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Jüdische Rundschau · 1907-04-26 · Heft 17 (26.4.1907) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 17 (26.4.1907)
Date
1907-04-26
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 176 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 17 richtig, dass die Gesetze mancher Länder den Juden eine Ausnahmctracht aufzwangen, aber mächtiger als diese! Zwang war der Wille der Juden selbst, sich als reiner Stamm unter den Fremden zu erhalten. Auch die Gewährung der bürgerlichen Gleichberechtigung hat diesen Willen nicht gebrochen. Der polnische und galizische Jude beachtet heute noch Klcidungs- Vorschriften und Angewohnheiten, die seine Tracht in einen scharf ausgeprägten Gegensatz zu der Tracht seiner Umgebung bringen, obgleich kein äusserer Zwang ihn dazu nötigt. Aber auch der weltbürgerliche Jude, der alles daran setzt, um in seinem Wirtsvolkc aufzugehen, der sich in nichts von ihm unterscheiden möchte, trägt oft unwillkürlich den hochmodernen Hut tief im Nacken, also in einer Weise, die für den Hut sehr unverständlich ist. da die Wirkung seines Schirmes dabei nur einseitig zur Geltung kommen kann Die Urväter im gelobten Land haben einst ihre morgcnlündische Kopfbedeckung so ge• tragen. Heute noch trägt man• so in Palästina den Fez oder den Turban, Die alte Stammcsgewolmheit lässt sich mit den! besten Willen nicht so schnell ausrotten.'‘ Aus: Der Mensch und seine Tracht, ihrem Wesen nach geschildert. Von Fritz Rumpf. Berlin: A. Schall (1905). Seite 232—233. (Verein der Bücherfreunde, .lg. 1*1, 8.) Das antisemitische Sprüchwort Julf. J’aimerois. autant ctre entre les mains des J 11 i f s; c’cst-ä-dirc. entre les mains de gens crucls. impiiovablcs. C'est un honmic riche coniire un Juif. fort riche. On appclle un usurier. un Marchand ejui trompc ou qui rangonne, un J uif: parce-que les Juifs sont de grands usuriers & de trompeurs. in: Dictionnairc portatif des jjroverbes irangals. 4. ed. Amsterdam: J. Wetstein 1751. Seite 195. Kleine Mitteilungen Deutsche Palästina-Bank In Berlin. In der heutigen Generalversammlung wurde der Abschluss für!906 genehmigt und beschlossen, von dem 70 377 Mark (i. Vorj. 66120 Mk.) betragenden Reingewinn 6 Prozent Dividende zu verteilen und 2191־ Mark auf neue Rechnung vorgetragen. Wie die Direktion in ihrem Berichte ausiührt, ist die in der letzten Generalversammlung beschlossene Kapltälserhühimg im Berichtsjahre wegen der u 11 g ü n s t igen (leid Verhältnisse n ic h t durch geführt worden, zumal die Beschauung neuer Geldmittel nicht eriorderlieh schien. Die Ausführung des Beschlusses behält die Verwaltung im Auge. Des weiteren wurde mitgeteilt, dass die Verwaltung beschlossen habe, in Belrftt eine Agentur zu errichten und in allernächster Zeit zu eröffnen. Es sei dies deshalb erforderlich, weil Beirut der Hauptnurkt Syriens ist und die Filialen der Bank die Piazicrung von Devisen und Kontanten in Beirut notwendig machten. Der Verein Israelitisches Lehreriimenheim in Gr׳<ss-I.׳chr׳:rfelde-Berlin hatte am 7. April seine Jahresversammlung. Wie wir aus dem Jahresbericht entnehmen, haben 15 Insassinne״ aus allen Teilen Deutschlands dauernden Aufenthalt im Heim. Trotz der zahlreichen Bewerbungen fand der mang׳. Inder Mittel wegen nur eine Lehrerin wieder Aniiiahsue. Grosse׳• Segen bewirkte auch in diesem Jahre das Erholungsheim. Elf der Ruhe und Pflege bedürftige Damen konnten nach längerem Aufenthalt im Heim mit neuen Krättcn ihrem Berufe wieder nachgehen. Eine 'Rekonvaleszentin bedari noch mehrere Monate der Pflege, die ihr weiter zu teil wird. Der Vorstand der . Jüdischen Gemeinde gewährte eine Beihilfe von 300 Mark, die Baronin Cohn-Oppenlieim-Stiftimg spendete 500 Mark. Berlin. Der eiste jüdische Gesangverein Berlins, die Jüdisch-Musikalische Vereinigung, welche alljährlich ausser diversen Geselligkeiten 2 bis 3 Konzerte veranstaltet, nimmt jetzt auch passive Mitglieder auf. Es ist somit jedem Freunde ihrer Bestrebungen Gelegenheit geboten, die Zugehörigkeit zu dieser Vereinigung erwerben und zur Pflege des Gesanges beitragen zu können, ohne sieh, wie bisher, einer Stimmprniung unterziehen zu brauchen. Damen und Herren, die sich für Musik, insbesondere Chorgcsang. interessieren, werden gebeten, einer Sitzung der J. M.