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Jüdische Rundschau · 1907-05-03 · Heft 18 (3.5.1907) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 18 (3.5.1907)
Date
1907-05-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 18 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 18• , ׳, aber eine andere Art nationalkulturcller OcKenwartsarbeit. die nicht na^:t allgemeinen Grundsätzen beurteilt werden kann, sondern Ranz von den Zustanden der einzelnen Länder abhängt: Gründung von Schulen, Bibliotheken, Sparkassen, Genossenschäften etc. ln Russland und Galizien, wo die Krossen Judennassen wohnen, sind solche Einrichtungen vor allem geei־gnet, das Interesse ii:r jüdische Bestrebungen und damit auch für den?Juiüsnuis wachzuhaltcn. I Aui die Frage der innerpolitischen Betätigung in den einj ■zeli’.en ländern wollen wir nicht eingehen. Sie bedeutet ein j neues״ bisher wmig geklärtes Problem. Weit schwieriger und verw ickelter noch ist nun die Frage der praktischen Palästinaarbeit. F.s wäre sinnlos, darüber zu reden, was alles in Palästina geschehen kann. Dazu ist einzig und allein der Fachmann berufen. Gewisse prinzipielle Erörtcrungtn aber sind möglich und sogar notwendig, um über •diesen Fragenkomplex, der nachgerade zum Phrasenkomplex geworden ist. Klarheit zu schäften. Die Notwendigkeit praktischer Palästinaarbeit wurde oben aus der Natur des Zionismus als einer Volksbewegung hergelcitet. Das Volk will nicht nur Reden hören und Schekel zahlen, cs will auch wissen, dass Tag für Tag und Stunde für Stunde etwas geschieht, was uns dem Boden Palästinas näher bringt. Nun erhebt sich die Frage: Wie soll diese Arbeit geleistet! werden und wer kann sie leisten? Nach dem VU. Kongress sah cs einen Augenblick so aus. als sollte in der Tat die zi׳>- nistischc Partei zum Werkzeug kolonisatorischer Kleinarbeit im Sima• Ussischkins werden. Es war ein Glück, dass die Partei in diesem kritischen Augenblicke einen harten Lehrmeister fand: Den absoluten Mangel an Mitteln. Inzwischen bat sich in allen zionistischen Kreisen die Ueberzeugung Bahn gebrochen, dass es nie und nimmer Sache der Partei sein kann, in Palästina zu kolonisieren. Denn dazu sind ungeheure Mittel notig, die auch in Zukunft nicht aus einer Parteikasse fliessen können, sondern durch grosse Kreditinstitute zu beschaffen sind, sobald die im Basler Programm geforderte öffentlichrechtliche Sicherung die Ans'.edlung Jüdischer Massen und die planvolle Ausbeulung des I.andes als möglich und nützlich erscheinen lässt. Die Partei kann immer nur Vorbereitungen trehen und Bedingungen schaffen. Es wäre daher vollkommen unsinnig, wollte die Parteileitung ihre geringen Mittel für ״praktische Palästinaarbeit“ verausgaben und damit zugleich die moralische Verantwortung für ihre zukünftige Entwicklung übernehmen. Völlig anders ist die Förderung der Privatinitiative zu beurteilen, und es ist durchaus zu billigen, wenn die Palästinakonimission unter Prof. Warburgs Leitung Anregungen gibt und Institutionen schafft, die bestimmt siuJ, jüdisches Kapital nach Palästina zu lenken. Der Erforschung des Landes wird dadurch gedient drs Interesse an Palästina wird lebendig erhalten, die dortige jüdische Bevölkerung n ihrem geistigen und materiellen Niveau gehoben uixl der jüdische Einfluss gestärkt. Das etwa vorhandene Risiko aber ist sicher nicht grösser als bei vielen anderen koloii'alen Unternehnungen und kann angesichts des reichen Gewinnes für Kapitalisten kein Hindernis sein. Soweit dürfte sich also die heutige Leitung der־Partei auf dem richtigen Wege befinden. Dagegen muss nachdrücklich vor der grenzenlosen Ueber- Schätzung gewarnt werden, die diesen Palästinabestrebungen von vielen Zionisten entgegengebracht