Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 13-14 (29.3.1907)
- Date
- 1907-03-29
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE •RUNDSCHAU. Sute 139 No. 13/14 Berlin. Jüdischer Turnverein ״Bar Kochba“. Am Sollt- I t?g. dem 17. März 1907. fand zum Besten der Ferien-Kolon en für Jüdische Kinder im Fccn-Palast ein Krosses Önentlic.ies | Schauturnen des Jüdischen Turnvereins ״Bar Kochba" s'att. 2üU I unter und Turnerinnen aus sämtlichen Abteilungen des Vereins ze en in den vorgeführten Prcl- und Stabübun.ten, Pyramiden, tieräteturnen und Reigen ein hohes Maass von Disziplin und Exaktheit. Von Kinz.elleistungen sind die Reck- Übungen der Musternege besonders rühmend hervorznhclvcn. Herr Dr. Franz Oppenheimer fand in seiner Ansprache treffende Worte für das Wirken des Vereins, die Jirdische Jugend durch, körperliche Betätigung zu Kraft und Mut, za Schönheit und Glück zu führen. Kr schloss unter dem brausenden Beifall der mehrtausendköpfigen Menge: ״Auf durch Kraft und Mut zu Glück und Schönheit!" Berichtigung Der Artikel ״Rassenhygiene der Juden‘‘ von Dr. Max J u n g m a n n in voriger Nummer war für das Ztonistische A-B-C-Buch verfasst und uns freundlichst zu vorhörigem Druck überlassen worden. Wir tragen das.nach um. berichtigen zugleich, dass in Zeile 5 dieses Artikels cs heisst Statt ..Oft sind dies etc. ‘ statt ..Fs sind dies" und auf Seite 122 unten ״die sprichwörtlich gewordene Fruchtbarkeit" statt ״U n f r u c h t i> a r k e i t". Mehrere Artikel u. a. der Schluss des. Artikels von Frau vVagner-Tauber mussten im letzten *Augenblick zurückbleiben, ttnt für dett Bericht unseres rumänischen Bericchtcrstetters Raum zu schatten. Dieser Nummer der JÜDISCHEN RUNDSCHAU liegen Aufforderungen zum Abonnement bei. Wir bitten diejenigen unserer Leser, welche bisher noch nicht Abonnenten unseres Blattes sind, die Abonncmzntsuufforek rung auszufüllen und uns durch die Post zu gehen zu lassen. Verlag Jüdische Rundschau, E. O. m. b. H, Berlin N. 5*1, Auguststrasse 49a. Ssederplauderet. Wenn Purim mit seinem ausgesprochen Jüdisch heiteren Gepränge vorüber ist. die Mcgillaroüen wieder auf ein Jahr in den Schrein gestellt werden, beginnt für uns eine Zeit, in der das menschliche Gemüt im Bewusstsein des herannahenden Frühlings freudig erregt wird. — Der Frühling nah! — und wir nähern uns dem Pessachtcste. Wir feiern mit Pcssach die Erinnerung an unsere hörper-!!ehe und seelische Befreiung vom Sklavcnjoclie Ägyptens. Zum Andenken daran, das imsete Verfuhren durch die beim Anblicke der Leichen ihrer Erstgeborenen kopflos gewordenen Ägypter aus dem Lande gejagt wurden und dadurch nicht einmal mehr Zeit hatten, den Teig des zur Reise bestimmten Brotes säuern zu lassen, denselben vielmehr ungesäuert mitnehmen und essen mussten, ist uns als ewiges Gesetz, der Chomezgetuiss während ganz Pcssach verboten. — Nicht nur. dass wir das Chonicz. nicht essen dürfen, auch in unseren Häusern darf es sich am Pcssach nicht v o r f i n d c p. Es dürfte wohl kaum eine echt jüdische Hausfrau gehen, die nicht schon gleich nach Purim mit dem gründlichen Reinmachen ihrer Behausung beginnt. — In diesen vier Wochen wird das Oberste zum Untersten gewendet und umgekehrt, es wird nichts ats gescheuert, geputzt und geriehen. Die Herren der Schönfung finden es das ganze Jahr hindurch nicln so ungemütlich, als in dieser Rcinigungszcit und wissen nicht, In welcher Ecke der Wohnung sie Ruhe finden könnten. — Aber tröstet euch, ihr Männert mit Anbruch des M. Nissan bäht ihr cs wieder gemütlich In eurem Heime, welches euch während der Ssedcrabendc noch ein Mal so traut wie sonst scheint. — Ja. wie schön, wie herrlich schön ist cs, wenn mm den Sscdcr im Kreise seiner Lieben feiern kann. Es dürfte wohl kaum im Jahre auch nur eine Stunde geben, in der ein in weiter Ferne weilender Jüdisclklenkcndcr und empfindender Jüneling 'o sehr die Fremde fühlt »N gerade am Pessach, speziell während der Ssedcrabendc. Wie viele solche dürfte es wohl geben, die das Eintunken der Kräuter in Salz.wassc, für überflüssig finden, wird doch das Einzutunkende. — wenn sie an die Ssedcrabendc. die sic bei ihren Lieben verbrachten, zurnckdcnkcn — durch das sic unwitlkitrich beschleichende Heimweh schon von ihren Tränen gesalzen! Mein väterlicher Freund, der bei mir wohl eine derartige wehmutsvolle Stimmig ahnen