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Jüdische Rundschau · 1907-05-24 · Heft 21 (24.5.1907) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 21 (24.5.1907)
Date
1907-05-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 210 JIDDISCHE RUNDSCHAU No.. 21 den, dass die Anschuldigungen gegen den Vorstand in Ihrer geschätzten Zeitschrift grundlos sind. Ihr ergebener Benas Levy. - Was lehrt dieser Brief? Der für Herrn Dr. Cohn ־voreingenommene Leser wird sagen: Herr Benas Levy hat die Unwahrheit gesprochen. Er wusstt. dass Dr. Cohn nicht mehr am Falkrealgymnasiurn war, als er sein Amt antrat, und hat trotzdem die Tätigkeit Dr. Cohns an jenem Gymnasium auf drei Monate nach seinem Amtsantritt verlegt. Er wusste dass Dr. Cohn im Juli 1906 die Herzlgedenkrede hielt und hat doch willkürlich tfen Todestag HerzPs in den September verlegt, so dass Dr. Cohn dazu kam, sechs Monate nach seinem Amtsantritt die Gedenkrede zu halten. Er hat die drei ״schweren Verfehlungen“ Dr. Cohns ganz einfach auf die neun Monate seiner Amtszeit verteilt, indem er die Neun durch die drei dividierte. Aber der Leser irrt sich. Herr Benas Lew ist uns bekannt, und er hat einen zu guten Namen, als dass wir annehmen sollten, dass er wissentlich die Unwahrheit gesagt hat. Nein, er hat seinen Brief in ehrlicher Überzeugung geschrieben. Aber das eine steht fest: Hier ist einer der Richter des Dr. Cohn, einer von denen, die über das Schicksal dieses Mannes entschieden haben, und der es nicht anders wusste, als dass der eine Anklagepunkt (Falkrealgymnasiurn) drei Monate nach der Anstellung Dr. Cohns lag, wärend er in Wirklichkeit als vor seiner Anstellung liegend hätte entfallen müssen. Hier ist einer der Ri ehter, der das Material der Anklage so wenig kannte, dass er die Herzlrede Dr. Cohns als in den Septemb^er 1906 fallend betrachtete und ausserdem der Meinung war, Herr Dr. Cohn sei auch sonst in zionistischen Versammlungen aufgetreten. So hatte der Vorstand der Jüdischen Oemeinde für die Orientierung der Richter des Dr. Cohn gesorgt. Spinnen und Fliegen Roman von Bagroff. Aus d. Russ. übersetzt. Drittes Kapitel. (Fortsetzung.) ״Mir hat Don Pedro seine Gründe dargelegt,“ henutzte der abseits stehende Chemiemicki die Gelegenheit, an der Unterhaltung teilzunehmcn. Oda wendete wie unwillkürlich das Haupt zu dem Sprecher und musfcrtc ihn mit einem unfreundlichen, fast verachtliehen Blicke von oben bis unten. ״So.Ihnen ist es bekannt?“ sagle sic mit einem ironischen Lächeln. ״Gratuliere! Sie sind im allgemeinen ein seltener Glückspilz; Ihnen vertrauen alle gern ihre geheimen Oedanken an. Darf man nach den Gründen des Doktors fragen?“ ״Natürlich,“ sagte der Stallmeister, ohne sich im geringsten aus der Fassung bringen zu lassen. ״Don Pedro ist der Ansicht, dass die Jagd eine zwecklose Vrnichtung vieler Leben sei, die selten irgend jemandem Nutzen bringt. Ferner behauptet er, dass die Jagd einen blutgierigen Instinkt in den Menschen wach rufe, und Oefühllosig1 <:it gegen fremdes Leid. Er ist überzeugt, dass die H*u!d, die sich an die Tötung von Tieren gewöhnt, auch nicht zittern würde, wenn ihr auf irgend Was wird nun Herr Benas Levy tun? Wir warten ab. Aber tief beschämend ist cs, was er sich schon Leute