Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1907)
- Issue
- Heft 11 (15.3.1907)
- Date
- 1907-03-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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* i Ko. H fimtf «kr spanischen Juden 1492 habe» sich,die.Zurückbleiben die mindestens nach vivk» Zehntaasende» zu r&hfcn sind, In der Tat unter den Spaniern fast völlig aufgelöst. Aber hier zeigt siel► wieder die Sclhsiremjguug der jüdischen Rasse von fretnden Hinte. Diese Juden, die Marannen, haben soviel jüdisches Blut b» die Bevölkerung CasttHens und Arragonicns gebracht, dass kaum eines der Heutigen vornehmen spanischen Oeseh!echter juttenrei» sei» dürfte; von ihnen selbst aber fanden nur diejenige» den Rückweg zur jiidiseben Haupt- »nasse, die ihre Rasseurcinhcit zöh gewahrt batten. fn den übrigen Ländern, in denen Juden wohnten, ist eine nennenswerte Rassemnisehuttg bis zum Ende des Mittelalters vor vornherein ausgeschlossen. Der Gegensatz der jüdischen׳ und nicht jüdischen Welt war unüberbrückbar. Und für unsere Frage reicht der Begriff des Mittelalters bis zur französischen Revolution. . In» 19. Jahrhundert beginnt - wenigstens für die Juden Westeuropas - eine neue Periode der Rassemnischung, die »och in dauerndem Fnrtschrtiten begrifien ist. Zurzeit betrügt für Deutschland die Zahl der jüdischen Mischehen etwa der rein indischen Ehen, eine für die Erhaltung der Juden als Rasse erschreckend hohe Ziffer. Doch auch hier greift die bereits mehrfach erwähnte ..Selbstreinigung" der jüdischen Rasse ein. Es ist eine bekannte Tatsache, dass die grosse Mehrzahl der Kinder aus Mischehen dem hideutmne cndgiltig verloren geht. Das nichtjudische Blut also, das auf dem Wege «1er Mischehe sich mit indischem vermischt 11;• t. wird mir /.um hlcii eii Teil w eiter unter den Juden verbreitet, zum grössten Teil wird es wieder ausgeschicdcn, indem es sich weiter nur wieder mit christlichem vermischt. Arthur Ruppin schätzt in seiner ־.• »rzüglieheii Arbeit 1") mit guten Gründen die Zahl der Kinder aus .Mischehen, die heim Judentum bleibcu. au! etwa 10 f.i> der Mischlinge. Darnach sinkt, wenn wir den Vererbungseinfluss von Vater und Mutter gleichsetzen, die Menge des niJitjüdisclien Blutes, das sich mit jüdischem in Deutschland wirklich vermischt, auf etwa So wirken Taufe und Mischehe, die an der Zerstörung des Judentums gentcii.sam arbeiten,!!Ir die Reiücrhaltm.g der jüdischen Rasse einander entgegen. Jedoch auch diese Ziüer gilt ia nur für die letzten Jahrzehnte und für einige Länder Westeuropas mit relativ geringer jüdischer Bevölkerung. Im grossen um! ganzen können wir den Satz aussprechen: Die jüdische Rasse ist aus 200Ojübriger -Zerstreuung fast rein h e r v o r g e g a 11 g c n. Wir wenden uns zu den Jugendtagen des Jüdischen Stammes in!* *alustiii'1. Hier bildet tms die jüdische Rassengeschieht» ein ähnliches Bild wie jede andere: Die stärksten Vermischungen finden statt, wenn ein Eroberervolk sich in eüiem bereits besetztet! Gebiet eine Heimat sehafit. Die Bevolkerung, die die Juden beim Einfall in das Land vorfanden, bestand aus zwei durchaus zu trennenden Gruppen. An de!! Grenzen, im Osten und Sfidosten, sassen semitische, den Juden aufs nächste verwandte Stamme, die Moabiter, Aimuoniter, Midjaniter, Edotniter. Sie waren nur die Vorposten der grossen semitischen Völkerwelle. die auch die Juden nach Palästina warf. .Mischungen mit ihnen haben sicher stattgefunden; noch zur Zeit des Masmonücrs Jnchatir.n Hyrkan wurden die Edomitcr in die jüdische Gemeinschaft gewaltsam auigenommen. Aber diese Kuni/.ungc» mit nah verwandten Bruder- Stämmen konnten auf die Klassenstruktur der Juden kaum verändernd clnwirken. Weit wichtiger für uns sind die nichtscmitisehen Ktuiaauäei hn Lande selbst. Nach dem Bericht der Bibel waren sie der Vernichtung geweiht, und die eheliche Gemeinschaft