Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1907-03-29 · Heft 13-14 (29.3.1907) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 13-14 (29.3.1907)
Date
1907-03-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2651273-2651500-2651514--04544-2661522
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

No;13/14ל JOD 1 SOHC> RUNDSCHAU י s ScHa 135.• ' Sehr risch sind die Jüdischen Achter ihld’Kanffeut«' aller Kategorien zugrunde Gerichtet and vom Lande vertrieben worden, heute werden bereits christliche Gutsbesitzer und Pächter geplündert und geschlagen. — <> ־• Es wird nunmehr geraubt um des Raubes xviUcn, gestohlen. geschlagen. weil es dem Tiere im Menschen danach lüstet. Das Land, welches erst vor Kurzem seine Ökonomische Lage verbessert hat, sicht sich Jetzt vor einem sühnenden Abgriind! . Trostlos schaut Jedermann ln die Zukunft und niemand kann sagen. was der kommende Tag bringen wird. — Flüchtlinge aus dem Städtchen Bucecea (Distrikt Botosani) erzählen furchtbare Dinge. Der ganze Ort ist total vernichtet, keine Seele mehr darin, denn alles ist geflüchtet; Auf den Strassen fiesen Reste Möbel. Kteidungsstiieke und Wertsachen, kein Haus hat mehr Ranze Türen oder Fenster. — Alles ist unter Zurücklassung sämtlicher Habe geflohen und die Bauern schleppten die ganze Beute In ihre Dörfer. Leute, die wenige Tage zuvor wohlhabend waren, besitzen beute nicht soviel, um ihre Kinder vor Hunger und Kälte zu schützen. — Cianz genau so erging cs den Städtchen Darabani. S u 1 i t z a, R a d au t z. B ti r d u J e n i, die zuhicist von Juden bewohnt waren. Alle sind geflohen wohin sie konnten. Ein grosser Teil, fast 3000 Personen, befinden sich an der österreichischen Grenze 11 2 k a n v und sind auf die Wohltätigkeit fiernder Leute angewiesen. Die Revolution dehnt sich weiter aus. In Negresti (Distrikt Vnslui) ist eine Jüdin den erlittenen Misshandlungen erlegen. Viole Verwundete liegen in den Krankenhäusern der Distriktshauptstädte. Von der Wal lach ei. dem südlichen Teile Rumäniens, kommen nach der Moldau täglich ganze Zuge Miliiär aller Waffen, da die moldauischen Reg;1ne11U.r trotz Zuziehung dei Reserven bis einschliesslich den Jahrgang nicht ausreichen, um die Bewegung nicdcrzuhaUen. In den Städten wimmelt cs von Soldaten, auf dem Lande ist noch viel zu wenig da. Uebcra 11 kommt cs zu Zusnmmcnstüssen zwischen dem Militär und Bauern. Viele Offiziere und Soldaten wurden •von den Bauern mit Stöcken geschlagen oder mit Steinen geworfen, worauf auf die Bauern geschossen wurde. So gab es z. B. in BlagcstL unweit von Bacau S Tote und viele Verwundete, in Vas! ui 10 Tote, in Lespezi 8, im Distrikt Suczawa in einem einzigen Orte 70 u. s. f. — In J* a n c I u (Distrikt Putna, berühmte Weingegend) sind gleichfalls Bauern cingcdrungcn. — ln Mircesti wurde das Schloss des berühmten rumänischen Volksdichters V as ile Alcxandri geplündert und dessen Frau konnte sich mit Mühe flüchten. Alle Juden des Ortes flohen Gleichfalls. — In Balancsti (Distrikt Niamtz) wurde der Pächter Kohn von den Bauern gebunden und misshandelt Seine Geldkasse wurde erbrochen und IS 000 Francs gestohlen. — Ini Distrikt Roman wurden Juden geschlagen in Cärligi. An vielen Eisenbahnstationen d-ringen Bauern in die ZCge ein und plündern Jüdische Reisende. Auf einem Oute an der Station Sclnteia erschlugen die Bauern einen deutschen Verwalter. — Viele Hetzer sind in mehreren Distrikten verhaftet und den Gerichten übergeben worden. — |m Städtchen Mi halfen! ist vom Militär ein Bauer erschossen und 3 verwundet worden, da sie mit Gewalt ein• dringen 'wollten — Der Kammer Hegt ein Oesctzesprojekt vor. welches die Regierung verpflichtet, die Staatsgüter den Bauern zu verpachten, und das es Juden unmöglich machen wird, jcmal• e i n Gut zu pachten. Ganz besonders streng soll gegen die Pächter- ״T r ט s t s“ vorgegangei• werden. Ausserdem wird dadurch der Auf• enthalt von Juden auf dem Lande unmöglicl gemacht werden. — Bestehende Kontrakte sollen ihr Rech* nicht verlieren, auf längere Zeit gemachte blos 5 Jahre behalten. Die Gutsbesitzer wer• den gleichfalls verpflichtet, ihre Güter h erster Reihe den Bau ern, dann aber an rumänische (im Gegensatz zu jüdischen) Pächter zu vergeben. Andern falls müssen sic die Güter selber kultiviren Es heisst allgemein, dass Im Falle, das? die Unruhen nicht auf hören sollten, der Be• lagerungszustand über den grössten Tci’ der Moldau verhängt werden soll. S&mt liehen