemiten gewählt wurden. Diejenigen, die prophezeit hatten, dass durch die Betonung des nationalen Moments bei den Juden nur Antisemitismus erzeugt werde, haben also wieder mal Unrecht behalten. Gerade in den letzten Jahren hat sich nämlich besonders in Böhmen die zionistische Organ!- sation sehr vergrössert und die Folge davon ist die, dass mit der beginnenden Selbstachtung seitens der Juden auch die Achtung seitens der nicht!üdischen Nationen uns gegenüber wächst Der Antisemitismus zieht nicht mehr. Die in Niederösterreich und den Alpcnprovinzcn gcwählten Christlichsozialen sind mehr klerikal als antisemitisch. In Wien ist leider das Verhalten eines Teiles der Juden ein solches, das den Antisemitismus immer noch fördert Die Mehrheit der Wiener Juden wird als ״antiklerikale freisinnige“ in einen Kampf mit den Christlichsozialen gehetzt, wodurch der jüdischen Sache nur geschadet wird. Aufgabe der iüdischnationalen Parteileitung wird cs sein, die Juden selbstständig zu organisieren, um dann mit freiheitlich Gesinnten anderer Nationen als Juden zu kämpfen und zu siegen. B. Grö nhot Zur Aender ung des Organisationstet ü*s Referat des Rechtsanwalts Dr. Hantkc ״) Der Organisationsausschuss des VII. Kongresses hatte sich mit Rücksicht auf die Sachlage au! die allcrnolwcndigsteti Aenderungcn beschränkt. Sie betrafen ausschliesslich die Zusammensetzung des engeren und des grossen A.-K. Ancli heute ist die Zeit zu durchgreifenden Acnderungcn nicht gekommen. Denn die Hauptschwierigkeiten liegen •in der Zer- Streuung der Juden überhaupt und in der Jugend des zianistisehen Parteilebens. Infolgedessen wird es auch dem bestausgedachten Organisationsstatut nicht gelingen, der bestehenden Unbequemlichkeiten vollkommen Herr zu werden. Es kann sich auch in diesem Jahr nur darum handeln, die notwendigsten Aenderungen zu trefien. I. Die Schekelinstitution an sich hat sich als ausreichend erwiesen. Würden alle Schekelgelder ohne Abzug abgehefert werden, so würde das A.-K. über genügende Summen verfügen, um die laufenden •Bedürfnisse der Partei zu decken. Das ergibt ein Vergleich der Schekeleingängc der letzten drei Jahre mit den tatsächlichen Ausgaben der Parteileitung. Wenn trotzdem wichtige Angelegenheiten aus Mangel an Mitteln tmerledigt bleiben mussten, so erklärte sich dies daraus, dass fast •) Das A.-K. hat beschlossen, diesen Entwurf in der WELT zu veröffentlichen und die Landsmannschaften aufzufordem, ihre Stellungnahme zu diesem Entwürfe durch eine Diskussion in der WELT zu präzisieren. Die JÜDISCHE RUNDSCHAU erwartet die gleiche Diskussion von ihren Freunden. In Grimasswischneiden und der Ticrimitation war Durnjewitsch in der Tat bedeutend. Zu den Purzclböckcn und grotesken Sprüngen fehlte -ihm die gymnastische Gewandheit; auch war ihtn hierbei sein Kostüm ein u!tüberwindliches Hindernis. Potocki war eben originell in seinem Dünkel. Er kleidete seinen Narren nicht balazzoartig, sondern herrschaftlich. Ein so reiches Gewand, wie für Fan Potocki selber, w urde zu gleicher Zeit auch für den Narren angefertigt, der in der Bekleidüng das Ebenbild seines .Herrn darstelltc. Potocki hatte dafür seine Gründe. Wenn nämlich bei ihm ein Gast erschien, der den Narren noch nicht kannte, nahm er in der Regel Durnjcwitscli und führte, unter den zu jener Zeit in Polen üblichen Zeremonien, den luxuri'is ausstaffierten Narren zu dem Gaste. ״Habe die Ehre den edren Herren — erlauchtesten — hochgeborenen — Pan — Narren vorzustellen!“ trug er dann feierlich und mit komischem Pathos vor, jedes Wort absichtlich dehnend und betonend. Angesichts eines so elegant gekleideten Herrn machte der Gast gewöhnlich eine Verbeugung nach der anderen, bis er dann das letzte Wort vernahm und der verblüffte Gast von dem homerischen Gelächter des edelherrlichcn Publikums fast betäubt wurde. Diese feierliche Vor- Stellung des Narren erzielte jedesmal einen grandiosen Erfolg. Nur einmal erfrechte sich Durniewitsch bei einer solchen Gelegenheit zu witzeln, bereute cs aber dann sein Lebenlang. Bei einer derartigen Vorstellung nämlich, rekommandierte er sich selbst, als er mit. Potocki Arm in Arm zu einem Gaste getreten war, und das sehr lakonisch: ״Der Narr — des Narren, dem Narren!“ sagte er, die feierlichen Gesten seines Herrn parodierend. Niemand lachte. Potocki wurde ptirpurrot.״wendete sich aber mit erkiinstelter Ruhe zu dem Narren: ״Pan Sinmo! Du hast soeben deine drc. gcwichtigen־ Worte gesprochen; verstaue nun dem Pan Fetocki seine drei Worte zu sagen.“ ״Sprecht!“ sagte der Narr mit einer majestätischen Handbcwegung, ohne zu begreifen, um was cs sich handelte. Potocki winkte den ältesten Haiducken herbei und mit einer höflichen Verbeugung gegen den Narren fccfahl er: ״Hundert Knuten dem Narren!“ Und durch hundert blutige tiefe Striemen wurde ז'צ magere Rücken des lakonischen Witzlings zerfleischt. Ein halbes Jahr lang schwebte Durniewitsch nach dieser Exekution zwischen Leben und Tod und nur der Kunst