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Jüdische Rundschau · 1907-04-26 · Heft 17 (26.4.1907) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 17 (26.4.1907)
Date
1907-04-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 17 JÜDISCHE RUNDSCHAU 1 der Verwaltung und führe auf ihre Festigkeit die Rahe, die in den Dörfern wiederkehrt, zurück. Die Bevölkerung muss von der Üeberzcugung durchdrungen sein, dass die ordentlichen Behörden die Pflicht haben. Unruhen sofort ohne Verzug zu unterdrücken, da die Behörden selbst für die Folgen von Agraruvruhen und Pogromen gegen die Juden nach der vollen Strenge *es Gesetzes aufzukommen haben werden.** Schalom Asch ausgewieser» Aus Petersburg meldet ein Telegramm: Der Verfasser des Dramas -Der Gott der Rache“. Asch, wurde, weil er Jude ist und solche kein Recht auf Aufenthalt in Petersburg besitzen, vom Stadthauptmann ausgewiesen. Der grösste russische Lyriker S. F r u g konnte sich lange Jahre nur darum in Petersburg aufhaltcn. weil er als ״Hausdiencr" bei Landau figurierte. Nur jüdische Hausdiener, aber rrich!jüdische Dichter haben das Wohnrecht in Petersburg. Bulgarisches Allerlei Die Juden Flülippopels verlebten die letzten zwei Wochen in Angst und Schrecken. Fs ereignete sich hier während dieser Zeit so vieles, dass ein Pogrom unausbleiblich schien. — Vor allem wurde in der Nähe Philippopels eine Leiche gefunden, der Kopf und Gliedmassen fehlten. Da man trotz langen Nachforschungen den Mörder nicht entdecken konnte, glaubten die Bulgaren. Juden hätten diesen Mord iiii rituelle Zwecke begangen, und sie beschlossen daher im geheimen, an den Juden deswegen Rache zu nehmen. — Ferner wurde ein vierjähriges Kind seinen Litern entwendet. Die Polizei tat ihr Möglichstes, das verschwundene Kind wiederzufinden — aber vergebens. Es unterlag auch in diesem Falile für das dumme Volk keinem Zweifel, dass die Juden im Spiele waren. Man rüstete sich bereits zu einer Metzelei, da fand glücklicherweise ein Türke das Kind bei einem Zigeuner, der im Aufträge böswilliger und judenieindlichcr Bulgaren das Kind gestohlen hatte. — Trotzdem die Juden sieh in beiden Fällen - - denn auch der Urheber des obengenannten Mordes ist schliesslich bekannt geworden — als schuldlos erwiesen, hörte man liier und da von ganz zuverlässigen Bulgaren, dass am Sonntag, dein 7. April, ein Pogrom stattiinden werde* wobei hauptsächlich die jüdischen Häuser und Geschäfte geplündert werden sollten. Linen! jüdischen Kaufmann wurde seitens eines befreundeten Christen geraten, in seinem Geschäfte keine p"! Wertgegenstände zu halten. Der jüdische Gemeinderat, an ׳ * jdessen Spitze der sehr aktive und verdienstvolle Herr Dr. i ־ Marco Rmnano stein, tat die notwendigen Schritte, den Pogrom j | zu verhindern. Herr Dr. Romano hatte einige Unterredungen mit dem Stadtpräfekten, der ihm die Versicherung gab, Mass- :.)regeln zu ergreifen und überhaupt für alles, was den Juden; : geschehen wird, die Verantwortung zu übernehmen. Nun ist der gcfürclitcte Tag ohne jeden Zwischenfall glücklich ver- > :strichen, und alles geht wieder im alten Gleise. — Dagegen gärt cs noch immer unter den Juden selbst. Es ist nämlich auf Initiative des Philippopeier Gemeindepräsidenten vom Minister ein Gesetz erlassen worden, dass nur bulgarische Untertanen in den Gcmcindevorstand gewählt werden können. Dadurch sind die einflussreichsten Gemcindernitglicder von der Gemeindeverwaltung ausgeschlossen, da sie meistens, selbst die Eingeborenen, fremde Untertanen sind. Mit Recht empören sich die -Fremden“, dass sie durch die vielen Steuern die Gemeindc wohl erhalten, aber nicht verwalten dürfen. Es werden nun Stimmen gesammelt für eine dem Minister einzureichende Petition gegen dieses Gesetz. — Die Pressfreiheit wird auch eingeschränkt: es darf nur ein akademisch Gebildeter, der betrnchtliche Rcgierungsstcuern zahlt. Herausgeber einer Zeitung sein. Infolge dieser Bestimmung musste das Erscheinen der jüdischen Zeitungen EL DIA und HASCHOFAR vorderhand eingestellt werden. Zu ihrem Ersatz wird jetzt in Sofia eine Wochenschrift LA LUS (Das Licht) herausgegebfcn. Der Zweck dieser Wochenschrift ist aber ein entgegengesetzter; sie soll nämlich Herrn Dr. Ehrenpreis in Schutz nehmen. Dadurch wird, die unter den bulgarischen Juden herrschende Zwietracht nur vergrössert. und das von LA LUS ausgehende Licht trägt nur bei, den