Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 13-14 (29.3.1907)
- Date
- 1907-03-29
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 13/14 . 16'Dl SC HE RUNDSCHAU Seite!37 fiat DI9 uns von den verschiedenen Seiten zugehenderf Kundgebungen berechtigen uns zur Hoffnung, dass sieh der Pflanzungsverein, ״Palästina“ in nicht allzu ferner Zeit zu einer umfassenden allgemein-jüdischen Organisation gestalten wird. Ganz besonders rechnen dabei die Urheber des Vereins auf die Förderung und Propagierung desselben durch die Palästinatreuen und religiös gesinnten Kreise, denn der Grundgedanke des Vereins, dass ein jeder Jude und eine Jüdin in der Weit. ihren eigenen Frucbtgarten in Palästina besitzen, entspricht bekanntlich einer alten!irdischen Tradition. gez. Prof. D r. O. Warburj׳, V Vorsitzender des Pflaazungsvereins ״Palästina“. Rundschau —: an allen Hochschulen einheitlich erfolgen. Dlo Wiener jiidischo Studentenschaft hat eine umfassende Aktion cingekitet, die der Durchsetzung ihrer Forderungen dienen soll. Ende April finden in allen Hoehschulstädtcn grosse Studenten- Versammlungen statt Eine Deputation von Vertreten! allor Hochschulen wird dem Unterrichtsminister ein ausführlich begrundetes Memorandum überreichen. Ausserdem soll und wird durch Sammlung' von Unterschriften der 7if fernmässlge Nachweis erbracht werden, dass die überwiegende Mehrheit der jüdischen HnchschQlcr Osterreichs Jüdisch-national Ist und von der Forderung nach behördlicner Anerkennung ihrer National tät abzustchen nicht gewillt ist Es ist kein Zweifel, dass die geplante Aktion mit möglichster Energie durchgeführt wird und erfolgreich jüdische Kolonialbank Geschäftsbericht des Jewfsh Colonial Trust Ltd. pro 1906. Das Geschäftsergebnis des Jahres 1906 ist ein befriedigendes gewesen und zeigt einen, wenn auch langsamen, so üocfi Stetiger] Aufschwung in der Ausdehnung unserer Gesclmite und der Vcrgrösserung unserer Einnahmen. Der Gewinn der Zentrale beträgt 7730.17.7 Pfd. Ster!., dem ein Verlust Ivel der Filiale Whitechapel von .TS3.JI Pnl. Stert, gegenüberstellt, so dass sich der N e 11 o g e w i n n , w ie aus der nachfolgenden Bilanz, ersichtlich, auf 7307.6.7 Pfd. Sterl. steuerfrei stellt. Der Bruttogewinn pro 1906 beträgt. 15 •400 Pid. Sterling (gegen!4 100 Pfd. Sterl. in 1905): Spesen und Unkosten*!!70 Pfd. Stet!. (gegen 800יי Pid. Sterl. in 1905). Pas Aktienkapital hat sich durch Neuvcrküufe und Restzahlungen um 1421 Pid. Sterl. vergrössert und betrügt per 31. Dezember 1977*252 6*י Pid. Sterl. Unser russisches Diskotitugcscitäit haben wir in» letzten Jahre wesentlich eingeschränkt, und wir können mit Genugtuung konstatieren, dass sich das zu diesem Zwecke erforderliche Inkasso glatt und ohne Schwierigkeiten abgewickeli hat. Audi sonst sind wir von Verlusten fast gänzlich verschont geblieben. Proviskms-, Kontokurrent־ und Diskonto geschälte mit hiesiger und auswärtiger Kundschaft bähen an Umfang zugenomwen. Einen grossen Teil unserer Mitte!!iahen wir derr. hiesigen Courtagegeschält zugewandt und dabei lohnende Sätze erzielt. Die Geschälte unserer Filiale in Whitechapel sind z.war recht umfangreich, aber leider nu. wenig gewinnbringend, so dass die Kosten nicht gedeckt sind; etwas Auffälliges liegt aber hierin nicht, da criahrungsgcmüss Bankfilialen sich hier erst nach Verlauf mehrerer Jahre bezahlt machen. Die Geschäfte unseres Tochterinstituts, der Anglo-Palestine Company Ltd., zeigen einen befriedigenden Verlauf; der Geschäftsbericht wird demnächst erscheinen. Unsere Anlagen sind durchweg gute und gesicherte, und bei der vorsichtigen Geschäftsführung, deren wir uns unverändert bcfleissigeu. dürfen wir auch weiterhin auf guten Fortschritt hoffen. Von dem Gewinn sind 600 Pfd. Sterl. auf Reserve für Dubiose übertragen und verbleiben sodann zur Verteilung. 