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Jüdische Rundschau · 1907-05-03 · Heft 18 (3.5.1907) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 18 (3.5.1907)
Date
1907-05-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 182 inniSCHE RUNDSCHAU No. 18 muss endlich beseitigt werden. Die türkische Regierung ist über die zionistische Bewegung genau informiert Wenn sie das Vordringen jüdischer Unternehmungen nicht dulden will, .so wird sie uns eben die Bildung einer solchen ״Plattform*’ nicht gestatten. Man sollte meinen, diese Erkenntnis sei sehr einfach und für jeden Denkenden selbstverständlich; statt dessen aber geberden sich manche Versanunlungspoütikcr. als sei die tiirkischc Regierung eine quantite ncgligcable und Hcrzls ״Diplntnatisieren“ blosser Eitelkeit entsprungen. Welche Bahnen die zionistische Politik ciuzusclilagen hat. oh mau für einen Charter oder für einzelne Konzessionen arbeitet, ist von der jeweiligen Konstellation abhängig und ausschliesslich Sache der Leitung. Soviel ist sicher, dass nur die Unterordnung' der ״praktischen Arbeit“ unter das politische System, nur die ständige Fühlungnahme mit den Mächten und die rasche Ausnutzung günstiger Situationen der Palästinaarheit dauernden Wert im Sinne des Zionismus verleihen kann. Es wird die wichtigste Aufgabe des Vtyl. Kongresses sein, eine Leitung zu schaffen, die dieser Arbeit gewachsen ist. Die vorhandenen Gegensätze werden verschwinden, wenn die Anhänger der ..praktischen Arbeit“ die Rückwirkung politischer Erfolge auf jene Arbeit erkannt haben werden. Das jüdische Kapital hat vorläufig noch keine Neigung, sich in grossem Umfang nach einem Lande zu wenden, dessen poütische Zukunft ungewiss und dessen Bedeutung für die Lösung der Judenfrage erst in den engen Zirkeln der Zionisten anerkannt ist. Das wird erst anders werden, wenn der Zionismus auf politschem Wege Konzessionen und Garantie:! erlangt hat. 1 So greifen die ..politische“ und die ״praktische“ Tätigkeit ineinander. Nachdem diese ihre Anerkennung in bestimmtem Rahmen durchgesetzt hat. wird es Aufgabe der folgenden Kongresse sein, die Synthese zu vollziehen und dam t der (kge.iwartsarbeit die richtigen Bahnen zu weisen. * * Was uns not tut, ist kühle Sachlichkeit. Sie lehrt uns, dass der Zionismus als Bewegung mit hochpolitischen Zielen 'sich politischer Methoden bedienen muss; dass die Gegenwerts־ arbeit In Palästina nur durch das Privatkapital geleistet werden kann; dass die Organisierung dieses Kapitals durch die Palästinakommission nützlich ist. in ihrer Bedeutung für den Zionismus aber nicht überschätzt werden darf; und dass alle jüdischen Kulturbestrcbungen und alle Arbeit auf dem Boden Palästinas ihre rechte Bedeutung erst erlangen können durch die Garantieen für eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte Richard Licht heim. Rundschau —־ Techniker und Ingenieure ״Wie schwer cs für jüdische Techniker (Chemiker und Ingenieure) ist. nach vollendeten Studie״ passende Stellung in der Praxis zu erhalten, ist allgemein bekannt. Nehmen doch die bedeutendsten Firmen, auch solche, die ausschliesslich ji'tdischein Oelde ihre Existenz verdanken und in! Aufsiclitsrate vielfach jüdische Namen aufweisen, prinpizicll keine jüdischen Beamten auf. Wenig bekannt ist aber, dass sich diese .,Judenreiuheit“ auch auf die Patentanwaltschaft erstreckt, die. mit Ausnahme der jüdischen Anwälte selbst, gegenwärtig überhaupt jüdisches Personal nicht aufnimmt. Es existieren zur Zeit in Deutschland etwa 250 Patentantwälte; hiervon sind höchstens IU Prozent Juden. Es ist doch gew.ss ein sehr eigenartiger Zufall, dass hei den 225 christlichen Anwälten auch kan einziger jüdischer Angestellter -tätig ist. weder als Ingenieur noch als Chemiker, noch in irgend einer anderen Steilung. Bei der Wertung der obigen Zahle!! ist zu bcrückscht.gen. dass nur ein Teil der Anwälte technisch dureligchildete Hilfskräfte beschämgen kam!, und zum Bei>piei die sämtlichen jüdischen Anwälte mit 2 A Ausnahmen keine Ingenieure brauchen. Dagegen existieren in Perl!1 allein Bureaus, die bis /יי״) וו Angestellten aufweisen und sich in christlichen Hände;: befinde:;. In diese!!!