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Jüdische Rundschau · 1907-04-12 · Heft 15 (12.4.1907) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 15 (12.4.1907)
Date
1907-04-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 144 Na. 15 JÜDISCHE RUNDSCHAU lende Notschrei muss •ein Echo in jeder fühlenden Menschenbrust finden. Die Träne, des Mitleids muss sich in eine kräftige Tat Umsätzen, wenn sie erlösend, schmerz:־ lindernd und .befreiend wirken soll. Vom Schauplatze des entsetzlichen Unglückes aus ergeht daher an alle Edelgesinnten, deren Herzen für Humanität und wahre Menschenliebe schlagen,, die dringende Bitte Sannnlungen zu .veranstalten und so rasch als möglich die einlauTendeu Beträge an das gefertigte Hilfskomitee gelangen zu lassen, welches.sich heute hierorts für den Kreis Jassy und die angrenzenden Bezirke konstituiert hat:. '״" י M.. Sc h ij ü r c r, Obmann des Hilfskomitees, Präsident der ״C11Uura“-SchuIen. Dr. phil. I. Nicmirower, Oberrabbincr. M. Gelber, Grossindustricller, Präsident des israelitischen Hospitals. Dr. K.Lippe, Arzt, EhrenrPräsidcntderzionistischenFoederation. M. Wacht e I י Grossindustrieller u. Banquicr, Kassierer des Hüiskomitecs, Präsident der ״Junin1ea“-Schule. Dr. H.* Burstin, Arzt, Präsident der B’ttci Brith-Loge. H. Nelken, Exporteur, Vize-Präsident der ״Podul- Ros“-$cht1!c. Dr. Ph. BIu in en f c I d, Arzt des »sr. Hospitals. Ed. Löbel, Exporteur, Vize-Präsident der ״Cultura“-Schulen. Joseph D. Sc 11 n ii r c r, Grosskauf ך mann, Ehren-Präsident des Vereines der Handlungengestellten. Isr. B1 e c 11 m a n, Exporteur. Dr. A. S t c u 0 r- 111 an , Arzt und Schriftsteller, Sekretär des Hilfskomitees Gaben fiir die verfolgten rumänischen .luden nimmt der. Schatzmeister der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Herr .Ma x Wo 11steIn er, Ber!in NW. 21, Holsteiner Ufer 10, entgegen. Das Entstehen der jung-itR Dichtung Von Frau Lina Wa g n e׳r - Ta u b e r. (Schluss.) Erst als dem jüdischen Volke diese Zukunft in der jüdischnationalen ' Bewegung, im zionistischen Gedanken geneben worden ist, da konnte es plötzlich wieder seine erschlafften Glieder recken. Da ist cs wie aus einem langen, bösen Traum erwacht itnd hat sich wieder auf sich sclbstbesonnen, auf seine Grösse und Schönheit. Da kam plötzlich ein gesuuder, frischer Rückschlag. Ein freudiges Schaffen auf allen Gebieten der Kunst, der Wissenschaft und Litteratur. So. wie einst die deutschen Freiheitskäinpfe einen Körner, einen Frciligrath, ,einen Hoffmann von Fallersleben usw. schufen, so erstanden jüdische Künstler, jüdische Dichter und Sänger, die jüdisch dachten und jüdisch fühlten, Künstler und Dichter, die begeistert vom jüdischen Freiheitskampfc, ihre Kraft, ihren Geist, ihr Schönheitsempfinden aus der־ jüdischen Volksseele schöpften. Ihnen genügte für die Renaissance des jüdischen Volkes kein fremder Boden mehr, sondern eüt neues, junges, eigenes Kulturleben sollte aus der, uralten Vergangenheit aufgebaut werden. ‘ ( Hier beginnt die jung-jüdische Kunst, am in •den Herzen junger, geistvoller Männer die Flammen der Begeisterung zu entfachen. Aus kleinen zaghaften Anfängen junger Studenten wuchs ein gewaltiges Schaffen heraus, bis uns starke Männer wundervolle Perlen jüdischer Dichtungen schufen. In deuischer, in russischer, in hebräischer ^.Sprache erschienen