Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 16 (19.4.1907)
- Date
- 1907-04-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2651500-2651516--04590-2661570- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Na. 16 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 155 lehrunjrcr: oder Empfehlungen in Frage kommen sollte, könnte sie jedenfalls mir von den Landesiustizverwaltungen ausgehen. Euer hochw ohlgtbnren muss ich demnach anheimgeben, sich mit ihren Vorstellungen. soiern Sie die Angelegenheit weiter verfolgen wollen, an klic Justizverwaltungen derjenigen Bundesstaaten zu wenden, welche Sic bei Ihren Beschwerden im *Auke haben.“ Der Verband der deutschen Juden hat sofort Erhebungen veranlasst, um mit den Ministerien der Einzclstaaten in Verhindtmg zu treten und ihnen das Material zu liefern, welches ergibt. dass in gewissen Landesteilen eine grundsätzliche Zurücksetzung der Juden bei der Auswahl der Schöfien und ■Geschworenen in der Tat stattfindet. Es ist zu erwarten, dass die einzelstaatlichen Ministerien, wie der Staatssekretär es für zulässig hält, durch unverbindliche Belehrungen und Empfehlungen diesen Zuständen nach Möglichkeit ahzuhelfcn suchen. In gleicher Weise wird vielleicht auch eine Belehrung und Empfehlung von zuständiger Seite den! Mangel eines cceigneten Schöncuniaterials abhelfen, von dem der preussischc Minister, wie Staatssekretär Niebcrding jüngst im Reichstage mitteilte, in einem Bericht an das Rcichsfustizamt gesprochen hat. Die DEUTSCHE TAGESZEITUNG, die bekanntlich die In* tercsscn der grössten Kartoffeln vertritt, fügt der Antwort des Staatssekretärs hinzu: ״Wir sind anderer M e i n 1111 g als der Herr Staats* Sekretär. Im christlichen deutschen Staate sollten nur Christ- Helte deutsche Männer berufen werden, das Recht zu h ii t c 11. 7. u finden und zu spreche n.*’ Zurücksetzung ־.;ie LIBERALE KORRESPONDENZ schreibt: ״Über um gcreehtleriigic Zurücksetzung der Juden bei der Verteilung der Entschädigungen an die durch die Roburitexplosion schwer ge* troffenen Einwohner von Annen wird lebhafte Klage geführt. Von den insgesamt cingegangencn Hilfsgcldern im Betrage von CöOtfüO Mark sind neuerdings wieder 2O'.n00׳ Mark der Oe* meindc Annen überw iesen worden. Es hätte vielleicht genügt und wäre wirksamer cewewn. wenn nur die Bedürftiger. Unterstntzung erhalten hätten. Aber man ist weiter gegangen undjiat fast allen Beschädigten eine Entschädigung von 10 bis 30?<■ des taxierten Schadens zukomnten lassen. Ausgefallen sind jedoch, wie das DORTMUNDER TAGEBLATT schreibt, sämtliche Israeliten, not Ausnahme eines Althändlers. dem man einige Mark gegeben hat Dies hat allgemein unangenehm berührt, aber im besonderen noch deswegen, weil die Christ* liehen Geschäftsleute, die teils in gleichen, teils in viel besseren Vcrniögensvcrhältnissen als ihre Kollegen leben, sämtlich, selbst notorisch reiche Leute eine Entschädigung von 200 bis 100U Mark erhallen haben. Eine bei dem Amtmann eingereichte Beschwerde hatte keinen Erfolg; der Amtmann verwies die Unzufriedenen au! den Beschwerdeweg an die Regierung, der auch beschritten werden wird. Dieser Fall der Zurücksetzung jüdischer Mitbürger ist um so ärger, als gerade die jüdischen Einwohner sich ganz besonders an dem Hilfswerk beteiligt haben. Zunächst sind Berge von Wäsche und dergleichen für das evangelische und das katholische Krankenhaus von jüdischen Frauen, die selbst die Pflege der Verunglückten übernommen hatten, beschafft worden. Obdachlos gewordene christliche Familien sind von Juden atifgcnommcu und beherhergt worden, zum Teil findet diese unentgeltliche Beherbergung auch heute noch statt. . .... Synagogenvereine Der Verband der Synagogenvereine von Berlin und den Vororten hielt am 5. März seine VI. Generalversammlung ab. Die Formalien wurden in der üblichen Weise erledigt und bei der Vorstandswall! neu* resp. wiedergcwählt die Herren: A. Lew inski, 1. Vors., Kgl. Rechnungsrat Mendelssohr.. 