wird. Wenn wir die Phraseologie sogenannter ,.politischer Zionisten“ ahtehnen, so haben wir auch guten Grund, die Redensarten von der ״wirtschaftlichen Eroberung“ zu .bekämpfen. W ir halten die Förderung der Privatinitiative in Palästina, vor allem die Schaffung einer gesunden KreJitbasis. für gut tm.l nützlich. Der Glaube aber, dass die von Professor Warburg mit heissem Bemühen gesammelten Gelder uns den Besitz Palästinas bringen werden, ist direkt gefährlich. Denn einmal sind die bisher aufgebrachten Summen noch so gering, dass sie den hochgespannten Erwartungen vieler Freunde praktischer Palästinaarbeit keineswegs entsprechen: aber auch, wenn sie zehnmal so gross wären, würden sie doch im Hinblick auf die ״wirtschaftliche Eroberung“ nur einen Tropien auf einen heissen Stein bedeuten. Die grösste Gefahr liegt aber in dem Wahn, als sei durch solche ״praktische Arbeit“ alle diplomatische Tätigkeit überflüssig geworden, als müsse mit dem Vordringen des jüdischen Kapitals der Charter von selbst kommen. Man vergegenwärtige sich d<»ch, dass die türkische Regieruug unsere praktischen Versuche nur so lange und in solchem Umfange dulden wird, als sic ihren Interessen nicht widersprechen. Wir haben keinen Grund anzunehnien, dass die Fiorte niemals bereit sein wird, der zionistischen Partei Konzessionen zu machen. Aber der lächerliche Gedanke, ihr durch erne ״Plattform“ in Palästina etwas abtrotzen zu können. weifen Kaftan 1101t er ein Stuck bunten Kattun hervor, dreht es schnell, unverwandt unter der Nase NVoiekowskis und spricht hastig: ״Soll der Morr sehen, was ich gebracht für ein schönes Geschenk unserem erlauchtesten Pan! Ich hab’ gesagt zu meiner Sara -- nein, es ist nicht wahr — Sara hat gesagt zu mir: ״Hersch, Narr, hat sie gesagt, warum schleppst du unsere beste S’ehaure zu dem Pan aufs Schlos.s? Und was hab’ icli gesagt? Schweig, Sara, pst . . . hab’ ich gesagt, heut ist ein grosser Jomtow: Unser Erlauchtester ist worden geboren! Gebe Gott ihtn, seiner Panna, seinen . . . Und noch hab’ ich gesagt zu Sarai Geb’ Gott Gesundheit dem Pan Woickowski... Er ist so gut, so . .** Das Stück Stoff flog gerade in den Mund des Krämers. .״Kattun, du Schelm? Und noch dazu solchen, der eine Meile weit stinkt?“ ״Was sagt der Pan, die S’chaure stinkl?“ ״Etwa nicht?“ ״Pan! Ich soll so stinken! Der Kattun ist so ... so .... Geb Gott mir immer so schöne S’ehaure.“ ״Seiden zeug bring her, Hund! Voriges Jahr hast du dich hrausgeschwindelt. dieses Jahr gelingt es dir nicht, no1.״! Seidenzeug her!“ ״Pavi Woickowski. wo soll ich hernehmen Seid:? In meinem Gewölb’ ist nicht einmal ein se'den Ttieh I;u finden. — Soll der Herr hinschicken nach meinem Gewölb zu Zwantz und nachseheu lassen, ja, soll er doch hinschicken!“ ״Gut, mein Lieber . . . He. Haiducken, lauft nach Zwantz und schafft den ganzen Kram dieses Menschen her!“ ״Herr, meinen ganzen Kram sollen sie hierher bringen? ״Gefüllt's dir nicht?“ ״Wie kann man das? Wozu ruinieren einen armen Menschen?“ ״Und was dachtest du denn? Etwa dass Pan Woickowski zu dir, Hundsfott, sich bemühen und in deinen stinkenden Lumpen herumwühbn wird?" ״Herr, meine Sara . . .“ ״Schön, schön! Haiducken, schleppt auch seine Sara mit dem Kram her.“ , ״Um Gott, Pan .... Was denkt der Herr?! Ich hab' gesagt, ich wollte sagen . . . Meine Sara hat ein ganz kleines Stückchen Seidenzeug, welches sic hat zurückgelegt für meine Tochter Dewaure . . . zur Hochzeit. Meinetwegen werd’ ich cs dem Herrn bringen.“ ״So scher* dich zum Teufel mit deiner Dwaure und deiner Sara und lauf und bringe es her!" Das Männchen schürzte den Kaftan hoch und lief pfeilgeschwind, um die künftige Garderobe seiner Toch-

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