Er- ׳Zählungen, Novellen, Gedichte. Ja, selbst das stehcngeblicbenc Mittelhochdeutsche, •das der konservative Sinn der Juden bis auf den heutigen Tag in Russland und Galizien im jüdisch-deutschen bewahrt hat. Dieser als ״Jargon“ verspottete Dialekt hat sich durch die jungjüdische Dichtung einen vornehmen Platz in der modernen Weltliüeratur geschaffen. Schriftsteller wie Vork-Sieiner. Peter Smolenski, I’etez. Pinski und vor allem Schalom Asch, dessen letztes Drama, der Gott der Rache, in diesen Tagen am Deutschen Theater zur Aufführung gelaugt, sind aus der national-jüdischen, der •/.ioiiistiscbcn Bewegung hervorgegangen. Dichter, wie FciweJ, Bubcr. Zlocisti, Friedländer, Boruchowitsch. Frag und Roscnfcld und viele Andere haben in vielen Sprachen aus der jüdischen Seele zum jüdischen Herzen gesprachen. Als Juden haben sie uns mit einer jüdischen Dichtung beschenkt, die von der Grösse der Vergangenheit, der Not der Gegenwart und der Schönheit der Zukunft erzählt. ״Wie müde Wandervögel und wie Träumende waren wir“ sagt Martin Bubcr in seinem Gedichte ״Neue Jugend“ ״bis uns ein einziges Wort erlöste“. Die ganze Kraft und die Bedeutung dieses einzigen Wortes bringt er in diesem Gedicht zum Ausdruck. Die Stimmung und Entfaltung der jung-jüdischen Bewegung kleiner als das andere — das ist kein Spass!“ bemerkte auch Isser, welcher kurz vorher Chain! wegen seiner Gutmütigkeit Vorwurfe gemheht hatte. ״Ich habe gewiss nichts dagegen.“ ' ״Ich cfkt recht niclit!“ ״Ach, da kommt ja unser herrlicher Rabbi! Gott sei Dank! Der wird den roten Hund schon beugen, ihr werdet cs sehen. Gott hat unsem Rabbi mit einer Beredsamkeit begnadet, die selbst einen Stein rühren kann. So war cs mit mir voriges Jahr. Ich . . ״Nun, wie steht's?“ frtig der Rabbiner schon von weitem, atemlos, Indom er so schnell als möglich lief. ״Er wird fortgejagt, Rabbi. Auch der neue Rsndar ist schon mit seiner Familie und seiner Wirtschaft da. Wahrscheinlich wird aucli bald Woickowski mit seinen Haidlicken ankommen und die arme Familie an die Lut: setzen.“ ״Habt ihr schon mit dem . . . Neuen gesprochen; Möglicherweise weiss er von dem Unglücke Zodeks nichts.“ ״Ach, das sollte er nicht Wissen! Er Ist ein Mörder, ein Grobian! Ich, sagte er, bin ein Bcn-Talmid Chochom, und wer seid ihr?!. So ein Dummkopf, so ein Am'horezF #׳!מיו ״Führt mich zu ihm.“ Dem.Rabbi folgten in einem Haufen alle Juden, darunter auch der rotbäckige Alte mit seinen Geführten. Der Rabbi bcgrnsstv den Roten nach indischer Sitte; dieser dankte nachlässig. ״Mein Bruder,“ begann der Rabbi, ״man sagte’mir, Ihr seid ein Ben-Talmid-Cliochoin.“ ״Nu?“ brummte der Rote mit einem frechen Lächeln und kräuselte seine Pries. ״Ein Ben-Talntid-Chochom muss gottesfürchtig und ein guter, ehrenhafter Mensch sein." ״Nu?!“ ״Wie könnt Ihr einer armen Familie, das Brot nehmen? Ihr handelt ja gegen Gott und sein Gebot! ״Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ hat uns der Herr durch seinen Diener Moschelt befohlen.“ . ״Wer seid Ihr denn eigentlich?“ frtig der Rote unverschämt. ״Ich bin der Rabbiner der hiesigen Gemeinde.“ ״Pschsch . . . eine grosse Sache . . . Dortrabbiner! Mein Bruder ist Rabbiner in Posen; mein Vater — Friede sfcincr Asche — war der berühmte Oaon, Rabbi Anschel Sorach und Pi ben Dow — habt *Ihr von ihm gehört?“ , . . .

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