׳!!den sich, w ie gesagt, jüdische Ingenieure und Chemiker nicht. Nun verlangt aber das seit ö Jahren in Kraft stehende Gesetz hetreiis der Pat.nuinwölte. dass jeder, der zur Pnit'uiig als Patentanwalt /!!gelassen werden will, eine zweijährige praktische Tätigkeit auf dem Gebiete des gewerblichen Rechts- Schutzes nachweist. Diese Tätigkeit kann regulär nur i,1 den! Bureau eines Patentanwalts ausgeübt werden. Ihirch das oben geschilderte Verhalten wird demnach Jüdischen' Ingenieuren der Zugang zur Patentanwaltsehaft sehr erschwert, wenn nicht ganz unmöglich gemacht. In der 'I a: haben die seit dem Inkrafttreten des Gesetzes neu zugelassenen Patentanwölte ihre Praxis alle in jüdischen, zun! Teil nickt mehr hestehenden Bureaus erworben. Auch das Kaiserliche Patentamt zählt unter seinen ordentliche!! Mitgliedern zur Zeit keinen einzigen Jude!׳. Ein jüdischer Ingenieur, der wegen Anstellung im Amte mit den! Persoimidezenientei! verhandelte und dessen Voraussetzung, dass er evangelisch sei. nicht bestätigen konnte, sondern angab. er sei .lüde, erhielt zwar de:! trostvollen Betcr zu holen, während er alle biblischen Flüche heraufbeschwor auf alle Patts im. allgemeinen und auf seinen Pan, einschliesslich seines Verwalters im besonderen. ,,Und du, Mastschwein, was hast au gebracht?“ irug der Verwalter einen fettleibigen, kurzbeinigen, seliwcissbedeckten Juden, der eine Kiste mit!'lasche:! bewachte. ״Alten Metli, erlauchtester Pan,** schnarchte der Jude, indem ersieh schwerfällig bückte, tun sowohl eine Verbeugung zu machen, als auch eine d ־. ג staub- und sehinmielbedeekten Flaschen aus der Kist .* zu holen. ״Alten, sagst du? Und wieviel Jahre zählt er?“ fragte der Verwalter, boshaft lächelnd, indem er den trüben Inhalt der dargercichten Flasche durchsehüttelte und diese prüfend vor ein Licht hielt. ״Wciss ich, wie alt er ist? Möglicherweise bin ich ein Kind gegen ihn.“ ״Siehst, den Gauner! Hat absichtlich di Flaschen beschmiert, um ihnen ein altes Ausgeber, zu gehen. Hier, leck, Rindvieh!" Die Flasche flog zu Boden und zerse‘ In׳;tausend Stücke. Der Jude schrie auf vor Entsetzen und sprcPzlc die Arme weit auseinander. . ״Koste, schnicck' doch,“ brüllte Woickowski, indem er den Juden an den Kragen packte und ihn zu Boden drückte. .Haiducken, lasst den Juden kosten! Er sali lecken, wie sein Meth schmeckt!“ Zwei kräftige Haiducken w arfen den Juden zu Boden und druckten sein Gesicht in die Lache, die von der zerschmetterten Flasche sich gebildet hatte. Bedauernswert, aber höchst possierlich sali der Jude aus..als er sielt mit beschmierten; Gesichte und beschmutzten Lippeil erhoben hatte. Pan Woickowski, die Haiducken, und sogar die noch ihres Schicksals harrenden Juden hielten sich die Seiten vor Lachen. ״Nun Schweinigel, schmeckt dein alter Metli? Betrüge ein anderes Mal nicht! Laut, Saukerl, und bringe die!*laschen her. die in dem äussersten Ende deines Kellers verborgen liegen Gel:, und bei der Gelegenheit kannst du dir auch die Fratze abwaschcn. du Scheusal!“ Schweigend nahm der Jude die Kiste mit den Flaschen auf und schickte sich ■an. sie mitzunehmeii. ״Nein, so war es nicht gemeint,‘4 sagte Woickowski, ״die bleiben •hier. Haidiickcn! Nehmt diesen Metli und trinkt ihn auf das Wohl unseres erlauchtesten Herrn. Und du, Jude, geh nach Hause und bring* andere Flaschen her! Noch eins — sag* all den Jüdclien, wenn sic mir eine Bagatelle bringen, so nehme ich sie w ohl aber nicht in Rechnung, sondern sie müssen mir dennoch besseres bringen. Pan Woickowski ist nicht gewöhnt zu scherze.1. Das sage ihnen und zeige ihnen deine Schnauze.“ .. (Fortsetzung folgt.)

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