mochte und diese im Keime ersticken wollte, lud mich vergangenes Jahr ein. die ersten Pcssachabendc Im Kreise seiner lieben Familie zu verbringen. Dass ich dieser Einladung mit Freuden Folge leistete, wird man sich wohl denken können, ebenso braccht es wohl nicht erst erwähnt zu w erden, dass mein liebenswürdiger Gastgeber und seine als gastfreundlich bekannte Gattin, das erdenklich Möglichste taten, mir das Weilen in ihrer Mitte recht heimisch zu machen. — Wir feierten den Sseder in gehobener, angenehmer Stirnmung und, nachdem der vorgeschriebene Teil der Hagadah gesagt und vom Hausherrn wunderschön erklärt worden war. wurde das Beste der Küche aufgetragen. — Wir waren beim letzten Gang des wirklich hervorragend guten Diners a»gelangt, als ich mich plötzlich vor Schrecken einer Olmmacht nahe fühlte! Ja. was war das. sehe ich recht, oder ist cs nur ein Traum? Man stellte Butter auf den Tisch! Butter bei einer fleischigen Mahlzeit! Und dies musste ich im Hause der mir als gewissenhaft und streng religiös bekannten Familie, die selbst die kleinste Vorschrift mit gleicher V. ichtigkeit als den gi usstcu ..Din“ befolgt, sehen. Ich war einfaech sprachlos. Die Hausfrau, die sich an meinem Schrecken zu weiden schien, rief mir zu: ״Bedienen Sie sich nur ganz ungeniert, denn Butter auf Mazzoh gestrichen, schmeckt einfach warnderbar." — Bevor ich einer Antwort mächtig war. führ dieselbe in ihrem Gespräche fort: ״Fs tut mir leid, dass ich Sie so erschreckte, mein lieber Gemahl wird Ihnen, da ich rasch zur Küche muss, über diese Butter Aufklärung geben oder wollen Sie diese von mir hören? Wenn ja. so gedulden Sie sich nur einen Augenblick, ich hin gleich wieder da." — In der lat war meine liebenswürdige Wirtin nach kaum einigen Minuten wieder ins Zimmer getreten. ״So. sprach sie. eigentlich müsste ich Ihnen zürnen und Ihnen keine Aufklärung geben, weil Sie auch nur den kleinsten Gedenken aufkonur.en Hessen, wir lührttr keinen ganz koscheren Haushalt." ..Ja aber, — fiel ich ihr. au! die Bt:Uer zc:gend. ins Wort -- ״Gerr.ach. hoher Freund, lassen Sie mich nur aussprechen. Es schem! mir. als hätten S:c keme Ahnung davon, dass es jetzt in der Naliniügsir'Uerotniichc eine neue lirim.luiig gibt, cs ist das ein vegetabiler Butterersatz und wird unter dem Namen ״Tomor*' in den Handel gebracht. — Versuchen Sie mal dies ״Tomor‘‘ und Sie werden sehen, dass Sie keinen Unterschied zwischen der feinsten Snssrahmbutter und ״Tomer" finden. —״ Ja. woher wissen Sie aber, verehrte Frau dass ״Tomor‘‘ koscher ist und auch zu Fleischspeisen verwendet werden darf?" erlaubte ich mir. schon etwas kleinlauter, zu erwidern.— ״Ich dürfte Ihnen eigentlich zum zweiten Male wegen Ihres Misstrauens keinen auiklärcnden Bescheid geben, aber ich will Ihr Gewissen nicht Jünger beunruhigen. ״Tomor" wird unter Aufsicht und Leitung eines von Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. B. Wolf. Köln, eingestellten und Inspizierten Beamten hergestellt und darf sowohl für Fleischals auch Müchsrcistn verwendet werden." — ...In. dies ist aber eine herrliche Erfindung", erwiderte ich. ״und Uh bin durch diese Neuigkeit für den ausgestandenen Schrecken. reichlieh belohnt.'* ״Sie hätten eigentlich schon bei den bischen einen solchen Riesenschrecken bekommen müssen‘', spr ich die b'cbcnswürdige Dame, ״da auch diese mit ״Tomor“ zubereitet waren, denn wie wäre es möglich gewesen, ohne ״Tomor* eine solch' wunderbare Buttersauce hcrzustellen. Dass Ihne«; das Kalbfleisch vorzüglich mundete, sagten Sie ja vorhin selbst und sehen Sie lieber Freund, auch dieses war mit ״Totnor zubereitet.“ N’acI dem wir das Tischgebet verrichtet und den zweiten Teil der Hagadah gesagt und gesungen hatten, verabschiedete' Ich mich von meinen reizenden Gastgebern, da Inzwischen Mitterracht schon vorüber war. — Auf dem Wege zu meiner Wohnung und daheim angelangt, musste ich noch lange an diese unschätzbare Frfindung und über die Vorzüglichkeit dieses ״Tomor" denken. — Wahrlich, wer ״Tomor“ auf Mazzoh streicht, kann kaum mehr von der Mazzoh sagen: ״Das ist das Brot des Elends." Bekanntmachung. Zshle mehr *1* sämtliche Händler, spezio'l Herrengarderobe, Dimenkleider, MiliturrfTekton. Lbnformsachen, PeUsaehe״, Betten# WiUcbe. Gotdaacben, Zahngebisse, Schuhwar-n MöH^lgeg^ns Knde* gante Wirtschaften- ***»«•Ulk. Llniesttr, 8 iß•