von der JEWiSH CHRON1CLE. die doch diese Tatsachen gar nicht kennt, und die doch sicher ohne Parteigeist schreibt, sagen lassen muss. Man höre, wie das berühmteste jüdische Blatt der Welt dem Berliner Repräsentanten antwortet: ״Mit dem aufrichtigsten Wunsche, ganz unparteiisch zu sein, können wir unserm Korrespondenten Herrn Benas Levy nicht mit gutem Gewissen zu der Verteidigung des Berliner Jüdischen Gemeindevorstands in der Angelegenheit Rabbi Cohn gratulieren, die er in einem Brief, den wir diese Woche veröffentlichen, wagt. Herr Levy gibt zu, dass die Tatsachen, die wir veröffentlicht haben, im wesentlichen korrekt sind, und bringt nur einen unwichtigen Unterschied an. was das Gespräch zwischen dem Gymnasialdirektor und Rabbi Cohn bctrifft, von dein schon gesprochen ist. Was Herr Levy nun behauptet, kann kein Mensch verstehen. Zuerst sagt er, Dr. Cohn habe sein Amt angenommen mit der ausdrücklichen Vereinbarung, dass er zionistische Lehren nicht verbreiten würde. Rabbi Cohn bestreitet das, und wir hoffen nicht nur um seinetwillen, sondern auch um des Berliner Vorstandes willen, dass er wahr gesprochen. Denn man kann sich nichts intoleranteres, vorstclle-n, als von einem Manne als Vorbedingung zur Anstellung zu verlangen, dass er sich durch ein solches Versprechen zum Narren macht. Man wusste, dass er Zionist ist, und wenn er zum Rabbiner gewählt wurde, so muss vorausgesetzt werden,• dass der Berliner Gemeindevorstand wenigstens an seiner allgemeinen Ehrenhaftigkeit nichts auszusetzen liatte. Wie konnten sie meinen, dass diese vereinbar sei mit einem Versprechen, wie sic es anscheinend erhalten zu haben glauben? Herr Levy fragt, ob der Vorstand nicht das Recht habe, von seinem Prediger zu erwarten, dass er sein Versprechen hält. Es wäre viel angebrachter zu fragen, ob der Vorstand irgend ein Recht habe, efem gewählten Rabbiner solch ־ ein Versprechen abzunehmen. Es ist einer jüdischen Behörde unwürdig, seinen Prediger zu versuchen und durch das Angebot eines Amtes bestechen zu wollen, von dem zu lassen, was welche Weise ein Mensch in den Weg käme. Von seinem Gesichtspunkte aus hat der Doktor vollkommen Recht.“ ״Meinen Sie? Ungereimte Anschauungen.“ warf Panna Oda achsclzuckend hin und liess ihren Blick über den Balkon schweifen. ״Wo ist denn unser weiser Don Pedro?“ ״Da .... er unterhält sich mit dem Narren.“ zeigte der Jüngling. ״Ha, ha, ha!“ lachte Panna Oda glockenhell. ״Das ist köstlich! Der Weise unterhält sich mit dem Toren! Extreme berühren sich, nicht wahr, Pan Chniicltiicki?'' ״Berühren sich und . . . trenmm sich,“ ergänzte det Angeredete, die Fragerin finster anblickend. Panna Oda errötete; sie sah zufällig zur Seite und begegnete dem starren, finsteren Blicke Potockis. ״Don Pedro!“ rief sic den Vater Danfellos laut an. Dieser liess seinen Gesellschafter stehen und näherte sich langsamen Schrittes der Panna Oda. * Es ist Zeit, unsere Leser mit zwei nicht imintercssantcn Persönlichkeiten bekannt zu machen — mit zwei bcdfc.istctcn Persönlichkeiten, die zu unterhalten zu dem guten Ton der Magnatenhöfe gehörte: mit D011 P.edro Miguel Spaardici, Leibarzt am Hofe Potockis, und mit dem Narren Simon Durnjewitsch. %

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