Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1907-03-15 · Heft 11 (15.3.1907) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 11 (15.3.1907)
Date
1907-03-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/2651273-2651500-2651512--04490-2661466
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Wo.־, H JÜDfSCtttf RUNDSCHAU :־ . . . . Seite *109 •tili״eJxjr e m* 1 f'J 11\! c n -äyMi'ilift tisch 'der moslemischen Rechtspflege ans,1 deren Feilheit und Parteilichkeit Kegen : Ahdcfsgläiihlgc, A»re sie nidht fürchtet, bekannt sind, und •Verweigert Hhtten die französische *Nattiratrsätion, auch, •Wmi sie vollkommen europäisch gebildet sind, und französische akademische Titel besitzen. Zwanzißiah- •riire äiufscniitisclie Hetze m der Presse und im Schrifttum. haben cs durchsetzt, dass im allgemeinen Sprachgebrauch .,Prauzosc“ und ״Jude״ gegensätzlich airVcwendet werden, selbst von solchen Franzosen, die 1! ..יי keiner Spur von Judenhass bewusst sind. In England ist die Regierung den Juden außen-; ,scheinlieh ־־wohlgesinnt, Wenigstens ilowef *däs: östairikauisehe Angebot des Mr. Cliatnberlain darauf hin. Juden erhaben den Anteil von Titeln. Ehren und 11011211 Aemtcrn, der ihrem Wirken und ihren Opfern für die au’der Regierung bcfuidllehe Partei entspricht. Das hat aber *ins Ministcriihti des Mr. Baltour nicht verliindort. Im Mai 19115 die'berüchtigte .AIic!!־Bill elüzubringeV. die eine "Verleugnung der ■*rühmreichVn Ueberlieierillig englischer naslfrcimdschaii gegen Verfolgt.* ist und deren Härte bereits viele uiigliieküclie' Flüchtling־;? aus Russland erfahren mussten, obschon die Regierung d:s Sir Henry .Campbell Baimerman üne mildere An- Wendung des Gesetzes vorschrieb. Die Vollzugsbeamten •scheinen sieh um die neue Verfassung wenig zu kümmern und jedenfalls hat die liberale Regierung noch keine Neigung gezeigt, dass hassenswerte Gesetz aufzuheben. das ihre Partei doch lebhaft bekämpft hat. als sie noch ii! der Opposition war. Auch andere Gesetze, wie das von dem Lord Avebury, einem Liberalen ל dngebraclit. über die sonntägliche Schliessung der (icschufte - Sunduy Clotiugbill haben eine unverhüllu* Spitze gegen die Juden. Grosse Blätter, namentlich solche* di? um Volksgunst buhlen, und emsig bemüht sind, den Yolksgeselimack zu erraten, und ihm zu schmeicheln, w ie Daily Mail, *nehmen eine immer ausgesprochenere antisemitische Färbung au und lassen ein Urteil darüber zu. wie der Wind wellt. Manchmal kommt es zu offenen Ausbrüchen von Judenhass, die einen erschreckenden Einblick in die gewöhnlich verborgcneit Untergründe der Volksseele gestatten. In Limerick genügte die S01:ntag.>predigt eitles fanatischen katholischen •'peisflichfcn/'fadr “die Jüdischen*' Bewohner der Stadf als Aussaitgcr der chriktHch:ä 4‘BcVölkcri1ng. als. Schwindler, Betrüger, * ־lind Schmarotzer * brand- ,marktet uni einen, so Verbissenen: Und . nnbeugsamzit ’Boykott, der jüdischen Geschäfte herbeizuführen, dass eine junge, aber blühende Judeugcmeiude' sich attflöstc und die. meisten Juden'die Stadt verlassen mussten. .Mitten, in, dem fast mir von* Juden bewohnten Londoner Stadtheziik von Whitechapel konnte aip tö. Oktober Hu Grafsehaftsgerichtslm! bei der Verhandlung des Falles Wechsler,’der Klage eines'nach seiner Behauptung zu Unrecht entlassenen Synagogenvorbeters der Richter Bacon den. Ausspruch, tun: .,Uh glaube nicht, dass der Ekl. wie er. ip unseren Gerichtshöfen auierlcgt wird, für das Gewissen des Juden' so bindend ist. wie wenn der Fidcsicister in der Synagoge schien Talit anliättc und die Gcsetzesrolle in die Arme nebmcti \vfnde.