Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 13-14 (29.3.1907)
- Date
- 1907-03-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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.■Seite. 132 JQPISCBE RUNDSCHAU ••■•No, 13/K u *lcJ\ taufen Ja&sen upd den Hass säep* den ,wir und 11u$$ro . . unglücklichem Brüder ernten.. ^עיי . ־ DasPessachfest beginnt, das Pestder P rci.hcit. ■ .Und wieder stehen Hunderttausonde von unglücklichen , Brüdern und, Schwestern an unseren Schwellen und bet- . teln um ein Stückchen Brot, sic. die niemals zu betteln , gewohnt waren. Und wir sammeln und bringen von den vielen Millionen, die in wenigen Taget! vernichtet wurden, ciiK Million aut. Eine ungeheure Leistung für das Volk, das immer nur zu geben hat. und ein Tro pfen auf den heissen Stein für die Verunglückten, die verarmt sind und denen keine noch so reiche Sammlung den erschlagenen Vater und die ermordete Mutter wiedergibt. Und wenn der schlimmste Schrecken vorüber und die Hilfsaktion beendet ist, so sind wir ruhig, bis wir von neuem aus Russland oder Rumänien oder einem anderen Lande neue Hiobsposten erhalten und von neuem ge• sammelt wird. Und das Entsetzlichste ist. dass wir bereits so gewöhnt worden sind. die entsetz liehen Gewalttaten und die Verfolgungcn unserer Brüder zu lesen, dass wir e s a I s etwas Selbstverständliches h i n n e h nt c n. Das Pessachfest steht vor der Tür und mit uns zu. 'dass cs gilt, unser Volk ■רעבדות להדור aus dieser Unterdrückuag zur Freiheit führen. Nach unserer Hagadalt ist das ein ר*3ע. ein Lumpenkeri, der uns fragt, ״wozu soll euch das?“ Wer den Wert der Freiheit zu ermessen weiss, der weiss, dass es die Ehre des Judentums erfordert, durch die nationale Arbeit eine öffentlich rechtlieh gesicherte Heimstätte in Palästina für das Jüdische Volk zu sichern, dass cs den Berührungen der auf 11 herer Kulturstufe stehenden Völker etwas entrückt wird. Diesmal ist es e»n liberales Volk, das die Juden verfolgt, wie die russische Autokratie. Denn nicht die Verfassung der Staaten macht die Juden schwach und schtifz'os, sondern die Verfassung, in der die Juden sich befinden, der Mangel eines nationalen Rückgrats, an dem sie s:ch aufrichten können. Das Blut, das in Rumänien fliesst, ist das Blut unserer Blutsverwandten. Der Schlag, der ihr Haupt trifft, ist auch uns zugedaciit, und nur der mächtige Schutz unseres Königs und die preussische Ordnung hindern es, dass man nicht Verfolgungen beginnt, wie man in Könitz bereits begonnen hatte. Wir leiden, mit «nseren• Hrfidejii und wir tragen mit die Schmerzen unserer;Verfolgten. Sie sind desselben Blutes, und aus vollem Herzen strecken wir ihn en die helfen den Hände entgegen, zum. Pessachfest, dem Pesto der Freiheit den Unterdrückten, die aber in allem Flute und in der gtausigen Verfolgung die treue nationale Hoffnung des Judentums nicht einen Augenblick aufgeben: לשנח ה־באה בירוסלס. ElJaqtm. Guben für die verfolgten rumänischen Juden nimmt der Schatzmeister der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Herr Max Wollstelner, Berlin NW 21, Holsteiner liier 10 4 ‘entgegen. — Über die Spenden wird ln der JÜDISCHEN RUNDSCHAU quittiert. Heiltt Die Not ist gross! Vom modernen jüdischen Künstler Von Lothar B r i e g c r - W a s s c r v o g e 1. V<»r mir liegt eine neue Arcliitckturccschichtc, in Uet, wie das so üblich, das Judentum mit wenigen Zeilen abgetan ist und dem nicht mehr allzu originellen inclidcnklichen Schluss ״Im übrigen scheint das Judentum überhaupt aui künstlerischem Gebiete keine originale Produktivität zu besitzen.