Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1907-05-24 · Heft 21 (24.5.1907) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 21 (24.5.1907)
Date
1907-05-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2651500-2651521--04691-2661676
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Abonnementspreis tTBschlieisiich LITERATURBLATT tiertetjihflich: , 1. <urch die Expedition: a) ln Berl r, —.90 Mark. bJ nach aus- *ZrS 1,— Mark. c) IQr das Ausland :,50 Mark. 1 Im P1ttaD«nn«nent: 1,25 Mark. ' losertionsprels Allgemeine Jüdische Zeitung« Redaktion: BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4. Expedition and Adresse für Geldsendungen and Bestellungen: VtHag läüicha Rundschau, E. 0. m. b. H. Berlin N. 64, AugusUtr. 49a. OeacbifUstuoden der Eipeditlo» die vic-?fpaltenc Petit •Zelle oder de rtn Ra׳-׳m 25 Pfennig. J, Alle Rechte Vorbehalten. Telephon: 11, 3387. täglich (ausser Sabbat und Sonntag) vor- , . mittags 10—1, nachmittags 3-7 Uhr. Abdruck nus der JUEDISCHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenangabe gestattet Nummer 21 I Berlin, 11. Siwan 5667 - 24. Mai 1907 XII. Jahrgang Brief eines Repräsentanten JEWISli CHRONICLE, die vornehmste jiiüisolic Zeitung der Welt, veröffentlicht folgende Korrespondenz des Berliner Repräsentanten Herrn Benas Levy über den Fall Dr. Coh n: Mein Herr! Es kann nicht wunder nehmen, dass die antisemitische ur.J zionistische Presse Dr. Emil Colin eifrig vorteidigen und die Handlungsweise des Vorstands der Jüdische־ Gemeinde angreiien. Die Zionisten sind von Parteigc'st getrieben lind die Antisemiten sind nur allzufroh über die Gelegenheit, ihren Hass an den Juden auszulassen. Aber wenn eine so hochstehende Zeitung wie die JEWISH CHRONICLE sich Ausdrücke gestattet, wie ״Ohettogeist“, ״Intoleranter und bigotter Geist“, ..Furcht und Zittern ergreift die feigen Geschöpfe“, so beweist das nur. dass der wall re Sachverhalt des Falles nicht bekannt ist. Die ganze Angekgenheit wurde aut der letzten Rcpräsentantenver- Sammlung öffentlich besprochen und an jedes Mitglied der Berliner Jüdischen Gemeinde wird eine Bioschüre über den Fall gesandt werden. Die Sachlage ist kurz folgende: Dr. Emil Cohn wurde im April 1906 zum Prediger der Jüdischen Gemeinde gewählt, obgleich er erst 25 Jahre alt Mar. Da man ihn als Zionist kannte, so nahm der Vorstand, den Sie der Intoleranz beschuldigen, Herrn Dr. Cohn das Versprechen ab, weder auf Kanzel und Katheder, noch in öffentlichen Versammlungen zionistischc Lehren zu verbreiten. Drei Monate später sehen wir ihn itn Falkrealgymnasium die Schüler, denen er Religionsunterricht erteilte, mit zionistischen Ideen erfülle׳.!. Infolgedessen entlkss ihn der Direktor der Schule, umsomehr, da er mit einem der Lehrer einen unerfreulichen Streit hatte. Wieder drei Monate später sehen wir Herrn Dr. Cohn aktiv an einer zionistischen Versamir.mhmg tcilnehmen, ja sogar die Gedenkrede für Dr. Herr! halten. Obgleich der Vorstand ihn an sein Versprechen erinnerte, leugnete der junge Prediger, ein solches Versprechen gegeben zu haben, hielt die Gedenk־ rede, worauf der Vorstand ihn: einen Verweis erteilte. Drei Monate später wurde dem Vorstand von drei jüdischen Lehrern ein Gesuch cingercicht, die Ausein־ andersetzungen betreffend, die Dr. Cohn einem Gymnasialdirektor gegeben hatte, den er besuchte, um sich um die Stelle des Religionslehrers jenes Gymnasiums zu bewerben in seiner offiziellen Eigenschaft als Prediger der Jüdischen Gemeinde, denn als Prediger der Jüdischen Gemeinde ist er ex officio ihr Repräsentant. Er führte aus: Wir Juden fühlen uns zunächst als Glieder des auserwählten Volkes und dann erst als Deutsche. Die jüdischen Lehrer beklagten sicli. dass in solchem Falle ihre Treue als Deutsche bezweifelt werden müsste und es ihnen dadurch in Zukunft unmöglich gemacht würde, eine Anstellung an einer öffentlichen Schule zu bekommen. Der Vorstand untersuchte die Sache sofort aufs gewissenhafteste und beschloss nach langen Beratungcu mit den Repräsentanten und mehreren Unterredungen mit Dr. Cohn, ihn zu suspendieren. Der Vorsitzende bestreitet aufs entschiedenste, dass er an Herrn Dr. Cohn die beleidigenden Worte gerichtet habe: ״Sie sind bei uns in Lohn und Brot, Sie haben unsere Anschauungen zu vertreten.“ Der Gymnasialdirektor bcstreitet öffentlich, dass er gesagt habe (wie Dr. Cohn berichtet), er heisse die Taufe 01 me Überzeugung gut, oder wünsche, dass jüdische Kinder, am christlichen Religionsunterricht tcilnehmen. Im Gegenteil, er rate den Eltern seiner Schüler davon ab. Deshalb hatte Dr. Cohn absolut nicht nötig, den Direktor mit seinen (Dr. Cohns) Ansichten über Judentum und Ziojiismus bekannt zu machen. Die Folge war, dass ein Prediger der Reformgemeinde bereits als Religionslehrer der obenerwähnten Schule angestellt worden ist. ohne dass der Vorstand der Jüdischen Gemeinde befragt wurde, wie das früher der Fall war. Nach diesen drei Fällen bcschloss der Vorstand, Dr. Cohn von Kanzel und Katheder zu entiernen. Er wurde auigefordert. zu kündigen oder Urlaub zu nehmen; er verweigerte beides. Der Vorstand beschloss daher, ihn von seinem Amte zu suspendieren, sein Gehalt würde ihm bis zum Ablauf seines Vertrages, April 1909, weiter bezahlt werden. Die Handlung beweist weder Ghcttoicsscln noch kleine Furcht vor dem Direktor. Hat eine Kultusbchördc, die eine zionistische Agitation für unangebracht halt, nicht das Recht, zu erwarten, dass ihr Prediger das Versprechen halt, das er gegeben? Wünschte Dr. Cohn, seine zionistische Agitation fortzusetzen, so hätte er seine Berufung zum Prediger nicht annchmen sollen, und hätte sich und dem Gcmeindcvorsfand damit viel Arger erspart. Aber erst zu verspreche״, dann zuriiekzunchmen, dann Behauptucngcn anizustellen von Aussprüchen, die weder der Vorsitzende noch der Direktor gemacht hat, steht, das mindeste zu sagen, einem Prediger nicht gut an. — Ich hoffe, dass diese ZeiLn Sie überzeugen wer-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.