6747.6.7 Pid. Sterl.. plus Vortrag ex 1905 2018 6.6 Pfd. Sterl., zusammen 876513.1. Pid. Sterl. Das Direktorium hat beschlossen, der Generalversammlung. die im August zur Zeit des Kongresse stattfinden wird, die Erklärung einer Dividende von 8d. per Pid. 1 Share (3'/׳* י<') vorzuschlagcn. Aktien des Jewlsft Cotonlal Trust zum Preise von 20,50 M. (Namens-Aktien) bez.w. 22 Mk. (Inhaber-Aktien.) Zu beziehen durch den Share-Club für Deutschland. Adresse; AL Gold Schmidt. Hamburg, Gr. Bleichen 65. Neue Zeitung Unter dem Titel JOP.DISK TIDsKRIF'T erscheint ln Kopenhagen vom nächsten Quartal an eine jüdische Zeit* tchrift in dänischer Sprache. Die Besitzerin ist eine Aktiengesellschaft, die in niehtjiidischen Händen ist. Fs handelt sich um ein geschäftliches Unternehmen. Die Zeitung wird offen und rcinzionistisch sein. Als Leiter des Blattes, dessen erste Nummer in Kopenhagen am 5. April erscheinen wird, ist unser Freund• der bekannte Kopenhagener Arzt D r.. Louis Fraen keI gewonnen worden. Wir begrüssen die neue Mitstreiterin für die Ehre und Zukunft des Judentums aufs allerhcrziichste. Anerkennung d^r jüd'schen Nationalität Das Unterrichtsministerium Itat knapp vor den Inskriptionen die Ausführung des Beschlusses des C t e r n o w i 17. e r .!» k 1>«י e m i sr.!1 o u Senates, wonach •auch den iiidisolier. Ein Ehrendiplom den Pogrommachern Der Sjedlezer Pogrom, der letzte der vorjährigen Judenkrawalle. ging ohne Beimischung jegliclier Zufälligkeiten vor sich. Waren die früheren Metzeleien in K i s v 1! i n e w׳. Odessa. Rostow. Kcrtsch usw. von dem Abschaum der Stadtbevölkerung und I*:trunkenen Muligaus aus dem ..Verbai'.de der echt russischem Leute“ orgauiM'ert worden, so wurde der Pogrom hi Sjedlez vom Anfang bis zum Ende a115sch!ic>sliel1 vom Militär «111J von der Polizei veranstaltet lind »Fanmassig durchguMihrt. D'esen merkwürdigen Charakter der Sjed’.ezer Afiäre musste seihst die Regierung in Petersburg a 11 e־ r k e 11 יי e u . und Hert Stolypiu versprach eine ..strenge und allseitige Untersuchung.‘* Die Ergebnisse der Untersuchung verzögerten siel! jedocit. Inzwischen wurde der offizielle Bericht des Gendarmerie- Rittmeisters Pitscliow vcroifentücht. der die schauderhaften Scli Idcruncen der Korrespoc.denteit über die empörenden Greiieltaten in Sjedlez im vollen Umfange bestätigt und in vielen [hinkten ergänzt hat. Die in dem Bericht testgestellten Tatsuchen. die namentlich die verbrecherische Handlungsweise der Sjedlezer Militärbehörde mit dem Befehlshaber Ooerst-. Icutr.ant Ticftanowsky au der Spitze klar ersieht! eh machten, erregte das grösste Amselien. und wurden niemals widerlegt. Es verstrichen wieder einige Monate. Und nun liegt endlieh das Ergebnis der .strengen und all>eitrgen Untersuchung“ vor. Am 20. Februar d. J. Unterzeichnete der Generalgot4verneur von Warschau, der berüchtigte General Skalon. einen Dankertoss an d 1 e Ga rnIso 11 von Sied I e7., dei als iörn.l che Lobpreisung der dortigen aktenmässig gebrandmarkten Pogrommacher gelten kann. General Skalon gedenkt rühmend der Tapferkeit, der Eides- und Pflichttreue der Sjedlezer Garnison und ihrer Befehlshaber bei Unterdrückung des ..organisierten revolutionären Auiruhrs“ uad schreibt dann weiter: ״Die relativ schnelle Unterdrückung d׳.s Auiruhrs. der im Falle seines Eriolges ernste Gefahren fiir das ganze Gebiet gebracht hätte, schiebe ich dem Heideimute der gcnannten Truppen der Sjedlezer Garnison, sowie namentlich der Energie und Gewandtheit des Garnisonchefs Oberstleut־ 1!ant Tichanowsky und der übrigen Oifiziere zu. ich sage dafür den tapieren M .־umschatten* der genannten TruppeuabteiUmgen meinen herzlichen Dank, und dem Oberstleutnant Ticlianowsky sowie den übrigen Offizieren br nge ich meine aufrichtige Anerkenmmg dar. Gleichzeitig wird Tichanowsky zum Oberst ernannt. Wir wissen, dass die Mannschaften auf Befehl Tichatiöwsky’s sich dom zügellosesten Morden und Rauben ergaben, wobei der wackere Oberstleutnant über ״zu wenig Tote“ klagte. Herr Ticlianowsky verbot auch. Privattelegramme zu befördern, damit die Einwohner sich u:n Ein- Stellung des Blutvergiessens nicht an die Regierung wenden [ötintcn. Während des Knegsgetümmels versammelte Herr Tichanowsky einen Sängerchor um sich, und inmitten des Selüesscns, des Blutvergiessens. des Raubes und Brandes erklangen in der unglücklichen Stadt fröhliche Oosängc. Nun besteht ein sonderbarer Widerstreit Entweder ist die von Stolvpin versprochene allseitig« Untersuchung noch innoer nicht vollendet und der Befehl .Skalons beruht auf unkontrollierten Angaben, oder aber der Bericht Ktucliows stellt eine Verleumdung der Armee und des OVttsUfcutnums Tieharowskv dar. Entweder Petuchow׳ oder Tichanowsky und Genossen müssen gebührend exemplarisch bestraft •werden. ׳ ׳ ־ Zwei offizielle, sich widersprechende Dokumente in eüüer Affäre, wie die von Sjedlez. können und dürfen uicht geduidot werden. Die Sache muss völlig aufgeklärt w׳erdeo. Oder . . . liegt sic auch ohnedies klar?