Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 13-14 (29.3.1907)
- Date
- 1907-03-29
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 138 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 13/14 Palästina-Nachrichten Aul der letzten Sitzung des Odessaer Palästinakomltecs wurde wieder die Frage der Gründung einer Mittel- Schute in Jaffa erörtert. Diese Frage ist Jetzt besonders aktuell geworden, da Herr J. M. Peinberg aus Irkutsk JOCOO Rubel fiir diesen Zweck gespendet bat. Infolgedessen ist es an der Zeit, an die Errichtung eines eigenen Gebäudes für die Schule zu denken. Das Komitee besitzt z.war ein entsprechendes Terrain, kann aber leider darüber nicht ver- Hißen. Das Terrain wurde nämlich seinerzeit zum Teil aus den Geldern des Komitees, zum Teil durch die Spenden der Herrn W 1 s s o t z k i und Weinstein erworben; cingctragen aber wurde es auf den Namen des Vorsitzenden der ..Alliance Israölite Universelle“ Herrn L6vcn aus Paris. Später (wahrend der gemeinsamen Tätigkeit der ״Alliance“ und des Komitees in der Jaffaer Schule) hat auch die AUiance 500C Fr. für dieses L.mdstiick ausgegeben. während das Komitee damals schon *II000 Fr. darauf verausgabt hatte. Zurzeit nun betrachtet sich die Alliance, als einen ebenbürtigen Mitbesitzer dieses Terrains und verweigert dessen Übergabe an das Komitee selbst in dem Falle, dass min ihr die 5000 Fr. zurückerstatte. Um diese unbestimmte Situation ein für allemal y.u beseitigen, hat das Komitee seinen Vorsitzenden. Herrn M. .M. Ussischk in. nach Paris entsandt, damit er mit dci ..Alliance‘‘ verhandle. Die Versammlung sprach sich in dem Sinne ans. dass das Komitee nur dann an die Errichtung cir.es Schulgebäudes herantreten solle, wenn es ihm gelingen wird, sich die vollständige Autonomie in Fragen der inneren Verwaltung zu sichern und die recht- Holie Sanktion seines Hcsitzrechtcs zu erhalten.!las!Mitglied des E. A. K.. Herr Bankier Jacobus Kan n. weilt zurzeit in Palästina. Herr Kann hat die Ein richtmigen der Anglo Palestine Company in Jaffa und Jerusalem eingehend geprüft und beabsichtigt, sich nach einem kurzen Abstecher nach Transjordanien demnächst zu eiern gleichen Zwecke nach B e i rfl t zu begeben. Wie uns berichtet wird, beabsichtigt der Präsident der Englisb Zionist Federation, Prof. Dr. Gaster. zur Pcssachzeit Palästina zu besuchen. Herr S. Hep ne r aus Charlottenbürg, der insbesondere für die neuzugriindende Palästina- Agrikultur-Gesellschaft Interesse hat. weilt zurzeit in Palästina, um sich mit den agrikulturdien und Marktverhältnissen des Landes vertraut zu machen. Eine Lodzer Firma. Richard, Zcmach & Co., eröffnet in Palästina eine W0II w äsc he rei. Sie hat für diesen Zweck in Rischon-Lc-Zion ein Gebäude gemietet und bestellte in der Jüdischen Maschinenfabrik von Stein in Jaffa die notwendigen Maschinen. In der Jerusalemer Zeitung HABAZKLETH. die auch unter den von der Chaluka Unterstützten ziemlich verbreitet ist und der reaktionärsten Richtung angchört. erschien ein Aufsatz, der ah eine Widerspiegelung des Zeitgeistes anzusehen ist, als ein wertvoller Beleg für den kulturellen Einfluss, den der neueste Zufluss von frischen Kräften und frischem Tätigkeitsdrang auch auf den abgeschlossenen und vielfach passiv-kthargischen Kreis der zurückgebliebenen einheimischen Judenbeit Palästina.*־, amsgeiibt hat. Einige Stellen aus diesem Artikel *eicr. in» nachfolgenden wiedergegeben: ״In unserem Heiligen Lahde eröffneten sich in der letzten Zeit neue Lebensquellen. Täglich hören wir von neuen Unternehmungen, Projekten, Vereinen. Organisationen. die alle dem einen Zweck zustreben: Industrie und Hrndel zu beleben. Fast alle sind heute zu der Über- Zeugung gelangt dass nicht durch Agrikultur allein das Land wieder aufzurichtcn sei, dass vielmehr zu gleicher Zeit auch die Entwicklung von industriellen. Unternehmungen sehr energisch betrieben werden müsse. Indem wir aber all diese erfreulichen Erscheinungen wahr• nehmen, müssen wir auch die für uns beschämende Tat- Sache konstatieren, dass all diese Unternehmungen von den ansländischen Juden ausgehen, während wir, die eingeborene indische Bevölkerung, ottd besonders die von Jerusalem, nach wie vor die Hände in den Schoss legen und eine Hilfe von aussen erwetten. Und da erhebt sich vor uns die