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Jüdische Rundschau · 1907-03-08 · Heft 10 (8.3.1907) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1907)
Issue
Heft 10 (8.3.1907)
Date
1907-03-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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«•fry-ir_ JÜDISCHE RUNDSCHAU '_sdle 97 Boden des Vaterlandes bewegen muss, die zugleich die * Existenz tmseres Stammes und unseres Judentums; sichern soll, wird uns aufgedrängt. Daneben geht die grosse Arbeit einher für die Gesamtheit aller Juden und für das ganze Judentum. Auch das ist not- Nvcndige Judenpolitik; Wir körnten uns der einen so wenig wie der andern nicht entziehen. Es gilt den Kampf für-unsere Ehre, für die Ehre und Zukunft des Judentums. ־ * ־;A. H. H. L. . . . ׳ * - t i. 4 * . '.־ Reale Palästinaarbeii ־ Von Professor O. Warburj׳. Der Zionismus ist keine durch strenge Dogmen schar! abgegrenzte Theorie, sondern eine dauernd im Flusse befindliehe Bewegung, die schon in den ersten 10 Jahren ihrer ,Existenz sehr wesentliche Entwicklungsphasen durchge.mchl hat. Wählend die erstem Jahre der zionistischen Bewegung, hauptsächlich der Vertiefung der Idee, der Ausbildung und der »\r\vcUt־ft״ig der Organisation sowie der Anknüpfung von Bc- ./icknngen zu politisch massgebenden Kreisen und Persönlichkeilet: gewidmet wäret׳, blieb es den letzten Jahren Vorbehalten, der praktischen Arbeit in Palästina eine grössere Geltung zu .verschaffen urd de.־ Entschluss des VI. Baseler Kongresses, eine mit Geldmitteln dotierte Palästina-Kommission zu schaffen, ist in dieser Beziehung gewissennassen. ein Markstein. Der Palästina-Kommission wurden im wesentlichen :•׳!- gendc Auigaben zugewiesen: 1״ Die wissenschaftliche und praktische Erforschung Palästinas und der anliegenden in Betracht kommenden Lätulu in wirtschaftlicher, technischer, rechtlicher und geographischer Beziehung. 2. Die Errichtung einer Versuchsstation für agronomische und technische Forschungen. , ־ . 3. Die Errichtung eines landwirtschaftlichen und technischen Auskunftsburcaus (Auskunft über Bodenpreise, ' Qualität, Erwerbsgelegenheiten und IndustrieverhältnLssc). 4. Pie Errichtung einer Umersncliungsstation zwecks Studiums und Bekämpfung der endemischen und infektiösen Krankheiten. . 5. Die Herausgabe einer Zeitschrift für Palästiuakumie mit Berücksichtigung der Lebcnsve-hältnissc der indischen Kolottieen in Palästina und den Nachbarländern. Entsprechend diesem Programm wurden denn in den ersten Jahren auch hauptsächlich wissenschaftliche und praktische Forschungen seitens der* Palästina-Kommission angestellt, sämtlich Untersuchungen geographischer, kindwirt־ schaftlichcr und geologischer Natur, ausserdem die Monatsschrift ALTNhULAND begründet, mit dem Untertitel: ״Zeitsclirift zur wirtschaftlichen Erschliessung Palästinas“, die Jetzt, nachdem sic .3 Jahrkäuge vollendet hat, unter den» PALÄSTINA als Organ sämtlicher in Palästina arbeitenden Vereine, fortgesetzt wird. ׳ . . . Auch die Errichtung einer landwirtschaftlichen Versuchs- Station wurde wenigstens cfngelcitet, wenngleich wohl noch Jahre vergehen werden, bis die hierfür nötigen Fonds zusamnicngebracht sein werden. Die Errichtung eines landwirtsclutfthehcn und technischen Auskunftsburcaus wurde gleichfalls in Angriff genommen Nachdem der Versuch, ein sich selbst erhaltendes Landburcau zu begründen, sich als verf.