jüdischen Himmel in Bulgarien noch mehr zu verdunkeln. ~F־i Sprechsaal 1—T Für die Mitteilungen an dieser Stelle übernimmt die Redaktion nur die pressge«et2!iche Verantwortlichkeit Zur Aufführung der ״Familie Zwi“ Da ein grosser Teil der Ucbersetzung von Pinskis Drama .,Die Familie Zwi“ von mir herriihrt, glaube ich bekanntgcbcn Seite 175 j zu sollen, dass das. was von den Schauspielern am Abend des | 18. April im Schillcrtheater N. gesprochen wurde, in keiner Weise mit dem in meinem Manuskript gegebenen Texte identisch ist. Mein Text ist vielmehr fast durchgehend auf dreierlei Art geändert worden: 1) Die Regie hat, ohne meine Zustimmung einzuholcn, zahlreiche und eingreifende Streichungen vorgenommen, die mehrere Stellen!völlig unverständlich machten (so wurde, um nur ein Beispiel anzuführen, die zum Verstänüis des Weiteren, unentbehrliche Erzählung von der Verbrennung des Rabbi Akiba gestrichen): und dies, obgleich ich das Stück bereits den technischen Anforderungen gemäss so sehr gekürzt hatte, als möglich war. ohne den Sinn und die dichterische Gestaltung zu verletzen; 2) an verschiedenen Stellen wurde mein Text sozusagen zuriickjargonisiert. offenbar um dadurch zur spezifischen Färbung beizutragen (so wurde z. B. ״Gut Jontcf" für ״Guten Feiertag“ gesagt u. dgl. m.); ferner wurde, oiienbar in derselben Absicht, fast das ganze Stück hernntergemauschelt, als ob für eine Ucbersetzung aus dem Jüdischen ganz andere Darstcllungsgcsetzc herrschten als für eine Uehcrsetzung aus einer anderen Sprache, und als hätte das Mauscheln, das widerliehe Erzeugnis einer seelenlosen, traditionslosen, kulturlosen Zwittcrgriippc im Judentum, irgend etwas mit der natürlichen, organisch gewachsenen Aeusserungsform der Ostjuden zu tun; 3) da die Schauspieler fast ausnahmslos ihre Rollen weder innerlich noch äusscrlich beherrschten, wurde wacker drauf los improvisiert: wenn einer sich nicht daran! besinn, was ihn der Dichter in diesem Augenblick sagen hiess. rief er ein* fach ..Schwere Not!“ oder etwas Aehnliches; wenn einer sein Stichwort vergessen hatte, gab er die Antwort vor der Frage; und wer nichts Zusammenhängendes behalten iiatte. trug eben durcheinander vor. was ihm im Sinne geblieben war — Ich habe mich an den Vorbereitungen zu der Aufführung nicht beteiligt. Ich hatte aui Ersuchen des Herrn Dr. Nossig. Yi/eoräses des ..Vereins zur Förderung der jüdischen Kunst", der Uebcrsctzungsarbeit ein Stück meiner Zeit gewidmet und du rite meiner eigenen Arbeit nicht noch mehr Stunden entziehen, tun auch den Proben beizuwohnen. Ich hätte cs dennoch getan, hätte ich ahnen können, mit welch unerhörter Willkür man mit Eciwels und meinem Texte (alles Gesagte bezieht sich natürlich auch auf den von Feiwei übersetzten Teil) umspringen wurde. Da ich erst durch die Aufführung selbst Kenntnis davon erhalten habe, muss ich mich mit einer nachträglichen Ver- Währung begnügen. Zehlendorf bei Berlin. 21. April 1007. D«־. Martin B!; b e r. Berlin, den 15. April 1907. Sehr geehrte Redaktion! Das Hauptmotiv des neuen Dramas ״Der Gott der Rache" von Schalom Asch hat mit einer dramatischen Dichtung von mir. die in den nächsten Tagen im Verlage von E. Pierson, Dresden, als Buch erscheinen wird, eine gewisse Ähnlichkeit aufzuweisen. Um Unliebsarnkeitcn aus dem Wege zu gehen, erkläre ich. dass ich mein Stück vor mehr als einem halben Jahre bereits vollendet und dass ich bis zum Abend der Premiere von dem Inhalt das Asclischen Dramas keine Kenntnis hatte. Hinzufügen möchte ich. dass mein Stück nicht in Halb* nsien sondern im dunklen Bcrbn. spielt. Adolf Neben zahl. Holsteiner Ufer 2. Allerlei Der Mensch und seine Tracht ״Je mehr ein Stamm in das Wcltgctricbc hmeingezogen ן wird.um so mehr verwischt er sich, um so mehr verwischen « sich seine Sondertrachten. Kleine Reste der Stammestracht, | kleben aber häufig noch lange Zeit hindurch dem scheinbacn | Weltbürger an. Bis zum Beginn des neunzehnte,1 Jahrhunderts | hatten die Juden, die sich überall als Volk unter den Völkern I zerstreut fanden, ihre scharf abgegrenzte Stammestraehi, die in Einzelheiten sich wohl den Trachten und Vorschriften ihrer Wirtsvölker anpasstc. in gewissen Merkmalen, besonders in der . Haar- und Barttracht, aber überall dieselbe war. Es ist t * I I **״*ר«?.i»F׳ygv■׳ יי,—׳;??ד ■m1• לוי;«•־״ *״*#״ T v**ywH-g*S*

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