-Y. beizuwohnen. Der Verein tagt jeden Dienstag abends 9—10 Uhr in den Sophien-Sülcn, Sophienstr. Jede gewünschte nähere Auskunft erteilt bereitwilligst der Vorsitzende H. Hirsch. Oontardstr. 2. Verein zur Versicherung gegn Stellenlosigkeit Frankfurt a. M. Der soeben zur Versendung gelangende Jahresbericht pro 1906 kann erfreulicherweise von einer gedeihlichen Weiterem- Wicklung sämtlicher Vereinsinstitutionen berichten. Die Stellenvcrmitthmgsabteilung konnte US Stellen besetzen, darunter 17 mit Gehältern von 2000—3000 Mark. Die Versicherungskasse zahlte an Entschädigungen für Stellenlose I HS Mark; im ranzen wurden bisher aus dieser Kasse über 12 000 Mark gezahlt. Gleichzeitig wurde der Sicherheitsfonds des Vereins auf nahezu 28 000 Mark gebracht. Seit Anfang 1907 nimmt der Verein auch Gehilfinnen als ordentliche Mitglieder auf. die dadurch jetzt Gelegenheit er• halten, sich gegen die Gefahr der Stellenlosigkeit zu sichern. Der Betrag der ordentlichen Mitglieder betr.gt in der untersten Klasse nur 6 Mark p. a. Die Stellenvermittlung erfolgt für Prinzipale und Gchilscn kostenfrei. Dein Verein, der seine Tätigkeit über ganz Deutschland erstreckt, gehören jetzt gegen 700 Mitglieder an: cs ist dringend zu wünschen, dass auch die noch aussenstchcndcn Prinzipale wie Gehilicn. soweit sie am Sabbat festhaltcn. die Mitgliedschaft baldigst erwerben und so die Ziele des Vereins erreichen helfen. In Moskau wurde nach einer Meldung der FRANKE. ZTG. ein Diener des Advokaten Alcxnndrow wegen Verdachts der Beteiligung an der Ermord 11 n g Jolios verhaftet. Alexaudrow war ans demselben Grunde verhaftet, wurde aber wieder befreit. Melbourne. Der Vertreter der Jüdischen Tcrritorialgcseilschaft in London hat im südlichsten Teil Wcstaustraliens eine Million Acres zur Gründung einer jüdischen Kolonie ausgesucht und die Staatsregierung gebeten, dieses Land* gebiet IS Monate zur Verfügung der Gesellschaft zu halten. Persönliches. Unser Gesinnungsgenosse Herr Adolf Graupe hat s'di mit Fräulein Lodzia Bursztyn verlobt. Expedition und Redaktion der JÜDISCHEN RUNDSCHAU sprechen dem gesiniiungsgcnössischeii Brautpaare die allerherzlichsten Glückwünsche aus. storbeu. Briefkasten der Redaktion ■ ך־יי־״״ן c.י.. .. .יי Der ISRAELIT schreibt im Briefkasten: L in G. Ihre Frage, oh man am Pesach von einem Juden, der sein Vieh mit füttert, die Milch beziehen darf, ist zu verneinen. Interessant wäre es. die gesetzliche Begründung dieser ßrieikastenentschcidung auch zu hören. Der ISRAELIT K• kommt offenbar Neid auf den Hamburger Briefkastcnrebbc. Verschiedene Ortsgruppen haben zuweilen sehr lange Bcrichte eimresandt. Wir bitten nur im äussersten Notfall die Berichte so weit atiszudehneu. S. in S. Sie haben Recht. Ein liberaler Repräsentant der Berliner jüdischen Gemeinde hat die Forderung der Amisemiten. den Juden die saatsbiirgerüehen Rechte ihrer po!itischen Überzeugung wegen zu entziehen insofern •inerkannt, indem er sie für die Zionisten zu seiner eigenen machte. Er schreibt: ..Ich würde es für eine ganz konsequente Handb.ingsweise der Regierung halten, den Zionisten zwar nicht den Aufenthalt in Preussen zu verbieten. wie man cs ja oft mit lästigen Ausländer׳! tut •■־ aller ihnen die staatsbürgerlichen Rechte zu entziehen. So wenig ein Holländer oder österreicher, der in Deutschland wohnt, aktives oder passives Wahlrecht besitzt, so wenig hat ein Zionist, der ausdrücklich erklärt, einem andern Volke als dem deutschen anztigeliören. darauf Anspruch zu machen. Diese Entziehung der biirgerliehen Rechte halte ich für eine notwendige Konsequenz der deutschen Gesetzgebung gegen den Zionismus, die einzige Antwort, die das deutsche Volksbewusstscin dem Zionismus geben kann und muss.“ Wie sie sehen, verlangt dieser Repräsentant der Berliner Jüdischen Gemeinde nichts mehr und nichts weniger, als die Stellung der Juden unter Fremdenrecht, wenn sie sich zum Zionistischen Judentum bekennen. Ganz ebenso verlangen A h 1 w a r d t und Stöcker. Brüh n und Lueger die Stellung der Juden unter Fremdeurteht. wenn sic sich zum Judentum bekennen. F ii r getaufte Juden verlangt weder der Berliner Gemeindcrepräsentant noch der Antisemitismus Ausnahmegesetze. R. in F. Die einzigen Sekten im Judentumc sind zurzcii die Reste der Kar.'iu. Samaritaner und der Berliner Reforn. genossenseliaft. . '

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