Trage: Warum *ollen nicht auch wir endlich die Verbesserung unseres Schicksales in die Hände nehmen? Bis zu welchem Zeit- Punkt werden wir uns in allem au! andere ׳verlassen? Haben denn unsere Feinde wirklich Recht, wenn sie sagen, dass die Jerusalemer Juden hoffnungslos demoralf- Slert und zu keiner produktiven Arbeit befähigt sind? Wohlan denn, Brüder, wachet auf! Den- Iren wIr endlich an unsere Rehabilitierung! Es fet die Zeit gekommen, wo auch wir uns organisieren müssen, um au dem Aufblühen von Handel und Wandel in 1 . ־ unserer Stadt aktiv miizuwirketf. Vereinigen wir uns. und wir werden das. was ein einziger zu vollbringen nicht imstande ist, mit gemeinsamen Kräften ausführen können. Wieviele Zweige von Handel und Industrie könnten •wir selbst, ohne fremde Hülfe, entwickeln! Wie viele Gebrauchsgegenstände könnte man bei uns in solcher Menge produzieren, dass nicht nur unser eigener Bedarf gedeckt würde, sondern dass wir sic auch zu einem Exportartikel machen könnten? Hunderte von Arbeitslosen könnten wir auf diese Weise beschäftigen und ebcnsoviele junge Kräfte, die keinen Verdienst hier finden und die in fremden Ländern sich herumzutreiben gezwungen sind, im Lande festhalten. Werfen wir also, Brüder, unsere ewige Passivität und die stumme Gedrücktheit von uns! Die Zeit der Tat und Selbsthilfe ist gekommen! . . .** Oäolusblüten Vorbereitungen zum Pessach Die BERLINER VOLKSZEITUNG schreibt: ״Ein Nachmittag beim Osterhasen — unter diesem findet am 22. März, nachmittags 5 Uhr. im Saal Potsdamerstr. 9. ein grosses Kinderfest statt, zu dem der Verein ״Mäa cherihort“ seine grossen und kleinen Freunde einladet. Kirnstlerisclic Gaben, usw. usw. Einlasskarten sind zu haben bei: Emilie M o s s e . Leinzigerplatz 15. Gertrud M i s e I). Ranke- Strasse 3, Anna ö i 11 s b e r g . Am Karlbad 7. Sofie O I i v e n. Stülcrstrasse 13, und an der Kasse." M osse, Misch, G i t!sb e r g. O li v e n - R i de a mu s. Im Golus Herr Assessor Levin-Stovlpiiig. der hier vor einigen Jahren, als er noch nicht aus der semitischen Rasse ausgetreten war. eit.fach Lew in biess, der aber seine iiintcrpommersehe Abkunft Schon deshalb in seinem Namen zum Ausdruck bringen durfte, weil cs vornehmer ist. Doppelnamen zu haben, besonders wenn dann der zweite allmählich an die Steife des ersten geschoben werden kann, wie der frühere Jude Lewi von Halle der früher nur Lewi niess und jetzt nur von Halle, es bereits mit Eriolg getan hat. di-.ser Herr Assessor Lcvin-Stoclping tut kund und wissen, dass er evangelisch ist, in folgendem die Jüdinnen atisschliessenden Inserat in der VOSSISCHEN ZEITUN’O: Lehrerin, die in unserer Familie wohnt. evarig״ vorzügl. Zeugn. für JOiähr. Mädch. sof. cd. 1. April gesucht. Vorst, tägl. v. ja-ll vorm2 ״—vi3 u. &6—fc»7 U. ab. Assessor Levin-Stoelping, Sicgniundshof 16. Herr Levin-(StocIping) sorgte, wie das in der Zwischen natien strenger Grundsatz zu sein scheint, für Reinerhaltung des Blutes, indem seine Frau cbcnfalfs aus der semitischen Rasse ausgescliicdcn ist. Herr Stoelping wird es hoffentlich recht viel weiter bringen, als cs Herr Levin hätte bringen kCnticu. Kleine Mitteilungen Berlin. Jüdischer Witz und Humor. In der am Sonnabend, dem 23. März. 9 Uhr abends, in der Sezession stattgefundenen Veranstaltung des ״Vereins zur Forderung jüd.scher Kunst" ״W i t z und Humor“ haben Julius S t c 11 e n h e i ni undJuhus Freund eigene Dichtungen vorgetrageu. Originalbeiträge steuerten auch Manuel Schnitzer. Lothar Brieger-Wascervogel u. a. bei. An den Rezitationen und dem ÜbcrbrctU beteiligten sich Fritz Richard. Richard Gross mann (Deutsches fTheatcr). Bogumil Zepler, Vera Goldberg, Max Magidsohn. Harry Hauptmann u. a. Für die Tombola hatten viele Künstler Werke gespendet. Sehr reich war auch die Humoristische Aus- Stellung beschickt. Zum Schlüsse trat eine Chassid i s c h c Originaltruppe in ihren mimischen Szenen und Kuplets auf. Bcrtla. In der Ausstellung für soziale Fürsorge und Gesundheitspflege, welche unter dem Ehrenvorsitze des Polizei- Präsidenten von Berlin, vom 16. bis 22. März im neuen Kgi Opernhause Kroll stattfand, und welche auch durch den Besuch Sr. Majestät des Kaisers ausgezeichnet wurde, hat der Jüdisch• Volksverein fiir hervorragende Leistungen uaf sozialem Oe• biete dos Fhrendiplom erholten. >