Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 18 (3.5.1907)
- Date
- 1907-05-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2651500-2651518--04635-2661617- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
I I I 1 * 1 t I •; i . 11״i ד:• ** ו! ,! Seite 180 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. IS Um eine Organisation für die Verbreitung der hebräischen Sprache zu schaffen, wurden am VI. und VII. Kongresse von den Interessenten Versammlungen veranstaltet und als Resultat wurde der Verband *Ibrlah** mit dem Sitz in Bern gegründet. An der Spitze stehen: Dr. Josef Klausner, Jacob K a h a n und andere jung-hebrüisclte Dichter und Schriftsteller. Zum Schaffen der nötigen Mittel wurde der .,Ibriah-Schekcl“ eingefiihrt. Die Organisation hat sich überall Sympathien erworben und es wurden fast in allen Erdteilen Zweigvereine gegründet. Es wurden von der Zentrale Flugblätter und Broschüren herausgegeben und sogar die Monatsschrift HAMMEORER in London, von J. Ch. Brenner, kann als Tätigkeit der Ibriah betrachtet werden. Wir fordern hiermit alle Zionisten uiui Nationaljuden in Deutschland (insbesonders legen wir es dem B. 1 .C. ans Herz, die Sache in seine Hände zu!*ehtuen) auf, Propaganda für die hebräische Sprache zu machen und den ״Ibriah-SchcktT* cinzusammeln. Zur Zeit und am Orte des VIII. Kongresses wird eine Konferenz abgehalten werden und werden je .ייר Sc h c k e 1 za h 1 e r einen D e I cgierten ahsenden können. Nähere Auskünfte erteilt die Zentrale ,.I b r i a h“ - Bern. F r e i s t r. 2-kt. für Deutschland auch ,.I b r i a h" - Königsberg (M. S a n! b u r s k y , K ö 11 i g s b e r g i. Pr.). Flugschriften und Schekel-Bücher stehen zur Verfügung. Alle befreundeten Zeitungen werden uni gefl. Abdruck dieses Aufrufs gebeten. I b r i a h ־ K ö 11 i g s b e r g . i. A.: M. S a in b u r s k y. Das Problem der Gegenwarlsarbeit In der vorigen Nummer der WELT bringt Berthold Eeiwel einen bemerkenswerten Aufsatz, betitelt ״Von der zionistischen Politik". Kr meint, die Präge der politischen Betätigung werde den VIII. Kongress stark beschäftigen.־ und führt in präziser Fassung die Probleme vor, die mit diesem Gegenstand zusamincnhüngcii. Feiwel hat sicherlich recht, wenn er sich in diesem Zusammenhang gegen die Versuche einer kleinen Oppositionsgruppc wendet, mit Schlagworten wie ,.Rückkehr zur Klciukolonisation** alle neueren Arbeitsmethoden der Partei zu bekämpfen. Man wird zugeben müssen, dass die eigentliehe Domäne der HcrzPsehen Tätigkeit, die politisch-d plo- Tränen. . . Und beim Pan blüht und gedeiht alles; dafür׳ J verwelkt und verdorrt alles beitu Leibeigenen. j Das lukullische Diner im Schlosse war zu Ende. Eine zahlreiche, glänzende Gesellschaft, froli ob der eingetretend! Kühle und des lieben Lüftchens, strömte nach dem breiten und langen auf einen prächtigen Vorhoi hinausführctiden Balkon. Vom Parke, der unmittelbar unter dem Balkon sich dehnt, lächelt eine frische Kühlung, von den Blumenbeeten weht ein zartes, feines Aroma. Zwei aus Leibeigenen zusammengesetzte und von einem dcutsehen Kapellmeister dirigierte Orchester beleben abwechselnd die ganze Umgebung mit harmonischen Klangett. Aus dem hinteren Teile des Patk.s dringen die Laute wohlbcsetztcr Mädchenchöre. Zahlreiche Domestiken, anlässlich der Geburtstagsfeier des Erlauchten nagelneu bekleidet, schwirren freudig nach allen Riditungen durcheinander. Alles amtet Glück und Freude auf dem edelherrlichen Vorhofe. Allein auf dem Hinterhofe bietet sieh uns ein ganz anderes Bild dar. . . . Dort sind betrübt2 Gesichter zu sehen, traurige und blasse. Dahin dringt weder das erfrischende Lüftchen noch das