-tiht erwiesen hat;c, und da zur Erhaltung eines solchen Bureaus die zinnistischcrseits verfügbaren Gelder nicht ausreichen, so ist jetzt neuerdings ein allgeiuem-jüdischcs Auskiinmbureau in Palästina begnmdet worden, das schon eine lebhafte 1 ätigkeit entfaltet. Die Gründung der Untersuchung? Station für endemische und infektiöse Krankheiten konnte dagegen leider noch nicht in Angriff genommen werden. Es ist klar, dass alle diese Untersuchungen nicht von den Zionisten allein unterhalten werden können; die Zionisten sind aber bcrufen, die Initiative zu ergreifen, die zur Durchführung erforderlichen Mittel zu sammeln und sich einen gewissen Einfiuss hei der Leitung dieser Institutionen zu sichern. Neben diesen Forschungsarbeiten w isseuschaftiich-w irtschaftlichcr Natur und den organisatorischen Arbeiten behufs Entwicklung Palästinas in kultureller und wirtschaftlicher Be- Ziehung betrachte! aber die Kommission die Verbreitung der Palästir.akcnntnis als eine ihrer wichtigsten Aufgaben. Gerade in bezug auf Palästina herrschte bis vor kurzem unter den Zionisten wie überhaupt unter den Juden, noch eine erstaunliche Unwissenheit: die Kommission betrachtet cs als ihr Verdienst, dass fetzt, ausgehend hauptsächlich von der studierenden Jugend, allmählich eine nüchterne tmd richtigere Betrachtung Platz greift.' Nicht nur die Monatsschrift ALT- NEULAND hat hierzu beigetragen, sondern auch die drei Ferienkurse, welche die Kommission veranstaltet bat, sowie der akademische Palästinakursus, der mehrere Semester hinstechenden Sonne mit der flachen Hand schützend, dem am Horizont sich abspiegeknlen dunklen Punkt. — Am meisten regten und bewegten sich, liefen und rannten die beweglichen Kinder Israels, die stets begierig auf Neuigkeiten und für das geringste Tagesereignis sich lebhaft interessierten, selbst wenn dieses Ereignis ihre eigener. Interessen in keiner Weise berührt. Und die Juden bildeten den grössten Teil der Bevölkerung in dem gutsherrlichen Flecken Zwantz. ~ Der Marktplatz war das Zentrum der jüdischen Einwohnerschaft und die Arena ihrer Tätigkeit. Dort wimmelte es von Juden. Jüdinnen und ihrer zahlreichen Nachkommen- Schaft. Auf jedem Schritt waren dichte Haufen um irgend eine ״lebende Zeitung“ gruppiert tmd hörten, in sichtlicher Erregung, der erschrecklichen Neuigkeit zu. Gegjen Mittag war der Platz von einer dichtgedrängten Meng;* bedeckt. Alle plapperten durcheinander. Die einen überlegten ernstlich, an ihren Bärten zausend, andere sprachen laut ihre Meinung aus, wieder andere lächelten schlau und machten ihre Glossen und w iedertim andere tauschten mit kreischender Stimme mit ihren von ׳ weitem stehenden Freunden tmd Bekannten ihre Ansicht aus. Auf dem Marktplatz entstand du wirres ־Durcheinander, wie au einem Jahrmarkt. —•־ ־ ’ Aus einer kleinen, sehr sauberen Hütte, die an der alten, baufälligen hölzernen Synagoge eigenartiger Architektur wie eine Klette klebte, und deren drei winzige Fcustereiten und eine niedrige Türe nach dem Marktplatz hitmusgiiigeii, trat ein greiser Jude und richtete seine eiligen Schritte nach dem Zentrum des Marktplatzes, wo die Menge immer noch zunahm. Kaum hatte er zehn Schritte zuriiekgdegt, als ein Fenster in der Hütte, aus welcher er gekommen war, hastig aufgerissen wurde und in seinem Rahmen erschien das reizende Köpfchen eines schwarzlockigeu Mädchens. — ״Orossvaterchen! He, Grossväterehen F Der Greis blieb stehen und wendete den Kopt rückwärts. ״ ״Was, mein Kind?“ trug er zärtlich mit eibrierendvr männlich tiefer Stimme. ״Brenut's? Wo brennt es. he?*‘ ״Beruhige dich, E$therd1ctt, es brennt nirgends. Gott behüte uns davor. ^Wie kommst du auf diese Idee, törichtes Kindt“ ״Nu was ist’s denn sonst? Warum laufen und schreien ׳denn die Leute?“;,Darnach will ich mich eben erkundigen. Warte oiit wenig, ich werd’s dir dann sägen. Schliesse das

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