2. Vors.; Ludwig Behr, Rend.; Dr. med. G. Me ndc 1 sohn. I. Sehtift.. B. Cohn , 2. Schrift!.; Dr. med. Hermann Roscnthal und S. Alnius, Beisitzer. Der Vorsitzende erwähnte besonders die an den Vorstand der Gemeinde und die einzelnen Mitglieder der Verwaltung gesandte Denkschrift, in welcher der Standpunkt der Vereine cintegehcnd klargclegt sei. und stattete Herrn Behr wegen Abfassung der Denkschrift besonderen Dank ab.*) Die Verhandlungen gewannen dadurch besonderes Interesse, dass die letzten Rcpräsentantcnwahlcn einer eingehenden Besprechung unterzogen wurden. Es wurde konstatiert, dass lange vor den Wahlen ohne Anhörung der verschiedenen Parteien resp. Vereine Herren aus den Verw altungen dieser Vereine Abmachungen getroiieu. haben, die nachher die Missbilligung der Vereine landen, dass diese ganzen Verhandlungen eine ernste lebhafte Agitation auf unserer Seite hinderten, weil cs dem Verbände für sich unmöglich gemacht wurde, selbständig in die Agitation einzutreten. Auch jetzt würden wieder ähnliche Verhandlungen cingeleitct und so sehr auch die laut Turnus ausscheidenden Repräsentanten ein Interesse daran haben, ihre Wiederwahl durch ein solches Abkommen gesichert zu schert, in demselben Grade hätte der Verband es sich zu überlegen, ob ein derartiges Vorgehen sich mit seinen Interessen und Prinzipien vertragen würde. Der interessante Gegenstand wurde auf eine demnächst stattfindende Vollversammlung vertagt. Die gut besuchte Versammlung zeugte In ihrer lebhaften Diskussion von dem regen Interesse, welches allenthalben in den Kreisen des Verbandes für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinden vorhanden ist. Jüdische Statistik In jüdisch-wissenschaftlichen Kreisen der Niederlande geht man mit dem Plane um. einen ״Verein für Statistik und Demogtaphie der Juden in Holland" zu gründen. Dieser Verein soll ganz im Sinne des ״Vereins für Statistik der Juden“ in Berlin und mit ihm zusammen arbeiten. Die Anreger dieser Idee haben an eine Anzahl jüdischer und nicht jüdischer Männer der Wissenschaft ein Rundschreiben geschickt, worin sie darauf niemals beraubt, einen Bruder nie gekränkt, wie du es getan. Wird’s nun bald — wozu bist du entschlossen?“ ״Ich hab‘ schon auf die Arrende Handgeld gcgeben, dem Verwalter ebenfalls .... Die weite Reise gemacht und jetzt zurück ....!“ ״Wieviel hast du "verauslagt? Lüge aber nicht, wenn ich es erfahre, geht es dir schlecht." ״Wenn ich dreihundert Gulden . . . ״Wärest du zufrieden?“ ״Was bleibt mir sonst übrig? Ich will mich nicht mit euch herumstreiten. Auch tut mir Zodcks Familie leid." ' Pinte liess seinen forschenden Blick über die versammelten Juden schweifen. .,Hier ist nichts zu holen .... Gutmütige Bettkr, Kinder!" rief er seinen Begleitern zu. ״Wieviel enthielt die Schatulle jenes fetten besoffenen Pan, den wir heute Nacht auf dem Markt in Kasimirow gerupft?‘‘ ״Du weisst es ja selbst, Grossvater." Wbnn sich in dieser Schatulle dreihundert Gulden weniger vorgefunden hätten, wäret ihr zufrieden?“; ־ Die Burschen lachten. . . h. ״Nun. so nehmen wir von diesem Oelde, dreihundert! Gulden und stopfen damit dem roten Hund den Rachen, damit er sich dahin trolle, wo der Pfeffer wächst. Was sagt ihr dazu?“ ..Du hast unser Geld, mache damit, was dir beliebt.“ Nach wenigen Minuten gingen dreihundert wolligezählte Gulden in die Hand des Roten über. ..Lass’ deinen Kutscher anspannen und scher dich fort, solange ich noch hier bin. Ich selbst werde dir das Geleit geben, nein geliebter Ben Talmid-Chochom.“ ״Kinder!" sagte er zu seinen Genossen, ״helft dem Kutscher schnell anspannen,־ wahrend einige von euch auch unsere Fuhre bereit halten. Wir dürfen uns hier nicht festsetzen. Jetzt sind wir noch Wohltäter, aber wer weiss. was diese Braven nach einer Viertelstund י für ein Liedchen anstimmen. Der Schlinge entgehen wir allerdings nicht, allein den Hals selbst hinemsteckcn, wäre eine Torheit. Darum hurtig!" Pinte tat seinen Zwantzer Stanuuesgenosscn Unrecht. Hätte er jedem einzelnen von ihnen ins Herz selten können, er wäre mit sich und dem vollbrachten guten Werke zufrieden gewesen. Alle hatten den Marwicher vergessen und sahen in ihm tiur den guten! Juden, den barmherzigen Menschen. Zodek und seine /