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Jüdische Rundschau · 1907-05-17 · Heft 20 (17.5.1907) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 20 (17.5.1907)
Date
1907-05-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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I No. 20 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 203 za Berlin. Man frage die Rabbiner, deren einer,•ein milder und vornehmer Mann, von Herrn Jacoby einmal so hart angelassen wurde, dass er es über sich gewinnen musste, dem achtzigjährigen Greise zu sagen: ״Herr Jacoby, ich bin kein Kommis!“ Was aber schliesslich den Vorstand anbetrifft, der jetzt durch Herrn Lilienthal erklären lässt, er wisse sich von Anschauungen frei, die solchen Worten entsprächen, so ist ihm dies einfach nicht zu glauben. . Im Angesichte der Öffentlichkeit erkläre ich hier: Ein Vorstand, der es zulässt, dass seine Rabbiner dutch den Hilfsarbeiter des Bureaudirektors auf das Gemeindeburcau zitiert werden, um sich von diesem Herren Vorhaltungen machen zu lassen, wie es mir am 11. Juni 1906 passiert ist; ein Vorstand, der seine Rabbiner auf das Bureau ruft, um sich Rüffel abzuholen; ein Vorstand, der seine Rabbiner mitten im Schul״ jahr von einer Schule an die andere schickt, ohne sie erst zu fragen; der den Rabbinern, welche gleichzeitig Schuldirigenten sind, zwangsweise Lehrer aufoktroyiert; ein Vorstand, der es gewagt hat, einen der angcsehensten und beliebtesten Rabbiner im November 1906 einfach die Steilung aufzukündigen, nachdem er durch sechs Jahre seine besten Kräfte im Dienste der Ge״ meinde aufopfernd verschwendet hat; ein Vorstand schliesslich, der in dem Masse am Judentume gefrevelt hat, dass er im Jahre 1905 die ehrwürdige, historisch gewordene, durch Gewohnheitsrecht bestehende und durch eine tausendjährige Entwicklung geheiligte Institution des rabbinischen Kollegiums gewaltsam und zu Unrecht aufgelöst hat: Ein solcher Vorstand steht nicht bloss auf dem Lohn- und Brotstandpunkt, sondern ich spreche ihm auch die Fähigkeit ab, zu Gericht zu sitzen üb'er mich; die Fähigkeit, ein Urteil abzugeben, ob ein Mann von meiner Qualität, dem sein Judentum das Höchste und Heiligste ist, was er hat, und der sich tief und innig bewusst ist, seine Pflicht getan zu haben, wie sie ein Rabbiner nur tun kann, ob ein solcher Mann als Schädling des Judentums ausgerottet werden muss oder nicht. Ich bin am Schluss: Es ist eine heilige und gute Sache, die ich führe. Das weiss ich! Und wenn ich ganz allein stunde mit meinem Kampf, ich müsste ihn dennoch kämpfen! Und wenn in Berlin soviel Repräsentanten und Vorsteher wären, wie Ziegelsteine auf den Dächern, ich müsste doch auftreten und sprechen: Es geschieht Unrecht auf dem Bureau der grössten Jüdischen Gemeinde Deutschlands. In schmerzlicher Bitterkeit nahm ich die Feder auf, fröhlich lege ich sic jetzt hin. Ich weiss, es werden bessere Zeiten kommen, Zeiten, in denen die Wahrheit nicht verhüllt gehen und das Recht nicht mit Füssen getreten sein wird. Ich grüsse die kommende Zeit! Bne-Brithorden und Zionismus In der vor kurzem erschienenen ״Geschichte des Ordens Bnei Briss in Deutschland 1882—1907״ von Br. Sanitätsrat Dr. Maretzki, Berlin, heisst es auf Seite 13S ff: Wesentlich anders gestalteten sich die Beziehungen des Ordens zum Zionismus, ln den Logen waren vielfach Anhänger des Zionismus vertreten, und wohl oder übel musste es einmal zu einer Aussprache über diese, die deutsche Judenheit tief bewegende Frage kommen. Das Programm der Zionisten, die ecdgiltige Lösung der Judenfrage durch Bildung eines jüdisehen nationalen Staates in Palästina herbeizuführen, musste notgedrungen zu einem Konflikt mit den deutschen Logen, die auf deutsch-nationalem Standpunkt stehen und diesen Stand* punkt betonen, kommen. Die zionistische!Bewegung setzte in der Mitte der neunziger Jahre mit grosser Wucht ein und es wurdo die Absicht kund gegeben, den