Spiritusfabriken des Landes ist der Verkauf «on Alkohol streng verboten wor aen. Die dem Griechen Chrlssoveloni gehörige Splri• tusfabrlk in Qhidigeni soll von Bauern In Brand gesetz worden sein. — Viele christliche Gutsbesitzer werden ruiniert und verfassen mit Mühe Ihre Besitzungen׳ - Die Dorflehrer werden Hi die BezirfcshauptstSdte eiabe-׳ rufen, um von den nächsten Vorgesetzten Behörden Instruktionen zu erhalten. Sie sollen zur Beruhigung der Bauern beitragen. — , Eber, werden auch aus dem Distrikt Ffilcin Ausschreitungen gegen die Juden gemedet so im Orte A I b c s t i. Das ganze Städtchen Negresti (Distrikt Vasluik - Ist bis auf wenige christliche Häuser alles zerstört. Russiscao Hetzer haben erwiesenermassen Ihre Rolle in der Tragödie, die sfeh hier im Lande obsplclt. Im Distrikt Suceava haben ferner Ausschreitungen stattgefunden in; Dolhestl. Rotunda. Im Bezirk־ J a s s y חזו Orte Holboca. Berlcstl. Überall gebt rmn auf gleiche Weise vor: Haus und Möbel werden zertrümmert, die Inwohner geschlagen, alles andere geraubt. — Im Bezirke Roman nimmt der Aufstand zu. überall wird ״enlündert. dem Kaufmann Wechsler der gjfnze Wein aus de! riissern abgelassen, Tafelöl auf die Strasse gegossen. Kleider gestohlen. Mit dem nackten Leben gelang es den Juden sich zu retten. I n Dahna wurde eine Menge Vieh abgeschlachtet. — fn M u n c e I wurde die Kanzlei des Pachters Millo Solomon geplündert. Hierauf wurde der Alte 41ssu Dernier, der 60 Jahre im Ortewohnt, aus seinem Versteck licrvorgeholt und geschlagen. Alle Kauflcutc des Ortes sind fort, während ihre ganze Habe zuriickblicK — In Bognicca musste der Kaufmann f eil» Marcovici mit Frau und zwe: Kindern des Nachts flüchten und draussen flbernacliton. — Sn Butea gelang es dem Wirte Maier' lriit Mühe zu flüchten Seine Wirtschaft wurde vernichtet. In Bl za wurde ״ der Pächter Herscu Läufer furchtbar misshandelt. In 1 r i f e s t i haben sich die Bauern ebenfalls erhoben, aber M:!:5r schritt rechtzeitig ein. — Im Crenzorte B u rd 1! je n i sind 2<7 Häuser zerstört w<»rden. darunter 6 jüdische Schulen und 21J Wohnhäuser, alles andere s .,:d Geschäfte. Die Liste der Geschädigten kt viel zu gross, un sie hier anführen zu können. — Ir; Botosani ist die Aufregung so gross, dass sich fol* gender Vorfall ereignen konnte. Ein junger Christ aus guter Familie namens Joari Pcpivici-Buznosanu trug Infolge der Wirrer, einen Revolver bei sich. Auch des Nachts während des Sck’.Jens Hess er ihn nicht aus der Hand. Da er mehrere läge ven der elterlichen Wohnung gefehlt und nachher heimkam, weilte ihn sein Bruder, der Ingenieur Gregor Popovici sprechen. Kaum betrat er das Zimmer als der junge Juan im Glauben, er werde von Bauern üFerfaüen, auisnrang und seinen eigene:: Bruder durch zwei Schüsse zu Boden streckte. — Der unschuldige Verbrecher ist jetzt halb .von Sinnen und mit Mühe wurde er nach der vollbrachten Tat am Selbstmord gehindert — Für heute, den 11/24. März, befürchtet man auch ir. Bukarest Ausschreitungen, weshalb die nötigen Massregeln getroffen worden sind. Die jüdische Studentenschaft in Jassy und Bucarest hat Manifeste verteilt, indem sie ihre Sympathie nur mit den gerechten Forderungen dei Bauern ausspricht und hinweist dass man ohne Grund die armen Jaden verunglückt. — . ln Silistea (Distrikt Suceava) sind auf dem Gute des Präfekten 7U Bauern niedergeschossen worden. — Der General Teil. Kommandant aller Truppen der Moldau, verlangt telegraph. Militär aus der Wallache». Im letzten Moment kommt die Nachricht: Die Regierung dürfte J«wt fallen und der ״liberalen“ Partei Platz machen. Herr D. Sturdza ist Chef der Liberalen und bekanntlich Antisemit. — Im Bezirke Bacau wird von der Gendarmerie vielen jüdischen Dorfbewohnern ein Zirkular zur Unterschrift vorgelegt, wodurch ihnen klar gemacht wird, dass sie sich in Gefahr befinden und dass die Regierung nicht ln der Lage ist. für ihr Leben und Habe zu garantierer.! F.s wird ihnen empfohlen, sich in die Bezirkshauptstädte zurück zuziehen. — Wer ziirückbleibt, tut es auf sein eigenes Disiko. — Pfianzungsverein ״Palästina“ Zweck und Organisation. I. Zweck. Der Pilanzungsvereln ״PMäsUna‘* besucht die Forderung der Gartenkultur im heiligen Land,*) verfolgt •) Unter Gartenkultur verstehen wir die Pflanzung •׳on;tets Absatz findenden Oliven. Mandeln, Rosinen, Feigen, )rangen. Trauben, Pfirsiche. Anrikovn Ethmgim Zitronen e«c. Word*•«’

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.