Aroma de־* Blumen. *Dort labt man sich nicht an den harmonischen Klängen der Musik, der Chöre. Dort nimmt der Verwalter Woiekowski die ״G ratulationsgesche nke** der Kleinbürger und Leibeigenen entgegen.!!.mische Bemühung um den Charter, der Masse des Volkes 1;״t wenig bot, um sie immer aufs neue für die Erhaltung des Judentums zu begeistern. Herzl's Versuch, die grosse finanzielle Macht der westeuropäisch-amerikanischen Judenhcit zu־ ge- . winneu, um nach dem Satze ״do ut des“ in direkter Verhajidlung mit der Türkei den Charter für Palästina zu gewinnen, war sicherlich von höchster Bedeutung, und das Ziel des Zionismus wird ohne die Mitwirkung der ,.Grossjuden“ nicht zu erreichen sein; als aber jener erste Versuch misslungen war. als Hcrzl seine Taktik änderte und daran ging, eine Volksbewegung zu schaffen, da mussten neue Arbeitsmethoden ausgebildet werden. Denn eine Partei braucht ständige, von der Politik der Führer unabhängige Arbeitsmöglichkeiten, um sich jung und kräitig zu erhalten. So liegt die Macht der Sozialdemokratie im letzten Grunde in den Gewerkschalten. Es muss daher die Berechtigung gewisser Oppositions- Strömungen, wie sic immer deutlicher auf den Kongressen zu Tage traten, anerkannt werden, wenn auch die E״rm zu verurteilen ist, in der sic sich zuweilen äusserten. Diese Opposition wollte die Möglichkeit fruchtbarer Gegenwartsarbeit für die zionistische Partei - die ja beanspruchte, das Judentum zu verkörpern durchsetzen. Nach zwei Seiten äussertc sich dies Verlangen: In der Forderung nationalkultureller Arbeit in den Golusb'indern und praktischer Tätigkeit in Palästina. Die eine sollte den Nati״״a!isicru11gspr״zess fördern, d.c andere das Interesse• der Juden für die palästinische Kolonisation erwecken und gleichzeitig den jüdischen Einfluss in Palästina steigern. Diese Forderungen widersprechen an sich durchaus nicht dem politischen Charakter des Basler Programms, und ihre Bedeutung für das innere Leben und die äussere Werbekraft der Partei ist unbestreitbar. Das Interesse an!uitional-jiiJisehen Kulturbestrebungen wird freilich in Westeuropa immer in enge Grenzen gebannt bleiben müssen. Haben doch selbst die radikalsten Vertreter solcher Bestrebungen. Männer wie Sokolow und Buber. in verschiedenen Kongressreieraten der Meinung Ausdruck gegeben, dass eine wirkliche jüdische Kultur nur aut jüdischem Boden erwachsen kann. Immerhin ist das Interesse an solchen Schöpfungen, die in der künstlerischen Behandlung wirklich jüdisches Gepräge zeigen, für die Ent- Wicklung jüdischen Gefühlslebens von Wert. Daneben gibt es ״Was hast du gebracht?“ fragte der Verwalter eine!! schmutzigen Muschik. ״Ein allerliebstes, kleines Schäfchen, gnädiger Herr!“ ״Trag’s zurück ,Dtmmikopf, und br:״g’ einen Hammel her." ״Erbarmen, gtiäd" .... der Muschik biss sich auf die Zunge; — ein wuchtiger Hieb der schweren Reitpeitsche fiel wuchtig aut seine breiten, nur mit einem erdfarbenen, groben Hemde bekleideten Schultern, und köpfschüttelnd schlich er von dannen, tun seinen einzigen Hammel zu holen, der ihm teuer war wie seit leibliches Kind. ״Und du. Alte?“ wendet sich der Verwalter an ein zusammengeschrumpftcs, kurzsichtiges Grossmütterchen. ״Honig, Pan, von unserem selbstgezüchteten, kleinen Bienenstock.“ ״Friss ihn selbst! In Scheiben bring ihn, und reinen Honigseim! Verstanden? Und dreimal soviel! Fort, altes Luder!“ Gleich dem Muschik schleicht sich auch das Weib von dannen. leise schluchzend und etwas vor sich hinmurmelnd. ״Nu. Krämerseelen, Schachermacher. Trödlerpack vor! Wer, mit was?“ Aus dem dichtgedrängten Haufen Juden springt ein bewegliches, kleines Männchen hervor. Unter seinem 1 T I