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Jüdische Rundschau · 1907-03-29 · Heft 13-14 (29.3.1907) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 13-14 (29.3.1907)
Date
1907-03-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 13/14 Stile 131 <1* 1*׳fsn.r* . v JÜDISCHE RUNDSCHAU Bürgerrechte und den gleichen Schutz gewährt, wie den übrigen Bürgern. Aber dieser demokratisch-liberaie Staat w:ar modern genug, das zu versprechen und die vertrauensseligen Juden statt dessen so zu behandeln, dass die Zeit der vorherigen Verfolgung ־wie ein goldenes Zeitalter aussah. Die europäischen Mächte, die das Türkische Reich oder China um jeden einzelnen Missionar bedrohen, der seinem Berufe zum Opfer fiel, der ihn in den Aiigen wilder und* unkultivierter Chinesen oder Muhammedaner dauernd ihr Heiligstes antasten lässt, rühren keinen Finger, wenn in Kischiriew oder in Hornel und in den viertausend Pogromorten des heiligen Russi« scheu Reiches Greuel verübt wurden, wie sie auch das schlimmste Mittelalter nicht ärger gesehen hat. Gehören doch die Verfolgten der ״niedrigerenStufe“ derWeltkuItur an, während die Russen seit bereits einem Jahrtausend die h ö h c r c Stufe erklommen haben. Ja. wenn es Dänen oder Liechtensteiner, wenn es Luxemburger oder Andorraner väre.f. da würden die Mächte zusammentrcK-n, um in dieser völkerrechtlichen Frage ein 1 gebieterisches Wort zum Schutze der Verfolgten mitzusprechen. Aber es sind Juden, die keinen nationalen Staat, und wäre er noch so klein, haben und die man deshalb unterdrücken kann, well es nirgends eine völkerrechtliche Instanz gibt, die sich ihrer ammuniL Man kann aber a*1ch gar nicht erwarten, dass sich Staaten der rumänischen Judtvi annelimen. die selbst den Juden nicht Wohlwollen. Das gilt nicht bloss vom blutigui Russland, wo das Judenmorden zum Regierungs־ knnzept gehört. Aber kann das Oesterreich in Rumänien ein Wort mitsprechen, von wo aus in allererster Linie die Hetzapostel heriibcrkanien. Das war ia schon bei dem Besuch des Wiener Oberbürgermeisters Luegei im vorigen Jahre bekannt, dass er nur den Zweck batte, die Gewalttätigkeiten gegen die Juden von langer Hand vor- /!:bereiten. Und die andern Staaten haben alle ganz inidere Interessen, ״nationale und internationale Püichtec“, als dass sie der Jucfcn wegen einen Finger rühren sollten, den sie sich vielleicht verbrennen könnten, l'nd die Politik s p r i c h t ja natürlich immer von Kulturinteressen und vom Fortschritt und vom Christentum, aber es wäre doch töricht zu glauben, dass irgend ein Staat Irgendwie für diesen Fortschritt oder die Kulturinteresscu eintreten würde, ohne dass er auch den baren Gewinn davon für sich und seine Nation einstreichen, könnte. . . Darum lässt man die Bauern sengen und brennen. Es ist Ia eine i n ne r e Angelegenheit Rumäniens. Datum liess man zu, dass die »umänische Verwaltung seiner Zeit ausgetriebene Juden einfach in der Donau ertränken liess. Es ist ja die innere Angelegenheit eines Landes. Darum wird ohne Einspruch die Organisierung der Judemnctzeleien durch die rumänischen Verwaftungsbehörden geduldet und alle Schandtaten mitangesehen. Dsnn es handelt sich um die innere Angelegen heit eines eu ropäischchristiichen Kultur- Staates. Zwar hat der Berliner Vertrag die Bürgerrechte und den Schutz von Leib und Leben, von Vermögen und -Gerechtigkeit den rumänischen Juden gewährleistet. Abe r das libe rale Rumänien pf?if t'darauf. Denn es weiss, dass es keinen jüdischen Staat gibt, der dafür sorgen könnte, dass die Garantie der Mächte von dem Vertragspapier zu einer wirklichen Frage wird. Es ist eben f ü r 11 n s noch zu früh, ein Fest der sieghaften Liebe zu feiern. Denn wir sind zu ungebildet und ■zu zurückgeblieben, um diese Liebe als Macht in der Geschichte empfinden zu dürfen. Wir haben erst einmal die Freiheit nötig, die Freiheit für ein Volk, von dessen 12 —15 Millionen Seelenzahl mehr als */!