“ Hs ist sehr leicht, einen solchen Sntz mit de! Miene der Selbstverständlichkeit hinziischreibcn, und überdies hat man ihn aus dem Munde sonst ganz verständiger Menschen bereits so oft gehört, dass man zunächst beinaheseihst davon überzeugt ist... Erst allmählich erkennt man deutlicher die ungeheuerliche Leichtfertigkeit solcher Wertungen, hinter deren Definition in Wahrheit eine erschöpfende Kenntnis der Rasse, ihrer Entwickelung und ihrer Möglichkeiten stehen müsste. Versucht man das Judentum auf seine Fähigkeiten zur Kunst hin mit objektiven Augen zu prüfen, die sich in der eigenartigen, allen Orientalen gemeinsamen Weise r.vt starker Sinnlichkeit und einem auffallenden Festhalten an den Realitäten des Lebens vereinigt. Das aber sind eigentlich geradezu Grundclemente jeder Kunst grossen Styles. Durch das ganze Alte Testament geht diese Vereinigung und verleiht ihm seinen wundervollen Orundcharakter als eine Sammlung v,<n Meister- ' lief in das Städtchen und schlug Lärm. Eine Anzahl Juden lief in die Schenke und wich keinen Schrftt von ׳ dem verzweifelten Zodek. Die Sonne statu! schon sehr hoch, als dieser, matt und entkräftet, in einen todälmliehen Schlaf verfiel. Die Schenkerin setzte sich an das Bett ihres Mannes und die Juden gingen auf die Strasse, um sich nach der schlaflosen Nacht und von der drückenden Atmosphäre in der duinpfiigcn. Schenkstubc nun in der freien Natur zu erholen. Zu diesen mitleidigen Juden gesellten sich noch einige aus dem ׳Städtchen — nicht aus Mitgefühl, sondern aus Neugierde. Einige unter timen waren sogar?us persönlichen Gründen dem angeblich hochnäsigen Zodek feindlich gesinnt. — Während nun Zodek in bewusstlosem Zustande dalag, sein Weib an seinem schmutzigen elenden Lager sass, ihr Schluchzen unterdrückend, um den ihr teuren Dulder nicht zu wecken, und ihre elf abgerissenen, unsauberen, rnit Lumpen kaum bedeckten Kinder, eine jämm/.rhet e 31uppe bildend, auf dem feuchten, ungereinigten, steinernen Fussbodc'n umherlagen, kamen an dem Gasthause fast zu gleicher Zeit von zwei verschiedenen Richtungen eine lange, neue polnische Bude und zwei andere Wag.n an, beladen mit Bettdecken und Kissen und Töpfen und Zubern und anderem Hausgerät. Mit der Gewandütcit eines Jünglings sprang aus der Bude ein kleiner behäbiger, rotwangiger Jude, mit bläulicher Nase und sclmeeweissetn Haupthaar. Ihm folgten noch einige Juden von heiterem Aussehen und ungebundenen Manieren. Beim Erscheinen dieser Reisenden warfen sich die Zwantzer Juden vielsagende Blicke und leise Bemerkungen zu. ״Woher die wohl kommen mögen?־‘ frag der ein«, seinem Nachbar zublinzelnd. ״Wahrscheinlich vom Kasimirower Jahrmarkt.'4 ״Das Geschäft scheint gut gegangen zu sein.“ ״Sicherlich, sonst wären sie ia nicht so lustig.“ ״Leichtes Brot!“ ״Geschicktes Völkchen.' ״Aber wieviele ihrer Brüder haben schon am Schafott, am Galgen geendet!" ״Nu, Brüder, da können wir auch enden, obgfefch wir keine Taschendiebe sind. Der Pan darf es bloss wollen — und der erste beste von uns muss am Querbalken baumeln.“ ״Wenn es Gott nicht will, wird es auch der Patt nicht wollen, mein* ich.“ »Und wenn es der Pan dennoch vvUI?"