mit ihnen ,ד Rnppln. Die Juden der f)egenwart. Berlin t*XM. SeiteJJ3 aufs Strengste verboten. Dass nichtsdestoweniger Mischungen In grosser Zahl vnrgckotnme» sind, steht fest und folgt aus anderen Stellen der Bibel. Diese Stämme kehren immer mH dcifsclbeu Bezeichnungen wieder' Hittiter. Emorhcr, Kanaanittr, Perisitcr, Chiwwiter, Jebusiter. Von ihnen mussten die Juden grössere Teile im Lande lassen. Dafür zeugen die?teilen Jos. XIU, 13, Rieht. I, 21, 28, III, 5, Josoa IX und ähnliche. Noch zur Zeit Davids sitzen die Jebusiter in der Burg Jerusalems, und noch unter Salomo werden die Reste dieser älteren Bevölkerung /.tun Frohndicn-st beim Tempclban »craugezogai. Bathseba, das Weib Dawids r.nd Mutter Salomos, war vorher die Ei au des Hittiters Uria, den Dawid so schnöde durch den berüchtigten Urias-Bricf aus dem Wege räumte. Aehimclech, der Gefolgsmann Dawids, war gleichfalb ein Hittiter, ein anderer, Chusciiui, auch kanaatiäischen Stammes. Arawnab, von dem Dawid die Tenne auf Moriah erstand, war ein Jcbusiter, der in Erleden in der Stadt wohnen blieb. Simson nahm philistüische Frauen. Zwei von diesen kanaanitischen Stämmen stehen durch die neuesten Atisgrabuiigstondc und die Theorien, die sich an sie knüpfen, im Vordergründe des Interesses: die Hittiter und die Amoriter. Die Hittiter, ein nach den neuen Funden in Teil Awarna. Sendschirli, Boghazkui etc. zur Zeit der jüdischen Ein wänderung mächtiges Volk sollen der Stamm sein, der dic Kurz köpfigkeit der heutigen Juden dmclt starke Mischung hervorgehrahet hat. Conder15) und Alsberg reeimeten sie zu den wcstmoiigolischcu Rassen, seit Luselum's'O Forschungen aber stellt man sie eng mit d׳*n heutigen Armeniern zusammen, mit Jenen sie auch nach .lensen' •) in ihrer Spruche verwandt sind. Lusehan macht auch daraui aufmerksam, wie stark Juden t»tid Armtnici in ihrer äusseren Erscheinung sich ähneln. Weitere Parallelen hat auch Ruppin14) gezogen. So elegant die Theorie Luschaiis aber auch ist. und so wenig man Mischungen mit Hittitern leugnen kann, die BrachyceplnUe der Juden lässt sich doch kaum von den Hittitern ableiten. Drei Viertel der Juden sind brachycephal. fit Palästina aber spielte» zur Zeit der jüdischen Einwanderung die Hittiter nur roch eine geringe Rolle; sie waren durch dic Kriege mit Ägypten und das Vordringen der Amoriter weiter nach Norden gedrängt. Noch eine Reihe anderer Gründe, deren Auseiuandersetzung einem geeigneteren Orte Vorbehalten!)leibe» muss, sprechen gegen diese Theorie, die aber jedenfalls für die jüdische Rassscnforsclu.ng eine starke Anregung,gebracht bat. Dic Amoriter hatten den grössten Teil des Lindes iime. Sie fassen im Ostjordanland, vom Toten Meer bis zum Henmui (V Mcs. 4, 48), im Jordaiital bisan den Tibcriassec (Jos. 12, 3). Im Westen im ganzen Land Juda. Nach den Darstellungen auf ägyptischen Denkmälern hüit man sie heute meist für einen Indogermanischen Stamm. Sie sollen hochgewachsen, blond*־ haarig, blauäugig und langschftdelig gewesen sein. Daher leiten Alsberg und Lusehan aus einer Mischung mit ihnen die Blonden und Blauäugigen unter den Juden ab. Nach den oben gegebenen Zahlen müsste auch diese Mischung sehr stark gewesen sein. Aus dieser hübschen Hypothese würde es sich befriedigend erklären, dass sich Blonde unter den Juden aller Länder und auch nicht erst in neuester Zeit zeigen, denn diese Erwerbung der Blondhelt läge ja weit vor dem Beginn der indischen Zerstreuung. Aber auch hier erheben sieh Bedenken gegen die Theorie, die mit den Daten der Schädelforschung nicht im Einklang steht. ״) Conder, Hitt'tte ethnoU gv. Journ. Anthrop. Inst. ibb?. *ג) Luschau, Die anthropologische Stellung der Juden. Corresp.-BI. d. deutsch. Ges. i. Anthrop. lhV2. u) fensen, Hittiter und Armenier. 1898. u) Ruppin. Juden und Armenier. Zeitschr f. Demogr. u. Stat. d. Juden. Jahrg. MW. י'***יןףייו^||יי^;י•