<> in solchen Ländern wohnen, In denen sie dauernd verfolgt werden. Die Treibjagd auf die Juden hat sich in Kcsscljagd verwandelt. Wo es nur die M ö g 1 i c h - keit gibt, Juden in grossen Massen zu verfolgen, da geschieht cs. Man treibt sie mit Blut und Feuer aus Russland und Rumänien aus, man hungert sie in Galizien in des Wortes wahrster Bedeutung aus. und die Lände! der Freiheit erlassen Einwanderungsgesetze und jagen die Verfolgten über die Ozeane und Meere In die Länder zurück, aus denen sie fliehen. Was bedeutet es, dass man unsere Söhne nicht befördert, wenn sie sich nicht taufen lassen? Wir hätten längst, was uns als Burger zukommt, wenn sich nicht immer gesinnungslose Lumpen genug fänden, die um der persönlichen Karriere wfllcn ״Viel Gesundheit dem erlauchtesten Pan. seiner er- Laichten Gemahlin, seinen Kindern . . .“ ״Ha, ha, ha, weisst du denn nicht, dass ich weiter Frau tioeh Kinder habe?“ ״Nu, mag Gott geben Gesundheit denen, die später kommen.“ ״Danke bestens; was ist dir nun gefällig,!nein Lieber?“ ״Ouldenclien hab’ ich gebracht! Ach so schöne, neue, ai, ai.“ ״Was für Guldenchen, Pan Rendar?“ ״Hat’s «•er Herr vergessen? Ist doch heute der Erste. Ich nab' gebracht den Pachtzins.“ ״Deine Arrende ist futsch, du Gaunert“ ״Wieso? Warum?“ frug Zodek, am ganzen Leibe zitternd. ״Du hast den Vertrag gebrochen, du Spitztjub‘; darin heisst es, bis zum Lichtzünden, ■nicht aber nach d:m Lichtzünden. Die Lichte brennen schon bei mir telt einer Stunde.“ < ״Der erUuchtc Pan belieben w׳ohl zu scherzen?“ ״Mit dir, räudiger Hund, scherzen? Scher* dich tum Teufel, und dass du mir bis zürn Abend mit deinen Weibern und Kindern die Schenke räumst. Wenn ich dich morgen noch dort antreffe, erwürge ich dich. Fort!“ Zodek wankte, er sperrte die Augen auf vor Schreck, sein Mund verzerrte sich, und ohne es zu wissen, was er tat, griff er sich an den Kopf und schrie wild auf; ״Gewalt! Räuber! Mörder!“ 4 Ein Peitschenhieb brachte ihn wieder zum Bewusstsein, und ein Fusstritt des edlen Herrn schleuderte ihn, wie einen Stöpsel, auf die Strasse. Diese Begebenheit berichtete Chain! dem Rabbiner auf der Strasse, zu der Zeit, als Esther die Retterin der Küchlein wurde, und dies veraniasste den Greis, seine geliebte Familie zu verlassen und dem unglücklichen Schenker zu Hilfe zu eilen. Gegen den Befehl des Verwalters zog der Schenker am selben Tage nicht aus. Er lief mehrere Male nach dem Herrschaftlichen Palais, er wollte sich dem Pan Potocki zu Füssen werfen und um Schutz flehen, allein dieser war nicht anwesend, er wurde erst spät abends erwartet. Zodek entschloss sich, am Hauptportal des Schlosses zu warten, und sollte darüber die ganze Nacht vergehen, aber Woickowski hatte ihn bemerkt und befahl zweien Halduken, Ihn bis• an die Schenke zu jagen. Abgehärmt und zerschlagen kam Zodek daheim an und wollte sich aus Verzweiflung erhängen; seine Frau aber

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