״ Fs ist nicht bekannt geworden, dass ein einziger englischer Jude dyn sittlichen Mut.gehabt!lattc. gegen diese eines Russen (•der Rumänen würdige, ricf1tcrli.be * Acusseruug. die den Juden allgemein eine Neigung zum Meineid unterstellt, Finspriicb zu erheben. Bit Vereinigten Staaten sind nach der Versicherung iiidiseher Fnthusiasten das neue Zion Israels־. In diesem neuen Zion sind aber die Juden auch :jjclit durchweg auf Rosen gebettet, vorausgesetzt, dass sie überhaupt hii cingclangen. was durch die Einwuiiderungsgcsctzc und durch die harte Handhabung iirnucr mehr erschwert wird. Die Zeichen mehren sich, dass die Volksstimnumg van Hetzern langsam. Joch erfolgreich antisemitisch vergittit wird. Strassenheizeii gegen jüdische Hausierer. Arbeiter und Kinder sind.in den von Pöbd bewohnten Vorstädten von New York. . Philadelphia usw. nicht selten. Die Polizei schreitet in solchen Fällen spät und lässig ein. Ein Buch wie (1. )1. Warners ״The Jewish S pect re“ (Das Judengespenst), das Houston Stewart Chamberlain. Dnimont oder Ahlwardt geschrieben haben könnten, war imstande, Beachtung und starke Verbreitaug zu finden. Lediglich um den Juden unangenehm zu werden, forderten die Nachbarn der Synagoge in Potighkcrphic bei New York di.* Schliessung oder Verlegung des Bctluuises*. weil sie durch das Schofarblasen »elästigt wurden.. In der 1905er Tagung, der Staatsgesetz.- ״Scherzest dir auch nicht?־־ fragte das Mädchen •pnd sfifr-dar Greisiforsdieud;in. ~ ־ ״ .־' . .'־ ״'Aber Esthe•־!' Hat dein <irossvater schon jt-mnls gelogen, w ie?“ ״Ach nein, nein? Ich habe mich m mir so . . . so verplaudert in meiner Dummheit! Verzeihe ü sei nicht böse. Grossväterclien!“ Ein Jude trat an den Rabbiner heran und unterhielt sieh lebhaft mit ihm. Esther zog ihre llattd aus der des Greises imd ging zur Seite. Da bemerkte sie einen grossen Stern in der Nähe. Wie eine Gemse sptaug sie gewandtauf ihn, legte die Hände auf dem Nacken zusammen, warf das Köpfchen graziös zurück, musterte aiifmerksatu den ganzen Platz und iicss ihren Blick über Passanten und die verschiedenen Haustiere schw eifen, die phlegmatisch und gemessen den Platz von einem Ende zum andern massen. In dieser maferlschen Stelhing verharrte sie einige Zeit. Die Sonne beleuchtete 80 vorteilhaft die reizende Erscheinung« dass alle Vorübergehenden unwillkürlich innehielten, um dies bezaubernde Bild aiiziistauncu. ~ Nach ihrem jugendliehen Gesicht zu urteilen, mochte Esther zehn Jahre alt sein, obwohl sie durch'ihren ebenniässigen, grossen .Wuchs'und durch ausgebildcte Formell bedeutend älter aussah.. Fnd während sonst Mädchen in diesem Ern- .WiekcluiigsStadiiim das wenig verlock ende Bild _ eines blassgrfincn Würmchens, das sich zu eine.!; Schmetterling zu entwickeln beginnt, darbitten, war Esther oder Etja schon, schön wie eine üppig auiWnhcndc Rose Jerieho's. Die Züge des brünetten, sammetweichen, ovalen Gesiclitelicns waren in ulltn'Winkeln und Umrissen regelmässig, so vollendet, als sei es eben aus dem Genie und dem Meissel eines klassischen Künstlers hervorgegangen. Die klare, etwas gewölbte Stirn und die zarten, von einen*. Netz :einer biauer Acdercheu durchzogeucn Schläfen "uicii weniger brünett und verliehen ünrui ihre entschiedene Klarheit den runden, leichtgeröteten Wannen eine besondere Frische. F.i1׳ klassisches Naschen, mit durchsichtigen beweglichen Flügeln, eine volle, etwas aufgeworfene Oberlippe, von einem zarten Scliw׳aiienflauin bedeckt, ein rundes, oft ohne sichtliche Veranlassung zuckendes Kinn zeugten von einem höchst nervösen, feurigen und ungestümen Naturell. Dies kindliehe Gesiclitelicn wurde beleuchtet von zw ei grossen, schwarzen Augen von einem entzückende!! originellen Schnitt. Diese Augen schienen der grössten Exzentrizitäten fähig - zu entflammen in heller Glut iimcrn Denkens und Empfindens, dann allmählich zu erlöschen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.