ersten zionistischen Kongress nach München einzuberufen. Das veranlasste die München-Loge zu einem Protest gegen die Abhaltung des Zionistenkongresses in München, den sie mit folgender Be* gründung air. 12. April 1897 der Grossloge unterbreitet: ״Der Zionismus bieUt bei der heutigen Zeitströmung den Gegnern des Judentums eine willkommene Gelegenheit zu der unbegründeten Behauptung, die Juden seien eine Nation für sich, welche in die Staaten des Landes, in welchem sie geboren sind, leben und dessen Bürger sie sind, nicht aufgehen wollen. Es müsse daher für Jeden, sein Judentum und sein Vaterland hebenden Juden Pflicht sein, gegen eine derartige Auffassung Stellung zu nehmen.“ Zudem beschritt man noch einen vermittelnden privaten Weg. Von Seiten der Loge wurde Ex- Präsident Dr. Merzbachcr nach Wien gesandt, um auf Dr. Hcrzl persönlich einzuwirken. Die Sendung hatte den Erfolg, dass München für die Abhaltung des Kongresses ausser Frage blieb. — Weit schärfer wurde dieser antizionistische Standpunkt in der Rheinland-Loge betont. Dort waren einige Mitglieder der Loge in eine Agitation durch einen Aufruf mit der gekermzeichneten Tendenz eingetreten. Davon hatte die Rheinland- Loge Kenntnis erhalten, erwog diese Angelegenheit im Beamtenrate, und mit dessen Zustimmung wurde sie vor die Loge gebracht. Sic ging in ihrer Zuschrift an die Grossloge am 17. Juni 1597 von dem Gedanken aus. dass die zionistische Bewegung eine durchaus unpatriotische und gerade für die deutsehen Juden eine besonders gefährliche sei, gefährlich nicht durch die Möglichkeit der Ausführung der nationalstaatlichen Utop*e, gefährlich vielmehr durch die Angriffswaffen, die sie den Antisemiten in die Hände gäbe. Einstimmig wurde die Resolution angenommen: ״Die Rheinland-Loge erklärt, dass die Bestrebungen des Zionismus den Grundsätzen der Logen und ihrer rationalen Gesinnung widersprechen.“ Dieser Be- Schluss wurde der Grossloge und allen Logen zugesandt. Daraufhin hat das Gen.-Kom. am 27. Juni 1S97 djese Angelegenheit einer eingehenden Beratung unterzogen. Es wurde die grundsätzliche Frage aufgeworfen, ob die Grosslöge das Recht oder gar die Pflicht habe, zum Zionismus Stellung zu nehmen. Die einen gingen von der Ansicht aus. dass der Zionismus eine Gewissensfrage für alle diejenigen bilde, die täglich für die Wiederaufrichtung von! Jerusalem beten, und dass von» Orden aus kein Eingriff In deren religiöse Empfindungen geschehen solle, dass es den Orden nichts anginge, wie einzelne Brüder sich zum Zionismus stellen, man müsse es von Ordenslogen vermeiden. Streit in die Logen hineinzutragen. Andererseits wurde betont, dass, wenn Brüder einer Loge sich zusammentun. um zionistische Be- Strebungen zu organisieren und dafür zu agitieren, dües ein Verstoss gegen dre Ordensgrundsätze bedeute, welche die Pflege des Patriotismus den Logen zur Pflicht mache. Der Zionismus ist unvereinbar mit dem nationalen Standpunkt des Ordens, den er durchaus vertrete. Ochc man über die zionistische Bewegung mit Stillschweigen hinweg, dann mache sich der Orden mitschuldig. Das Oen.-Kom. sei daher verpflichtet, zu erklären, dass cs die zionistischen Bestrebungen und besonders soweit sie auf Errichtung eines national-jildisehen Staates abzielcn, nicht billigen könne und zurückweisen müsse. Zugleich sollen die Logen gewarnt werden vor der Erörterung des Zionismus, denn es sei zweifellos, dass diese Sache ln das Gebiet der Politik und Religion falle. Demgemäss wurde in einer Resolution beschlossen, dass die Bestrebungen des Zionismus, soweit er die Begründung eines national-jüdisehen Staates herbeifuhren wolle, den Grundsätzen der Loge und ihrer nationalen Gesinnung widerspreche, und den Logen aufgegeben, Diskussionen über den Zionismus zu vermeiden. Später, im Dezember 1S98, wurde der •Beschluss noch schärfer gefasst, dass über den Zionismus in den Logen keine Dis-

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